Montag, 24. Dezember 2018

Review: Plaga - Magia Gwiezdnej Entropii (CD, Societas Oculorum Arcanorum Records / Hellfire Records - 2013)


Mit Magia Gwiezdnej Entropii legen uns die polnischen Todespriester von PLAGA ein für Black Metal-Verhältnisse recht abwechslungsreiches Album vor, angefüllt mit okkulten Beschwörungen wider den Kosmos und voller Hingabe an die dunkle Seite der christlich-jüdischen Mythologie. Das vorherige Schaffen dieser Truppe umfasst eine Demo von 2009 (Trąby Zagłady / Triumfalny Taniec…), auf welcher bereits eines der Lieder des vorliegenden Albums enthalten ist (nämlich ‚Trąby Zagłady‘), sowie eine EP mit dem Titel Pożeracze słońc von 2011.



Aktuell bestehen PLAGA aus zwei Mitgliedern, nämlich Conqueror und Wojciech, welche beide u.a. zur Besetzung von LEICHENGOTT gehörten. Im Zuge von Live-Auftritten wird auf die Unterstützung von Gastmusikern zurückgegriffen.

Kommen wir nun zum vorliegenden Werk aus dem Jahre 2013. Ein sehr starkes Album, das – wie bereits erwähnt - auch einiges an Abwechslung bietet. Ganz so positiv kann ich diesen Umstand jedoch nicht bewerten, auch wenn mir die Scheibe insgesamt sehr gut gefällt. Rauer Black Metal mit ketzerischem Gesang, der teils sogar zum Mitsingen animiert, was hier aber keineswegs negativ gemeint ist! Gelungen finde ich vor allem die in lateinischer Sprache gehaltene Passage des ersten Liedes (nach dem Intro), welche in orthodoxer Choralform dargebracht wird, was ich als sehr stimmungsvoll empfinde und von dem ich gerne mehr hören würde…

Was mich zumindest am Anfang bei Magia… gestört hat, sind jene Abschnitte des Albums, die mir zu sehr nach „normalem“ Metal klingen, insbesondere die Gitarrensoli. Schlecht sind diese keineswegs, und bei einer Nicht-Black-Metal-Band hätte ich sicherlich von guter Musik gesprochen, doch irgendwie passen diese Passagen nicht zu meinem schwarzmetallischen Verständis… doch das ist Ansichtssache, und nach mehrmaligem Hören empfinde ich die Metal-Riffs als nicht mehr ganz so störend…

Um bei Abwechslung und den Einflüssen andere Spielarten zu bleiben: Titel Nummer vier (‚Slaying the spiritless Abel‘), das "metal-lastigste“ Stück des Albums, lädt zwischendurch beinahe dazu ein, Pogo zu tanzen -  was ich jetzt schon irgendwie amüsant und durchaus positiv finde, setzt es dem ganzen doch eine gewisse räudig-dreckige Note auf.

Nicht ganz so einfach war die Auseinandersetzung mit den Texten. Da bis auf ein Stück alle Lieder in polnischer Sprache verfasst sind, musste ich zumindest für die Titel einen Online-Übersetzer heranziehen, wobei ich hoffe, dass mir dieser die Worte auch korrekt ins Deutsche übertragen hat (Polnisch sprechende Leser dürfen mich daher gerne korrigieren).
PLAGA selbst bedeutet „Pest“, was ich mir aber auch schon dachte. Textlich gesehen widmet man sich vor allem dem Tod, aber nicht aus einer depressiven Haltung heraus, sondern im Kontext von Wissen und Erkenntnis. Thematiken aus der Kabbala, also der jüdischen Mystik, werden aufgegriffen, und zwar in ihrer dunkleren Form: So stellt sich der gottesfürchtige Kabbalist die Aspekte der Welt als einen Baum vor, den „Baum des Lebens“. Der Kabbalist der dunklen Seite hingegen wendet sich der Rückseite dieses Baumes zu, nämlich dem des Todes, der zugleich Erkenntnis bedeutet (derselbe „Baum der Erkenntnis“ von dem Adam und Eva essen). Tod wird an dieser Stelle also mit Wissen gleichgesetzt, und in diesem Themenbereich bewegen sich auch PLAGA.

Ich stütze mich jetzt mal auf den Titel „Slaying the spiritless Abel“, in welchem es natürlich um Kain geht, der seinen Bruder ermordet. Kain wird hier als Held verehrt, welcher durch seine Bluttat die Tore zur anderen Seite öffnet („The voiceless whispers calling him to slay Abel / He opens a path to the other side“). Als Tor wird hier der blutende Hals von Abel beschrieben, was wiederum mit der dunklen Kabbala vereinbar ist, da man die insgesamt zehn Aspekte des Lebensbaums („Sephirot“ genannt) mit den verschiedenen Teilen des menschlichen Körpers gleichsetzen kann – und der Hals repräsentiert den Abyss, im Hebräischen "Daath" genannt, durch welchen man zum Baum des Todes gelangt. Und indem man Daath durchschreitet, löst man sich vom Baum des Lebens, also von der Welt Jahwes, mit all ihren Zwängen und Vorschriften, die nicht dem Menschen dienen, sondern lediglich die Bindung an den christlich-hebräischen Gott sichern sollen. Der Übergang zum Baum des Todes und der Erkenntnis bedeutet demnach Freiheit des Menschen, so wie es auch von PLAGA in besagtem Lied besungen wird: „Through the bleeding throat – the Liberation of man“.

Nun zu den Übersetzungen der polnischen Titel. Trąby zagłady‘ bedeutet in etwa „Trompeten des Schicksals“, vielleicht auch „der Verdammung“. Ich mutmaße mal, dass es sich hierbei um die apokalyptischen Posaunen aus der Offenbarung handelt, welche das Ende der Welt einleiten.
Und darum scheint es in diesem Lied auch zu gehen – um das Ende der Welt bzw. um die Freisetzung der dunklen Kräfte. Denn an einer Stelle taucht immer wieder die Beschwörungsformel „Zazas Zazas Nasatanada Zazas“ auf, welche nicht polnisch ist, sondern ihren Ursprung im Nahen Osten hat (entweder hebräisch oder babylonisch), und auch in den Schriften des "Temple of the Black Light" ihren Platz einnimmt. Bei diesem Tempel handelt es sich um einen kabbalistisch-satanischen Orden, dessen Rituale darauf abzielen, den Menschen von den Zwängen des Kosmos zu befreien, demnach also anti-kosmisch ausgerichtet ist (dieser Orden sollte jedem Verehrer von DISSECTION ein Begriff sein). Und der TotBL gebraucht genannte Formel um die Tore des Abyss, also die Tore von Daath, zu öffnen (und DISSECTION verwenden diese Worte im Intro von Reinchaos).

Ich komme zu der Folgerung, dass PLAGAs Texte ideologisch ebenfalls zum anti-kosmischen Satanismus gerechnet werden können. Dafür sprechen auch die beiden verbliebenen Lieder, nämlich Śmierć Cieplna Wszechświata‘ und ‚Magia Gwiezdnej Entropii‘. Ersteres wurde mir mit „Hitzetod des Universums“ übersetz, was ja eindeutig für eine Haltung wider den Kosmos spricht (selbst wenn die Übersetzung nicht ganz korrekt sein sollte). Dieser Ausdruck bildet auch den Refrain, in welchem vor allem das Wort „Śmierć“ (= Tod) besonders hervorgehoben wird. Gefällt mir sehr, da sich der Refrain hervorragend mitbrüllen bzw. hasserfüllt mitgrölen lässt; darüber hinaus entsteht durch die stetige Wiederholung dieser Worte eine Art Mantra, voller Kraft und äußerst zerstörerisch.

Der Titelsong (zu Deutsch in etwa „Magie der stellaren Entropie“, also wieder Tod des Universums) sagt mir auf diesem Album am meisten zu. Bestimmt wird er von einem (Metal-)Riff, das aber durch seinen immer wiederkehrenden Charakter schon fast ins Hypnotische übergeht – eine Sache, die ich am Black Metal besonders schätze. Zugleich wohnt diesem Riff auch etwas Episches, Hymnisches bei, sodass ich es mir wohl stundenlang anhören könnte, ohne dabei aufzuhören es zu genießen…

Fazit:
Trotz meiner eingangs erwähnten Kritik an den „normalen“ Metal-Elementen bereitet mir Magia Gwiezdnej Entropii doch große Freude. PLAGA spielen nun keinen kalten, atmosphärischen Black Metal; dafür jedoch schaffen sie es durch ihre ansatzweise hymnische und abwechslungsreiche Art, den Hörer bei Laune zu halten, und hier und da rhythmisch mit dem Kopf mitzunicken oder gar mitsingen zu wollen… Gerade in Bezug auf letzteren Punkt könnte ich mir vorstellen, dass sich der Besuch auf einem PLAGA-Konzert durchaus lohnen könnte…

Die CD musste ich mir in Polen bestellen, da sie in Deutschland nicht aufzutreiben war. Auf Anraten Kraehenbluts habe ich mich an Witches Sabbath Records gewandt, und muss sagen, dass ich von der Kaufabwicklung positiv überrascht war. Bestellungen im Ausland können ja auch schon mal etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen, teils ist man gezwungen, mehrere Wochen zu warten… hier aber lief alles reibungslos, deshalb mein Dank an dieser Stelle!


Darbietungen:
01. Intro – Left Hand Prayers
02. Trąby Zagłady
03. Śmierć Cieplna Wszechświata
04. Slaying the spiritless Abel
05. Magia Gwiezdnej Entropii

Laufzeit: ca. 35 Minuten




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen