Sonntag, 16. September 2018

Buried & Forgotten... verlorene Schätze des Untergrunds #8: Lycanthropy's Spell - Chaos, Death and Horror (MC, Darkmare Productions - 2003)

Als Einstieg in die neue Kategorie des Blogs, welche dem Titel nach ja gar nicht einmal so wirklich neu ist (da ich die Nummerierung inzwischen angepasst habe), habe ich mir aus meiner persönlichen Sammlung wieder einmal eine kleine, aber umso feinere Rarität heraus gesucht. Die Kassette Chaos, Death and Horror stellte die erste Veröffentlichung der im Jahr 2003 gegründeten Band LYCANTHROPY'S SPELL aus Belgien dar. Jene bestand aus Sarmak und Inferis, wobei Sarmak eigentlich von Anfang an die kreative Kraft hinter der Musik war. Die Band bestand lediglich zwei Jahre, hat zu ihren Lebzeiten aber immerhin zwei Alben, eine Split und drei EPs, sowie ein posthumes Album, eine Kompilation und eine weitere EP hervorgebracht...


Der Grund für die kurze Existenz der Band ist auch nicht etwa darin begründet, dass die beiden Individuen ihr gemeinsames Schaffen aufgelöst hätten, sondern dass Sänger und Gitarrist Sarmak im Jahr 2005 einem Herzleiden erlag und damit viel zu früh verstarb. Sein Tod war am 11. September... und so wird dieser Tag wohl nicht nur für 'die westliche Zivilisation' in tragischer Erinnerung bleiben, sondern wohl auch auf ewig ein schwarzer Tag für alle Anhänger des Underground Black Metal sein, gerade für diejenigen, die einmal mit dieser interessanten und melancholischen Persönlichkeit in irgendeiner Weise in Kontakt kamen.

Gegründet wurde die Band wie bereits erwähnt im Jahr 2003 durch Sarmak, wobei Inferis (ex-FUNERAL FOREST) von Anfang an als Schlagzeuger involviert war. Unter dem Eindruck von MOONBLOOD ('Embraced by Lycanthropy's Spell') entstand dann der Name der Horde. Im gleichen Jahr erfolgte dann noch die Veröffentlichung dieser ersten Demo-EP auf Kassette, ein Jahr später eine Split mit der deutschen Horde CELTIC BLOOD und das erste Album Lycanthropic Hymns. Im Untergrund hatte sich die Band zu diesem Zeitpunkt schon einen kleinen Namen erspielt, immerhin bot man Musik, die Authentizität in jeglicher Hinsicht bot, fernab irgendwelcher Klischees oder Trends. 2005 wurde dann überaus ereignisreich: Neben dem zweiten Album Misanthropic Visions und der Tribute EP, auf der u.a. MOONBLOOD, DARKTHRONE, BAUHAUS und BARAD DÛR gehuldigt wurde, erschien noch die EP L.R.O.T.N.S.I.M.A.A.D., deren etwas kryptisch wirkender Titel für Lunar Reflection of the Nightly Solitude in Melancholical Apathy and Despair steht und welches Sarmak im Beiheft ausdrücklich seiner Freundin widmete. Das folgende Album Glorification of the Night erschien dann bereits erst nach seinem Tod, genau wie die gleichnamige Kassette des Projekts RABE, welches neben Sarmak noch aus M.S. bestand. Im Dezember des selben Jahres veröffentlichte man dann noch Diycarsh, die Kassette von seinem selbst benannten Solo-Projekt. Bald darauf machte dann auch ein ominöser letzter Song von LYCANTHROPY'S SPELL mit Sarmak am Gesang die Runde, welcher letztlich auf der offiziellen 'Best-Of' Forest of Misanthropy aus dem Jahr 2007 Verwendung fand, die letzten verschollenen Aufnahmen mit Sarmak als Sänger wurden dann in der zwei Lieder umfassenden Sagatal EP aus dem gleichen Jahr veröffentlicht. Zudem enthält die selbst betitelte CD von CELTIC BLOOD aus dem Jahr 2006 noch ein Stück mit ihm als Gast bereit.

Doch genug zum Hintergrund... möchte ich mich nun der Kassette an sich widmen. Chaos, Death and Horror weist zunächst einmal eine ziemlich minimalistisch gehaltene Aufmachung auf und bietet bei fünf Lieder eine Spielzeit von noch nicht einmal 19 Minuten. Was den Vorteil hat, dass hier zu keiner Zeit irgend etwas unnötig in die Länge gestreckt wirkt, sondern direkt auf den Punkt gebracht wird. 'When Darkness Takes The Sky' wird von einem kurzen Sturmesbrausen eingeleitet, was sich dann im folgenden Black Metal fortsetzt - denn auch der gleicht einem Sturm, einem Wirbel aus schwarzen Emotionen, Kälte und Misanthropie. Und gleich hier wird klar, dass man sich nicht nur beim Namen von den Deutschen MOONBLOOD hat inspirieren lassen, sondern dieser Horde (die sich zu dem Zeitpunkt ja bereits aufgelöst hatte) auch musikalisch huldigen wollte. Dies hört man dann auch ganz klar heraus, vor allem die Gitarren haben sehr viel von dieser mystisch-erhabenen Urkraft in sich. 'Immortal Hordes' bietet da dann sogar noch recht melodische Passagen im Gitarrenspiel, stellt sich auch als wesentlich getragener, melancholischer und hymnischer heraus, als noch der erste Beitrag. Ganz anders, und wieder wesentlich schneller präsentiert sich 'In a Raging Battle', der wieder klassischen Underground Black Metal Marke MOONBLOOD bietet, im Rahmen seiner grimmigen, räudigen und kalten Underground-Attitüde gar sehr hymnische und beinahe epische Passagen bietet. Es folgt mit 'Werwolf' ein Nachspiel der unsäglichen deutschen Horde ABSURD. Was man davon halten möchte, sollte jeder für sich selbst entscheiden - Fakt ist, dass gerade die Stücke der Thuringian Pagan Madness bei vielen Bands auf ersten Demos als 'Fingerübung' herhalten mussten... was dann zwar ideologisch vielleicht bedenklich war, aber in gut 90% der Fälle immer noch besser klang, als das Original. Eines der besten Cover dieses Liedes stammt, zumindest meiner Meinung von LYCANTHROPY'S SPELL. Mit dem kurzen Ausklang 'Lycanthropy's Spell', welcher aus einem Gewitter mit Waldgeräuschen und Wolfsgeheul besteht, endet die Kassette dann auch schon wieder.

Bleibt zum ideologischen Standpunkt noch zu sagen, dass sich LYCANTHROPY'S SPELL ganz klar immer als unpolitische Band betrachtet haben. Zitat aus dem Beiheft der Glorification of the Night Kassette: "Lycanthropy's Spell is noth a member of any organisation and not a "proud supporter" of anything. LS is music for individuals made by an individual. LS is an unpolitical band.". Trotzdem wurden gerade auf der Tribute auch Bands wie BARAD DÛR oder WEHRHAMMER gecovert. Allerdings in zweitem Fall auch einen eher persönlich geprägten und unpolitischen Song. Sarmak hatte zudem auch tschechische Wurzeln, welcher er in Form eines KINO Covers oder auch seines Solo-Projektes Tribut zollte.

Die Kassette, sowie auch alle weiteren Werke der Band wird man heutzutage wohl eher nur noch selten zu Gesicht bekommen (aktuell wird ein Exemplar bei discogs.com zu dem unglaublichen Preis von 49.99 Euronnen angeboten). Ein beinahe schon in Vergessenheit geratenes Kleinod des europäischen Schwarzmetall-Untergrunds.


01. When Darkness Takes The Sky
02. Immortal Hordes
03. In A Raging Battle
04. Werwolf (ABSURD Cover)
05. Lycanthropy's Spell


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