Montag, 4. März 2019

Vorab-Review: Immorior - Ciel Noir (CD, Nahetal Klangschmiede - 2019)

Mit Ciel Noir erreichte mich dieser Tage das neue Werk des Duos IMMORIOR aus dem Saarland, welche am 30. März offiziell veröffentlicht werden wird. Doch wer jetzt meint, es mit atmosphärisch-räudigem Black Metal zu tun zu bekommen, der irrt gewaltig. Einen kleinen Eindruck dessen, was die geneigte Hörerschaft auf der kommenden EP erwartet, gewährte ja bereits das Video zu 'Dim the Light', was es seit gut einer Woche auf YouTube zu bestaunen gibt.




Dabei handelt es sich bei IMMORIOR um keine allzu Unbekannten mehr, konnten sie doch bereits im Jahr 2014 mit ihrem Debüt Herbstmär auf sich aufmerksam machen. Jenes erste Album ging allerdings komplett an mir vorbei und viel mehr als dass ich im Zuge meiner Recherche mal kurz in den Erstling reingehört habe, vermag ich auch nicht darüber zu sagen. Vielleicht noch am ehesten, dass sich die beiden Werke in ihrer Grundstimmung doch recht heftig unterscheiden, denn war es auf Herbstmär noch eine recht epische Atmosphäre, die auch durchaus Melancholie atmete, so zeichnet sich Ciel Noir (aus dem Französischen übersetzt in etwa so viel wie "schwarzer Himmel") vor allem durch seine allgegenwärtige Tristesse aus, die zwar auch sehr epische Stimmungen zulässt, diese aber beinahe jeglicher Erhabenheit und jedem Glanz beraubt und lediglich ein Gefühl der Trostlosigkeit zurücklässt. Das soll nun aber nicht als negative Kritik verstanden werden, ganz im Gegenteil sogar.

Die CD an sich kommt in einem einfach aufklappbaren Digipak daher, Die Innenseite enthält dabei alle Texte, hinter der CD verbirgt sich noch ein stilisiertes Siegel des Bandlogos. Die Rückseite zeigt das bekannte Logo, sowie die fünf Titel der CD, nebst Label und Kontaktadressen.

Ein wenig bin ich ja bereits auf die Grundstimmung dieses Werkes eingegangen... diese Tristesse kommt aber auch nicht von ungefähr. Befasst man sich ein wenig intensiver mit den Texten, könnte man diese durchaus so deuten, dass es hier um verlorene Liebe, Verarbeitung von Erfahrungen wie etwa der Konfrontation mit dem Tod eines einem nahe stehenden Menschen und Abfall vom Glauben geht. Eines kann aber wohl mit Sicherheit gesagt werden: Ciel Noir ist ein verdammt persönliches Werk geworden. Dementsprechend beschreitet man musikalisch betrachtet auch eher hymnische, stimmungsvolle Pfade, die sich zumeist in getragenen Midtempo-Passagen äußern, dann und wann aber auch akustische Momente bieten, die in Verbindung mit dem Klargesang an düstere Stimmungen EMPYRIUM's erinnern oder mit langsameren Stücken aufwarten, die beinahe schon Doom-ähnliche Sphären annehmen. Auch lassen sich im Gesang Anleihen an den Gothic ausmachen, was gerade im ausklingenden Duett von 'Dim the Light' sehr gut wahrnehmbar ist.

"Through the cold space I can't see a light
Cause I know stars have to fall to shine"

...dieser Satz brannte sich mir sofort ein. Er stammt jedoch nicht aus dem erwähnten Lied, sondern entstammt dem Opener 'Underneath a broken Sky'. Zu leben mit der Gewissheit um die Vergänglichkeit von allem, lässt jeden Menschen irgendwann einmal zweifeln, doch bringt diese Gewissheit auf Dauer auch Erkenntnis und Weisheit mit sich. Eine Erkenntnis, die der Protagonist hier zweifelsohne noch nicht erlangt hat.
Im zweiten Akt 'If god may forgive' geht es um den Kampf des Protagonisten, den er mit sich selbst führt und sich dabei die Frage stellt, was wohl nach dem Tod kommen mag. Gibt es einen Gott? Und wenn ja, wird dieser vergeben? Doch wenn es einen Gott gibt, warum lässt er den Protagonisten diese Qualen und innere Zerrissenheit erleiden? Dafür kann es keine Vergebung geben!

"As long as hope won't fade away
I always will betray myself"

Mit 'Monument of Time' zeigt sich eine innere Akzeptanz des Verlustes und der Protagonist bewahrt die Erinnerung für immer tief in seiner Gedankenwelt.

"To break the circle I'll pull the strings.
Hills of despair I have climbed
To find a place where you finally can sing. Forever...
And so you will become a monument of time"

Im vierten Akt, dem bereits erwähnten 'Dim the Light' schließlich gibt sich der Protagonist seinen Träumen hin, um die Person, die er verloren hat, dort wiederzusehen. Doch lässt der Text sich auch dahingehend interpretieren, dass letztlich auch das Lebenslicht des Protagonisten langsam erlischt... damit würde sich auch das Duett am Ende wiederum erklären lassen, da die beiden Akteure der Geschichte nun endlich wieder vereint sind.
Bevor das Werk dann in dem größtenteils instrumentalen Titel gebenden Stück mit klassischem Post Black Metal und folgenden Worten beendet wird:

"...but light is still unseen"

Fazit:
IMMORIOR ist mit Ciel Noir ein wahrhaft eindringliches, emotionales und sehr persönliches Werk gelungen, an welchem für Anhänger des Post Black Metal meiner Meinung nach kaum ein Weg vorbei führen dürfte. Erstaunlich finde ich die Vielschichtigkeit der Musik, wie auch der Texte, die mit Sicherheit auf vielerlei Art interpretiert werden können (und meine ist nur eine von vielen weiteren möglichen Varianten... und es ist ja auch nicht gesagt, dass sie unbedingt zutreffend ist - ich gebe also keine Gewährleistung für irgendetwas - Anm.). Auch ließen sich die fünf Lieder auch sicher auf die verschiedenen Trauerphasen ummünzen, wenn man denn etwas in die Richtung eines palliativen Kontekts denken möchte. Manch einem mag die recht kurze Spielzeit negativ ins Gewicht fallen, doch ich halte sie genau passend zur Thematik und einfach auf den Punkt gebracht. Auch die Thematik selbst ist natürlich alles andere, als die Black-Metal-Standard-Kost.
Aber wie dem auch sei... das kommende Werk der beiden Herrschaften Nordmann und Sarghas ist in meinen Augen einfach nur großartige melancholische Tonkunst, die jede Unterstützung verdient hat!
Die CD wird wie bereits erwähnt in einem Digipak erscheinen und auf 200 Stück limitiert sein. Darüber hinaus wird es noch eine Auflage auf Kassette über Narbentage Produktionen geben, deren Limitierung sich auf 66 Exemplare beläuft. Als besonderes Schmankerl wird es direkt über die Band auch eine Box geben, die die CD, die Kassette, einen Aufnäher und ein Shirt enthalten wird - limitiert ist diese Angelegenheit auf gerade einmal 15 Stück. Zwecks einer Bestellung wendet euch am besten direkt an die Nahetal Klangschmiede oder nehmt Kontakt mit der Band via Fratzenbuch auf.

Atmospheric Post Black Metal at its best... emotionaler kann diese Form der Musik kaum klingen!


Darbietungen:
01. Underneath a broken Sky
02. If god may forgive
03. Monument of Time
04. Dim the Light
05. Ciel Noir

Laufzeit: ca. 29 Minuten




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