Montag, 16. April 2018

Review: Thanatomania - Resignation (CD, Schattenkult Produktionen - 2018)

Bei THANATOMANIA handelt es sich um ein Trio aus der Bundeshauptstadt, welches sich einer etwas depressiveren Art des Black Metal angenommen hat. Gegründet wurde das Projekt im Jahr 2009, allerdings erschien dann erst im Jahr 2013 ein erstes Lebenszeichen in Form einer Demo-Kassette mit Namen "Mykonismus", welches unter dem Banner von Werewolf Promotion aus Polen veröffentlicht wurde. Weitere drei Jahre später ließ man die EP "Drangsal" auf die Menschheit los, welche durch das Label War Against Yourself aus Italien sowohl in digitaler, als auch in physischer Form auf CD veröffentlicht wurde (im normalen Jewelcase, wie auch in einem limitierten A5-Digipak).


Nun, weitere zwei Jahre später, wurde im vergangenen Monat das erste Voll-Album "Resignation" auf die Erde gespieen. Gleichzeitig ist es für mich seit längerer Zeit einmal wieder die erste Berührung mit einer Veröffentlichung aus dem Hause von Schattenkult Produktionen. Nicht, weil es die Releases nicht wert wären, über sie zu berichten. Eher habe ich das Schaffen dieses Labels durch den eingeschlafenen Kontakt aus den Augen verloren. Aber gut, das soll ja nun nicht Thema sein an dieser Stelle - hier geht es um THANATOMANIA, was im übrigen die krankhafte Überzeugung beschreibt, dass man bestimmt ist, an einem ausgesprochenen Fluch sterben zu müssen.

Die CD liegt mir für die Rezension leider nicht vor, lediglich das Cover vermag ich hier als visuellen Anhaltspunkt zu beurteilen. Abgebildet ist ein Vogel, der allem Anschein nach getötet wurde. Dass dies nun kein Verweis auf die Jagdfreude der Beteiligten ist, dürfte wohl klar sein. Es scheint sich hier meiner Meinung nach um einen Storch zu handeln, der mythologisch für den Träger verstorbener Seelen, als Glücks- und Liebesbote steht. Der bewusst verursachte Tod einer solchen Kreatur führt unweigerlich zur Resignation, in Zuge derer jedwede Hoffnung abgelegt wird. Dafür würde ebenso die sehr trist gestaltete Szenerie in schwarz-weiß-grau sprechen, in der die Dunkelheit jedoch dominanter Bestandteil zu sein scheint. Ebenso könnte der Vogel aber auch einen Schwan darstellen, der bei den Germanen als Sonnenvogel galt, und mit dessen Tod das Licht vom Antlitz dieser Erde schwindet und mit seinem Tod auch alle Hoffnung. Spinnt man diese Gedankengänge weiter, könnte man zu der Einsicht gelangen, dass es durchaus in der Intention der Horde liegt, dass das Federvieh verendet - ja womöglich hat man hier selbst Hand angelegt. Somit würde sich auch die Bedeutung des Bandnamens direkt auf das Cover beziehen. Doch dies sind nun nur Interpretationsversuche meinerseits.

In musikalischer Hinsicht präsentieren THANATOMANIA sechs Lieder, die insgesamt auf eine Spielzeit von immerhin knapp 33 Minuten kommen. Die einzelnen Stücke sind auch lediglich durchnummiert und besitzen keine separaten Titel. So eröffnet sich dem Hörer mit jedem Fortschreiten des Albums ein weiterer Aspekt der "Resignation", was instrumental bei dem tristen, atmosphärischen und teils akustischen Einklang "I" beginnt, sich dann mit "II" zu einem dezent gehaltenen Slow-/Midtempo Black Metal mit gelegentlichen und gezielt eingesetzten Tempowechsel Marke INFAUST oder KATHAARIA. Auch der Break zur Mitte hin, nach welchem der Song noch einmal richtig losgeht, ist sehr stimmig integriert und dramaturgisch in Szene gesetzt worden. "III" zeigt dann von Anfang an Zähne und peitscht ordentlich nach vorne, wenn man auch hier das rhythmisch-erhabene Midtempo selten verlässt. Dass sie das Zusammenspiel ihrer Instrumente beherrschen, machen die drei Herren aber auch hier mehr als deutlich. Dem steht der folgende Beitrag "IV" in nichts nach: er beginnt schnell, wechselt aber immer wieder in hymnische Gefilde und zeigt dabei gar ein paar latente Anleihen an den rituellen Occult Black Metal (als Vergleich wage ich einfach einmal die inzwischen leider aufgelösten ADVERSUM heranzuziehen - eine Rezension zu deren Werk "In The Sign Of Satan" lässt sich >>hier<< nachlesen) oder auch an den Post Black Metal. Mit "V" wird es wieder etwas getragener, aber gleichzeitig auch noch etwas düsterer. Hier wird abermals das harmonische Zusammenspiel der Instrumente deutlich, besonders die Gitarren kommen hier zum Ende hin noch einmal sehr schön zum Einsatz. Allerdings könnte sich der Gesang allgemein etwas facettenreicher präsentieren. Kaum ist es ausgesprochen, wird dieser im nächsten, und leider auch schon letzten, Stück zelebriert. Auf "VI" zeigt sich dieser nämlich nicht gänzlich melancholisch, düster und nostalgisch, sondern auch durchaus grimmig und offenbart wie bereits bei "IV" einige rituell anmutende Aspekte. Instrumental offenbart sich hier das wohl umfangreichste Stück der CD, ein schwarzer Strudel, welcher alles mit sich reißt. Der kurze desolate Ausklang birgt da auch keinerlei Trost, sondern hinterlässt lediglich Leere und Hoffnungslosigkeit.

Fazit:
Gut, zugegeben, ist THANATOMANIA mit ihrem Debüt nun kein über die Maßen hinaus ein Über-Album gelungen. Doch das ist wahrscheinlich auch gar nicht die Intention hinter solch einem Werk wie "Resignation". Die Horde will mit ihrer Musik wehtun und verletzen, sie möchte den Hörer bluten sehen, sich in Schmerz windend auf dem Boden wie ein unbedeutender Wurm. Nein, dieses Machwerk ist bei weitem nichts für Zartbesaitete oder lebensbejahende Neuzeit-Black-Metaller, sondern ein durch und durch schwarzes Stück dunkler Tonkunst, welches sich das Ziel gesetzt hat, alle aufkeimende Hoffnung zu zerstören. Das geschieht hierbei auf eine musikalisch gekonnte und stimmige Art und Weise, dass es beinahe schon eine schmerzhafte Freude bereitet, der Horde zu lauschen. Jedoch hat "Resignation" auch deutliche Schwächen, wie der Gesang, der für mich doch nicht aussagekräftig genug daher kommt, wenn der Sänger aber auch erkennen lässt, dass er mehr kann, als er von sich preisgibt. Vielleicht ist dies aber auch als gewollte Monotonie zu betrachten und somit als Stilmittel zu verstehen. Wer weiß das schon. Die CD erschien wie bereits weiter oben erwähnt über Schattenkult Produktionen in einem Jewelcase und ist limitiert auf 300 Exemplare. Bestellungen können im neu eingerichteten bigcartel-Shop des Labels entrichtet werden. Ob über den Kontakt der Band noch Exemplare zu beziehen sind, vermag ich zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht zu sagen.

Wer auf der Suche nach einem geeigneten Album ist, seine Seele zerreißen zu lassen, wird in dem aktuellen Machwerk von THANATOMANIA fündig werden, sollte allerdings auch nicht mit zu groß gesteckten Erwartungen an die Sache heran gehen. Insgesamt aber ein solider Beitrag aus dem deutschen Underground mit zerstörerischer Macht!


Darbietungen:
01. Resignation I
02. Resignation II
03. Resignation III
04. Resignation IV
05. Resignation V
06. Resignation VI

Laufzeit: ca. 33 Minuten



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