Sonntag, 18. November 2018

Review: Stardust - Fragmente eines gebrochenen Lebens (CD, Wolfmond Production / Nahetal Klangschmiede - 2018)

Nachdem die erste Rezension von SchädelTrauma einem recht atmosphärischen Werk gegolten hat, möchte ich mich mit mit dieser Besprechung ebenfalls einem sehr melancholisch, wie auch atmosphärisch geratenem Machwerk widmen. Die Rede ist von Fragmente eines gebrochenen Lebens, dem aktuellen Album der Saarländer STARDUST, welche sich anno 2010 gründeten, zeitweise auflösten und seit dem Jahr 2015 nun wieder aktiv sind.




Die Horde besteht aus den drei Individuen Nattestid (verantwortlich für den Gesang und den Bass, u.a. NORTHERN HATE), Sarghas an den Gitarren und Keyboards (u.a. ebenfalls in NORTHERN HATE, IMMORIOR und NÝR GATA tätig), sowie Nordmann an den Lead-Gitarren, dem Sclagwerk und weiteren Keyboards (IMMORIOR, NÝR GATA u.a.). 2011 veröffentlichte das Projekt mit Von Trauer, Zorn und vergangenen Zeiten ihre erste Demo Pro-CDr, welche in einer Auflage von lediglich 66 Stück bei Runenstein Records erschien und neben Eigenkompositionen auch eine sehr eigenwillige Interpretation des DARKTHRONE Klassikers 'Transilvanian Hunger' enthielt. Ebenfalls in dieses Jahr fiel dann auch die Veröffentlichung ihres zweiten Demos Des letzten Novembers Trauersang, welches zu gleichen Konditionen bei besagtem Label erschien. Zusammen mit Runenstein Records und The Jenggala Production entstand dann 2013 eine Split mit den Indonesiern ALAM KUBUR, die den Titel Dimensi Lembah Kekelaman trug. Anschließend ließ man nach einer zeitweisen Auflösung erst wieder ein Jahr später in Form der Devils Work in the Witchtower Split mit FUNERAL DUST, PESTKULT und ERAKKO von sich hören, auf welcher sich STARDUST in meinen Augen bereits als die beste Horde herausgestellt hatte (leider hatte ich es wohl versäumt, eine Rezension dieses Werkes zu schreiben... - Anm.). Es folgte noch eine Kompilation der gesamten Schaffensphase von 2010 bis 2013, der sich wie bereits bei Split geschehen, ebenfalls Narbentage Produktionen annahm. Für alle Interessierte lässt sich >>hier<< noch eine Besprechung des bisher einzigen Werkes Seraphim von NÝR GATA finden, welches ich an dieser Stelle auch empfehlen kann, sofern man etwas für melodischen und atmosphärischen Black Metal übrig hat.

Widme ich mich aber nun dem hier vorliegenden Werk. Dieses wird wohl laut Ankündigung zeitgleich auch das letzte Lebenszeichen der Band sein. Was bei Fragmente eines gebrochenen Lebens natürlich als erstes ins Auge sticht, ist die exzellente Aufmachung, welche ein Gefühl absoluter Schönheit und Vollkommenheit, aber auch trostloser Finsternis und Existenzlosigkeit, träumerischer Nostalgie, inniger Melancholie und einer lodernder Sehnsucht ausstrahlt. Das Beiheft zeigt sich als liebevoll und detailreich gestaltet, enthält alle Texte und diverse Illustrationen, die einerseits den Gedanken des Porträts auf der Front weiterführen, als auch eine gewisse Verbindung zu den Texten aufweisen. Schade finde ich jedoch, dass man bis auf das letzte Lied kein neues Stück präsentiert.

Den Beginn macht das 5 1/2-minütige Stück 'Erinnerungen', welches im Original. Eingeleitet von einem eher schleppenden Part, erwartet man eigentlich fast schon einen typisch depressiven Genre-Vertreter vor sich zu haben. Doch zumindest instrumental betrachtet, liegt man hier dann doch sehr weit daneben, da sich das Treiben hier noch um einiges steigert und sich das Ganze zu einem äußerst melancholischen Lied voller emotionaler Höhepunkte mutiert. Der Gesang ist dagegen der depressiven Gangart zuzurechnen, weist aber erfreulicher Weise keine weinerlichen Momente ab, sondern zeigt sich eher klagend, melancholisch, ehrlich betrübt und trotzdem auf eine sehr eigene Art erhaben. "Die Leere die mein Herz erfüllt/ist größer als die Erkenntnis, dass die Liebe existiert". Emotionsgeladen bis zu seinem bitteren Ende.

Instrumental gesehen zeigt man sich bei 'Des letzten Novembers Trauersang' gerade im Kontext zum ersten Titel als sehr ruppig und aggressiv, schlägt aber dann auch wieder ruhigere und gemächlichere Töne an und zelebriert seine Musik atmosphärischer, denn der eigentliche Teil des Liedes spielt im hymnischen Midtempo, welches immer mal wieder im Tempo variiert und mit Chören und Samples aufgewertet wird. Leider vermag ich nicht zu deuten, aus was für einem Film das Sample zur Mitte des Songs stammt.

"Bei der Hälfte der Dinge, die ich getan habe, wusste ich nicht warum. Aber ich weiß, dass ich hierher gehöre. Hier sind nur Leute wie ich." - so das am Anfang stehende Sample aus dem Film The Grey mit Liam Neeson in der Hauptrolle, welches das kommende Stück 'Gedanken eines sterbenden Wolfes' passend einleitet. Auch hier spielt sich alles hauptsächlich im schnelleren Midtempo ab, jedoch bietet man auch sehr atmosphärische Akustik-Momente, lässt hier auch bewusst epische Keyboard-Teppiche erklingen und verleiht dem Ganzen somit eine von Nebel umhüllte Dichte, dass ich sagen muss, dass dieser Titel neben der ersten Darbietung zu meinen bisherigen Highlights gehört. "Und weinend im sterbenden Seelenklang/schrei ich auf, wie der Wolf im Gedankengang".

Das akustische Zwischenspiel 'Im Einklang mit dem Wahn'  stellt eine Art Einleitung zum folgenden, ebenfalls nahezu nur akustischem Stück 'Ewigtraum'. So ein wenig hat die Atmosphäre hier was von NACHZEHRER in gut oder auch EMPYRIUM, wenn man sich ihr Weiland Album mit Schwarzmetall-Gesang vorstellen würde.

In 'Von Trauer, Zorn und vergangenen Zeiten' findet ebenfalls ein Film-Samples Verwendung für den einleitenden Teil. Dabei handelt es sich um einen Part aus dem philosophisch angehauchten Film Sucker Punch, der ja durchaus umstritten ist und auch ich konnte ihm auf Grund seiner immensen Special-Effect-Feuerwerke zunächst nicht wirklich ernst nehmen. Doch wie so oft, lohnt sich hier auch durchaus ein intensiverer Blick auf das Werk. Mit diesem Lied jedenfalls zeigen sich STARDUST wieder etwas facettenreicher und der tiefe Klargesang erinnert mich wohlig an ältere und bessere Zeiten, als DORNENREICH noch hörbar waren. Doch nicht nur der Gesang zeugt davon, auch der Einsatz des Keyboards erinnert an Werke wie Hasses Freigang oder generell an Nicht um zu sterben. Danke für diesen nostalgischen Moment! "So sank ich wie ein brennender Stern/tief in die dunkle Einsamkeit/Wollt erlangen die Ewigkeit/Mein Leib birgt nun die Dunkelheit".

'Im Regen' ist eigentlich 'Weinend im Regen sterbend'. Gut, dass man sich da entschieden hat, den Titel umzubenennen, bzw. ihn zu verkürzen, ist nur verständlich und nachvollziehbar. Das Stück gefällt mir ebenfalls recht gut, wirkt in einigen Passagen jedoch auch etwas motivations- und lustlos. Das kann auf Grund der Thematik des Textes natürlich auch ein gewolltes musikalisches Element sein, aber das werden wohl nur die Musiker selbst wissen. Der abrupte Abbruch des Liedes, der alles im einem Sog aus Finsternis unbarmherzig mit sich in den Abgrund zieht, ist aber sehr gut und verursachte zumindest bei mir eine Gänsehaut.

Mit 'Sehnsucht' ist nicht nur der vorletzte Song des Albums erreicht, sondern hier bietet man dem geneigten Hörer noch einmal ein wahrhaftiges Highlight. Hymnisches Midtempo, Sample-Einsatz, erhabene Passagen mit Chören und schiere Raserei - hier vermischen sich viele Elemente zu einem einheitlichen Ganzen und lassen die schwarzen Herzen jedes 90er-Enthusiasten höher schlagen! "Die Sehnsucht die aus leerem Herzen spricht/Nach der Zeit die vergangen ist..."

Den Abschluss bildet in Form von 'Der Herbst verklang im Winterglanze' mit einer Spielzeit von über 10 Minuten nicht nur das längste Stück, sondern auch das einzige wirklich neue. Kompositorisch steht es gerade den bisherigen Höhepunkten ('Erinnerungen', 'Gedanken eines sterbenden Wolfes', 'Von Trauer, Zorn und vergangenen Zeiten' und 'Sehnsucht') in nichts nach und macht eigentlich genau das, was ein überlanger und krönender Abschluss eines Albums machen sollte: er vereint auf sinnvolle Art und Weise die besten Aspekte des Werkes und bietet gar noch ein paar Feinheiten und Details, die so noch gar nicht im Album zum Einsatz kamen. Und so schließe ich diese Rezension mit den letzten Zeilen aus diesem dunklen Epos, welche auch ein wenig für die Band selbst stehen, wenn man sich vor Augen hält, dass dies wohl auch das letzte Album bleiben wird: "Zeit ist etwas was uns endlos erscheint/aber für uns ist nichts endlos/Der Abschied ist ein Moment der Stille/Im Traum hat das Leid keine Macht/Dennoch sind wir geblendet vom Leben/Nur da wo der Tod ist, kann Leben sein..."

Fazit:
Gut, ich möchte Fragmente eines gebrochenen Lebens nun nicht als das Über-Werk darstellen, welches jetzt vielleicht einige von euch anhand der Rezension erwarten würden. STARDUST ist mit ihrem ersten und voraussichtlich auch letzten Voll-Album aber ein mehr als solides Machwerk gelungen, welches sich deutlich vom Einheitsbrei gerade dieser ganzen selbsternannten Depressive Black Metal-Bands abhebt. Auch wenn hier nicht alles von vorneherein zündet, so lohnt es sich doch sich mit dem Werk intensiver auseinander zu setzen. Nur so wird es sich einem öffnen und gänzlich offenbaren. Ich persönlich hoffe ja, dass das kommende Album von TAVARON mindestens im Ansatz so gut wird... soll hier aber auch kein Thema sein.

Die CD von STARDUST kommt in einem edlen Digipak mit 12-seitigem Beiheft daher und ist auf 200 Exemplare limitiert. Bei der CD handelt es sich im Übrigen um einen Silberling (dies sollte im Falle von Wolfmond Production vielleicht nicht unerwähnt bleiben, da aus dem Hause ja eher CDrs kommen). Zwecks einer Bestellung könnt ihr euch vertrauensvoll an Wolfmond Production oder aber auch an die Nahetal Klangschmiede wenden (diese bieten neben der CD auch einen Aufnhäher an). Preislich gesehen beläuft sich die CD bei beiden auf äußerst faire 10,- Euronnen.

Atmosphärischer Mix aus Melancholie, Erhabenheit und todessehnsüchtiger Poesie - so muss sich depressiver Schwarzmetall anhören!


Darbietungen:
01. Erinnerungen
02. Des letzten Novembers Trauersang
03. Gedanken eines sterbenden Wolfes
04. Im Einklang mit dem Wahn
05. Ewigtraum
06. Von Trauer, Zorn und vergangenen Zeiten
07. Im Regen
08. Sehnsucht
09. Der Herbst verklang im Winterglanze

Laufzeit: ca. 56 Minuten




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen