Freitag, 16. Oktober 2020

Kombi-Review zu Vredensdal - Teil 1: Fealty of Diabolism (CD, Black Mourning Productions - 2019)


Mit dieser Rezension widmen sich Knochensang und ich der dunklen Kunst des Ein-Mann-Projektes VREDENSDAL aus Amiland. Da es sich in unseren Augen um eine sehr interessante und authentische Band ihrer Zunft handelt, wollte ich das bisherige Werk VREDENSDALs in besonderer Art und Weise würdigen. Dem stimmte auch Knochensang zu und so wurde die Idee folgender Kombi-Review geboren, die Magazin übergreifend stattfindet.
Knochensang nimmt sich dabei im ersten Teil für Unholy Black Art Of Ritual dem ersten Album Fealty of Diabolism an, während ich mich in Teil 2 für Schattenpfade dem aktuellen Werk The Tyrant Shade widme, denn letztendlich zeigte sich auch Adam von besagtem Magazin von der Idee sehr angetan... es soll daher auch die freundschaftliche Verbundenheit zwischen diesem Blog und Adam's Magazin symbolisieren.
Um den zweiten Teil zu lesen folgt einfach >>jenem Pfad<<

Um auch optisch die Verbundenheit beider Teile zu unterstreichen, wurde auch für diesen ersten Teil ein Foto des Tonträgers inmitten der Natur angefertigt, wie es auch bei Schattenpfade üblich ist - wobei auch hier eine Besonderheit besteht, denn es wurden jeweils beide Tonträger abgelichtet, wobei der jeweils besprochene in den Vordergrund gerückt wurde... beide Bilder entstanden im August 2020 an der Nordsee.



Der Bundesstaat Wisconsin liegt im Norden der USA und gilt wetterbedingt als kalt und vor allem sehr schneereich - beste Bedingungen also, um Black Metal zu zelebrieren!

Und genau dies tun VREDENSDAL, bestehend aus Gitarrist/Sänger Vredensdal und Schlagzeuger Lord Motkin. Die nordische Natur der Musik lässt sich nicht leugnen, sondern ruft vielmehr Assoziationen mit bekannten norwegischen Bands hervor – etwa alte SATYRICON oder IMMORTAL, hier und da aber auch KAMPFAR oder CARPATHIAN FOREST...

Bei Fealty of Diabolism handelt es sich um das erste Album der beiden Mannen - zuvor veröffentlichte man das Demo Gather, all ye Hellions, dessen Inhalt sich nun komplett auf dem vorliegenden Werk befindet, sowie die Single Die by the Sword (ebenfalls auf Fealty of Diabolism enthalten).

Musikalisch geht es rau zur Sache, meist im hohen und aggressiven Tempo, versetzt mit fiesen und kalten Black Metal-Riffs. Aber auch gewisse epische Spielarten lassen nicht missen, wie etwa im Titelsong 'Fealty of Diabolism' oder dem Stück 'At Midnight…' – letzteres übrigens auf Norwegisch vorgetragen (hier kommt der Vergleich mit KAMPFAR auf), während der Rest der Scheibe auf Englisch gehalten ist.

Hier und da erklingen auch die Töne einer Akustik-Gitarre, welche dann leicht psychedelisch anmuten, wie etwa zu Beginn des Eröffnungsliedes 'Die by the Sword', das zudem noch von einem sehr atmosphärischen Dungeon Synth-Intro eingeleitet wird.
Das Psychedelische steigert sich im letzten Stück 'Mistress of Mayhem' noch einmal ins beinahe Ekstatische, was hervorragend zur den Lyrics passt, geht es bei diesem Lied doch um Phantasien der sexuellen Natur...

Ansonsten bewegt man sich, wie bereits gesagt, zwischen SATYRICON und IMMORTAL – schnell dreckig, kalt und rau! Nicht ganz so passend erscheint mir dazu die Aufmachung der CD, auch wenn diese keinesfalls schlecht ausgefallen ist – nur hätte ich schneebedeckte Landschaften und ähnliche winterliche Themen erwartet... Stattdessen erblicken wir Menschen in altertümlicher Kleidung, die vor irgendetwas fliehen müssen – so ganz vermag ich dies nicht zu deuten. Auch führen sie Rinder mit sich, und auf einem Bild sollen diese vermutlich gebrandmarkt werden... Handelt es sich bei diesen Leuten womöglich um die ersten europäischen Siedler auf dem amerikanischen Kontinent? Ich weiß es nicht...

Textlich bewegen wir uns ganz klar im anti-christlichen Bereich. Hasstiraden gegen das Christentum werden losgetreten, und besonders auffällig ist der massive Gebrauch von Kraftausdrücken, welcher bisweilen auch durchaus humoristische Züge annimmt:

„Holding their cross like its their cock,
yet here we are...“


Satan wird immer wieder angerufen, man beschwört die kriegerischen Kräfte der Hölle und wähnt sich selbst als Streiter wider das Christentum. Stellenweise sehr kämpferisch daher auch die Musik, in sehr guter Abstimmung mit Textstellen wie:

„Welcome the bane of light
And the Horned Ones unholy strife
Glory, a warrior reborn in the graces of evil
Gather, all the Hellions!“


Neben diesen eher „erbaulichen“ Aussagen beschäftigen sich VREDENSDAL aber auch mit dunklen Themen wie Depression und Suizid. Oft genug wird diese Welt als nicht lebenswert erachtet, und man sucht sein Heil im Tode:

„So I call up the demon of sorrow,
Asking him for no tomorrow
I’d rather die than live in that shithole…“


Aus Suizid kann aber auch ein spirituelles Selbstopfer im schamanischen Sinne werden, so wie es im Stück 'The suffering Ghost' geschieht. Hier wird Bezug auf Odin genommen, welcher sein Auge und sein Leben opferte, um dadurch Macht und Weisheit zu erlangen:

„If you were dead like me 
You’de love to watch the others bleed
Drain them dry with their pride
And stand upon their rotting hide

If you where dead like me
You would dream of hanging from a tree
Give one eye for your believe
And travel down... dark paths“


Zwei weitere Themen sind Sex und Drogen. In 'Incumbent Kaos!' geht es um die Flucht aus unserer Welt/Gesellschaft mittels Drogenkonsums. Man konsumiert so viel, bis man den Bezug zur Realität verliert, denn auch in diesem Lied wird die Welt als ein Ort beschrieben, an dem man nicht leben möchte:

„I’ll drink so much to wake the dead
I’ll smoke so much I loose my head
[…]
I shut my eyes, I hope I go blind
Its easier than you think to loose your mind“


Auch gewisse Gedankengänge, die einem im Rausch kommen können, werden hier wiedergegeben:

„If I scream loud enough
- will I loose my voice?“


Das Thema Sex wird im letzten Stück behandelt. 'Mistress of Mayhem' beschreibt den Akt mit einer sadistisch veranlagten Dame, die den Protagonisten mit ihren vampirischen Foltermethoden bis zur Ekstase treibt. Die Ausdrucksweise des Stückes entbehrt wiederum nicht gewisser Kraftausdrücke und entsprechender Formulierungen, welche hier und da aber fast schon pubertär ausfallen:

„She is my witch of dreams
Bitch queen of fiends
You cannot handle the power
She moans upon my flesh tower“


Die Lyrics schwanken zwischen der Vampir-Erotik á la CRADLE OF FILTH und den Zweideutigkeiten von AC/DC (ich meine damit im Speziellen den eben zitierten "flesh tower")... Was aber der Musik in keinem Fall schadet. Wie oben schon beschrieben, geht das Gitarrenspiel dieses Liedes entsprechend ekstatisch vonstatten, leichte Punk-Einflüsse sind auch zu hören, weshalb ich hier besonders an CARPATHIAN FOREST denken musste – nicht zuletzt natürlich wegen des Textes...

Fazit:
Textlich an einigen Stellen etwas unkonventionell, musikalisch aber tief verwurzelt im nordischen Black Metal der 90er-Jahre. Rau und kalt, fies und aggressiv – VREDENSDAL wissen, wie man die schwarzmetallische Kunst zelebriert! Ein durch und durch gelungenes Album, welches über das deutsch-ungarische Label Black Mourning Productions erschienen und auf 70 Exemplare limitiert ist.

Aggression, Kälte, Hass, Depression, Sex – was will man mehr?


Darbietungen:
01. Die by the Sword
02. Frostbitten to Hell
03. The suffering Ghost
04. At Midnight...
05. Incumbent Kaos!
06. Fealty of Diabolism
07. Gather, all the Hellions
08. Mistress of Mayhem

Laufzeit: ca. 49 Minuten



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