Freitag, 20. April 2018

Review: Runenwacht - Blutrecht (CD, Northern Fog Records - 2018)

Es ist soweit: endlich halte ich das neue Album der süddeutschen Recken in Händen. Das neue Werk aus der Feder von RUNENWACHT dürfte einmal mehr die selbsternannten Sittenwächter der 'Szene' auf den Plan rufen, und für allerlei Entrüstung sorgen, denn "Blutrecht" steht ganz in der Tradition seiner Vorgänger und nimmt kein Blatt vor den Mund. Ob es um Religion, Politik oder die 'Szene' an sich geht... hier bekommt wirklich jeder sein Fett weg. Doch die drei Herren wollen nicht bloß provozieren, sondern regen mit ihren Texten auch durchaus dazu an, sich seine eigenen Gedanken über diese Zustände zu machen.



Doch von Anfang an. Für jene, welche die letzten drei Rezensionen auf diesen Seiten wahrhaftig noch nicht gelesen haben sollten, hier ein noch einmal ein kleiner biographischer Abriss. RUNENWACHT wurde im Jahre 2011 a. B. als ursprüngliches Quartett gegründet, anfangs noch mit dem Individuum Wulfgar als erste Stimme beim Gesang, Rex übernahm Gitarre & Zweitgesang, Øs den Bass und Sturmkaiser nahm Platz hinter dem Schlagwerk. In dieser Formation wurde dann 2013 die erste CD-EP "Schrei des Hasses" in Eigenregie und einer Auflage von 100 Exemplaren veröffentlicht (eine Besprechung lässt sich >>hier<< nachlesen). Damals wirkte noch einiges nicht sonderlich ausgereift und, ich muss sagen, recht stümperhaft. Allerdings war auch durchaus Potential zu erkennen, was vor allem dadurch begründet wurde, dass sich die Horde erfreulich authentisch gab. Dieser Eindruck sollte sich mit dem Nachfolger "Support Your Local Underground aus dem Jahr 2014 bestätigen (die Rezension gibt es >>hier<<). Die auf 200 Stück limitierte CD erschien zunächst ebenfalls in Eigenregie, mit einem Support durch das Underground-Label Wolfmond Production erschien dann aber gut die Hälfte der Auflage unter deren Banner. Jenes Label veröffentlichte dann ein Jahr später auch das Album "Des Goden Werk", welches deutlich mehr Pagan Black Metal enthielt, als noch die Vorgänger (>>hier<< lässt sich die Rezension nachlesen). Die Auflage schrumpfte hier wieder auf lediglich 100 Stück. Es sollte auch das letzte Album mit Wulfgar bleiben. Zwei Jahre später, 2017, erschien dann schließlich unter dem Banner von Northern Fog Records bisher mächtigste Machwerk der wilden Horde mit dem passenden Namen "Machtergreifung", welches u.a. eine Hommage an "Black Metal Germania" enthielt. Das Album erschien nicht nur als normale CD, sondern daneben auch in einer limitierten Holzbox, die auf lediglich 20 Exemplare limitiert war (und der das dazu gehörige Review zu Grunde liegt, welches sich >>hier<< nachlesen lässt). Nun folgt also gerade einmal ein Jahr später "Blutrecht", welches auch den neuen Basser Schlächter vorstellt. Und dieses wurde neben der regulären Ausgabe wieder in einer sehr schicken Holzbox veröffentlicht, die darüber hinaus noch allerlei Kram enthält, und welcher die folgende Rezension zu Grunde liegen wird.

Was bei oberflächlicher Betrachtung zunächst einmal auffällt, ist die Verarbeitung der Box, die deutlich hochwertiger ausgefallen ist, als beim Vorgänger. So ist das Logo nicht etwa mit einem Sticker aufgeklebt, sondern direkt auf die Box gedruckt (macht mir jetzt nicht den Eindruck, als sei es eingraviert/eingebrannt... ich bitte aber um Korrektur, falls ich hier falsch liegen sollte) mit dem Titel unter dem Logo. Die Box selbst lässt sich am Deckel einfach aufschieben - eine clevere Lösung und auch mal etwas anderes, zu all' den Holzbox-Editionen, die es mittlerweile gibt, die sich alle aufklappen lassen. Im Inneren findet der Anhänger dann die CD, einen Aufnäher und einen Anstecker mit der Algiz-Rune (wer die Holzbox des "Machtergreifung"-Albums besitzt, wird sich erinnern, dass diese Rune hier bereits in anderer Form vorlag). Zudem ist noch ein Poster beigelegt, die Box selbst enthält sonst aber leider nichts mehr. Leider kein blutbeschmiertes Zertifikat oder dergleichen. Eine Limitierung der Box ist nicht sichtbar angegeben, jedoch dürfte die nur unwesentlich höher ausgefallen sein, als noch beim Vorgänger, denn so schnell sie online war, so schnell war sie auch wieder weg. Interessanter Fakt: der Deckel der Box ist an der Unterseite zum aufziehen mit einem Bolzen oder ähnliches etwas eingedrückt, wenn man einen Nagel vorsichtig durchschlägt, hat man ein pass-genaues Loch samt Einkerbung, um den Runen-Anstecker dort zu befestigen. Sieht jedenfalls äußert genial aus und wertet das äußere Erscheinungsbild der Box noch einmal enorm auf. In der CD-Hülle selbst befinden sich gleich zwei Beihefte. Einmal das reguläre 8-seitige, sowie ein dreifach ausklappbares zusätzliches, so dass man in den Genuss der gesamten Lyrik kommt. Nicht, dass RUNENWACHT großartigen Poeten wären... ihre Texte sind eher von der Art "vor den Latz geknallt", "direkt in die Fresse" und "es bedarf keiner großartig geschwollenen Worte, um die Wahrheit zu sprechen".

Nun möchte ich meine Aufmerksamkeit aber endlich der Musik widmen - schließlich sollte das Hauptaugenmerk auch auf dieser liegen. Denn bekanntlich kann auch Scheiße manchmal glänzen. Gleich der erste Beitrag des Albums "Richtschwert" gibt in dieser Hinsicht aber klare Entwarnung: ohne sich mit überschätzten atmosphärischen Einklängen oder dergleichen aufzuhalten, wird dem Hörer gleich geballte Black Metal-Brachialgewalt entgegen geschleudert. Auch wird gleich klar, dass sich die Band zwar etwas entwickelt hat, doch spielen sie unmissverständlich Black Metal der alten Schule. Primitiv, hässlich und misanthropisch. Gnade darf man hier definitiv nicht erwarten. Die Aussage dürfte klar und verständlich sein: "Dein Lügen nun beendet/Die Schicksalswende/Wenn das Schwert sich erhebt/Ein Norn den Faden zu Ende webt//Richtschwert/Das Urteil ist gefällt/Richtschwert/Der Kopf fällt". Das zweite, Titel gebende Lied beginnt dann etwas rhythmisch im Riffing, bewegt sich zuhauf im Midtempo, nimmt im Verlauf aber einiges an Geschwindigkeit zu, enthält gar kurze instrumentale Solo-Passagen. Tempo- und Stimmungswechsel lassen hier auch gar nicht erst Langeweile aufkommen. Textlich gesehen ist das Stück auf mehrere Arten interpretierbar, dient sowohl als Hommage an den Black Metal, als auch an die Verbundenheit zur eigenen Heimat - auf jeden Fall greift man hier aber nach dem Ursprung. "Es ist was ich liebe/Bestimmt meine Triebe/Dieses Wissen ist Macht/Denn dies mir ein Erbrecht schafft". "Seht den Flug des Rabens" (unkorrekte Schreibweise von der CD entnommen, also muss sich keiner aufspielen, haha) ist ebenfalls eine Nummer, die sich im schnelleren Midtempo abspielt, neben der ungezügelten Wildheit und all dem Hass und der Wut aber auch erhabene Momente bietet. In dem Text geht es um Odin's Raben Hugin und Munin, die über das Land fliegen und den Feind im Anmarsch erblicken, vor welchem sie sich folglich zur Wehr setzen. Tja, kommen wir nun zur persönlichen Abrechnung der Horde: mit "Degenerierte Schweine" speien RUNENWACHT nicht bloß einem Feindbild ihren geballten Hass entgegen, sondern rechnen sowohl in textlicher als auch in musikalischer Hinsicht gleich mit allem ab, was sich gegen sie stellt. Christen, selbst ernannte Szene-Wächter, Verräter, Lügner, Vergewaltiger, Geflüchtete, die sich hier kriminalisieren. "Dummheit glänzt in euren Augen/Werde euch das Leben rauben/Gnade gibt es für euch keine/Ihr degenerierten Schweine" oder "Versteckt euch hinter euren Mauern/Ihr habt Angst was auf euch lauert/Wahre Macht kommt aus dem Sein/Und nicht versteckt hinter Stein" sprechen eine deutliche Sprache, und auch wenn dieser Text heiße Eisen anpackt, so ist er doch gerade deshalb wichtig! Weiter geht es mit "Keilerschlacht", jener Song, der bereits im Vorfeld durch die Band online vorgestellt wurde. Ein Lied, welches eindeutige Pagan Black Metal-Anleihen mit räudigem Schwarzmetall verbindet: "Nie endet der Keiler Wut/Nie endet die Kampfesglut/Nie endet der Kampfesmut/Nie verklingt ihr Siegesruf//(...)//Gen Walhall wir reiten/Walküren uns begleiten/Erhören unseren letzten Ruf/Wenn uns trifft der Todesfluch". Eine weitere Abrechnung auf RUNENWACHT-Art findet sich mit dem Song "Was einst war". Dieser Titel ist ja seit BURZUM allseits bekannt, und vielleicht auch in diesem Kontext betrachtet, nicht von ungefähr gewählt. So stellt sich der Text klar gegen die heutige 'Szene', welche in ihrem desolaten Zustand die alten Zeiten betrauert, sich unterwandern lässt und sich von jedem Minusmenschen beeinflussen lässt. Anti-Trend? Anti-Human? Gegen alles? Längst sind die Werte des Black Metal in Vergessenheit geraten und der Kult an sich zur massen-kompatiblen Bespaßungsmechanerie verkommen. Doch daran trägt ein jeder von uns, die wir in diesem Kult leben - ja mit ihm leben und von ihm zehren - selbst die Schuld, und es liegt an jedem einzelnen etwas an diesem Zustand zu ändern - in welcher Form auch immer. "Heute heult ein jeder um die Szene/Doch ihr seid der Schnitt in der Vene/Wegen euch blutet der alte Brauch/Wegen euch wird alles Schall und Rauch//Niemand ist bereit Konsequenzen zu tragen" oder "Ein Angstschrei durchläuft die Presse/Von Links und Rechts kommt Hetze/Was gefordert wird widerstandslos getan/Keiner will die Konsequenzen tragen//Ein dunkler Geist zieht umher/Zerstört jegliche feindliche Gegenwehr/Zensur ist sein neues Schwert/Political Correctness was ihn ehrt//So wird verbannt der alte Geist/welcher auch Meinungsfreiheit heißt/Gebrochen ist der Wille selbst zu denken/(...)" sind nur einige Passagen mit deutlicher und unmissverständlicher Aussagekraft. "Ahnenschwur" sind dann wieder ein heidnischer Beitrag. Instrumental wird hier wilder Black Metal zelebriert, doch bezieht sich der Text an das Heidentum, heidnische Bräuche und den alten Glauben der Germanen. Mit "Schwarzer Stahl" erklingt dann die Kampfansage an alle die, die sich an dem Kult Black Metal vergehen, sei es von außen, wie auch von innen. "Political Correctness - was für ein Scheiß/ Ihr Feministenfotzen werdet so reich//(...)//Unser Kampf gegen Gutmenschen/Wird niemals sein Ende finden!" - der Text schreit es förmlich heraus: der Black Metal gehört euch angepassten kleinen Wichten, die ihr von euch behauptet, eine Ahnung von diesem Kult zu haben, aber eure CDs und Platten lieber im nächsten Doofmarkt kauft, weil ihr von dem, was außerhalb eurer beschränkten Mainstream-Hochglanz-Magazin-Welt geschieht nicht erfassen und erst recht nicht begreifen könnt, nie und nimmer. "Kultstätte" ist eine Ode an die Natur und die germanischen Götter, die Instrumente nehmen hier sogar wieder teils sehr erhabene Züge an, vor allem in den Gitarren hört man sehr viel Epik heraus. Der zweistimmige Gesang im letzten Drittel tut da nur sein übriges hinzu. Mit "Der König von Thule" zelebriert man dann auch schon den letzten Beitrag: "Der König von Thule" basiert auf dem bekannten Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe, welches in musikalischer Form von anderen Horden wie etwa HELDENTUM (zu finden auf dem Album "Waffenweihe") umgesetzt wurde. RUNENWACHT zelebrieren es hier als eine Mixtur aus wilder Black Metal-Hymne, samt ausgedehntem Gitarren-Solo und Sauflied... auf einem Konzert kommt das mit Sicherheit nicht schlecht, gibt mir persönlich vom textlichen Kontext aus betrachtet aber nicht allzu viel. "Trinkt ihr Zecher, Hoch die Hörner/Trinkt ihr Zecher, hoch das Bier"...

Fazit:
RUNENWACHT haben sich innerhalb der guten fünf Jahre ihrer Existenz nun schon einen gewissen Namen und Ruf erspielt. Vor allem als Freigeister, die sich einen Dreck um politische Korrektheit scheren und lieber dem alten Geist des Black Metals in ungezwungener Weise frönen und dabei auch ordentlich Kritik an den Verhaltensmustern dieser neuen 'Szene' üben. Auch die heidnischen Einflüsse lässt man auf "Blutrecht" wieder nicht außer Acht, und so erinnert das gesamte Treiben immer wieder an andere deutsche Horden ähnlichen Schlages. Musikalisch sollte man auch hier wieder keine Überflieger erwarten, wenn auch der Letzte ohne Zweifel eingestehen wird, dass die Mannen sich instrumental gesehen noch einmal ordentlich steigern konnten. Northern Fog Records veröffentlichten das Album auf Pro-CDr im Jewelcase und ist limitiert auf 200 Exemplare. Die hier besprochene Holzbox ist bereits restlos ausverkauft, auch über die Band gibt es keine Möglichkeit mehr an das gute Stück heran zu kommen. Zwecks einer Bestellung der normalen CD wendet euch vertrauensvoll am besten direkt an Northern Fog, oder aber an die Band, die das Album für jeweils 10,- Euronnen anbieten.

True German Black Metal - wer musikalische Höhenflüge erwartet, der wird hier vergeblich suchen. Wer sich allerdings mit der Erwartungshaltung an ein authentisches Schwarzmetall-Machwerk an "Blutrecht" heranwagt, der wird alles andere als enttäuscht!


Darbietungen:
01. Richtschwert
02. Blutrecht
03. Seht den Flug des Rabens
04. Degenerierte Schweine
05. Keilerschlacht
06. Was einst war
07. Ahnenschwur
08. Schwarzer Stahl
09. Kultstätte
10. Der König von Thule

Laufzeit: ca. 45 Minuten



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