Mittwoch, 20. Juni 2018

Review: Burkhartsvinter - Hohenkrähen (CD, Total Death Records - 2018)

Gute zwei Jahre nach ihrem Erstling Burkhartsmal, welchen ich damals auch einer ausführlichen Besprechung unterzog (zu finden >>hier<<) und den ich mit in meinen Jahresrückblick aufnahm, veröffentlichten die süd-deutschen Recken BURKHARTSVINTER mit Hohenkrähen jüngst ihr von vielen bereits sehnlichst erwartetes neues Werk. Bei diesem handelt es sich um ein gemeinschaftliches Projekt zwischen der Horde, Total Death Records, welcher die CD-Version veröffentlichte und Worship Tapes, welcher für die Kassetten-Fassung verantwortlich zeichnet. Die folgende Besprechung beruft sich auf die CD, welche leider das Tape-exklusive Zusatzlied vermissen lässt...


Zunächst einmal ein paar Eckdaten zur Horde. BURKHARTSVINTER wurde um das Jahr 2013 von Hellstone gegründet. Ursprünglich war BURKHARTSVINTER als Solo-Projekt konzipiert. Nach ersten Aufnahmen stießen dann aber Shrvyneshynder am Schlagzeug und Mordbrand am Bass hinzu, welcher sich jedoch noch vor den Aufnahmen an diesem Album von der Band trennte. Seinen Part auf Hohenkrähen übernimmt Wendul (u.a. ex-WOLFSBLUT und RUNENTHOR).

Die CD kommt in zwei Ausführungen: einmal als normale Jewelcase und einmal zusätzlich mit einem Slipcase, welches alternatives Artwork bietet und dazu noch einen Aufnäher enthält. Thematisch dreht sich das Album, wie es der Titel und das Cover bereits vermuten lassen, um den vulkanischen Berg Hohenkrähen bei Singen im Hegau, unweit der Grenze zur Schweiz. Das Cover zeigt den Berg samt der Burg Hohenkrähen, die so allerdings nur in der Fantasie des Zeichners existiert, da der Sitz der "Craien" im Dreizigjährigen Krieg niedergebrannt wurde und heute nur noch eine Ruine existiert. Weitere Details im Artwork lassen sich ebenfalls ausmachen: ein Mann, der am Galgen baumelt, im Vordergrund eine Bestie, die auf einem Totenschädel hockt. Diese Szenerie erschließt sich dem Hörer erst beim durchhören und -lesen des Albums, es kommt aber wohl nicht von ungefähr, dass man mit dem Cover eindeutig Bezug zu dem Text "S.G.W.G.T.C." nimmt.

Doch genug der Vorrede: widme ich mich nun der Musik. Und eigentlich geht es auch gleich nach dem einlegen der CD los: Wie schon auf dem Debüt hält man sich nicht lange mit irgendwelchen Sinn befreiten Intros auf, sondern legt gleich los. "Aachland" beginnt mit erhabenen und gleichsam räudigen Gitarren, bis ein treibendes Schlagzeug einsetzt und dem ganzen endgültig einen hymnenhaften Charakter verleiht. Auch die gezielt gesetzten Tempowechsel zünden auf Anhieb und ich weiß hier bereits nach der ersten Minute, dass hier etwas ganz Großes wartet, wenn das Niveau gehalten werden kann. Interessant hierbei ist auch, dass der Gesang erst in der letzten Minute einsetzt, was auf Grund der Fülle des Texts doch schon beachtlich ist. "Aachland, Heimatland/Aachland, Aachland/Der Herr der Krähen ist erwacht/Der Berg, er kommt euch holen". Mit dem Titel gebenden Lied geht es auch gleich in englischer Sprache weiter und nicht nur in lyrischer Hinsicht zeigt man einige Parallelen zu SATANIC WARMASTER aus Finnland. "In the woods up there/The chaos rises/Pure, cold/Once again terror reigns/Upon Hohenkrähen". Eine erste Abrechnung mit den großen drei Weltreligionen, die in dem Text als das enttarnt werden, was sie letztlich sind, nämlich ein Geschwür aus ein und der selben Wurzel, findet sich in Form von "Under Satanic Command": "Under Satanic Command/Under the Sign of Luzifer/ATTACK". Hier sind ein paar kurze Aussetzer in der Aufnahme wahrnehmbar, ob dies beabsichtigt ist, weiß ich allerdings nicht zu sagen (es könnte aber auch lediglich ein rein subjektiver Eindruck meinerseits sein, die der räudigen Produktion geschuldet ist). Mit dem folgenden Lied "Frundsberg" wird es dann wieder erhabener und sogar ein wenig atmosphärisch. Im Text wird das Leben eines Landsknechts besungen, der unter der Flagge seines Herrn in die Schlacht zieht, um zu streiten, zu rauben, zu brandschatzen und zu vergewaltigen. Ein stolzes Stück atmosphärischer Schwärze, welches mit einer Laufzeit von gut 10 Minuten gar recht episch ausgefallen ist (wenn mir dieses Wort in dem Zusammenhang gestattet ist) und im letzten Viertel ein sehr militantes Spiel offenbart, was aber auch sehr gut zur Stimmung des Textes passt. Es verwundert mich nicht, dass die Horde ausgerechnet diesen Song auswählte, um ihn vorab live zu zelebrieren und einem Publikum vorzustellen. Mit "S.G.W.G.T.C." zelebriert man anschließend die zweite Abrechnung mit dem Terror-Netzwerk Religion. Ob Christen, Juden oder Moslems... hier bleibt niemand verschont. Diese ganzen Empörungen, wenn sich mal eine Horde wagt, auch andere Religionen als das Christentum anzufeinden, konnte ich noch nie so wirklich nachvollziehen. Wieso sollte das eine weniger angebracht sein, als das andere? Schließlich ist es in Deutschland ja auch längst nicht mehr nur das Christentum, was sich parasitär ausbreitet. Wofür die Abkürzung des Titels genau steht, wird einem beim lesen des Textes klar werden, ebenso der eindeutige Bezug zum Cover-Artwork wird nun ersichtlich. Der letzte Beitrag der CD "Knights of the Deathcult" steht dem in nichts nach, nimmt aber auch wieder direkten Bezug auf Hohenkrähen: "The old fortress/In ruins, forgotten/But there's something up in there/The torches' been lightened again/The wind carries a breeze/Of total hate/The deathcult rises again/The torches been lightened//(...)//Knighthood of the heathenblood/risen from their graves again/Charge against the plague/Muslim, jewish and christian scum/Fuck you! Die!"

Fazit:
Mit Hohenkrähen präsentieren uns BURKHARTSVINTER erneut ein ziemlich düsteres, räudiges und wildes Album, welches dem Erstling in nichts nachsteht, es in einigen Punkten gar noch etwas übertrifft, wenn ein direkter Vergleich hier auch ziemlich schwer fällt, da es sich doch deutlich von Burkhartsmal unterscheidet. Ein Werk, auf dem die Horde kein Blatt vor den Mund nimmt und sich ihre Meinung und Einstellung nicht verbieten lässt, weil sie evtl. nicht gesellschaftskonform oder politisch korrekt ist. Auch, dass sich die Band gerade dieser Formen nicht scheut, spricht dafür, dass es ihnen wirklich ernst ist, und sie ihre Ideale nicht zugunsten höherer Popularität oder besserer Verkaufszahlen verraten. Die CD gibt es wie bereits erwähnt in zwei Ausführungen, wobei die Variante im Slipcase mit Patch auf lediglich 100 Exemplare begrenzt und über die Band bereits nicht mehr erhältlich ist. Interessenten sollten ergo schnellstmöglich den Kontakt zu Total Death Records suchen, um sich ihr Exemplar noch zu sichern, welches preislich mit 13,50 (inkl. P&V) zu Buche schlägt. Über die Band gibt es weiterhin die Möglichkeit in Bündeln zu kaufen (CD + T-Shirt). Die Kassette in einer Auflage von 100 Stück beinhaltet noch einen Mitschnitt eines live eingespielten SATANIC WARMASTER Covers und ist ausschließlich über Worship Tapes zu beziehen.

Schwarzmetall wie er sein soll: düster, räudig, erhaben, provokativ und Tabus brechend... eine unbedingte Empfehlung an jeden, der die alten Werte dieses Kultes noch nicht vergessen hat. HEIL BURKHARTSVINTER!


Darbietungen:
01. Aachland
02. Hohenkrähen
03. Under Satanic Command
04. Frundsberg
05. S.G.W.G.T.C.
06. Knights of the Deathcult

Laufzeit: ca. 42 Minuten




Review: Zmora - Nocy czerń, nocy chłód (CD, Werewolf Promotion - 2018)

Aufmerksamen Lesern dieser Seiten dürfte nicht entgangen sein, dass ich einen gewissen Hang zu polnischem Black Metal habe - die wenigen Leute, die mich kennen, werden ebenfalls bestätigen, dass es hauptsächlich polnische Horden, der frühen und Mitt-90er sind, die regelmäßig Platz auf meinem heimischen Plattenspieler nehmen dürfen. Die ersten Veröffentlichung von GRAVELAND beispielsweise erachte ich mehr als wichtig, allen Unkenrufen zum Trotz und auch losgelöst von dem, was man von der Band heutzutage so um die Ohren bekommt (wobei ich ziemlich angetan war von der 'Best-Of', wie man >>hier<< nachlesen kann)...


doch das soll hier jetzt nicht primär das Thema sein. Fakt ist, dass sich fernab der Horden, die heute auch im Mainstream angekommen sind und allgemein vorzeigbar sind (bestes Beispiel BEHEMOTH, aber auch MGŁA oder KRIEGSMASCHINE), sich eine zunehmend vitale Underground-Szene gebildet hat, die sich vielleicht nicht immer politisch korrekt zeigt, aber trotzdem diesen 'polish spirit' der frühen 90er atmen. PŁAGA wären da so ein Beispiel, DAGORATH (eine Besprechung zu ihrer ersten Demo lässt sich >>hier<< nachlesen) oder ARYMAN (zu deren letztem Werk ich ebenfalls eine Rezension schrieb). Oder aber eben auch ZMORA, die jüngst ihre neue CD in Form der EP Nocy czerń, nocy chłód (was in etwa so viel heißt wie Die Nacht so schwarz, die Nacht so kalt) veröffentlichten. Und was soll ich sagen? Ruft man sich das letzte Album Czarne otchłanie i martwe cienie, welches ziemlich genau ein Jahr vorher das Licht dieser kranken Welt erblickte, wieder ins Gedächtnis zurück, so muss man doch schon sagen, dass auch diese sechs Lieder umfassende EP wieder eine kleine Weiterentwicklung für die Horde darstellt (eine Rezension zum letzten Album lässt sich >>hier<< finden). Nicht, dass ZMORA nun irgendwie melodischen Firlefanz zelebrieren würden, ganz im Gegenteil bleibt man, was die Räudigkeit anbelangt seiner Linie konsequent treu, aber die Darbietung wurde um einige feine Nuancen erweitert. So bietet etwa das Stück "Na ciemnej ścieżce duszy", welches direkt nach dem Einklang erklingt, einige Passagen mit okkulten Synths, die an das erste Album GRAVELAND's denken lassen. Ansonsten sind es eher die tristen Melodien und düsteren Riffs, die hier hervorstechen. Auch lassen sich an einigen Stellen dezent geisterhafte Chöre und Effekte ausmachen ("Wilcza żądza, dziki zew"). Das alles passt wie die Faust auf's sprichwörtliche Auge, wenn man sich den Titel des Werkes beguckt. Leider erschallt dann bereits nach knapp 25 Minuten schon der Ausklang mit einer schweren Melodie am Klavier.

Fazit:
In meinen Augen ein weiteres hörenswertes Werk aus dem polnischen Untergrund, und vielleicht auch das vielseitigste Material aus der Feder der Horde bisher. Die CD erschien in einer Auflage von gerade einmal 500 Stück und ist über den Mailorder von Werewolf Promotion für 8,- Euronnen zu ergattern.

Uneingeschränkt empfehlenswert für alle, die sich an traditionellem Polen Black Metal nicht satt hören können! Jeder andere sollte vielleicht doch erst einmal einen vorherigen Hörgang wagen, bevor er einen Kauf erwägt.


Darbietungen:
01. Gdy zapada zmierzch
02. Na ciemnej ścieżce duszy
03. Martwe wstają cienie
04. Wilcza żądza, dziki zew
05. W noc czarną odejdę...
06. W zimną ziemię, czarny grób


Laufzeit: ca. 26 Minuten