Mittwoch, 1. Mai 2019

Review: Schattenvald - ...und ewig dauert der Berg... (MLP, Schattenpfade - 2019)

Mit ...und ewig dauert der Berg... melden sich die Bayern SCHATTENVALD auch endlich einmal zurück. Immerhin liegt ihr gleichnamiges Demo bereits gute zwei Jahre zurück. Nun nahm sich das noch blutjunge Label Schattenpfade aus Krefeld dem einen Song des Demos an und veröffentlichte ihn auf einer MLP. Damit dieser aber nicht alleine für sich steht, griffen SCHATTENVALD auf bisher nicht veröffentlichte und nicht verwendete Ideen zurück, so dass die ursprüngliche Single zu einer Kompilation heranwuchs. Ob sich der Aufwand für Schmiede und Horde gelohnt hat, oder ob es sich hier doch eher um eine B-Seiten-Ansammlung handelt, versuche ich nun zu erforschen...


Doch zunächst lasst mich einmal ein wenig in der Zeit zurück reisen (im Verlauf dieser Rezension werde ich mich auch noch einmal mit der Vergangenheit des Duos beschäftigen). Gegründet wurde SCHATTENVALD um das Jahr 1998 als Solo-Projekt von Nachtsturm, der inzwischen auch in der (mir persönlich allerdings nicht sehr gut in Erinnerung gebliebenen) Kapelle CRYPTIC WINTERMOON am Bass aktiv ist. Im Verlauf ihres Bestehens löste sich das Projekt aber auch immer wieder auf. So entstanden in der ersten Phase bis 2003 drei Demos, während in der zweiten Phase von 2004 bis 2010 immerhin neben zwei weiteren Demos die Trilogie I (2007), II (2007) und III (2008) entstand. Eine Kompilation mit den beiden ersten Demos Winterland und Nachtvolk, sowie der Demo Dämmertage wurde ebenfalls noch in Eigenregie und in einer sehr geringen Stückzahl veröffentlicht. Erst im Jahr 2011 nahm man seine Aktivitäten dann wieder auf. Seit dieser Zeit agiert SCHATTENVALD auch als Duo zwischen Nachtsturm (Instrumente und Kompositionen) und Iskharian, verantwortlich für die Stimmgewalt und die Texte. In dieser Konstellation entstanden die beiden weiteren Alben IV aus dem Jahr 2013 und V aus 2017, sowie eine EP mit dem Titel Der Winterkönig, eine frühe Split mit LORD ASTAROTH (2011) und natürlich das hier vorliegende Werk...

Was mich nun auch zu diesem kommen lässt. ...und ewig dauert der Berg... macht eigentlich schon vom Artwork her unmissverständlich klar, worum es auf diesem Werk geht und um was es sich bei ihm handelt: Eine Huldigung an die Natur, insbesondere die Alpenlandschaften der südlichen Gefilde Deutschlands, sowie die Sagenwelten, Legenden und Geschichten, die sich um sie ranken. Das alles lässt sich ja auch bereits im Logo der Horde wiederfinden.

Die A-Seite beginnt mit dem etwas mehr als 15-minütigen Titel gebenden Lied, welches auch gleichzeitig den längsten Beitrag der Platte stellt. Aufgenommen und erstmals veröffentlicht wurde es wie schon erwähnt bereits im Jahr 2017 als Single und stellt, wie es die Band selbst in den Anmerkungen (die sich im Übrigen zu jedem Lied finden lassen) ausdrückt, "eine stumme Widmung an einen bayerischen Volkshelden" dar. Musikalisch betrachtet wird hier von Anfang an wuchtiger und majestätischer Black Metal mit einer sehr atmosphärischen und symphonischen Note geboten. Nichts wirklich Neues also, aber die Art und Weise auf welcher dieser Stil regelrecht zelebriert wird, dürfte jedem Anhänger atmosphärischer und stimmungsvoller Klänge Freudentränen in die Augen treiben. Und nicht nur jene werden sich hier angesprochen fühlen: SCHATTENVALD orientieren sich nämlich auch gerne an nordischen Horden der Mitt-90er und vor allem GEHENNA's First Spell sei hier einmal als Referenz genannt, was die Nostalgiker unter euch in schiere Euphorie versetzen lassen dürfte. Und das wirklich Erstaunliche hierbei ist, dass es der Band gelingt, das Geschehen über die gesamte Spielzeit spannend zu halten. Trotz Passagen, deren Monotonie nur gewollt sein kann, entdeckt man hier bei eingehenderer Betrachtung immer wieder kleine Details und neue Facetten, die den geneigten Hörer ein ums andere Mal emotional zu fesseln vermögen, seine Gedanken in die Ferne und seinen Blick über die Erhabenheit der Berghöhen schweifen lassen. '...und ewig dauert der Berg...' entpuppt sich auf diese Weise als ein monumentales Lied, welches die Umschreibung Atmospheric / Symphonic Black Metal nicht nur in allen Belangen verdient, sondern sie verinnerlicht.
Ohne großartige Unterbrechung geht es gleich über in den nächsten Song 'Der Unhold schmaust ganz ungestört', welcher in seiner Urfassung bereits aus dem Jahr 1999 stammt, in 2017 aber noch einmal komplett neu aufgenommen wurde. Diese Version liegt hier nun erstmalig vor. Das Lied, welches sich dem reichhaltigen Sagenschatz des bayerischen Landes bedient, setzt in erster Linie auf eine düstere Folklore, die aber auch ein paar atmosphärische Metal-Einflüsse offenbart, sowie mit Chören unterlegt wurde.. der Text ist dazu noch im bayrischen Dialekt verfasst und vertont worden, was die Authentizität dieses Duos nur einmal mehr unterstreicht!

"Mit schierer Kraft die Bauerleit', mit Klau'n und Horn, sie all' zerreißt!
Ka Menschenseel' es je gehört - der Unhold schmaust ganz ungestört!
//...//
Was einst geschah um Mitternacht, vor langer Zeit kein Mensch es dacht'.
Der Unhold stets die Armen sucht, das Land vernarbt, die Leit' verflucht.
So ist's bis heit' im tiefen Wald, der Unhold schreit und holt euch bald!"

Nachdem diese beiden Lieder der ersten Seite verklungen sind, möchte ich mich nun der B-Seite widmen, die vier Lieder umfasst, die größtenteils auf Ideen basieren, die um die Jahrtausendwende, also die frühen Tage von SCHATTENVALD entstanden. Aufgenommen wurden sie relativ spontan in den letzten Tagen des ausgehenden Jahres 2018, auf einem 4-Spur-Rekorder (das hört man ja auch nicht mehr so häufig heutzutage... ranziger Sound ist leider ziemlich aus der Mode gekommen, so scheint es mir manchmal - Anm.). Dementsprechend rau klingen die Lieder auch, haben auch nicht zuletzt auch gerade dadurch einen wohligen Underground-Charme, der sie sehr sympathisch macht. Nach dem Motto: Scheiß' was auf die Perfektion, Musik muss bluten! Das sollten sich die einen oder anderen Kapellen vielleicht auch mal wieder auf die Fahne schreiben... zusammengefasst bilden diese vier Lieder den Arbeitstitel Rauhnächte.
'1837', das erste Stück ist dann auch gleich die einzige neue Komposition, welche noch im Dezember 2018 entstand und handelt vom letzten großen Münchberger Stadtbrand, inklusive einer latenten anti-christlichen Haltung und einiges an augenzwinkerndem, schwarzen Humor.

"Am besten brennt des heil'ge Buch, die Seiten lodern lichterloh.
Blumma, Tischdeck und Altar stehen schon in Flammen gar!
Langsam wird dem Trinker haaß, da wacht er auf gebod in Schwaaß
Und sieht des Feier um ihn brenna, auf a mol fängt er oh zu renna!"

Die Idee zu 'Die drei Brüder' geht zurück auf das Jahr 1999, wobei der Text erst im Jahr der Aufnahmen entstand. Dort geht es um den Teufel und drei Brüder, die am Rudolphstein, dem Hort des Teufels, ein Gelage feiern. Dem Gehörnten wird das Treiben jedoch zu bunt, so dass es für die Brüder kein gutes Ende nimmt, wie sich ein jeder wohl denken kann... Der Text ist ebenfalls mit beißendem Humor versetzt
'Die Räubersleut von Laubersreuth' basiert ebenfalls auf einer alten Legende und geht kompositorisch auf eine Idee aus Jahr 2000 zurück. Der Text stammt hier aber abermals aus der Zeit der Aufnahme. Es folgt dann noch der instrumentale 'Ausklang'.

Fazit:
Wow... was für eine emotionsgeladene und packende Platte! SCHATTENVALD haben mit ihrer ...und ewig dauert der Berg... ein wahrlich meisterhaftes Werk vorgelegt, was ein jeder wohl eher an sich selbst erfahren sollte. Intensiv, erhaben und majestätisch richtet sich diese Zusammenstellung ganz klar an all' jene, die dem Atmosphärischen und dem Symphonischen im Black Metal nicht abgeneigt sind und einen Sinn für diese machtvolle Spielart haben. Die B-Seite ist zwar räudiger produziert, lässt am Ende aber auch kaum etwas von der sphärischen Majestätik vermissen, die diesem Werk innewohnt.
Die MLP kommt einheitlich in schwarz daher und umfasst eine doppelseitig bedruckte Einsteck-Innenhülle. Limitiert ist das gute Stück auf 250 von Hand nummerierte Exemplare.
Bestellungen gehen am besten gleich an Schattenpfade - die MLP gibt es dort für 16,- Euronnen, exklusive Versand. Die Schmiede hat mit ihrer ersten Veröffentlichung ein wahrlich großartiges Werk hervorgebracht (mit kleineren Schwächen im Lieferumfang... aber das hat man selbst ja auch bereits erkannt und wird das zukünftig ändern - Anm.) - bleibt zu hoffen, dass es auf diesem hohen Niveau weitergeht!
Zum Schluss noch ein kleiner Funfact: diese Schallplatte ist nicht nur das Debüt für das Label, sondern auch für die Band selbst!

Majestätischer Schwarzmetall aus bayrischen Landen zwischen Bombast und räudiger Wildheit - unbedingt empfehlenswert!


Darbietungen:
A-01. ...und ewig dauert der Berg...
A-02. Der Unhold schmaust ganz ungestört
B-03. 1837
B-04. Die drei Brüder (von Rudolphstein)
B-05. Die Räubersleut von Laubersreuth
B-06. Ausklang

Laufzeit: ca. 39 Minuten




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