Sonntag, 30. Dezember 2018

Das Jahr 2018 im musikalischen Rückblick - Ein Fazit:



Auch dieses Jahr neigt sich nun langsam seinem Ende und es brachte einige sehr gute Veröffentlichungen, aber auch viel Dreck hervor. Es gab nicht wenige der sogenannten großen und viel gepriesenen Bands, die mich vollauf enttäuschten (bestes Beispiel waren dieses Jahr wohl ASCENSION und WATAIN). Gerade diese genannten Gruppen sind in diesem Jahr wohl Paradebeispiele dafür, wie immer mehr Bands auf diesen Trend-Zug "ursprünglicher Okkultismus im Black Metal" aufspringen, ohne auch nur in irgendeiner Art und Weise noch eigene Akzente zu setzen, nur um noch mehr Kohlen zu scheffeln... die Kuh muss halt gemolken und der Kadaver weiter zerfleddert werden.

Auch auf diesen Seiten hat sich dieses Jahr reichlich viel getan: So hat der Blog nunmehr ein neues Design und einige andere Zierde, womit ich auch letztlich wirklich zufrieden bin. Auch hat sich dieses Jahr in Sachen Sampler einiges getan (das Artwork ist so gut wie fertig, einige neue Ideen sind mir auch gekommen, und die eine oder andere Band hat bereits fest zugesagt). Was mich aber am meisten erfreut ist, dass ich seit November diesen Jahres SchädelTrauma als zweiten Schreiberling für Unholy Black Art Of Ritual gewinnen konnte. Auf hoffentlich viele ertragreiche weitere Jahre der Zusammenarbeit!

An dieser Stelle möchte ich auch wie jedes Jahr einen gebührenden Dank an alle Projekte, Bands und Labels entrichten, die Unholy Black Art Of Ritual ihr Material vertrauensvoll zukommen ließen und mit denen wir in Kontakt stehen.

Für das nächste Jahr ist u.a. die Verwirklichung eines neuen Logos angepeilt, welches ich wahrscheinlich durch einen Kontakt verwirklicht bekommen werde. Außerdem soll die Veröffentlichung des neuen Samplers dann im nächsten Jahr stattfinden.

Natürlich werden auch in diesem Jahr die schnöden Statistiken nicht vergessen:
So verzeichnete dieser Blog in 2018 bis zu diesem Zeitpunkt 26.699 Aufrufe,
was noch einmal 4.733 Besucher mehr ausmacht, als im Vorjahr.
Die meisten davon waren im April zu verzeichnen, dicht gefolgt vom Dezember.
Insgesamt belief sich die Anzahl der Rezensionen in diesem Jahr auf 68,
am ertragreichsten erwiesen sich dabei der November und Dezember mit jeweils 12 Reviews,
am unproduktivsten der August, in welchem aus Zeitmangel nichts geschrieben wurde.
Neue eingetragene Stammleser verzeichnete der Blog auch in diesem Jahr keine.

Aber genug palavert, hier sind nun ohne weitere Umschweife die Unholy Black Art Of Ritual Top 20 des Jahres. Wie immer dient dieses Ranking lediglich einer Auflistung von besonders empfehlenswerten Veröffentlichungen und folgt nicht unbedingt einer Beliebtheitsskala. "Political Correctness" wurde einmal mehr außen vor gelassen. Wer ein Problem damit hat, sollte diesen Blog ohnehin nicht verfolgen und darf gerne krepieren. No friends, no trends, no partying, no compromisses!


Die Top 20 der empfehlenswertesten Alben:

01. Wallfahrer - Anthologie der Abkehr (Eigenproduktion)
02. Opera IX - The Gospel (Dusktone)
03. Shroud of Satan - Of Evil Descent (Sol Records)
04. Thromos - Thromosphäre (Schattenkult Produktionen)
05. Nécropole - Solarité (Northern Heritage)
06. Acherontas - Faustian Ethos (Agonia Records)
07. Occultum - In Nomine Rex Inferni (Old Temple)
08. Elegiac - Rise from the Ashes (Ewiges Eis Records)
09. Aether - Ego Vitium Sum (Diaphora Produktion)
10. Burkhartsvinter - Hohenkrähen (Total Death Records)
11. Sõjaruun - Tusk (Eigenproduktion)
12. Tempers Creature - Sturm 1918 (Wolfmond Production)
13. Oscult - The Sapient : The Third : The Blind (Northern Fog)
14. Runenwacht - Blutrecht (Northern Fog)
15. Mavorim - Silent Leges Inter Arma (Purity Through Fire)
16. Schattenfang - Ex Cineribus: Was blieb, als du gegangen bist (Northern Fog / Wolfmond)
17. Frostland - Winterkult (Eigenproduktion)
18. Standvast - Jera: Live 2018 (Werewolf Promotion)
19. Spectre - A Grim Menace from Beyond (Schattenkult Produktionen)
20. Goats of Doom - Rukous (Primitive Reaction)


Erwähnenswerte MLPs / MCDs, EPs, Demos und Splits:

01. Dauþuz - Des Zwerges Fluch (Naturmacht Productions)
02. Mooncitadel - Moon calls to wander... the winter's majesty (Darker than Black)
03. Elfsgedroch - Dwalend bij Nacht en Ontij / Burchten van't hooghe Noorden (Diaphora Produktion)
04. Sale Freux & Shadows Ground - L'Envolée de Circé / The Age Of Ignorance (Schattenkult / France d'Oïl)
05. Vargaur - Dem Zwang zum Trotze (Cirsium Kollektivet)
06. Ancient Moon & Prosternatur - Secretum Secretorum Split (Iron Bonehead)
07. Malakhim - Demo I (Iron Bonehead)
08. Ashtavakra & Orek - Split (Eigenproduktion)
09. Friisk - De doden van't waterkant (Eigenproduktion)
10. Zmora - W głębinach nocy niepojętej (Werewolf Promotion)
11. Dagorath - Evil Is The Spirit (Nigredo Records)
12. Hellewijt - Leviathan Anno 1666 (New Era Productions)
13. Peste Umbrarum - Night Shines Eternal (Eigenproduktion)
14. Selbsthass - Stille (Eigenproduktion)
15. Ortus - Where Shadows Gather (Eigenproduktion)
16. Fluisteraars & Turia - De Oord Split (Eisenwald Tonschmiede)
17. Häxenzijrkell - ...von Glut und Wirbelrauch (Amor Fati)
18. Asche der Welten - Chaos bricht aus (Apocalyptic Art)
19. Mortuus Umbra - Omnipraesent (Urtod Void)
20. Fortress of the Olden Days - Night of Sacrifice (Eigenproduktion)
21. Erstarren - Aufbruch (Eigenproduktion)


Einen Ehrenplatz in dieser Liste hat sich LIVE ECLIPSE für die würdige Wiederveröffentlichung eines großartigen, aber verkannten Werkes deutscher Schwarzmetall-Tonkunst verdient:

Am Mondesschatten - Atrium Sinistrum: Auf Nebelwinden



Die Enttäuschungen des Jahres:

01. Ultha - The Inextricable Wandering (Century Media)
02. Watain - Trident Wolf Eclipse (Century Media)
03. Ascension - Under Ether (World Terror Committee)
04. Integrity & Krieg - Split (Relapse Records)

Review: Peste Umbrarum - Night Shines Eternal (CD, Eigenproduktion - 2018)

Zum Abschluss des Jahres möchte ich mich mit dieser Rezension noch einmal einem wahren Hammer aus dem Underground der USA widmen. Mit Night Shines Eternal präsentiert das infernalische Quartett PESTE UMBRARUM ihre erste Demo-Präsentation, welche zudem komplett in Eigenregie entstand.

Warum man sich dieses Kleinod US-amerikanischen Schwarzmetalls nicht entgehen lassen sollte, lest ihr nun im folgenden...


Doch bevor ich mich nun ganz der musikalischen Seite der Horde widme, möchte ich noch ein paar Zeilen zu den Hintergründen schreiben: Gegründet wurde PESTE UMBRARUM bereits 2017 und besteht seit jeher aus den vier Individuen Cäassimolär am Gesang, Lord Andross am Bass und an den Tasten, Grond Nefarious am Schlagwerk (beide sind auch in PANZERGOD aktiv, Letztgenannter war zudem Teil der inzwischen aufgelösten Horde BLUT DER NACHT, zu deren MCD sich >>hier<< eine Besprechung finden lässt) und Tenebrion, der für die Gitarren verantwortlich zeichnet.

Die erste Veröffentlichung der Herren kommt sowohl in digitaler Version daher, als auch in zwei verschiedenen CD-Editionen. Zum einen in einer transparenten Blu-ray Hülle mit einem Sticker und zum anderen in einem Digipak. Beide physischen Editionen sind streng limitiert. Geboten werden vier Lieder, die auf eine Gesamtlaufzeit von gut 32 Minuten kommen, was dem Ganzen schon beinahe den Charakter eines Mini-Albums gibt - vor allem auch, wenn man die hohe Qualität der Produktion und der instrumentalen Darbietung bedenkt, die alles andere als Demo-Niveau sind.

So beginnt das Werk auch gleich mit dem knapp 9-minütigen Titel gebenden Stück 'Night Shines Eternal', welches mich in seiner intensiven, rauen und wilden Präsentation spontan an Sachen von JUDAS ISCARIOT erinnerte - ein Eindruck, der sich im Verlauf dieser CD noch weiter manifestieren sollte. Doch hier von einem bloßen Klon zu sprechen, wird PESTE UMBRARUM in keinster Weise gerecht, da es die Herren durchaus verstehen, eigene Akzente zu setzen. Der Pfad, auf welchem die Mannen schreiten, ist zwar unverkennbar jener der alten Schule, doch zeigt sich die Horde äußerst "spielfreudig" (was gerade in den Gitarren zum tragen kommt) und sehr authentisch. Sie verstehen ihr Handwerk und scheinen auch zu wissen, was sie tun... und das überzeugt auf ganzer Linie. So bietet man dem geneigten Hörer zwar einerseits klassischen Black Metal, der sich wie gesagt an Vertreter der 90er Jahre, vor allem aus Amiland orientiert, wartet aber auch mit dichten Atmosphären und fast schon bedrückenden Spannungsbögen auf, die das Geschehen abwechslungsreich und doch traditionell halten - eine Mixtur, an der sich immer wieder Bands versuchen, an der die meisten jedoch letztlich kläglich scheitern. 'Umbrae de Gallows Dolor' ist so ein Beispiel für das Wechselspiel der Emotionen: zum einen beginnt das Stück sehr mystisch und okkult, trägt im Verlauf sehr viel Trauer und Melancholie in sich, zeigt aber gerade im letzten Teil seine scharfen Reißzähne, die unbarmherzig in das Fleisch gerammt werden. 'Dead to World' enthält dann sogar einige leichte Anleihen an den klassischen Death Metal. Dieser Song stellt eigentlich auch die schnellste Nummer der Demo dar und ist mit knapp fünf Minuten auch die kürzeste. Mit 'Across Seas of Sorrow and Time' erklingt dann auch schon der letzte Beitrag der CD. Einem etwa 3-minütigen einleitenden Teil mit Keyboard und atmosphärischen Geräuschen folgt ein sich langsam, aber stetig steigender Black Metal-Sturm, der eine eiskalte und getragene Atmosphäre in sich birgt und von erhabener Finsternis erfüllt ist. Nach 10 Minuten endet das letzte Stück dann relativ abrupt und lässt den Hörer mit einem Gefühl der Verlassenheit zurück. Definitiv wurde hiermit noch nicht alles zu Ende erzählt...

Fazit:
Mit Night Shines Eternal haben die vier Amis von PESTE UMBRARUM ein sehr authentisches Schwarzmetall-Werk veröffentlicht, welches eine perfekte Symbiose aus Tradition, Atmosphäre und räudiger Wildheit darstellt. Man merkt der Musik zu jeder Zeit die Überzeugung an und das Herzblut, mit welchem die einzelnen Stücke vorgetragen werden. Über das Bandcamp-Profil der Horde kann man sowohl die digitale Version, als auch die Digipak-CD erwerben, für jeweils 5,- bzw. 6,- USD (allerdings käme hier noch P&V hinzu, was die Sache für Interessenten aus Europa doch wieder etwas unattraktiv macht).

Authentischer Schwarzmetall der alten Schule mit großartigen Emotionen, eisigen Atmosphären und finsterer Erhabenheit. Meine Empfehlung!


Darbietungen:
01. Night Shines Eternal
02. Umbrae de Gallows Dolor
03. Dead to World
04. Across Seas of Sorrow and Time

Laufzeit: ca. 32 Minuten




Montag, 24. Dezember 2018

Review: Plaga - Magia Gwiezdnej Entropii (CD, Societas Oculorum Arcanorum Records / Hellfire Records - 2013)


Mit Magia Gwiezdnej Entropii legen uns die polnischen Todespriester von PLAGA ein für Black Metal-Verhältnisse recht abwechslungsreiches Album vor, angefüllt mit okkulten Beschwörungen wider den Kosmos und voller Hingabe an die dunkle Seite der christlich-jüdischen Mythologie. Das vorherige Schaffen dieser Truppe umfasst eine Demo von 2009 (Trąby Zagłady / Triumfalny Taniec…), auf welcher bereits eines der Lieder des vorliegenden Albums enthalten ist (nämlich ‚Trąby Zagłady‘), sowie eine EP mit dem Titel Pożeracze słońc von 2011.



Aktuell bestehen PLAGA aus zwei Mitgliedern, nämlich Conqueror und Wojciech, welche beide u.a. zur Besetzung von LEICHENGOTT gehörten. Im Zuge von Live-Auftritten wird auf die Unterstützung von Gastmusikern zurückgegriffen.

Kommen wir nun zum vorliegenden Werk aus dem Jahre 2013. Ein sehr starkes Album, das – wie bereits erwähnt - auch einiges an Abwechslung bietet. Ganz so positiv kann ich diesen Umstand jedoch nicht bewerten, auch wenn mir die Scheibe insgesamt sehr gut gefällt. Rauer Black Metal mit ketzerischem Gesang, der teils sogar zum Mitsingen animiert, was hier aber keineswegs negativ gemeint ist! Gelungen finde ich vor allem die in lateinischer Sprache gehaltene Passage des ersten Liedes (nach dem Intro), welche in orthodoxer Choralform dargebracht wird, was ich als sehr stimmungsvoll empfinde und von dem ich gerne mehr hören würde…

Was mich zumindest am Anfang bei Magia… gestört hat, sind jene Abschnitte des Albums, die mir zu sehr nach „normalem“ Metal klingen, insbesondere die Gitarrensoli. Schlecht sind diese keineswegs, und bei einer Nicht-Black-Metal-Band hätte ich sicherlich von guter Musik gesprochen, doch irgendwie passen diese Passagen nicht zu meinem schwarzmetallischen Verständis… doch das ist Ansichtssache, und nach mehrmaligem Hören empfinde ich die Metal-Riffs als nicht mehr ganz so störend…

Um bei Abwechslung und den Einflüssen andere Spielarten zu bleiben: Titel Nummer vier (‚Slaying the spiritless Abel‘), das "metal-lastigste“ Stück des Albums, lädt zwischendurch beinahe dazu ein, Pogo zu tanzen -  was ich jetzt schon irgendwie amüsant und durchaus positiv finde, setzt es dem ganzen doch eine gewisse räudig-dreckige Note auf.

Nicht ganz so einfach war die Auseinandersetzung mit den Texten. Da bis auf ein Stück alle Lieder in polnischer Sprache verfasst sind, musste ich zumindest für die Titel einen Online-Übersetzer heranziehen, wobei ich hoffe, dass mir dieser die Worte auch korrekt ins Deutsche übertragen hat (Polnisch sprechende Leser dürfen mich daher gerne korrigieren).
PLAGA selbst bedeutet „Pest“, was ich mir aber auch schon dachte. Textlich gesehen widmet man sich vor allem dem Tod, aber nicht aus einer depressiven Haltung heraus, sondern im Kontext von Wissen und Erkenntnis. Thematiken aus der Kabbala, also der jüdischen Mystik, werden aufgegriffen, und zwar in ihrer dunkleren Form: So stellt sich der gottesfürchtige Kabbalist die Aspekte der Welt als einen Baum vor, den „Baum des Lebens“. Der Kabbalist der dunklen Seite hingegen wendet sich der Rückseite dieses Baumes zu, nämlich dem des Todes, der zugleich Erkenntnis bedeutet (derselbe „Baum der Erkenntnis“ von dem Adam und Eva essen). Tod wird an dieser Stelle also mit Wissen gleichgesetzt, und in diesem Themenbereich bewegen sich auch PLAGA.

Ich stütze mich jetzt mal auf den Titel „Slaying the spiritless Abel“, in welchem es natürlich um Kain geht, der seinen Bruder ermordet. Kain wird hier als Held verehrt, welcher durch seine Bluttat die Tore zur anderen Seite öffnet („The voiceless whispers calling him to slay Abel / He opens a path to the other side“). Als Tor wird hier der blutende Hals von Abel beschrieben, was wiederum mit der dunklen Kabbala vereinbar ist, da man die insgesamt zehn Aspekte des Lebensbaums („Sephirot“ genannt) mit den verschiedenen Teilen des menschlichen Körpers gleichsetzen kann – und der Hals repräsentiert den Abyss, im Hebräischen "Daath" genannt, durch welchen man zum Baum des Todes gelangt. Und indem man Daath durchschreitet, löst man sich vom Baum des Lebens, also von der Welt Jahwes, mit all ihren Zwängen und Vorschriften, die nicht dem Menschen dienen, sondern lediglich die Bindung an den christlich-hebräischen Gott sichern sollen. Der Übergang zum Baum des Todes und der Erkenntnis bedeutet demnach Freiheit des Menschen, so wie es auch von PLAGA in besagtem Lied besungen wird: „Through the bleeding throat – the Liberation of man“.

Nun zu den Übersetzungen der polnischen Titel. Trąby zagłady‘ bedeutet in etwa „Trompeten des Schicksals“, vielleicht auch „der Verdammung“. Ich mutmaße mal, dass es sich hierbei um die apokalyptischen Posaunen aus der Offenbarung handelt, welche das Ende der Welt einleiten.
Und darum scheint es in diesem Lied auch zu gehen – um das Ende der Welt bzw. um die Freisetzung der dunklen Kräfte. Denn an einer Stelle taucht immer wieder die Beschwörungsformel „Zazas Zazas Nasatanada Zazas“ auf, welche nicht polnisch ist, sondern ihren Ursprung im Nahen Osten hat (entweder hebräisch oder babylonisch), und auch in den Schriften des "Temple of the Black Light" ihren Platz einnimmt. Bei diesem Tempel handelt es sich um einen kabbalistisch-satanischen Orden, dessen Rituale darauf abzielen, den Menschen von den Zwängen des Kosmos zu befreien, demnach also anti-kosmisch ausgerichtet ist (dieser Orden sollte jedem Verehrer von DISSECTION ein Begriff sein). Und der TotBL gebraucht genannte Formel um die Tore des Abyss, also die Tore von Daath, zu öffnen (und DISSECTION verwenden diese Worte im Intro von Reinchaos).

Ich komme zu der Folgerung, dass PLAGAs Texte ideologisch ebenfalls zum anti-kosmischen Satanismus gerechnet werden können. Dafür sprechen auch die beiden verbliebenen Lieder, nämlich Śmierć Cieplna Wszechświata‘ und ‚Magia Gwiezdnej Entropii‘. Ersteres wurde mir mit „Hitzetod des Universums“ übersetz, was ja eindeutig für eine Haltung wider den Kosmos spricht (selbst wenn die Übersetzung nicht ganz korrekt sein sollte). Dieser Ausdruck bildet auch den Refrain, in welchem vor allem das Wort „Śmierć“ (= Tod) besonders hervorgehoben wird. Gefällt mir sehr, da sich der Refrain hervorragend mitbrüllen bzw. hasserfüllt mitgrölen lässt; darüber hinaus entsteht durch die stetige Wiederholung dieser Worte eine Art Mantra, voller Kraft und äußerst zerstörerisch.

Der Titelsong (zu Deutsch in etwa „Magie der stellaren Entropie“, also wieder Tod des Universums) sagt mir auf diesem Album am meisten zu. Bestimmt wird er von einem (Metal-)Riff, das aber durch seinen immer wiederkehrenden Charakter schon fast ins Hypnotische übergeht – eine Sache, die ich am Black Metal besonders schätze. Zugleich wohnt diesem Riff auch etwas Episches, Hymnisches bei, sodass ich es mir wohl stundenlang anhören könnte, ohne dabei aufzuhören es zu genießen…

Fazit:
Trotz meiner eingangs erwähnten Kritik an den „normalen“ Metal-Elementen bereitet mir Magia Gwiezdnej Entropii doch große Freude. PLAGA spielen nun keinen kalten, atmosphärischen Black Metal; dafür jedoch schaffen sie es durch ihre ansatzweise hymnische und abwechslungsreiche Art, den Hörer bei Laune zu halten, und hier und da rhythmisch mit dem Kopf mitzunicken oder gar mitsingen zu wollen… Gerade in Bezug auf letzteren Punkt könnte ich mir vorstellen, dass sich der Besuch auf einem PLAGA-Konzert durchaus lohnen könnte…

Die CD musste ich mir in Polen bestellen, da sie in Deutschland nicht aufzutreiben war. Auf Anraten Kraehenbluts habe ich mich an Witches Sabbath Records gewandt, und muss sagen, dass ich von der Kaufabwicklung positiv überrascht war. Bestellungen im Ausland können ja auch schon mal etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen, teils ist man gezwungen, mehrere Wochen zu warten… hier aber lief alles reibungslos, deshalb mein Dank an dieser Stelle!


Darbietungen:
01. Intro – Left Hand Prayers
02. Trąby Zagłady
03. Śmierć Cieplna Wszechświata
04. Slaying the spiritless Abel
05. Magia Gwiezdnej Entropii

Laufzeit: ca. 35 Minuten




Sonntag, 23. Dezember 2018

Review: Thromos - Thromosphäre (CD, Schattenkult Produktionen - 2018)

Bereits das zweite Album von THROMOS in diesem Jahr liegt mir hier in Form von Thromosphäre vor, welches ja nun auch schon etwas länger angekündigt war. Was einen hier erwartet, dürfte klar sein. Auch, dass THROMOS mit ihrem neuen Werk keinen Deut von ihrem Kurs abweichen werden, dürfte wohl kaum überraschen. Genau so wenig aber auch, dass ihre Musik in irgendeiner Weise weich gespült klingt. Ja, es gibt wieder einmal geradlinigen, satanischen Black Metal um die Ohren, der keine Gefangenen macht und auch nichts für den allgemeinen Black Metal-Hipster sein dürfte, denn dieser dürfte der Musik eher wenig abgewinnen...



THROMOS präsentieren sich hier nämlich einmal mehr äußerst minimalistisch, erreichen dabei aber erneut ein Maximum an möglicher Atmosphäre. Was irgendwie schon erstaunlich ist, wenn man bedenkt, dass es sich bei der Thromosphäre um das bereits 10. Voll-Album der beiden Herren aus Roßlau handelt. Auch, dass letzten Veröffentlichungen so zeitlich eng bei einander liegen, gereichte so mancher Horde bereits eher zum Nachteil, da die einzelnen Releases kaum eigene Akzente setzen konnten und man schon die Frage stellen durfte, ob es Sinn macht, sich noch das Album YZ zuzulegen, wenn man schon Album XY in der Sammlung stehen hatte, da sich beide doch mehr als nur ähnelten. Einige Beispiele dafür dürften wohl vor allem MOLOCH oder auch DROWNING THE LIGHT sein - wobei sich das doch schon etwas gelegt hat.

Was nun THROMOS anbelangt, so muss ich sagen, dass sich auf ihrem Album zwar vereinzelte Abnutzungserscheinungen ausmachen lassen, diese jedoch kaum ins Gewicht fallen. Denn auch wie schon beim direkten Vorgänger Taucht ein... in Finsternis (die Rezension zu diesem Werk findet sich >>hier<< - im Zuge dessen findet ihr auch Verweise zu den anderen geschriebenen Besprechungen) lässt sich auch hier feststellen, dass man vor allem im instrumentalen Bereich wieder einige interessante und mitreißende Details zelebriert, die den geneigten Hörer bei Laune halten und ihn dazu bringen, sich ganz und gar auf die Musik einzulassen und sich ihr hinzugeben. Der Gesang erklingt einmal mehr hintergründig aufgenommen und scheint direkt aus den unendlichen Weiten des schwarzen Nichts zu stammen. So präsentiert sich schon das beginnende Stück 'Transfinit' als vordergründig nihilistischer Black Metal, doch seine wahre Kraft entfaltet er erst bei genauerer Beschäftigung mit ihm (um hier einfach mal mich selber zu zitieren: "Beginnt bedrohlich und rituell, wartet danach mit einem für Thromos typischen Klangbild auf, was aber auch nichts wirklich Besonderes mehr bietet... und nach dem Mittelteil, gerade im letzten Viertel wird der Song richtig geil!" - Kommentar zum offiziellen Vorab-Video auf YT - Anm.).

Thematisch widmet man sich auch auf Thromosphäre einmal mehr dem Satanischen. In Wort und auch Tat. So wird nicht nur die Finsternis, das Mystische und die Dunkelheit besungen, auch wird "Satan" nicht per se im christlichen Sinne als Anti-Gott dargestellt, sondern eher als "Lichtbringer" und kosmische Macht, die uns den Weg zur Erkenntnis weist. Freiheit des Geistes. So werden auch Rituale genannt, die einem auf diesen Pfad der Weisheit begleiten und leiten sollen. Und letztlich macht es auch der letzte Song, der dem Album seinen Titel gab, deutlich: das Album selbst gleicht einem in sich geschlossenes Ritual, wie es ja schon die vorherigen Alben der Horde auch waren. So verbindet 'Thromosphäre' in seinem Text alle anderen Titel des Albums und fügt sie sinnvoll zusammen. Und da fühle ich mich auch etwas an ihr Album Besessen aus dem Jahr 2016 erinnert, auf dem sich das Titelstück in ähnlicher Art und Weise mit der bisherigen Diskographie der beiden Mannen auseinandersetzte. Auch das inzwischen wohl obligatorische 'unbenannte Instrumental' am Ende der eigentlichen Titelliste darf hier natürlich nicht fehlen. Ich frage mich, ob die Band damit irgendein größeres Ziel verfolgt - mir wäre jedenfalls bisher nicht bewusst aufgefallen, dass es sich um erste Aufnahme zu jeweils kommenden Werken oder etwas in der Art handelt...

Fazit:
Die beiden Herren Mortifer Daemon und Nissen aka THROMOS legen mit ihrer Thromosphäre das inwzischen 10. Album ab und scheinen noch kein bisschen müde. Hier handelt es sich wieder einmal um ein Album, welches den ursprünglichen Geist des Schwarzmetalls nicht nur sehr gut einfängt, sondern ihn auch zelebriert. Ihn atmet. Ihn verinnerlicht. Und trotzdem wartet ihre Musik auch hier wieder mit einigen Nuancen auf, die ihr aktuelles Werk wieder etwas anders klingen lässt, als die letzten. Einfach faszinierend, überragend, erhaben. Die CD im Jewelcase erhaltet ihr für 10,- Euronnen direkt bei Schattenkult Produktionen.

THROMOS liefern hier erneut ein großartiges Black Metal-Album ab, voller kraftvoller Ursprünglichkeit, mystischer Rituale und schwarzer Magie!


Darbietungen:
01. Transfinit
02. Schwarze Mystik
03. Belial
04. Dekonzentration
05. Im Nebel
06. Aphel (Ritual der Dunkelheit)
07. Des Geistes fleischlose Ferne
08. Thromosphäre

Laufzeit: ca. 54 Minuten



Review: Sale Freux & Shadows Ground - L'Envolée de Circé / The Age Of Ignorance Split (MLP, France d'Oïl Productions / Schattenkult Produktionen - 2018)


Kurz vor Jahresende wartet die deutsche Schmiede Schattenkult Produktionen gleich mit ein paar neuen Veröffentlichungen auf. In Zusammenarbeit mit France d'Oïl Productions aus Frankreich, welches das Label von Dunkel ist, entstand nun diese 10'' Split... Richtig gelesen: Schattenkult veröffentlichen hier tatsächlich nach einer Reihe von von Kassetten und CDs nun endlich ihr erster Release auf dem schwarzen Medium. Zwar wie gesagt, in Zusammenarbeit, aber immerhin. Und der Inhalt ist darüber hinaus wahrlich nicht zu verachten.



SALE FREUX aus Frankreich (unter mehreren Projekten von Dunkel wohl als sein Steckenpferd zu bezeichnen) und SHADOWS GROUND aus der Ukraine, welche ja beide schon für mehrere Veröffentlichungen mit Schattenkult zusammen agierten, präsentieren hier jeweils zwei Lieder.

Doch bevor ich mich nun eingehender mit der Musik beschäftige, möchte ich noch ein paar Worte zu der Aufmachung verlieren: Die 10'' MLP kommt einheitlich in schwarz daher, haust in einer stabilen Steckkastenhülle und wartet noch mit einem 4-seitigen Beiheft auf, welches ebenfalls im 10''-Format vorliegt. Im Innenteil lassen sich dann sämtliche Texte nachlesen, sowie die von Hand geschriebene Widmung, inklusive der Limitierung, die sich auf insgesamt 300 Exemplare beläuft. Hierzu später jedoch noch einmal mehr.

Beginnen möchte ich mit SALE FREUX, die hier ein weiteres Mal als Duo agieren: Dunkel (Gesang, Gitarren, Bass) und Aciretose (Schlagwerk), der ja seit 2017 fester Schlagzeuger der Horde zu sein scheint. Das erste Titel gebende Lied 'L'envolée de Circé' kündigt bereits davon, dass SALE FREUX ihrer Linie auch hier treu bleiben und weiter ihren Pfad der Finsternis beschreiten. Ihre Interpretation des Black Metal erweist sich einmal mehr als eine perfekte Gradwanderung zwischen Atmosphäre und rauer, misanthropischer Dunkelheit. Der Gesang wird die geneigte Hörerschaft auch hier sicherlich wieder spalten, da Dunkel's Art zu singen einfach schon immer sehr speziell war und fernab von dem sein dürfte, was der verwöhnte allgemeine Black Metal-Konsument heute gewohnt ist. Aber gerade seine Stimme, die sich - dem Namen entsprechend - an dem Krächzen von Krähen oder Raben orientiert, macht einen nicht zu unterschätzenden Teil der Atmosphäre aus. So nimmt uns SALE FREUX mit auf eine nihilistische Reise durch die Finsternis einer verlorenen Seele, die ihr Ende nur im großen Nichts finden kann. Dieses Gefühl ist im zweiten Song 'L'espèce en voie de disparition (Hymne á l'Art Noir)' sogar noch ein wenig mehr spürbar, wie ich finde. Bezogen auf den heutigen Schwarzmetall und die selbsternannte "Szene" hat dieser Song gar etwas zutiefst Nostalgisches und Melancholisches an sich. Eine gewisse Traurigkeit für mich hier auch ganz klar zu erkennen. Doch soll sich ein jeder selbst seine Gedanken zu den Worten machen - ich werde hier auch nicht weiter auf sie eingehen, da ich der Letzte sein werde, den Wunsch aller Beteiligten, dass nicht jeder in den Besitz dieser Platte kommen sollte, nicht zu respektieren.

Die ersten Töne des Trios Waam (Gesang, Gitarren), V.L.A.D. (Bass) und Thorns (Schlagwerk) aka SHADOWS GROUND erklingen und beim Vernehmen der ersten Gitarren-Riffs, überlege ich, ob ich das letzte gehörte Album von ihnen irgendwie komplett in Erinnerung habe. Musikalisch musste ich zunächst an eine okkulte Version einer politisch nicht gerade korrekten deutschen Kapelle denken (ihren neueren Sachen) und an INQUISITION, als sie noch ernsthaften Black Metal und nicht dieses geschminkte Szenen-Kasperle-Theater (vor allem der vergangen Scheibe) zelebrierten.




'Death! Death! Death!' erweist sich als sehr eingängiges Stück der alten Schule und enthält wie auch 'Flame of Old' verschiedenste Einflüsse. So lassen sich nordische, ost-europäische und sogar deutsche Versatzstücke ebenso ausmachen, wie typischer Ukraine Black Metal. Ebenso werden hier gerade im zweiten Titel einige nette musikalische Zitate mit eingeflochten, die es zu entdecken gilt.

Fazit:
Was beide Horden hier abliefern spottet eigentlich jedweder Beschreibung. Gerade, was SALE FREUX anbelangt, so handelt es sich bei ihrer Musik doch eher um etwas, was man klar fühlen und an sich selbst erfahren muss, denn nur auf diesem Wege wird sie sich einem öffnen. Wer dazu nicht in der Lage ist, der wird jedoch wohl eher enttäuscht sein - sollte dieses Projekt aber wohl auch eher komplett meiden. SHADOWS GROUND haben mich ziemlich überrascht, zumal ich sie gar nicht mehr als so gut in Erinnerung hatte... allerdings ist das jetzt auch schon etwas länger her, dass ich mich mit ihnen beschäftigte. Alles in allem eine sehr gelungene und in mancher Hinsicht auch besondere Veröffentlichung, die wie bereits erwähnt auf insgesamt 300 Stück limitiert und von Hand nummeriert ist. Darüber hinaus ist jede Platte dem Besteller persönlich gewidmet, was jedem einzelnen Exemplar eine individuelle und persönliche Note verleiht. Interessenten aus Deutschland wenden sich am besten gleich an Schattenkult Produktionen, der 150 Exemplare entbehren kann. Der Preis beläuft sich auf 15,- Euronnen.

Mehr als lohnenswerte Split zweier sehr authentischer Black Metal-Horden, die es wert sind, dass man sie unterstützt!


Darbietungen:
Sale Freux
A-01. L'envolée de Circé
A-02. L'espèce en voie de disparition (Hymne à l'Art Noir)
Shadows Ground
B-01. Death! Death! Death!
B-02. Flame of Old

Laufzeit: ca. 25 Minuten



Donnerstag, 20. Dezember 2018

Review: Sõjaruun - Tusk (Digitaler Inhalt, Arhailised Helid - 2018)

Nach dem bereits vor knapp acht langen Jahren erschienen Vorgänger Talv, welcher nach einer selbst betitelten Debüt-EP, einer Split mit den Germanen von ODAL und dem ersten Voll-Album Org die insgesamt vierte Veröffentlichung der Horde aus Estland darstellte, folgt in diesem Jahr nun endlich der Nachfolger Tusk, dem bereits eine Single mit gleichem Titel voranging. Zumindest ich hätte bis vor kurzem wohl eher nicht mehr damit gerechnet, jemals wieder etwas von dieser Horde zu hören, obgleich mir ihre Musik immer schon zusagte. Zu lange schien die vergangene Zeit. Ob sich das Warten für die Anhänger von SÕJARUUN gelohnt hat, versuche ich nun im folgenden in Erfahrung zu bringen...


SÕJARUUN stammen wie bereits erwähnt aus Estland und gründeten sich im Jahr 2007 als Trio. Seitdem musiziert man in gleichbleibender Besetzung und brachte es wie schon im einleitenden Text geschrieben, auf eine recht ordentliche Anzahl an Veröffentlichungen, ohne jedoch so wirklich die Aufmerksamkeit zu erhalten, wie man es vielleicht am ehesten verdient hätte (so jedenfalls mein subjektiver Eindruck... mal von mir abgesehen, kenne ich überhaupt nur drei Leute, denen der Name der Band ein Begriff ist - Anm.), wobei man natürlich durch die Tatsache, dass alle bisherigen Veröffentlichungen unter dem Banner von Black Devastation standen und gerade auch durch seine Split mit ODAL im deutschen Underground von sich reden machte. Nun beschreitet man mit Tusk ebenso in Sachen Veröffentlichung eigene Wege, denn Arhailised Helid ist das Label eines Mitglieds.

Ein gewisser heidnischer Touch wohnte der Musik der Mannen ja schon immer inne, jedoch noch nicht so offensichtlich wie es bereits der Beginn des ersten Liedes auf Tusk verkündet. 'Sowilo' oder wie es in der Titelliste vermerkt ist auch einfach 'ᛋ' beginnt mit sehr besinnlichen Tönen: dem leisen Knistern von Feuerholz, den tristen Klängen einer akustischen Gitarre... bis sich allmählich eine verzerrte E-Gitarre hinzugesellt, dem ein geflüsterter, kaum wahrnehmbarer Gesang folgt. Mit Trommeln wird dann das nächste Element eingefügt, dem ein disharmonisch wirkender Klargesang folgt, der die Atmosphäre eines Raubritter-Chores besitzt. Danach geht es dann mit einem Gitarrensolo weiter, dem sich eine zweite Gitarre anschließt und die gemeinsam den Übergang zum eigentlichen Black Metal ebnen. Dieser wird dann auch sehr erhaben und episch zelebriert, besitzt aber trotzdem eine eiskalte und vor allem räudig-misanthropische Atmosphäre, die zudem eine gewisse Lobpreisung winterlicher Wälder und Naturmystik nicht entbehren. Auch zeigt sich nicht nur die instrumentale Darbietung äußerst varianten- und facettenreich, die auch einige sehr eigene Ideen und Detailverliebtheit bietet, sondern auch der Gesang. Am Ende geht es dann wieder in einen bedächtigen Part über, der diesen mehr als 8-minütigen Einstieg.

Wer jetzt jedoch befürchtet, dass SÕJARUUN mit diesem Epos bereits all' ihr Feuer verpulvert haben, kann ich hier getrost beruhigen. 'Rähka Reeturitele' setzt gar noch einen drauf, und geht gleich in die Vollen, wobei sich der Schwarzmetall ebenfalls als sehr atmosphärischer Ausflug in verschneite Wälder und Landschaften entpuppt und gerade zum Ende hin eine sehr heidnische Stimmung innehat.

Die folgenden Stücke, inklusive dem Titel gebenden Stück wandeln allesamt auf den Pfaden des Black Metal, der sich im Falle der Horde stets sehr atmosphärisch, majestätisch erhaben und pagan gibt. Die Stimmungen schwanken hier, denn es geht auch durchaus mal wilder zur Sache. Doch wirklich kippt sie erst mit dem sechsten Stück 'Põlvili! (Õõva lugu vanast ajast)', welches sich - seinem Titel entsprechend - einer eher melancholischen, fast andächtigen Spielart des Schwarzmetall annimmt und dabei eine beinahe traurige Stimmung beim geneigten Hörer erzeugt, ohne jedoch bewusst depressiv zu wirken.

Das nächste Lied widmet sich dann aber wieder ganz und gar dem schnelleren, hymnischen Midtempo, was SÕJARUUN auch irgendwie am besten zu Gesicht steht, wenngleich sie es auch verstehen, großartige melancholische Stimmungen und natur-mystische Atmosphären zu erzeugen. Mit 'Sõjaruun' präsentiert man der Hörerschaft dann eine Neuaufnahme, denn der Song stammt ursprünglich bereits vom Debüt-Album Org aus dem Jahr 2009 und ist somit auch schon stolze neun Jahre alt. Hinzukommt, dass sich das Klangbild des Originals noch sehr von dem neuen unterschied: die Produktion wirkte etwas dumpfer und klang mehr nach räudigem Underground. Die Neuinterpretation klingt nun zwar immer noch klar nach Underground, beinhaltet aber noch ein paar zusätzliche Elemente, wie etwa heidnischen Chorgesang oder auch ein paar Passagen von ritueller Mystik.

Den Abschluss bildet SÕJARUUN's Interpretation des Liedes 'Oskar Ruut' von LOITS, welches sich mit der gleichnamigen historischen Person beschäftigt. Dieses Cover wurde bereits 2016 im Zuge des Tribute-to-LOITS-Samplers Trench Art - The Tribute to Loits veröffentlicht und hält sich eigentlich recht nah an der brachialen Stimmung des Originals, wenn man hier auch den latent präsenten Darkwave mit akustischen Momenten ausgetauscht hat. Was das Lied und auch die eigentliche Band dahinter angeht, so muss man dazu sagen, dass es sicher nicht jedermanns Geschmack ist und sich die Band auch öfters (und mehrmals) Vorwürfe gefallen lassen musste, was ich persönlich für ziemlich weit hergeholt halte, da die Texte von LOITS weder von Rassismus geprägt sind, noch auf bloßer Propaganda fußen, sondern meist auf historisch belegten Geschichten aus dem zweiten Weltkrieg beruhen und sich der Thematik doch recht sachlich annähern. Ich sehe da nichts Verwerfliches dran und halte es im Gegenteil sogar für eine ziemlich gute Aufarbeitung dieser dunklen Epoche der Weltgeschichte. Selbst wenn sich das Liedmaterial, wie in diesem Fall auf eine Heldenfigur der SS bezieht.

Fazit:
Mit Tusk melden sich die drei Esten von SÕJARUUN eindrucksvoll und stärker denn je zurück. Das Album bietet für den geneigten Hörer aber auch nahezu alles, was es zu einem grandiosen Vertreter seiner Spezies braucht: Atmosphäre, Magie, Erhabenheit, mystische Elemente, Hymnen an die Natur, den Ursprung und manische Misanthropie. Laut Aussage der Horde haben die Aufnahmen einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren in Anspruch genommen - ein Aufwand, der sich mehr als gelohnt hat. Das Werk gibt es seit Juli als Stream und auch zum Download auf dem offiziellen Bandcamp von Arhailised Helid. Für 9,- Euronnen kann man sich die digitale Version aneignen. Daneben existiert inzwischen auch eine Kassette, die über das ebenfalls estnische Label Trash Can Dance veröffentlicht wurde, auf gerade einmal 48 Stück limitiert und für 5,- Euronnen zu erwerben ist. Zwecks einer Bestellung wendet euch am besten an >>diese Email-Adresse<<.

Ein großartiges Werk Paganer Schwarzmetall-Tonkunst und ein weiteres spätes Highlight des Jahres 2018. Absolute Empfehlung meinerseits!


Darbietungen:
01. ᛋ (Sowilo)
02. Rähka reeturitele
03. Teile oraakel kõneleb
04. Enne koitu
05. Tusk
06. Põlvili! (Õõva lugu vanast ajast)
07. Eluhommiku midrilind (Lapsepõlvest vahel näeb veel und...)
08. Sõjaruun

09. Oskar Ruut (LOITS Cover)

Laufzeit: 51 Minuten




Mittwoch, 19. Dezember 2018

Review: Nocternity - Onyx (CD, Solistitium Records, Kyrck Productions - 2003)

Im Jahre 2003 kreierten die Mannen von NOCTERNITY ein Album, welches Begeisterungen in mir weckte, wie nur wenige andere Werke des Black Metals es vermochten.

Onyx ist ein kaltes Machwerk feinster, schwarzmetallischer Kunst, an Erhabenheit und Atmosphäre kaum zu übertreffen – aber wir wollen nicht schon alles vorwegnehmen und fangen erst einmal von vorne an…






Gegründet 1997 in Griechenland, haben NOCTERNITY schon einige Wechsel ihrer Mitglieder hinter sich gebracht. Einzige Konstante, und daher auch vermutlich kreativer Kopf hinter dieser Horde, ist Khal Drogo, auf dessen Namen ich später noch einmal zu sprechen komme werde.

Auf Onyx zieht besagter Khal Drogo gemeinsam mit seinem Mitstreiter Merkaal in die Schlacht, wird dabei aber auch von einigen Gastmusikern unterstützt, wie etwa dem altgedienten Black Metal/Ambient-Projekt VINTERRIKET aus Deutschland bzw. der Schweiz.

In Sachen Aufmachung gibt man sich sehr kämpferisch. Im Beiheft begegnen wir Kahl Drogo und Merkaal, wie sie in Rüstungen gewandet und mit Klingen in den Händen durch die Wälder streifen. Vom Kriegstreiben an sich sprechen textlich gesehen allerdings nur zwei der insgesamt sieben Lieder: ‚The Song of Hammers‘ und ‚The Iron Age‘. Die übrigen Titel widmen sich den verborgenen Kräften der Natur und den Geheimnissen des Kosmos‘, befassen sich mit der Suche nach Weisheit und dem Begreifen der Unendlichkeit. Man strebt nach Erkenntnis, taucht dazu ein in kosmische Finsternisse oder widmet sich antiken Schlangenkulten.

Schlangenwesen begegnen wir auf Onyx immer wieder, hauptsächlich in Gestalt von Drachen. So ist im Titelsong von einem „Onyxdrachen“ die Rede, welcher dem Suchenden okkultes, antikes Wissen übermittelt. Dabei sei anzumerken, dass der Onyx in der Antike (so auch in Griechenland) als ein Edelstein galt, welcher seinem Träger Stärke, Mut und Selbstvertrauen verlieh. Gleichzeitig schützte er vor dämonischen und schändlichen Einflüssen, sodass man den Onyx häufig auch als Grabbeilage verwendete, um den Seelen der Verstorbenen auf diese Weise Schutz zu gewähren. Vor diesem Hintergrund handelt es sich bei dem Onyx um einen idealen Talisman für Reisen in die Finsternis, womit auch der Albumtitel äußerst trefflich gewählt ist.

Interessant finde ich auch das vierte Stück der Platte, ‚Blood of the Dragon (Valyrian Steel)‘. Aus dem Wort „Valyrian“ wird ersichtlich, dass es sich hierbei um eine Thematik aus George R.R. Martins Romanreihe „Das Lied von Eis und Feuer“ handelt, besser bekannt unter dem TV-Seriennamen „Game of Thrones“. Und tatsächlich geht es in dem Lied um einen der Charaktere dieses Epos‘, nämlich um die sogenannte „Mutter der Drachen“, womit auch das Drachenthema wieder aufgegriffen wäre. Passend dazu natürlich der Name Khal Drogo, da dieser ebenfalls eine Figur Martins ist, nämlich der Anführer eines archaischen Reitervolkes, welcher besagte Drachenmutter ehelicht.

Interessant ist nun, dass Onyx im Jahr 2003 erschien, während „Game of Thrones“ erst 2011 begonnen hat – demnach beziehen sich NOCTERNITY nicht auf die Fernsehserie, sondern auf die Bücher. Wenn man den Hype bedenkt, welcher um GoT losgetreten wurde, so könnte man Khal Drogo bzw. NOCTERNITY durchaus als „Fans der ersten Stunde“ bezeichnen…

Kommen wir nun zur Musik, welche wahrhaft zu überzeugen vermag! Klirrende Kälte, eine eisig-majestätische Stimmung, und dazu kämpferische Melodien, die hier und da leicht ins Hymnische übergehen, ohne dabei zu dick auftragen oder sich einem aufdrängen wollen.
Zuweilen vernimmt man auch Kriegstrommeln, und ein Stück – ‚The Red Dawn‘ – wird von mächtigen Glockenschlägen begleitet, die scheinbar einen großen Krieg und/oder einen alles zerstörenden Niedergang einläuten.

Das gesamte Album ist vorwiegend im Mid-Tempo gehalten, wodurch die ohnehin schon frostigen Gitarren noch einschneidender zu Geltung kommen und der eigene Nacken beinahe mit einer Gänsehaut überzogen wird. Und wenn an einigen Stellen das Schlagwerk doch etwas mehr gefordert wird, so erklingen machtvolle Trommelschläge, die einen antreiben, sich in einen wie auch immer gearteten Krieg zu stürzen.

Besonders gelungen auch die Übergänge zwischen den einzelnen Stücken – kurze Ambient-Passagen fügen sich nahtlos an die ein- und ausklingenden Lieder, sodass die geschaffene Atmosphäre stets erhalten bleibt, und das Album tatsächlich als „Gesamtwerk“ bezeichnet werden kann.

Fazit:
Erhabene Musik, die sich kalten Klingen gleich in ungeahnte Höhen schraubt, und dabei vielschichtig erfüllt ist von Dunkelheit, Drachen, Kriegen und der Suche nach Erkenntnis. Ich habe eine Weile gebraucht, um die CD aufzutreiben, fündig geworden bin ich schließlich bei Amor Fati Productions. Bei anderen Händlern bin ich nur auf das NOCTERNITY-Album Harps of the Ancient Temples gestoßen, zu dem ich an dieser Stelle nicht viel sagen kann. Onyx ist auf jeden Fall eine absolute Kaufempfehlung!


Darbietungen:
01. The Song of Hammers
02. Secreta Ayra
03. Blood of the Dragon (Valyrian Steele)
04. The Red Dawn
05. Schwarze Nacht
06. The Iron Age

Laufzeit: ca. 38 Minuten