Mittwoch, 2. Januar 2019

Buried & Forgotten... Verlorene Schätze des Untergrunds #14: Finsterwald - Totaler Winter und Krieg (MC / CD, Total Winter Productions - 1999)

Ich möchte das neue Jahr mit einer Rezension aus der Reihe "Buried & Forgotten... verlorene Schätze des Untergrunds" einleiten. Immerhin handelt es sich bereits um die 14. Auflage dieser speziellen Besprechungen und ich möchte mich an dieser Stelle einmal bei allen regelmäßigen, aber auch neuen Lesern für ihre durchweg positiven Rückmeldungen zu dieser Reihe, sowie für ihr ernsthaftes Interesse an dieser bedanken.

Nummer 14 widmet sich dieses Mal einem ziemlich räudigem Machwerk deutschen Schwarzmetalls aus den späten 90er Jahren. Die Rede ist von dem ersten Demo Totaler Winter und Krieg der Horde FINSTERWALD...



Die Horde aus dem Saarland gründete sich im Jahr 1997 und war zu Anfang noch unter dem Namen EISZEIT aktiv, benannte sich aber relativ schnell in FINSTERWALD um. Zu dieser Zeit trennten sich die Wege von Hräswelgr (der 1998 mit Projekt SONNENTOD die Demo Helden auf zum Kampf veröffentlichte - inzwischen scheint er musikalisch nicht mehr aktiv zu sein, zumindest nicht innerhalb der Black Metal-"Szene"), Nidhöggr aka Panzer Nidhogg (The Unspeakable Cult ov Goatpenis) und Nefarius, der die Band verließ. Dafür stieg 1998 Fafnir als Gitarrist ein, was das Trio komplett machte. In der Konstellation Hräswelgr am Schlagwerk, Nidhöggr am Gesang und Fafnir an der Gitarre wurde dann ein Jahr später die hier vorliegende Demo eingeprügelt. Erst im Jahr 2003 machte die Horde wieder von sich hören, als sie mit BILSKIRNIR die Split CD Totenheer / Rammbock über Millenium Metal Music veröffentlichten. Auf dieser befanden sich zwei neue Lieder, die beide innerhalb einer Rehearsal-Session aus dem Jahr 2001 stammten und noch Fafnir als Gitarristen hören ließen, der jedoch wenig später die Band verließ - angeblich, weil er mit seinem Drogenkonsum nicht klar kam und auf Grund einer 'Vision' zum Christentum konvertierte. Neben diesen beiden eigenen Aufnahmen enthielt die CD aber auch eine Nachspielversion des GRAVELAND Klassikers 'Through the occult veil', für welche Widar, Kopf ihrer Split-Partner, die Gitarre und den Bass einspielte. Die Lieder von BILSKIRNIR wurden im Übrigen noch einmal separat unter dem Titel Totenheer als Kassette veröffentlicht (Stundes des Ideals, limitiert auf 500 Stück).
Irgendwann später (Quellen im Internet geben das Jahr 2005 an) hat sich FINSTERWALD dann endgültig aufgelöst.

So war das Wirken von FINSTERWALD (leider) von relativ kurzer Dauer und man brachte es in der Zeit seines Bestehens auf gerade einmal eine Demo und einen Split-Beitrag. Doch um die drei später aufgenommenen Stücke soll es hier nun gar nicht gehen, auch wenn sie sehr hörenswert sind. Gerade das GRAVELAND Cover halte ich persönlich für sehr gelungen.

Totaler Winter und Krieg beginnt zunächst mit einem klassischen Dungeon Synth-Intro, welches das Werk einleitet. Was folgt hat dann aber nicht mehr das geringste mit dieser Gangart zu tun. 'Marsch durch den Finsterwald' beginnt zwar still und atmosphärisch mit Naturgeräuschen, doch wenn unvermittelt die Instrumente einsetzen, wird auch dem letzten klar werden, dass diese Horde nur eines im Sinn hat... und zwar totale Zerstörung und pures Chaos. Das Klangbild zeigt sich mehr als ruppig, rau und alles Leben verachtend. Die Texte sprechen eine deutliche Sprache, zumal die Passagen, die man ohne weiteres versteht, ansonsten keift Nidhöggr sich sprichwörtlich die Seele aus dem Leib. Ein wenig erinnert die Darbietung an Lieder des Albums Hell on Earth der ehemaligen Band BERZANO aus Hagen, wenn man auch dazu sagen muss, dass ich FINSTERWALD im Gegensatz zu BERZANO auch wirklich abnehme, was sie zelebrieren.

Es folgt mit einem kurzen einleitenden Teil, der Kriegsgelärm und Wagner's 'Walkürenritt' enthält, das nächste Stück 'Geboren zum Töten'. Auch hier macht man von Beginn an klar, dass man keine Gefangenen nimmt, sondern einfach alles niedermäht, was sich einem in den Weg stellt. Zurück bleibt lediglich verbrannte Erde... Staub und Asche.

Das Titel gebende Stück 'Totaler Winter und Krieg' dagegen klingt in Passagen sogar ein wenig rhythmischer und atmosphärischer, lässt sich zunächst etwas Zeit, bis das Massaker zelebriert wird, geht dann zur Mitte hin aber auch wieder in einen erhabeneren Teil über, der sich langsam und stetig wieder steigert. Besonders hervorzuheben ist hier das Schlagwerk. Hier zeigen FINSTERWALD auch wirklich, dass hinter der vordergründig chaotischen Fassade überzeugte Black Metal-Musiker stecken, was sie von dem Gros der Bands dieser Zeit abhebt. Es erklingt noch ein unweigerliches Dungeon Synth-Outro und Ende.

"FINSTERWALD is the ugly face of german Black Metal", so schrieb die Band selbst im Beiheft zu ihrer Split mit BILSKIRNIR, und ganz Unrecht haben sie nicht. Der Schwarzmetall, den sie zelebrieren ist an besessener Räudigkeit wohl kaum zu übertreffen und trotzdem schaffen sie es, eine gewisse Faszination auszustrahlen. Totaler Winter und Krieg ist daher vielleicht nicht für jeden geeignet und ganz sicher nicht für jemanden, der sein Hauptaugenmerk auf große atmosphärische und epische Inszenierungen legt. Diese Demo richtet sich eher an diejenigen, welche noch nicht vergessen haben, was Black Metal einst bedeutete und wofür er einstmals stand. Und genau für jene sei an dieser Stelle eine klare Empfehlung ausgesprochen.

Neben dem Kassetten-Format wurde das Werk auch auf CDr gepresst, beides wurde unter dem Banner von Total Winter Productions (kleines Eigen-Label zum Vertrieb von FINSTERWALD) veröffentlicht. Die Kassette findet man sogar noch vereinzelt auf Plattformen wie discogs.com zu bezahlbaren Preisen, die CD dürfte allerdings nur schwer zu ergattern sein. Ähnlich verhält es sich übrigens auch mit der Split CD, die zwar nicht sichtbar limitiert ist, aber trotzdem nur noch schwer erhätlich sein wird...



01. Intro
02. Marsch durch den Finsterwald
03. Geboren zum Töten
04. Totaler Winter und Krieg
05. Outro


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