Dienstag, 25. September 2018

Review: Aether - Ego Vitium Sum (LP, Diaphora Produktion - 2018)

Vor einiger Zeit schon erhielt ich von der Band selbst die digitale Fassung dieses Albums. Das Debüt der deutschen Horde AETHER mit dem Titel Ego Vitium Sum erschien ursprünglich im August und wurde durch Pest Productions aus China sowohl in digitaler Form, als auch ein paar Tage später auf CD veröffentlicht. Als ich dann vor ein paar Tagen mehr durch einen Zufall davon erfuhr, dass eine Ausführung auf Vinyl über Diaphora veröffentlicht wurde, wollte ich zunächst noch diese Lieferung abwarten, bis ich mich an einer Rezension zu diesem Werk versuche. Diese kam dann auch prompt heute an...



Als Projekt existiert AETHER aus dem Raum Nürnberg wohl schon seit dem Jahr 2006 -  veröffentlicht wurde aber in dem langen Zeitraum von gut 12 Jahren nichts. Gegründet wurde AETHER durch den Gitarristen Aer (TOTAL HATE) und Eternal (u.a. VERHERN, ex-WOLFSTHORN). Im Jahr 2013 formierte sich aus dem anfänglichen Duo dann eine vollständige Band, in dem man Abortio (Bass), Shardik (Schlagwerk), beide wohl am ehesten durch ihr Wirken bei KRATER bekannt (Shardik trommelt zudem auch für die epische Doom Metal-Kombo COLDUN - sollte man sich unbedingt einmal anhören, wenn man einen Sinn für solche Musik hat!) und Untergang (INTERITUS, deren Status ja irgendwie immer noch schleierhaft ist) mit ins Boot holte. In dieser Konstellation wurde dann auch das erste Konzert bestritten und das hier vorliegende Album eingespielt (was bereits im Jahr 2015 geschah).

Aber genug zum Hintergrund. Sieht man sich einmal die Aufmachung der Schallplatte an, so ist diese einerseits wieder schön anzusehen und gleichzeitig auch wieder minimalistisch und zweckdienlich gehalten. Keine überflüssigen Gimmicks, einfach nur Black Metal auf den Punkt gebracht - fertig! Und mehr benötigt es auch gar nicht. Das Gesamtpaket umfasst dabei zwei Platten, die in einer Gatefold-Hülle hausen, in deren Innenteil alle Texte sowie ein paar Informationen zur Aufnahme und zur Gestaltung abgedruckt sind. So wurde das Album bereits 2016 im Temple of Disharmony gemastert. Das Cover Artwork stammt von Lisa Schubert (Vinsterwân), deren Arbeit ja bereits auf Werken von KRATER Verwendung fand. Der Titel ist Programm und lässt im Kontext mit dem düsteren Artwork und den recht persönlichen, tiefgehenden und durchdachten Texten einiges an Interpretationsspielraum zu. Die Fantasie des Hörers wird also schon allein durch den visuellen Aspekt angeregt. Einen gewissen Willen und natürlich das Interesse vorausgesetzt, sich mit der Materie zu beschäftigen, wird dem geneigten Hörer auf die musikalische Reise, auf die er sich bei dem sechs Lieder umfassenden Ego Vitium Sum begibt, zumindest schon einmal vorbereiten.

Die Texte stammen allesamt aus der Feder von Eternal und wurden ob ihrer sehr persönlichen Natur bis zur Veröffentlichung dieser LP nirgends abgedruckt. Sie drehen sich einerseits um Aufarbeitungen des Vergangenen ('Narben sind Erinnerung', Stella Nova'), Gegenwartsbetrachtungen ('Meministine?') oder auch um ein paar dystopische Ansätze ('Weltverderben', 'Siechengang'). Aus Rücksicht auf die Tatsache, dass es der bisherige Wunsch war, dass nicht jeder Horst die Texte zu lesen bekommt und mit dieser Veröffentlichung der Kreis derer auch nicht sonderlich hoch ausfallen wird, möchte ich mich hier auch gar nicht eingehender mit ihnen befassen. Es soll sich ein jeder selbst seine Gedanken machen und die grauen Zellen bemühen.

Womit ich nun zum musikalischen Aspekt des Werkes kommen möchte. AETHER haben sich mit ihrem Album reichlich Zeit gelassen und das ist hier definitiv auch hör- und spürbar. Black Metal, der zur Perfektion dargeboten wird. Jedoch nicht in dem Sinne, dass er zu sauber produziert, oder zahn- und klauenlos klingen würde - ganz im Gegenteil. Die Mannen verstehen lediglich eindeutig ihr Handwerk und überließen in Sachen Klangbild einfach nichts dem Zufall. Das Ergebnis ist überwältigend, fesselnd, in mehrerlei Hinsicht intensiv und wird auch die letzten Zweifler überzeugen. Das Fundament fußt dabei auf räudigen Schwarzmetall, der aber durch viele weitere Facetten eine ganz eigene Farbgebung erhält. So erhält die Musik allein schon durch den verzweifelten und zermürbenden Gesang eine depressive, gleichzeitig aber auch irgendwie erhabene Note. Die instrumentale Darbietung zeigt sich vielfältig und vor allem sehr atmosphärisch. Allein einleitende Teil von 'Weltverderben' mit seinem traurigen, andererseits aber auch äußerst epischen Keyboard spricht da Bände. Die im schnelleren Midtempo anzusiedelnden Instrumente stehen dabei, nicht nur in diesem Stück, im krassen Gegensatz zum depressiven Gesang von Eternal, was aber erstaunlich gut funktioniert und sogar regelrecht miteinander harmoniert. Akustische Momente wie am Anfang von 'Siechengang' findet man ebenso wie so manch passendes Sample aus Filmen wie American Psycho (im selben Stück) oder Wolfman (in 'Meminitine?') oder gar klassische und andächtige Stimmungen wie am Ende von 'Stella Nova'. Hier und da scheinen mir sogar ein paar dezente Chöre anzuklingen, doch das kann auch durchaus täuschen. Die Lieder sind dabei per se sehr individuell gehalten und überschreiten jeweils die sechs-Minuten-Marke. Langeweile lässt man hier jedoch zu keiner Zeit aufkommen, denn immer wieder lassen sich kleine Stimmungs- oder Tempowechsel innerhalb der Songs ausmachen, genau wie eingestreute Solo-Passagen an den Gitarren. Auf diese Weise wird den sehr eindringlich dargebotenen Instrumente der nötige Platz eingeräumt und sie können ihr wahres Potential zum Ausdruck bringen. Das ergreifende Ende des letzten Liedes 'Des Weges Ende' lässt das Album letztendlich so ausklingen, wie es begonnen hat. Bis dahin entfaltet sich hier ein durch und durch intensives, kraftvolles Werk großen Schmerzes.

Fazit:
Mit Ego Vitium Sum ist AETHER nicht nur ein sehr emotionsgeladender Erstling geglückt, sondern auch eines der intensivsten Voll-Alben aus deutschen Landen, die ich in diesem Jahr gehört habe. Jeder, der etwas für authentischen Black Metal mit Tiefgang, innigen Gefühlswelten und räudigen Atmosphären übrig hat, sollte diesen Album nicht spurlos an sich vorüberziehen lassen! Die Instrumente sind ergreifend vorgetragen und jedes für sich wunderbar abgemischt und daher auch an den richtigen Stellen gut heraushörbar. Der Gesang ist kraftvoll, verachtend und zeitgleich auch todtraurig und kommt einer Katharsis gleich. Vielleicht sollten sich einige hoch gelobte Bands daran ein Beispiel nehmen. Es braucht kein großartiges Gefrickel, um ein gutes Album zu produzieren. Viel wichtiger sind in meinen Augen Authentizität und die Besinnung auf jenes, was diese Musik ausmacht: Blut, Schweiß und Tränen. Neben der digitalen Version existiert das Album wie bereits erwähnt auch in Form einer Digi-CD (beide sind über das bandcamp-Profil von Pest Productions zu beziehen). Über die Band-Präsenz auf bandcamp gibt es die Möglichkeit, sich die digitale Version, sowie die Vinyl-Auflage und ein Shirt zu sichern. Die einheitlich in schwarz erschienene DLP im Gatefold ist von Hand durchnummeriert und auch direkt über Diaphora Produktion erhältlich. Anbei gibt es das vollständige Album als Video-Einbettung von BlackMetalPromotion.

Ein weiteres deutsches Werk, welches ich definitiv in meine Favoriten-Liste diesen Jahres aufnehmen werde. Ego Vitium Sum ist in jeglicher Hinsicht stimmig - genau so muss sich emotional-geprägter Black Metal anhören und anfühlen. Ganz groß!


Darbietungen:
A-01. Weltverderben
A-02. Narben sind Erinnerung
B-03. Sichengang
B-04. Meministine?
C-05. Stella Nova
C-06. Des Weges Ende

Laufzeit: ca. 53 Minuten




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