Sonntag, 29. April 2018

Nostalgie-Review: Nargaroth - Herbstleyd (CD, No Colours Records - 1998)

Anlässlich des langen Bestehens des ersten Voll-Albums von NARGAROTH, welches sich 2018 zum 20. Male jährt, möchte ich nicht umhin kommen, noch einmal auf dieses großartige Werk zurückzublicken. Im Grunde genommen fing damals genau mit diesem Album auch alles bei mir an. Das wirkliche Interesse an Black Metal, die Faszination für die düstere Atmosphäre, die Kälte und an Hass erfüllten Klängen. "Herbstleyd" stellte für mich persönlich daher immer ein Ausnahme-Album dar, dessen erhabene, wie verträumt-melancholische und auch zutiefst misanthropische Sphäre von der Band in meinen Augen niemals wieder in derart intensiver Weise erreicht wurde...


Mit diesen einleitenden Zeilen möchte ich jetzt jedoch nicht sagen, dass alles, was der Mann hinter dem Projekt, der sich zu dieser Zeit Kanwulf nannte und inzwischen Ash heißt, anschließend zu Stande brachte, ausnahmslos Scheiße gewesen wäre - eher ganz im Gegenteil. Doch allein vom emotionalen, als auch vom musikalischen Standpunkt aus, hat NARGAROTH nach "Herbstleyd" kein ähnliches Album mehr geschaffen.

Es folgt ein kleiner Abriss der Biographie, die dem Protagonisten sei Dank, ja auch für viele viele Jahre umstritten war und es heute ja auch noch in Zügen ist. In vielerlei Hinsicht hat Ash in jüngster Vergangenheit aber Klarheit geschafft. So ging NARGAROTH im Jahr 1996 aus der Asche von EXHUMINENZ hervor, einer Band, die aus Kanwulf, Charoon (der auch NARGAROTH noch für viele Jahre als Gitarrist/Bassist die Treue halten sollte) und Darken (der ebenfalls für das Nachfolgeprojekt als Gitarrist tätig war) bestand. Nach der Erneuerung, welche als Solo-Projekt Kanwulf's konzipiert war, herrschte zunächst Stille, zwischen 1996/97 entstand dann die erste Demo-Kassette "Orke", welche im Original jedoch noch keinen namentlichen Bezug zu dem Projekt aufwies und rein instrumentales Material beinhaltete. Unterstützt wurde Kanwulf schon hier von Charoon an der Gitarre, sowie von L'Hiver (WINTERBLUT) am Schlagzeug. Limitiert war die ganze Angelegenheit dazu auch noch, und zwar auf gerade einmal 150 Stück. No Colours sei Dank wurde die Kassette aber nach und nach immer wieder neu aufgelegt und für jeden Horst zugänglich gemacht. 1997/98 erschien dann eine weitere Kassette mit dem Titel "Herbstleyd", welche die meisten Lieder des späteren Albums in einer frühen Demo-Version zum Inhalt hatte, sowie einige weitere Beiträge und eine Alternativ-Fassung von "Herbstleyd" mit Growls. Die Auflage bezog sich hier auf immerhin 200 Exemplare. Im November 1998 erschien dann das kontroverse Debüt-Album "Herbstleyd". Es folgten im Jahr 2000 die Demo "Fuck off nowadays Black Metal" sowie die Zusammenstellung "Amarok". 2001 erschien mit "Black Metal ist Krieg - A Dedication Monument" das in Augen vieler wohl prägendste Album NARGAROTH's, zu dem ich gerne auf die Rezension von SchädelTrauma verweise, welche das Werk sehr gut widerspiegelt. Aus dem selben Jahr stammt die Mehrfach-Split "Black Metal Endsieg II", die aus dem Hause Sombre Records stammt und eine Neuaufnahme des Songs "Nag ur sol" mit Gesang enthält (das Original stammt noch von der "Orke"-Demo). Ganz unumstritten ist die Veröffentlichung nicht: seitens der Band wird sie als Bootleg angesehen. In 2002 wurde dann mit "Rasluka Part II" der zweite Teil einer geplanten EP-Trilogie veröffentlicht, deren erster Teil jedoch erst zwei Jahre später das Licht der Welt erblicken sollte, da er ursprünglich als Teil einer Split mit MOONBLOOD geplant war. Ein dritter Teil ist allerdings bis heute nicht veröffentlicht worden. Ein Jahr später erfolgte die Veröffentlichung des dritten Albums "Geliebte des Regens", welches noch einmal mehr atmosphärisch ausgelegt war und sich somit an Stimmungen ala "Seven Tears Are Flowing to the River" orientierte. 2004 war NARGAROTH dann besonders produktiv, was die Anzahl der Veröffentlichungen anbelangte, denn neben der "Rasluka Part I" EP erschienen auch die Live-EP "Crushing Some Belgian Scum" und das inzwischen vierte Voll-Album "Prosatanica Shooting Angels", welches ursprünglich auch nicht unter dem Bandnamen veröffentlicht werden sollte, sondern unter dem Namen Prosatanica erscheinen sollte. Da dies aber der Intention Kanwulf's widersprach ("KANWULF IS NARGAROTH, NARGAROTH IS KANWULF - NO COMPROMISE") wurde diese Idee verworfen, und so durften sich die Anhänger mit einem abermals sehr eigenwilligen und 'anderen' Werk auseinander setzen. Im Beiheft gibt Kanwulf auch zu erkennen, dass das Album eher spontan und ohne großartigen Feinschliff eingespielt und veröffentlicht wurde: "The "Satan" within us acts. He does not try!".  Ganze drei Jahre sollte es anschließend dauern, bis man wieder ein hörbares Lebenszeichen der Band vernehmen sollte, denn mit "Semper Fidelis" erschien das Werk, mit welchem sich NARGAROTH neu erfand und mit dem Kanwulf auch endgültig seinen Künstlernamen in Ash änderte. No Colours veröffentlichte es dann auch als auf 99 Stück limitierte Box, die das Album u.a. auch auf LP, welche noch ein paar Lieder mehr umfasste (u.a. das immer wieder durch die Band angekündigte, jedoch nie veröffentlichte "Left behind in suicide"). Die im Vorfeld veröffentlichte Split-Single mit SARVARI aus dem Hause Zyklon-B Productions habe ich mal absichtlich außer Acht gelassen, da sie von Seiten der Band her ebenfalls als Bootleg angesehen wird (und wer die Praktiken dieses Labels erlebt hat, wird damit einhergehen, dass hier nicht immer alles mit rechten Dingen zugegangen ist). Neben einer Doppel-DVD aus dem Jahr 2008 erschien dann 2009 das Album "Jahreszeiten", eine Vertonung von "Frühling", "Sommer", "Herbst" und "Winter" und zumindest in der LP-Fassung mit Auszügen aus Kanwulf's/Ash's Buch "Between the Stones" zwischen den eigentlichen Liedern, aus welchem man schon in Form des Projekts TORRENT (gemeinsam mit Akhenaten von JUDAS ISCARIOT, Album "Between the Stones") rezitierte. Erst im Jahre 2011 folgte dann mit "Spectral Visions of Mental Warfare" eine Kooperations-Arbeit mit dem Projekts NYCHTS aus der Schweiz, weswegen das Werk auch sehr Ambient lastig ausgefallen war. Eine Sache, mit der sich nicht jeder anfreunden konnte, wie auch ich (eine Besprechung lässt sich >>hier<< nachlesen). Zudem erschien mit "Rasluka" eine Zusammenstellung beider Teile auf einer LP, jedoch mit zwei leicht editierten Songs. 2012 erschien dann die letzte Zusammenarbeit mit dem Label No Colours in Form von "Black Metal manda hijos de puta" ("Black Metal Rules, Motherfuckers"), ein Live-Album als Tribut an die Black Metal Szene in Lateinamerika. Im Jahr 2013 brach man dann endgültig mit No Colours und ganze vier Jahre war es still um NARGAROTH, doch war Ash keineswegs inaktiv: so gab er ein beispielsweise ein kurzes gesangliches Gastspiel auf der "Dead Soul Requiem" EP der Australier DROWNING THE LIGHT (>>hier<< geht's zur Rezension). Bis dann mit "Era of Therenody" eine meiner persönlichen Enttäuschungen des Jahres 2017 veröffentlicht wurde (die Rezension lässt sich für alle Interessierten >>hier<< nachlesen).

Man sieht also, im Laufe der Jahrzehnte hat sich einiges getan im Hause NARGAROTH, viel hat sich zudem geändert und auch gewandelt - und das nicht nur von der eigentlichen Intention her, sondern auch textlich und musikalisch. Und dies geschah nicht immer zum Besseren, wie ich finde. Aber das soll hier nicht das Thema sein - und wer bin ich, dass ich über solcherlei Dinge urteile. Ich möchte mich daher dem Kern dieser Nostalgie-Rezension widmen: dem Album "Herbstleyd". Jenes Album, mit dem alles begann. Für NARGAROTH, wie auch für mich...

Wenn man das Werk zunächst einmal ganz nüchtern betrachtet, sticht die schlichte, wenn auch stilsichere und zweckhafte Aufmachung ins Auge. Logo, Foto in kriegerischer Rüstung zu Pferde, der Titel in kunstvoller Schrift. Auf der Hinterseite lassen sich die Titel in Fraktur finden, sowie die Kontaktdaten des Labels, die damals auch den einigen Weg darstellten, mit der Band in Kontakt zu treten. Das hat sich in Zeiten von sozialen Internet-Geschwüren freilich auch geändert. NARGAORTH ist hier bereits als ausgewiesenes Solo-Projekt aktiv, Kanwulf erhält jedoch Unterstützung durch Charoon an den Gitarren. Das Schlagzeug wurde Gerüchten zufolge programmiert und kommt wohl aus der Konserve, kann sich für einen Computer aber gut hören lassen (kleine Anmerkung am Rande: im Beiheft der zweiten CD der Band TRIMONIUM "Blow The Horns" wird Kanwulf für die Bereitstellung des Drumcomputers gedankt, in einem Interview mit der Band wird gesagt, dass dieser auch auf "Herbstleyd" Verwendung fand). Auch die kontroversen Äußerungen im Beiheft der CD-Erstauflage möchte ich hier eigentlich gar nicht weiter ausführen - ich denke, dass sich der Protagonist hinter dem Projekt seit Veröffentlichung zu Genüge in Interviews dazu geäußert und seinen Standpunkt dazu deutlich gemacht hat.

Gestaffelt ist das Werk in sieben Lieder, da sowohl Introduction, wie auch Outroduction jeweils mit dem nachfolgenden, bzw. vorangegangenen Stück gekoppelt wurden. Somit ergibt sich allein für den ersten Beitrag der CD eine Laufzeit von mehr als 16 Minuten. Die Introduction stellt aber bereits mehr dar, als ein lieblos zusammengeschustertes Dark Ambient-Stück oder dergleichen, sondern es handelt sich hier um eine Collage aus verschiedenen Film-Samples (u.a. Xena und Space 2063) als auch von Naturgeräuschen. Sehr träumerisch und es bereitet den Hörer mental auf das vor, was ihn in den nächsten rund 70 Minuten auf seiner Reise durch die Dunkelheit der Seele erwartet. Mit den letzten Worten des Monologs "Aber selbst wenn der Feind jeden Menschen auf der Erde tötet... den Herbst wird es immer geben" erklingen die ersten Riffs von Herbstleyd. Eine getragene Melodieführung, ein beinahe wölfisches Wehklagen, ein dezent einsetzendes Flötenspiel, untermalt mit andächtigen Chören, das Schlagzeug wird schneller, wird von einem beschwörenden Gong begleitet und nach einer kurz einsetzenden Pause entlädt sich ein wahres Gewitter, nur um dem Hörer durch einen erneuten kurzen Einspieler wieder in träumerische Sphären zu hiefen, bis es dann anschließend wirklich mit brachialer Gewalt ans Eingemachte geht. Mit einem verzweifelten Keifgesang, der aber zeitgleich so abgrundtief von Hass erfüllt zu sein scheint, zelebriert Kanwulf sein "Herbstleyd". Bei Zeilen wie "Rote Tränen sich vermischen,/mit dem toten Laub./Angst die Liebe hieß, ein Dolch/aus Hass, nun in mei'm Herz tief schläft." oder "Leyd sei mein Begehr,/und tief im Herbst sei mir der Tod beschert." läuft mir auch heute noch ein eiskalter, aber auch wohliger Schauer über den Rücken und verursachen eine Gänsehaut nach der anderen. Allein dieses vertonte Gedicht ist große Kunst. Mit Karmageddon zelebriert man einen der wohl kontroversesten Songs der Band-Geschichte, worauf ich im Verlauf mehr drauf eingehen werde.  Er beginnt beinahe ruhig und mit einem kurzen Monolog "The day darker than night and the water red/from the blood of the pained". Danach zieht ein schwarzer Sturm auf und tilgt alles, was Licht ist, von dieser Erde. Ein Text, der ganz in der Tradition antichristlicher Lyrik Marke alter Norweger oder alter Polen steht, sich aber auch auf Golgatha bezieht, erschallt durch diesen Sturm. "Sword sound in heaven,/deep red the sun./Fullmoon in red side,/God lost his only sun." Am markantesten und den meisten wohl am ehesten im Gedächtnis haften geblieben wird jene Zeile sein: "When I die/...", welchem in den Ohren vieler (nicht nur der Kritiker) ein "Sieg Heil" folgt. Nimmt man die Original-Aufnahme der Demo zu Grunde, müsste es wohl eher ein "Good bye" sein, was hier aber doch eher unwahrscheinlich sein dürfte. Da man sich hierzu aber auch nie wirklich klar äußerte und diese Passage durch die "..." offen gelassen hat, bleibt die Interpretation dem Hörer überlassen. Und sollte es sich doch um die zwei 'bösen' Worte handeln, so darf man sie wohl eher in dem Kontext verstehen, wie auch der Text gemeint ist und nicht etwa in einem politischen. Was hier auch in musikalischer Hinsicht auch noch einmal mehr als offenkundig wird, ist, dass NARGAROTH, in Persona Kanwulf großer Anhänger der Musik GRAVELAND's zur Thousand Swords-Ära gewesen ist. So lassen sich markante Passagen im Spiel der Gitarren, im Schlagzeug, wie auch der Einsatz der unheilvollen Posaunen klar als Hommage an diese berüchtigte und verruchte Band aus Polen erkennen. Doch die reine Erzählweise mit dem kurzen einleitenden Monolog, wie auch mit dem Monolog am Ende lassen auch einen Vergleich mit DISSECTION's Klassiker Where Dead Angels Lie zu. "And my hate has no mercy."! Das nachfolgende Stück mit dem Titel Nargaroth (im Original mit dem Untertitel Symphonie ewigen Lebens) stellt ein instrumentales Zwischenspiel dar, welches stolzen Black Metal zelebriert und gerade wenn man das Ganze im Kontext des eigentlichen Untertitels betrachtet, eine Ode an sich selbst ist. Einige eingestreute Schreie inklusive. Des alten Kriegers Seelenruh', welches auf der Kassette noch den englischen Titel Frozen Emotions in the Naked Northwind trug, ist ein ebenfalls sehr getragener und erhabener Midtempo Schwarzmetall, der die Geschichte eines alten Kriegers erzählt, der sich in den schneebedeckten Bergen zur letzten Ruhe bettet. Dabei geht es hier in textlicher Hinsicht wieder sehr poetisch zu: "Eisige Gebirge schlafen in meinem Blick/am Rande tiefer Wälder ich stehe./Der frostige Wind des nackten Windes,/ist alles was ich je gehört.//Unter Türmen welche einst erstürmt,/lieg ich nun und blicke ins Tal./Und Kreationen aus Eis betrachtend,/warte ich auf den Sonnenfall." Er lässt seine Taten Revue passieren und einem Sturm gleich, der seine Asche mit dem Wind hinfort trägt, endet die Geschichte mit einem wahren Ausbruch an Emotionen, nachdem man sich beinahe schon auf ein besinnliches Ende eingestellt hatte: "Sie haben geschrieen, als mein Schwert ihre Föten erschlug,/geschrieen durch den Hass, den ich in meinen Augen trug.//Ein Sturm zieht auf...". Das folgende, etwas mehr als 18 1/2 Minuten lange, Monumental-Werk Amarok - Zorn des Lammes brachte es im Verlauf der Geschichte der Band auf bisher zwei Fortsetzungen (auf Amarok und Black Metal ist Krieg zu finden). Das Lied wird durch ein zusammengeschnittenes Sample aus dem Film Die Zeit der Wölfe eingeleitet, welcher nur vordergründig einem Werwolf-Märchen ähnelt, vielmehr geht es um verlorene Unschuld, das Böse im Menschen und um die Schwelle vom Kindsein in die Welt der Erwachsenen (lange nicht mehr gesehen - Anm.). Wer den Film nun kennt, ist hier klar im Vorteil, denn sowohl aus dem Monolog des Samples, als auch aus den Bildern eben dieser erschließt sich auch etwas der Text, in dem es um Scheinheiligkeit und allgemein die Verlogenheit der katholischen Kirche, bzw. einiger Verteter dieser geht, aber auch um Leute, die einfach nur blind glauben und folgen. "Das weiße Lamm trägt ein schwarzes Kleid,/es badet in erbrochenem Leid." oder "Ihr... währet, habt ihr einst gepredigt,/der Unschuld unbefleckte Kinder./Lügen haben sich verewigt.../Lobpreisend steinigt nun den Finder." sprechen es ja deutlich aus. Die Wut entlädt sich dann im letzten Absatz, der da lautet: "Wüten wird das schwarze Lamm,/zerreißen eure falschen Kehlen,/die Wahrheit mit dem Tage kam,/nie wieder werdet ihr sie quälen..." Ausleitend gibt es dann wieder ein Sample aus dem besagten Film zu hören... "Merk' dir eines, in der Nacht ist schon mancher Wolf erwacht./Weine um sie keine Träne, Wolfe haben scharfe Zähne." Mit Das schwarze Gemälde folgt nun ein instrumentales Dark Ambient-Stück, welches eine sonderbar morbide Faszination auf den Hörer auszuüben vermag. Nicht umsonst erklärte Kanwulf einmal in einem Interview, dass er sich dieses Stück als einzigen Beitrag der Herbstleyd LP auch heute noch anhören könne. Ich will einmal aus dem begleitenden Text heraus zitieren, der leider in dem Lied selbst keine Verwendung findet: "Ein schwarzes Kunstwerk, dessen Künstler namenlos in uns vergraben kreative Denkprozesse leitet, in unserem Blick. Für den Dekadenten ein lebloses Pergament willenloser Ästhetik. Für den Sehenden, eine erleuchtete Ebene des kargen, schmachtenden Daseins im Rausch vollendeter Schönheit. Mit dem Blut der Schuld gezeichnet, offenbart es uns Bilder unserer Sehnsüchte und unserer Phantasie." Unversöhnlich bleibt auch der Schluss, denn nur jene, die sehen, werden auch die Weisheit erlangen. In diesem Zusammenhang ist Das schwarze Gemälde wohl auch als eine Ehrerbietung an den Black Metal zu verstehen. "Es ist Schmerz, der unbändige Lust in mir gebar. Freuet euch, ihr glückseligen Kinder des Lichts. Doch euer Gemälde wird ewiglich nur schwarz sein." Mit dem Lied "Vom Traum, die Menschheit zu töten" präsentiert uns Kanwulf auch bereits die letzte musikalische Darbietung. Eine misanthropische Hymne, die in ihrer Intensität auch heute noch ihresgleichen sucht (wobei ich nicht ohne Grund in meiner Rezension zu WINTARNAHT's "In Âgez" auf jenes Lied verwies - diese lässt sich >>hier<< nachlesen). Die Musik selbst ist auch hier im getragenen Midtempo gehalten, ist unterlegt mit Chören und wird durch den sehr grimmigen Gesang nochmals in ihrer verträumten Misanthropie unterstrichen. Wenn Kanwulf in einem Moment der andächtigen Stille auf einmal ein hasserfülltes "Ich hasse euch!" zum besten gibt, läuft es einem eiskalt den Rücken hinunter. "Ur' ward es mir gewahr./Wir haben gesiegt, wir haben gesiegt!" Böse Zungen behaupten nun, dass man hier ebenfalls noch ein "Sieg Heil" hört, und ja, vielleicht mag das stimmen, doch wer sich mit dem Text nun auseinandergesetzt hat, wird einen politischen Kontext wohl kaum erkennen. Der Sieg über das Menschsein, der Traum von menschenleerer Schönheit... "Eines Tages werde ich euch alle verrecken lassen!/Vom Traum die Menschheit zu töten." Es folgt die Outroduction, welche ein passendes Sample aus der Serie Babylon 5 enthält. Mit einem Auszug aus diesem möchte ich meine Rezension auch enden lassen: "Es gibt eine größere Dunkelheit als die, die wir bekämpfen. Es ist die Dunkelheit der Seele, die von ihrem Weg abgekommen ist. Der Krieg, den wir führen, richtet sich nicht gegen Großmächte oder Herrscher, sondern gegen Chaos und Verzweiflung. Viel schwerwiegender als der Tod der körperlichen Materie ist der Tod der Hoffnung, der Tod der Träume.//(...)//Niemand weiß, wie die Zukunft aussieht und wohin sie uns führen wird. Nur eines wissen wir: Sie wird stets unter Schmerzen geboren…"

Mit Herbstleyd ist NARGAROTH, in Persona Kanwulf aka Ash ein Klassiker misanthropischer Tonkunst geglückt, den er zwar in dieser Form nie wieder erreichen konnte, jedoch so manchen Kopf und so manche spätere Band geprägt hat, sei es stilistisch, musikalisch oder lyrisch. Dabei ist das Werk aus Sichtweise eines Black Metal-Albums vielleicht eine Spur zu träumerisch, zu poetisch und zu märchenhaft und erzählerisch. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass es viele einfach nicht wertschätzen aus genau diesen Gründen, sich gar nicht erst versuchen, darauf einzulassen, vielleicht auch aus Angst vor dem, was sie selbst von sich in diesem Album wiedererkennen, wenn sie sich eingehender mit ihm beschäftigen. Herbstleyd ist definitiv keine leichte Kost und nicht für jeder Mann zugänglich, aber für einige kommt es einer Offenbarung gleich, die so viel intensiver und persönlicher ist, als etwa ein Black Metal ist Krieg oder Semper Fidelis. Ungeachtet dessen, wie man zu der Band steht, oder was man über die Person dahinter auch denken oder halten mag. Die spürbare Hingabe, die allgegenwärtige Dunkelheit, das Blut mit dem dieses Album geschrieben wurde, die Traurigkeit, der Hass und die Wut, die Melancholie... all' das macht Herbstleyd zu einem nostalgischen, zeitlosen Album - Hateful Misanthropic Metal! Das Album gibt es heutzutage immer noch ohne Probleme zu kaufen - für die ersten Auflagen müsste man aber schon etwas länger suchen, und die wird man wohl auch nicht so günstig ergattern können. Da das Projekt inzwischen unter dem Banner des eigenen Labels Inter Arma Productions agiert und sämtliche Werke dort auch in diversen Formen wiederveröffentlicht hat, empfiehlt sich hier ein Blick auf deren Seiten.


01. Introduction - Herbstleyd
02. Karmageddon
03. Nargaroth
04. Des alten Kriegers Seelenruh'
05. Amarok - Zorn des Lammes
06. Das schwarze Gemälde
07. Vom Traum, die Menschheit zu töten - Outroduction


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