Donnerstag, 3. Januar 2019

Review: Nemus - See-Mensch (CD, Naturmacht Productions - 2018)

Dieser Tage erreichte mich neues Promo-Material aus dem Hause Naturmacht Productions. Darunter auch das aktuelle Werk des Ein-Mann-Projektes NEMUS aus Bayern, welches auf den Titel See - Mensch getauft wurde und bereits im November des letzten Jahres erschien. Damit stellt es im Titel auch einen direkten Bezug zu dem Debüt Wald - Mensch her und kann daher auch in konzeptioneller Hinsicht als Nachfolger des 2017 veröffentlichten Albums betrachtet werden. Was sich dahinter verbirgt, möchte ich mit folgender Rezension versuchen zu ergründen...




Das Projekt aus Bamberg wurde 2017 durch Allein-Unterhalter Frank Riegler gegründet, der neben NEMUS auch noch das weitere Solo-Projekt DREAMSHIFT am laufen hat, zu dem ich allerdings nichts weiter sagen kann, da ich es nicht kenne. Bis zur Veröffentlichung der ersten Scheibe Wald - Mensch dauerte es nicht lange. Um das physische Release auf CD kümmerte sich Soundage Productions aus Russland, welche ja bereits das Werk Mystik der durchaus nennenswerten Band STEINGRAB auf CD bannten. Nun erschien das aktuelle Machwerk offiziell unter dem Banner von Naturmacht Productions... und was soll ich sagen: diese Konstellation passt wie Arsch auf Eimer.

Mit NEMUS nimmt sich Protagonist Frank R. nämlich einer sehr atmosphärischen, verträumten Art des Black Metal an und vermengt ihn mit allerlei weiteren Einflüssen: angefangen bei epischem Doom Metal, über Post Rock, einem gewissen Anteil an DSBM (was vor allem in so manchen Gesangspassagen zum tragen kommt), Anleihen an den Neo-Folk und Klassik, die sich zumeist in dem Einsatz von dezenten Streichern und Klavier niederschlägt. Dem Schwarzmetall-Puristen dürfte das ergo schon zuviel der Toleranz sein, die ohnehin nicht sonderlich hoch sein dürfte. Auch meine Toleranz-Grenze hat sich mit der Zeit doch eher verkleinert, da ich genaue Vorstellungen von dem habe, was ich von einer Black Metal-Band erwarte... doch gibt es auch bei diesen ganzen künstlerischen Projekten, die die engen musikalischen Grenzen dieses Genres sprengen wollen, auch immer löbliche Ausnahmen, die zwar musikalisch teils völlig andere Wege beschreiten, dabei aber mehr Spirit besitzen, als der x-te Aufguss eines längst toten Kultes - wie jüngst auch die Niederländer MORVIGOR bewiesen hatten, deren Werk Tyrant noch immer ein gern gesehener Gast in meiner Anlage ist.

Die Erzählweise von See - Mensch gleicht einem melancholischen Märchen, das einer gewissen Moral am Ende nicht entbehrt. Es werden Themen wie die Natur und wie wir Menschen mit ihr umgehen aufgegriffen, genauso Emotionen wie etwa Liebe, Einsamkeit, gewollte Isolation, Angst - und jeder, der Filme wie The Shape of Water gesehen, verstanden und verinnerlicht hat, wird sich in diesem Album sehr schnell zurecht finden. Selbstverständlich lassen sich hier auch Aspekte einer gewissen maritimen Romantik wiederfinden, die jedoch nicht in dem Ausmaß von Horden wie etwa ELFSGEDROCH oder FRIISK zum Ausdruck kommen.

Musikalisch kann man sagen, dass Frank sein Handwerk mehr als nur versteht... er scheint es verinnerlicht zu haben und scheint es zu leben, was er tut. Die Stücke spielen sich zuhauf im schnelleren Midtempo ab, lassen ergo eine hymnische und gewiss auch epische Atmosphäre nicht missen, sind in ihrer Zelebrierung schlüssig und trotz all' der sehr melodischen Aspekte nicht zu sehr verschachtelt oder abgehoben, was sie sehr sympathisch wirken lässt. Daneben lassen sich auch immer wieder spielerische Details ausmachen, die das Geschehen noch spannender gestalten, als es ohnehin schon ist. In 'Das Ungetüm' etwa wechselt der verzweifelt wirkende Schreigesang in einer, wenn auch recht kurzen, Passage in Death-Growls. In 'Blut und Schuppen' wird das dramatische Schauspiel mit einem Schrei jäh unterbrochen und es erklingt eine traurige Passage am Klavier, das nach und nach von Streich-Instrumenten begleitet wird. Eine mehr als melancholische und triste Stimmung, die durch einige Sound-Collagen nochmals unterstrichen wird. Dem folgt ein eher dem epischen Doom Metal zuzuordnender Teil, bevor es erneut in einen ergreifenden Post Black Metal übergeht. Die anfängliche Gitarre zu Beginn von 'Tiefengesang' klingt, als wenn sie aus den Tiefen des Ozeans erschallen würde, im Verlauf nimmt man noch dezente Chöre wahr... und eine Harfe, oder zumindest ein Keyboard, dessen Klang auf eine Harfe getrimmt wurde. Den instrumental gesehen aggressivsten Beitrag des Albums findet sich in 'Schwimme ewig' wieder, da man hier nach einem eher schon besinnlichen Anfang immer brachialer zu Werke geht, bis das Ganze in einem regelrechten Sturm ausartet. 'Nachts im Teich' erweist sich dann wieder als sehr melancholisch und ist mit der ganzen Trauer, die ihm innewohnt der perfekte Ausklang zu diesem schwermütigen Album.

Fazit:
Natürlich hat NEMUS mit ursprünglichem Black Metal in musikalischer Hinsicht herzlich wenig zu tun. Das verlangt aber auch keiner, der sich auf ein solches Werk einlässt. Allerdings stellt das Projekt nun auch nicht alles zwangsweise auf den Kopf, so wie es viele moderne Bands häufig versuchen... und daran oftmals derbe scheitern. See - Mensch jedoch stellt ein Album dar, welches sehr viel verborgener Magie in sich birgt und wunderbar authentisch rüberkommt, gerade weil ich das Gefühl nicht loswerde, dass es sich hier um ein sehr privates und persönliches Album handelt. Interessant ist hierbei auch, dass alle Naturgeräusche selbst aufgenommen wurden. Das Album ist in einer digitalen Version, sowie als CD erhältlich. Beide Formate gibt es auf der Bandcamp-Präsenz von NEMUS zu ergattern, Kostenpunkt für die CD, die ebenfalls über Naturmacht Productions erhältlich ist, beträgt 9,- Euronnen.

Ergreifendes Werk, welches sich nicht von gängigen Konventionen beeindrucken lässt, sondern kompromisslos seinen eigenen Weg beschreitet. Für alle, die auch mal bereit sind, über den Tellerrand zu schauen, sei hier eine unbedingte Empfehlung ausgesprochen!


Darbietungen:
01. In die Tiefe
02. Das Ungetüm
03. Blut und Schuppen
04. Tiefengesang
05. Schwimme Ewig
06. Nachts im Teich

Laufzeit: ca. 38 Minuten




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