Dienstag, 12. März 2019

Kombi-Review: Beorn's Hall - Mountain Hymns & Estuary (Digitaler Inhalt, Naturmacht Productions - 2017 & 2018)


Aus dem Norden der amerikanischen Ostküste – auch gerne Neu-England genannt – stammen einige der bedeutendsten Geschichtenerzähler der fantastischen Literatur, namentlich Edgar Allan Poe, H.P. Lovecraft und Stephen King. 
Nun will ich nicht behaupten, dass BEORN’S HALL in deren Fußstapfen treten, zumal es hier um Musik und Heidentum geht, nicht um Horrorgeschichten. Doch manchmal traut man den Amerikanern nicht wirklich zu, dass sie in der Lage sind, alte Mythen und Legenden zu ersinnen, deren Geist eher europäisch als denn amerikanisch zu nennen ist. Doch Ausnahmen gibt und gab es durchaus, wie etwa Robert E. Howard, den Erfinder von Conan dem Barbaren oder George R.R. Martin, welcher die Romanvorlagen für „Game of Thrones“ lieferte. Und beseelt vom alten Geist des europäischen Heidentums sind hier nun auch BEORN’S HALL.

Hinter dieser Gruppe stehen die beiden Musiker Vulcan und Rognvaldr, deren musikalisches Schaffen sich aus einer vielfältigen Mischung verschiedenster Stile zusammensetzt: Rauer Black Metal, der zugleich atmosphärische Klänge aufweist; kämpferische Lieder und Hymnen; seichtes Akustikspiel und auch mal der eine oder andere „rockige“ Part; sowie Stücke, die eindeutig dem Neo Folk zuzuordnen sind. Den Hörer erwartet bei dieser Kapelle also eine gehörige Portion an Abwechslung, jedoch geht der heidnische Geist dabei nie verloren…

Zu besprechen sind an dieser Stelle die ersten beiden Alben der Amis, Mountain Hymns aus dem Jahre 2017 und Estuary von 2018. Erschienen sind diese Werke über das Label Naturmacht Productions, welches damit wieder einmal ein Händchen für stimmungsvolle, und vor allem naturverbundene Musik bewiesen hat.


Mountain Hymns beginnt mit mystischen Beschwörungsgesängen zur Herbeirufung von Wind und Regen. Donnergrollen erklingt, dann setzt eine Akustikgitarre ein. Diese bildet die Einleitung des ersten Liedes ‚Black foe of the earth‘, welches nach einigen Minuten in schwarzmetallische Klänge übergeht. Atmosphärischer Black Metal würde ich dazu sagen, der zum Ende hin rauer und rockiger wird, und somit den Grundton des gesamten Albums widerspiegelt.




‚Now call we, over mountains cold‘ steigert den rauen in einen dreckigen Klang. Gleichzeitig kommt das Lied teils schleppend daher und lässt mich an alte DARKTHRONE-Songs der Marke ‚Quintessence‘ denken. Jedoch fügen BEORN’S HALL dem Ganzen noch mittels hintergründigem Keyboardspiels einen mystischen, leicht unheimlichen Klang hinzu.
Nach dem Neo Folk-Stück ‚Beneath the hooves of Sleipnir‘ wird dieser Stil fortgesetzt in Gestalt von ‚The accursed wind‘; wobei dieselbe Keyboardmelodie erklingt wie zuvor – und dieses Keyboard hört sich in der Tat unheimlich und mystisch zugleich an, hat aber auch etwas Kämpferisches an sich. Eine interessante Melodie, durch und durch.

Noch entschlossener, zum Kampf bereit, geht es mit ‚Brothers in Belarus (a winter’s tale)‘ weiter. Wiederum erklingt die bekannte Melodie, doch diesmal ist sie dominanter, entwickelt sich gar zu einer Hymne. Musikalisch auch hier immer wieder die Erinnerung an DARKTHRONE, zugleich muss ich aber auch an BILSKIRNIR denken. Eine besondere Mischung, welche BEORN’S HALL da auffahren, die durchaus zu gefallen weiß. Leider vermag ich nicht zu sagen, woraus genau sich die Thematik des Textes zusammensetzt – Belarus ist bekanntlich der Name für Weißrussland in der Muttersprache dieses Landes, und vielleicht hat einer der Musiker weißrussische Wurzeln..? Womöglich ist der Hintergrund dieses Liedes auch geschichtsträchtiger Natur, ich weiß es leider nicht.

Im Hintergrund von ‚Lord of silver fountain‘, welches sich nahtlos an die vorherigen Stücke anknüpft, sind hymnische Chöre zu hören, die ein Gefühl von Epik aufkommen lassen. Gleichzeitig bleibt man dreckig, fügt aber auch noch eine ruhige Passage mit geflüsterten Worten ein, denn die Abwechslung muss gewahrt bleiben – was ich keineswegs negativ meine.

Das Heulen von Wölfen leiten dann das letzte Lied ‚Of sword and sorcery‘ ein. Das Stück ist von ruhiger Art, der Text wird gesprochen nicht gesungen, Wölfe und verzweifelte Schreie begleiten die rhythmischen Akustiklaute. Ein stimmungsvoller Ausklang für ein Album, welches sich von Lied zu Lied steigert, dabei stets auf dieselbe Melodie zurückgreift und verschiedene Spielarten des Black und Pagan Metals harmonisch miteinander kombiniert.


Darbietungen:
01. A conjuring of clouds
02. Black foe of the earth
03. Now call we, over mountains cold
04. Beneath the hooves of Sleipnir
05. The accursed wind
06. Brothers in Belarus (a winter’s tale)
07. Lord of silver fountain
08. Of sword and sorcery

Gesamtspielzeit: ca. 37 Minuten




Weiter geht es mit Estuary, welches seinem Vorgänger in Punkto hässlich, rau & atmosphärisch in nichts nachsteht...
Das Cover erinnert sofort an jenes von Echoes of Battle von CALADAN BROOD, welche ebenfalls aus den USA stammen und einen ähnlichen Stil wie BEORN’S HALL pflegen – nur dass letztere deutlich dreckiger zu Werke gehen…








Den eindrucksvollen Einstieg zu Estuary bilden Kriegstrommeln, prasselnde Flammen, Raben und ein Horn, das zum Angriff bläst. Dann beginnt ‚Dark wood black marsh‘ mit sanften Akustikklängen, deren Spiel sich schnell in etwas Verstörendes wandelt, um anschließend als Black Metal auf den Hörer losgelassen zu werden – BEORN‘ HALL halten ihrem Stil also die Treue.

Der Titelsong ‚Estuary‘ ist ein rotzig-rockiges Stück Schwarzmetall – beinahe so, als würde man einer verhassten Person ins Gesicht spucken! Sehr geil, und trotz allem Hass mit einer eingängigen Melodie versehen.
Sehr atmosphärisch geht es weiter mit ‚Blood for Wotan‘. Der Anfang kann wieder als Neo Folk bezeichnet werden, der Rest ist vergleichsweiser ruhiger Black Metal, der aber auch einiges an Abwechslung bietet, wie beispielsweise einer leisen Panflöte zwischendurch…
Ähnlich geht es bei ‚The nurturing soil‘ zu – eingängige Melodien, mal rockig, mal leicht verträumt. Am Ende beinahe fröhlicher Folk Metal. Hinzu kommt ein Instrument, das ich nicht ganz einordnen kann – ein Akkordeon vielleicht..? Aber auch hier passt die Mischung, nichts wirkt überladen oder unangebracht.

‚Call to ravens‘ – zu Beginn sind die fast schon obligatorisch zu nennenden Raben zu hören. Diese begleiten auch diese erste Hälfte des Liedes, welches aus sphärischen Klängen und rituell-melancholischem Gesang besteht. Dann setzt der Black Metal ein, für diese Band diesmal ungewohnt dunkel und kraftvoll.
Ein reines Stück Neo Folk ist dann wiederum ‚I know you rider‘. Hat ganz leicht etwas von düsterer Country Musik, von Dark Folk… erinnert mich an die Werke von KING DUDE, falls jemandem dieser Künstler etwas sagt… Hier könnte die amerikanische Herkunft von BEORN’S HALL hervorkommen, beim Titel des nächsten Liedes tut sie dies auf jeden Fall: ‚New Hamshire rain‘. New Hamshire ist der Bundestaat, aus welchem Vulcan und Rognvaldr stammen – der Song selbst ist sehr melancholisch, mehr in Richtung Post Black Metal…

Das Ende von Estuary bildet das beinahe schon fröhliche ‚Roads go on forever‘, das ebenfalls irgendwie von rockigem Country bzw. Folk inspiriert zu sein scheint. Man entfernt sich leicht vom Schwarzmetall und nähert sich dem Folk Metal an. Am Schluss ist Grillenzirpen zu vernehmen, Regen und die Rufe einer Eule – entweder begleitet vom Wind oder von vorbeifahrenden Autos (in Bezug auf den Titel), das kann ich nicht ganz einordnen…

Ja – was bleibt mir zu sagen über BEORN’S HALL? Eine äußerst kreative Band, deren Stil zahlreiche Einflüsse und unterschiedliche Facetten aufweist, die ihren Leitfaden aber nie aus den Augen verliert und es schafft, sich einen hohen Wiedererkennungswert zu erspielen. Die eingängigen Melodien wirken nicht abgedroschen, im Gegenteil – kämpferisch kommen sie daher, aufbauend und mit starken Schritten voranschreitend! Irgendwie leicht zu hören, aber dennoch anspruchsvoll. Mystik, Heidentum und Black Metal, dem ein gekonnter Balance-Akt zwischen dreckigen und atmosphärischen Tönen gelingt. Aufgrund der Vielfalt nicht einfach in Worte zu fassen, aber für den schwarzmetallischen Heiden sehr ansprechend, mitreißend und ausdrucksstark!


Darbietungen:
01. Introduction
02. Dark wood black marsh
03. Estuary
04. Blood for Wotan
05. The nurturing soil
06. Call to ravens
07. I know you rider
08. New Hamshire rain
09. Roads go on forever

Laufzeit: ca. 55 Minuten



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