Freitag, 21. Oktober 2016

Vorab-Review: Tardigrada - Emotionale Ödnis (CD, Eisenwald / Fallen Empire - 2016)

Hinter TARDIGRADA verbirgt sich ein Trio aus der Schweiz, welches sich der Zelebrierung atmosphärischer Black Metal-Musik verschworen hat. So weit nichts Neues also. Zudem bin ich bei Schwarzmetall aus den Schweizer Landen ja generell etwas vorsichtiger, da aus der Region vornehmlich Schund veröffentlicht wird - jedenfalls ist das mein subjektiver Eindruck (bisheriger Tiefpunkt für mich war bisher das - durchaus ernstgemeinte (!) - youtube-video der unsäglichen 'Fantasy' Metaller BLACK JADE mit dem Helene Fischer Cover - dies bedarf wohl kaum weiterer Worte). Nun gibt es aber immer wieder löbliche Ausnahmen... wie auch das hier vorliegende Werk eindrucksvoll beweist...


TARDIGRADA präsentieren uns mit "Emotionale Ödnis" nach einer Demo-Veröffentlichung aus dem Jahr 2012 (erschien unter dem Banner von Fallen Empire auf Kassette) ihr erstes Voll-Album, welches eine Kooperation zwischen der deutschen Eisenwald Tonschmiede und dem in Amiland beheimateten Label Fallen Empire Records darstellt. Ganze zehn Lieder wird es letztlich umfassen, die mit einer Spielzeit von insgesamt rund einer ganzen Stunde aufwarten können. Der Titel ist dabei Programm, denn erschallt die, wie schon erwähnt, sehr atmosphärische Musik in einem tristen und grauen Gewand. Dabei stellen die Lieder "I" bis "V" instrumentale Zwischenspiele dar, bzw. dient "I" als Einklang des Albums. Dazwischen lassen sich die 'richtigen' Songs ausmachen, die auf den ersten Blick sehr nihilistisch erscheinen, was wohl auch durchaus so beabsichtigt ist, doch im weiteren Hörverlauf immer mal wieder kleinere Details offenbaren. Desolate Kälte trifft hier auf Melancholie und Verzweiflung - und doch wäre es vermessen, das Album in die Kategorie 'DSBM' stecken zu wollen, da es wesentlich mehr Facetten als die üblichen Klischees bietet. Akustische Gitarren und folklorische Sphären finden hier ebenso ihren Einsatz wie Dark Ambient oder auch durchaus mal schnellere Passagen. Übrigens handelt es sich bei dem Mann am Schlagwerk um H.A.T.T., der bereits bei SUAMANUCAEDERE die Felle geschlagen hat (von denen habe ich auch schon länger nichts mehr vernommen... sind die eigentlich noch aktiv? Wenn da jemand mehr weiß, darf er sich gerne an mich wenden. - Anmerk.) und die mich ja auch zu begeistern wussten. Was ich hier definitiv noch positiv hervorheben möchte, ist die Tatsache, dass die eigentlichen Songs allesamt zwar Überlänge besitzen, aufgrund ihrer Abwechslung auch innerhalb der Liedstrukturen nicht wirklich danach anfühlen - sprich: es wird wenn überhaupt nur äußerst selten langweilig für den Hörer.

Fazit:
Klar, auch TARDIGRADA fahren trotz all ihrer Hingabe und "Spielfreude" keinen Preis für Eigenständigkeit ein, muss man klar so sehen. Aber das ist in Ordnung, da man hier mit Herzblut an die Sache heran geht und es versteht, ergreifende Atmosphären aufzubauen, die den Hörer für sich einnehmen und denen man sich mit jedem weiteren Verlauf des Albums schwerer entziehen kann. Zudem bemüht man sich um Abwechslung, was dem Ganzen dann doch wieder eine individuelle Note verleiht, denn wie "Emotionale Ödnis" klingt nun wirklich nicht jedes x-beliebige Album! Das Debüt erscheint am 28. Oktober diesen Jahres als CD im Digipak, als DLP und digitales Album (Preise sind noch nicht gelistet). Interessenten aus Deutschland sollten sich vertrauensvoll an Eisenwald. Deren Shop ist zwar aktuell immer noch offline, alternativ kann man aber im Bandcamp-Profil des Labels oder über Discogs.com in den Angeboten stöbern, oder sich alternativ auch direkt an die Email-Adresse wenden.

Sehr emotionales und ergreifendes Machwerk. Jeder, der etwas mit atmosphärischem Schwarzmetall anfangen kann, ist hier mehr als gut beraten!


Darbietungen:
01. I
02. E Sturm zieht uf
03. II
04. Die Wand
05. III
06. Erschöpft
07. IV
08. Emotionale Ödnis
09. V
10. Verfalll

ca. 60 Minuten

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