Montag, 7. Januar 2019

Vorab-Review: Epitimia - Thread (CD, Naturmacht Productions - 2019)

Nachdem das Jahr nun mit der Besprechung zu dem aktuellen Werk des Solo-Projektes NEMUS bereits sehr atmosphärisch eingeläutet wurde, setzt sich dies nun mit dem bald erscheinen Machwerk der russischen Truppe EPITIMIA fort, welches am 18. Januar über Naturmacht Productions veröffentlicht werden wird und auf den Namen Thread getauft wurde. Bei EPITIMIA handelt es sich abermals um keine reine Black Metal-Kapelle, wie vielleicht schon das etwas psychedelisch anmutende Cover vermuten lässt. Vielmehr frönt auch diese Band einer eher atmosphärischen Gangart, die sich auch ein paar post-modernen Einflüssen nicht verschließt...



Die Gründung der Band, die auf diesem Album - ihrem mittlerweile fünften - als Quartett agiert, geht bereits auf das Jahr 2008 zurück. Eine erste Demo-Präsentation auf Kassette (veröffentlicht durch das mexikanische Label Self Mutilation Services) erschien noch im gleichen Jahr. Es folgten 2009 das Debüt-Album, sowie eine 5-Wege-Split u.a. den Landsmann NIRMAL HRIDAY und dem inzwischen aufgelösten kanadischen DSBM-Projekt CIRCLE OF GHOSTS. Im Jahr 2010 erschienen dann eine weitere Split mit GMORK aus Russland und das zweite Album Four Truths of the Noble Ones, erst zwei Jahre später erschien dann erst der Nachfolger Faces of Insanity, bis schließlich 2014 das bisher letzte Voll-Album (Un)Reality und eine Zusammenstellung mit dem Titel Memories Devoured by Noise & Echoes erschien. Das nun bald veröffentlichte Album Thread wird bei Naturmacht in einem edel aufgemachten Digipak erscheinen.

Das Cover zeigt einen schwarz-weißen Wirbel, aus dem sich die Gestalt einer Frau (einer Mutter) bildet, die ein Kind, evtl. sogar ihr eigenes, auf den ersten Blick sicher und schützend umschließt. Doch wird man beim genaueren Betrachten gewahr, dass sie ihm einen Opferdolch an die Kehle hält. So ist auch der einzige Farbton, welcher sich von dem s/w abhebt, das Rot des Blutes, welches sich aus dem Herzen des Kindes ergießt. Andererseits kann es auch der Wirbel sein, aus dem sich das Herz letztlich geformt hat. Die Interpretation bleibt hierbei jedem selbst überlassen.
Was den geneigten Hörer hier erwarten wird, sind fünf Lieder, die eine Spielzeit von gut 50 Minuten umfassen, was eine Durchschnittslaufzeit jedes Stückes von etwa 10 Minuten ausmacht. Immerhin. Doch kann die hier zelebrierte Musik auch diesen Rahmen in angemessener Weise füllen? Meine Antwort darauf lautet einfach gesagt: "Ja, tut sie!"

Zugegeben, muss man sich definitiv auf Thread einlassen und sich dem Album hingeben, denn nur so wird es sich einem auch öffnen und erschließen. Das dürfte dem einen oder anderen vielleicht doch schwer fallen, zumal das Album mit seiner 4-minütigen instrumentalen 'Introduction' ('Вступление') sehr seichte Töne anschlägt, die eine zugleich träumerische, geistliche, zutiefst innige und beinahe schon hoffnungsvoll warme, dann aber auch unendlich traurige und melancholische Atmosphäre aufbegehren, die die Gefühlswelten dieses Werkes schon einmal perfekt umschreiben. Das erste wirkliche Stück 'Downfall' ('Падение') geht dann aber auch gleich ohne Umschweife los und bietet einen erhabenen Mix aus hymnischem Midtempo und schnelleren Passagen, die stets von stimmungsvollen Soundcollagen und andächtigen Chören begleitet werden. Auch lassen sich ein paar psychedelische Parts ausmachen, die ein wenig an gute alte PINK FLOYD denken lassen, sich jedoch auch perfekt in das Klangbild einfügen und zu keiner Zeit deplatziert wirken. Auf die Art entfaltet sich schon innerhalb dieses ersten Liedes eine sehr dichte Atmosphäre, die etwas sehr Episches an sich hat, den Hörer dabei aber auch gleichzeitig in einer hoffnungslosen Traumschwebe erstarren lässt, dass man EPITIMIA (Покаяние - was in Deutsche übersetzt in etwa zuviel wie BUßE bedeutet) zur instrumentalen Umsetzung ihrer Intention, ein Album über die innere Gefühlswelt des Menschen zu machen, einfach nur gratulieren möchte. Himmelhoch jauchzend und gleichzeitig doch zu Tode betrübt. Der Gesang gleicht der Seele, die ein letztes Mal verzweifelt aufzuschreien vermag, bevor sie endgültig dahinschwindet.

In einem fließenden Übergang setzt sich das Treiben mit 'Infirmity' ('Немощь') fort. Dem Titel entsprechend (Infirmity = die Gebrechlichkeit) beginnt das Stück eher langsam und melancholisch, steigert sich dann aber in einen mittel-schnellen gespielten atmosphärischen Black Metal, der auch schon einmal schnelleren Passagen, gerade im Spiel des Schlagwerks bietet. Auch spielt man hier mit verschiedenen Details und streut verschiedene instrumentale Solo-Passagen, wie auch Stimmungs- bzw. Tempo-Wechsel ein, genau wie auch Passagen mit klarem Gesang. Eine Gänsehaut verursachte bei mir aber das Ende, wenn der sehr hymnische Black Metal langsam in einen erhabenen und anmutigen Chor übergeht, der dann wiederum in einer Neofolk-Passage endet.

Und mit Folklore geht es in 'Vale of Tears' ('Юдоль') auch weiter. Die erste Passage erinnert mich in ihrer Machart tatsächlich an die Folklore von EMPYRIUM, auch der folgende atmosphärische Schwarzmetall lässt zunächst an Lieder wie 'Where Shadows Grow Longer' oder 'Mourners' denken, der Gesang hat sich jedoch gewandelt. Klang er auf dem Stück noch eher verzweifelt und beinahe depressiv bis gänzlich gebrochen, so klang er auf dem zweiten schon etwas kräftiger und hier erschallt er dem geneigten Hörer schließlich gestärkt und aus voller Inbrunst entgegen. Wobei sich auch in diesem Lied wieder eher nachdenkliche Monologe des Sängers finden lassen. Mit knapp 13 Minuten präsentiert sich dieser vorletzte Beitrag auch als das monumentalste Stück der CD, die aus instrumentaler Sicht noch einmal mit beinahe jedem Aspekt der letzten Lieder aufwartet.

Mit dem Verklingen des folklorischen Ausklangs ertönen die ersten Klänge des letzten Liedes ''The Tree' ('Древо'), welches zunächst einen beinahe versöhnlichen und tröstlichen Charakter inne hat, dann aber in der Stimmung kippt und in einen eher hässlichen und wütenden Black Metal umschlägt, der im Verlauf regelrecht anklagende Züge annimmt, bis abermals Neofolk erklingt, der von dem Gesang verstorbener Seelen begleitet zu werden scheint. Der letzte Teil des Liedes bietet dann noch einmal atmosphärischen Black Metal, der langsam immer weiter verstummt und eigentlich auch kein versöhnliches Ende für den Hörer findet.

Fazit:
Nun ja, was bleibt hier noch großartig zu zu sagen? Was die Russen EPITIMIA mit ihrem neuesten Machwerk Thread hier eingespielt haben, ist ganz große, gefühlsbetonte Kunst und gleicht einer emotionalen Achterbahn, die gänzlich alle Ebenen unseres Innersten zu bewegen und vor allem auch anzuregen vermag. Doch sollte man sich dem als Hörer öffnen und zulassen, dass die Musik einen auf diese Reise schickt. Freilich dürften EPITIMIA nicht das Gros der Puristen erreichen, aber selbst diese sollten dem Album zumindest einmal eine Chance einräumen. Auch Leute, die mit der letztjährigen Split De Oorde zwischen den Niederländern FLUISTERAARS und TURIA etwas anzufangen wussten und gerade dem atmosphärischen Teil der Erstgenannten etwas abgewinnen konnten, oder entfernter auch Anhänger von WILDERNESSKING sollten hier unbedingt einmal ein oder zwei Ohren riskieren. Die CD wird wie bereits erwähnt am 18. Januar 2019 unter dem Banner von Naturmacht Productions erscheinen und in einem stabilen, mehrfach ausklappbaren Digipak erscheinen, über eine Limitierung ist mir allerdings nichts bekannt. Das Album kann bereits im Mailorder von Naturmacht vorbestellt werden (Preis inkl. Versand 9,52 Euronnen).

Monumentales und atmosphärisches Black Metal-Werk über den verwirrten Geist der menschlichen Natur. Meisterhaft und authentisch in Szene gesetzt - ganz groß und unbedingt empfehlenswert!


Darbietungen:
01. Introduction
02. Downfall
03. Infirmity
04. Vale of Tears
05. The Tree

Laufzeit: ca. 49 Minuten




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