Donnerstag, 16. Mai 2019

Kombi-Review: Häxenzijrkell - Des Lasters der Zauberey & ...von Glut und Wirbelrauch (CD, Amor Fati Froductions, 2016 & 2018)

Vorweg sei gesagt, dass bereits eine Besprechung zu HÄXENZIJRKELLs Des Lasters der Zauberey hier auf UBAOR existiert (verfasst von Kraehenblut), jedoch begeistert mich diese Kapelle momentan dermaßen, dass ich ebenfalls meinen Senf dazu geben muss, und gleich noch die zweite MCD ...von Glut und Wirbelrauch hinterherschiebe…








Das Duo HÄXENZIJRKELL brachte 2016 sein erstes Demo heraus, anschließend folgte im selben Jahr Des Lasters der Zauberey. Wie aus dem Bandnamen ersichtlich, beschäftigt man sich thematisch mit jenen Frauen, welche sich angeblich mit dem Teufel eingelassen haben sollen, nämlich den Hexen. Dazu werden Sprach-Samples aus alten Filmen verwendet, die atmosphärisch passend in die Musik eingefügt wurden und mich dazu veranlasst haben, mir die entsprechenden Streifen auch anzusehen…

Wir haben es bei Des Lasters der Zauberey mit einer Mini-CD zu tun, auf welcher zwei Lieder enthalten sind, die es auf eine Gesamtspiellänge von knapp 20 Minuten bringen. Lied eins (zugleich der Titelsong) ist ein schleppendes, diabolisch böses Stück, welches primitiv und dunkel daherrumpelt, und weder mit Abwechslungsreichtum, noch mit ausgefeilten Melodien aufwartet – was ich als absolut positiv empfinde! Primitiv und stimmungsvoll zugleich, so soll es sein!
Eingeleitet wird der Titel durch dämonisches Gegröle, auf Gesang wird (wie bei allen HÄXENZIJRKELL-Stücken) verzichtet; dafür aber erklingen gezielt eingesetzte Zitate aus dem tschechischen Horror-Film „Kladivo na čarodějnice“, der auf Deutsch mit „Der Hexenhammer“ übersetzt wurde (was auch die korrekte Übersetzung ist, wie mir ein Freund bestätigte, der aus Tschechien stammt). Ein sehr lohnenswerter Film übrigens, welcher auf realen Hexenprozess-Akten aus der Mitte des 17. Jahrhunderts basiert und seinerzeit (1970) in Tschechien indiziert wurde.

„Ihr werdet auf die vorgeschriebene Art gefesselt und in den Wassergaben geworfen. Für den Fall, dass ihr untergeht, wissen wir, dass ihr falsch der Hexerei gezeigt ward. Wenn ihr aber oben schwimmt, oder treibt auf dem Wasser, dann sind die Geständnisse eurer Hexerei auch vor Gott dem Herrn über jeden Zweifel erhaben. Und ihr werdet gezogen aus dem Wasser und gehängt am Hals, bis ihr tot seid.“

Mit dieser Einleitung beginnt der zweite Titel ‚Canon Episcopi‘. Dunkel, schleppend und bedrohlich in der Musik, während im Hintergrund dumpfe Laute zu vernehmen sind, welche gesprochene Worte sein könnten – schwer, dort etwas Eindeutiges herauszuhören.
Das Zitat stammt aus dem englischen Film „Witchhunter General“ (zu Deutsch „Der Hexenjäger“), dem wohl ersten Film, welcher sich der Thematik der Hexenverfolgung angenommen hat. Wie auch „Kladivo na čarodějnice“ basiert er auf teils historischen Ereignissen, in diesem Fall auf dem Leben des selbsternannten Hexenjägers Matthew Hopkins.

Darbietungen:
01. Des Lasters der Zauberey
02. Canon Episcopi

Laufzeit: ca. 22 Minuten




Weiter geht es mit ...von Glut und Wirbelrauch
Das Cover ziert ein sehr anschauliches Werk des Künstlers Karmazid, welcher auch anderen Bands bereits Titelbilder geliefert hat, beispielsweise URFAUST. Dargestellt sind hier – wie könnte es anders sein? – Hexen beim Sabbat.









Black Metal, der finster und monoton aus den Lautsprechern dröhnt, untermalt von verstörenden Drone Ambient-Elementen. Auch hier werden zwei Liedern zelebriert, die sich von der Länge her im selben Rahmen wie Des Lasters der Zauberey bewegen. Gespickt diesmal mit Zitaten aus nur einem Film, nämlich aus „Hexen bis aufs Blut gequält“, einer österreichischem Produktion von 1970, welche im Ausland zumeist unter dem Titel „Mark of the Devil“ erhältlich ist. Ein harter Folterfilm, wie ich finde, der aber auch über einen gewissen Tiefgang verfügt, da die Hexenjäger nicht bloß als plumpe Sadisten dargestellt werden, sondern durchaus auch ihr eigenes Handeln (wenn sie unter ihres gleich sind) hinterfragen. HÄXENZIJRKELL haben natürlich die eingängigsten Sprach-Samples herausgesucht und ihren beiden Liedern hinzugefügt - als Beispiel:

„Sie wird beschuldigt, ihren Embryo getötet, ihn mit Schlangen und Kröten zu einem Brei gekocht zu haben. Den Hexenbrei gerührt, und ihn sodann an der Pforte des Klosters, aus dem sie ausgestoßen wurde, vergraben. Sodass Luzifers Stelzfuß die Schwelle überschreiten konnte und die Dienerinnen Gottes, die dort vorbeigingen, steife Hälse bekamen und die Äbtissin des Klosters einen Kropf - das Zeichen des Teufels!“

Am Ende der CD sind dann die Schreie einer Frau zu vernehmen, welche auf der Streckbank stirbt, während die knarzenden Laute des Folterinstruments ihre Qualen untermalen. Sie beteuert ihre Unschuld, doch am Ende kommt der Tod – ein passender Abschluss für dieses kleine Stück schwarzmetallischer Tonkunst.

Darbietungen:
01. …von Glut und Wirbelrauch
02. Des Teufels schwarze Hand

Laufzeit: ca. 18 Minuten