Dienstag, 14. Januar 2020

Review: Silberbach - Séance Obscure (CD, Obscure Abhorrence Productions - 2019)

SILBERBACH aus Sachsen meldeten sich Ende des vergangenen Jahres auch einmal wieder zu Wort in Form ihres mittlerweile fünften Voll-Albums. Der Nachfolger von A Prayer of Mass Destruction (kaum zu glauben, dass dieses Werk bereits sechs Jahre auf dem Buckel hat...) hört auf den Titel Séance Obscure und hält in meinen Augen das wohl bisher ausgereifteste Material der hier als Duo agierenden diabolischen Kapelle bereit...






SILBERBACH wurde bereits im Jahr 1996 durch Athanassius, der in Lord of Dusk baldig einen Mitstreiter fand (beide verband später auch ein Gast-Auftritt bei dem ANDRAS-Album Sword of Revenge von 1999). Zwei Jahre später veröffentlichte man dann eine erste Demo-Kassette. Danach war es zunächst einmal Jahre lang still um die Horde.
Erst im Jahr 2005, also rund sieben Jahre später, erschien schließlich ihr Debüt-Album Inferno, auf welchem Lord of Dusk schon nicht mehr Teil von SILBERBACH war. Unterstützt wurde Athanassius hier von Mordred. Das Album schien unter dem Banner von Nebelfee Klangwerke und enthielt neben neuen Lieder auch zwei Bonus-Stücke, die dem bis dato raren Demo-Tape entnommen wurden. Es folgten mehrere Splits mit u.a. KRATER, MOONTOWER, MOLOCH, MOURNING SOUL, KORGONTHURUS, UGULISHI oder auch KRIEGSGOTT (zu jener Split lässt sich in den Archiven dieses Blogs übrigens auch tatsächlich eine ältere Rezension aus dem Jahr 2012 finden, zu lesen gibt's sie >>hier<<). Meistens in wechselnder Besetzung, denn offenbar ist Athanassius entweder a) Perfektionist, dem die Leistung, die andere erbringen, selten genügt, b) kein leichter Zeitgenosse oder aber c) seine ganzen ehemaligen Mitstreiter nicht gerade sehr zuverlässig gewesen. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich wie so meist irgendwo dazwischen.
Neben den ganzen Splits veröffentlichte SILBERBACH aber auch tatsächlich das ein oder andere weitere Album: So etwa Terror aus Fleisch und Blut (2007), ...There will be Blood (2009 - beide ebenfalls bei Nebelfee Klangwerke), und 2014 A Prayer of Mass Destruction über Knochensack. Tatsächlich wurde die Vinyl-Auflage, die ich besitze aber auch erst vier weitere Jahre später veröffentlicht, was erklärt, warum mir das jetzt noch gar nicht sooo lange vorkam.
Zu guter letzt sei noch erwähnt, dass, ebenfalls im Jahr 2018 die Hammerbund Kunstschmiede das erste Demo-Werk der Band erneut auf Kassette veröffentlichte.


Damit möchte ich mich nun dem aktuellen Werk SILBERBACHs zuwenden. Der Titel Séance Obscure lässt ja schon einmal ein tiefgehendes, spiritistisch veranlagtes Album erhoffen. Und, Überraschung: Genau das erwartet den Hörer hier auch.
So dermaßen atmosphärisch dicht und intensiv düster haben sich SILBERBACH in der Vergangenheit selten gezeigt - schon gar nicht in so durchgehender und konsequenter Art und Weise. Die Musik der Horde hatte ich eher immer mit kompromissloser Brutalität in Verbindung gebracht. Diese Art von Black Metal, der einem direkt in die Fresse schlägt, sich auf einen stürzt, um sich des Hörers dann mittels eines Messers zu entledigen.
Gut, eben das bekommt man hier freilich auch geboten, SILBERBACH sind da unverkennbar immer noch sie selbst und ich schätze sie seit eh und je für ihren recht eigenwilligen Stil, gerade auch was den Gesang anbelangt. Doch haben sie in ihren bewährten Stil nun noch eine ganze Menge anderer Einflüsse mit einfließen lassen, die dem Ganzen eine noch tiefere Bedeutung geben und die Musik noch eine Spur persönlicher klingen lassen.

"This is an atmospheric and powerful journey
through inescapable moments of light and darkness in our life
To be born in the light of this chaotic world
and to die in absolute silence and darkness

In a séance obscure we come along with the agitated soul
on their way to a still higher existence"

heißt es zur Intention des Albums auf der Rückseite des Beiheftes. Die Worte stammen von Athanassius selbst. Passend zu diesen leitenden Worten ist das Werk auch zwei Verstorbenen gewidmet.
Die Thematik lässt sich auch in den Titeln an sich wiederfinden: Diese sind nämlich aufgeteilt in die fünf Phasen der Trauer und des Sterbens - in umgekehrt verlaufender Reihenfolge.
Die erste Innenseite des Beihefts ist rot unterlegt und verkündet:

"And once you are awake..."

damit beginnt die Séance und 'Rhodopsinum' leitet das rituelle mit zunächst seichten Schellen ein, bis dann ein Wirbel hervorbricht. Das Erkennen der menschlichen Natur ist fester Bestandteil des Textes, daher wurde das Lied auch Der Akzeptanz zugeordnet. Was ist gut, was ist schlecht? Und was bleibt im letzten Moment eines Lebens? Was ist da noch wirklich wichtig, und was zählt.

'Nachtmahr (Depression)' lässt den Protagonisten, der am Rande seines Lebens steht, vor allem eines erkennen: Jeder stirbt für sich allein. Unweigerlich. Die Musik gibt sich immer mal wieder atmosphärischen Einschüben hin, die dann einen fast besinnlichen und introvertierten Charakter aufweisen und auch den geneigten Hörer innehalten lassen.

Auch 'Witness (Hope)' hat einige Überraschungen zu bieten, wie in etwa die ziemlich progressiven bis psychedelischen Stimmungen, die hier immer mal wieder durchklingen. Eine wandernde Seele auf der endlosen Suche nach der Hoffnung.
Dieser Stil setzt sich auch im nächsten Lied 'Eosphoros (Anger)' fort. Diese sehr progressive und zuweilen auch recht doomige Note verleihen dem Stück, seinem Titel entsprechend, eine gewisse okkulte und tiefgehende Note.

Zum Ende wird es mit 'Hereafter (Denial)' dann noch einmal wirklich brachial. SILBERBACH zeigen sich hier anfänglich in einem gewohnten Gewand, lassen mit zunehmender Spielzeit aber auch immer mal wieder diese progressiven Einflüsse anklingen, auf die dann ein erneuter Sturm folgt. Das Gitarrensolo zur Mitte hin vermag sogar okkulte Stimmungen einzufangen im Stile von HETROERTZEN's Exaltation of Wisdom. Im letzten Viertel wird es sogar noch einmal sehr atmosphärisch und auf Streicher getrimmte Keyboards erschallen und arbeiten dem unausweichlichen Finale entgegen. Eine Dystopie selten gekannten Ausmaßes, der Niedergang des Menschseins.
Die Zeremonie wird mit einem Gong-Schlag beendet.

"...you shall remain awake eternally."

verkündet die letzte Innenseite des Beiheftes, die wie bereits die erste in tiefem Rot unterlegt ist und schließt somit das Zitat aus der Feder von Friedrich Nietzsche ab. Ein Mann, auf den sich die Band ja auch nicht zum ersten Mal bezieht.

Fazit:
SILBERBACH präsentieren mit Séance Obscure ihren neuesten Streich. Und was für ein Werk das ist! Niemand hätte wohl in dieser Form damit gerechnet, zumal man die Horde ja doch irgendwie anders in Erinnerung hatte. Aber gut, wie der Mensch sich selbst weiter entwickelt, so muss sich ja auch eine Band musikalisch irgendwie weiter entwickeln. Schließlich ist Stillstand gleichbedeutend mit dem Tod des künstlerischen Schaffens. Doch SILBERBACH haben das schon sehr gut gelöst, denn die neuen Anklänge in ihrem Stil sind sinnvoll in eben jenen eingebettet und wirken zu keiner Zeit irgendwie fremd oder fehl am Platz - ganz im Gegenteil sogar, vermögen sie das Repertoire dieser eigenwilligen und eigenständigen deutschen Schwarzmetall-Kapelle nochmals enorm zu bereichern.
Die CD im Jewelcase erschien pünktlich zum 24. Dezember 2019 über Obscure Abhorrence und kann am besten auch direkt dort für den Preis von 10,- Euronnen bestellt werden.
Eine Kassetten-Fassung wurde ebenfalls veröffentlicht, unter dem Banner von Narbentage Produktionen. Eine Vinyl-Auflage wird voraussichtlich im März diesen Jahres folgen, als Ko-Veröffentlichung zwischen Obscure Abhorrence und Dominance of Darkness!
Wer zunächst einmal in das Werk reinhören möchte, der wird im weltweiten Netz nicht weiter fündig werden... tatsächlich scheint die Band noch zu jener aussterbenden Gattung zu zählen, die sich und ihr Schaffen nicht bis zum Letzten vermarktet... doch um ein Profil bei Fratzenbuch sind auch SILBERBACH nicht herum gekommen... dort gibt es auch ein Video zu dem Stück 'Witness' zum anschauen und reinschnuppern in das Album.

SILBERBACH liefern mit ihrem neuen Langspieler in meinen Augen ihr bisher bestes und ausgereiftestes Material überhaupt ab! Nicht lange überlegen - hier ist ZULEGEN die Devise!


Darbietungen:
01. Rhodopsinum (Acceptance)
02. Nachtmahr (Depression)
03. Witness (Hope)
04. Eosphoros (Anger)
05. Hereafter (Denial)

Laufzeit: ca. 46 Minuten



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