Sonntag, 18. September 2016

Vorab-Review: Totensucht - Black-Demonical-Accursed (CD, Wolfmond Production - 2016)

Bei dem relativ farbenfrohen Cover könnte man fast schon zu meinen, es handele sich hier um, wenn auch düsteren, Power Metal oder so etwas. Nun, beim Blick auf das Label sollte einem aber schon klar werden, dass man es hier doch eher mit einem Album aus dem Bereich des Black/Death Metal zu tun hat. Gegründet wurde TOTENSUCHT als Duo, nach einem regulären Voll-Album und einer Art Compilation aus mehr oder minder improvisierten neuen Stücken musste man sich allerdings von einander trennen und so ist Keltor nun einziges Mitglied des noch jungen deutschen Projekts.



Musikalisch geht es hier recht ungezähmt zu. Räudiger Black Metal, der allerdings auch nichts an Melodie vermissen lässt und allgemein ziemlich rockig präsentiert wird. Dass hier also kein Stümper am Werk ist, sollte einem gleich beim ersten Lied "The Alphatier is Back" (was für ein Titel) klar werden. Dieses hält neben dem schnell gespielten Black Metal nebst dementsprechenden Gesang von Keltor aus Klar- und Sprechgesänge bereit, was sehr zur ohnehin schon starken Atmosphäre beiträgt und dem ganzen noch einen Hauch von Gothic Metal gibt. "Fisted by an Angel" klingt etwas moderner in der instrumentalen Darbietung und bietet auch einige Anleihen an den technisch-versierten Melodic Death Metal, klingt zeitgleich aber auch insgesamt etwas melancholischer, wenn nicht sogar depressiver, was vor allem den großzügig platzierten Tempowechseln innerhalb des Songs geschuldet ist. "Of Daydreams and the Power of Imagination" beginnt akustisch, steigert sich dann in einen mittel-schnellen und getragenen Black Metal-Song und geht dann nach einem verträumten Gitarrenspiel über in einen Post Rock/Shoegaze-Mix mit Klargesang, bis die Stimme wiederholt den Wandel einleitet und es mit Post Black Metal (inklusive Gitarrensolo) weitergeht. Auch hier lassen sich wieder mehrere Tempowechsel und Stimmungen innerhalb eines Liedes einfangen, was einfach (nicht zum ersten Mal) zeigt, dass hier ein Vollblut-Musiker am Werk ist. Gänzlich anders präsentiert sich TOTENSUCHT auf dem folgenden Stück "Invisible Invincibility", welches kompromisslos schnellen Black 'n' Roll bietet. Doch auch hier sorgt man für Abwechslung: so geht es zur Mitte hin in eine ruhigere Passage über, die mit Wolfsgeheul und anderen Samples unterlegt ist und einen beschwörenden Klargesang enthält. "Hostage of Kallisto" schlägt da in eine ähnliche Kerbe, "Laugavegur" hat dann eine eher folkloristische Note in den ersten knappen 1 1/2 Minuten, die ein wenig wie ein Seemannslied anmuten. "Chipped Galaxy" bietet tatsächlich einige spacige Sphären und psychedelische Momente, was vor allem der Lead-Gitarre geschuldet ist, hat darüber hinaus auch einige nicht zu leugnende Parallelen zu CRADLE OF FILTH (durchaus als Kompliment gemeint) oder auch den Finnen von GOATS OF DOOM, da es hier doch recht melodisch zur Sache geht. Der Rausschmeißer ist dann noch einmal ein wuchtiger Melodic Black Metal-Song, der mit Versatz-Stücken aus dem Depressive, dem Post Rock und dem Shoegaze spielt, darüber hinaus aber niemals seine schwarzen Wurzeln verrät. Sehr schön auch die letzten Worte des Textes: "Black-Demonical-Accursed", mit denen das Album bereits eingeleitet wurden und ja auch den Titel des Albums wiedergeben. Eine Geschichte, die zu Ende erzählt wurde.

Fazit:
TOTENSUCHT waren mir bis zu diesem Album absolut unbekannt und im ersten Moment musste ich doch auch tatsächlich an eine Verwechslung mit den ähnlich klingenden TODESSUCHT denken. Musikalisch haben diese Projekte jedoch rein gar nichts mit einander gemein. Wo bei den einen der reine DSBM vorherrscht, regiert auf dem bereits dritten Album von TOTENSUCHT die reine Spielfreude. Großartige Atmosphären, gespickt mit emotionalen Höhepunkten, guter Melodie-Führung und gekonnten Song-Strukturen, die jede Menge Abwechslung in das Geschehen bringen. Hier und da hört man zwar kleine Verspieler heraus, aber that's life und das macht solche Underground-Veröffentlichungen ja auch letztlich auch erst wirklich sympathisch. Das Release wird nächste Woche stattfinden und zwar als Pro-CDr im Digipak, welche auf 100 Stück limitiert sein wird. Bestellungen sind wie immer an Wolfmond Production zu entrichten.

Ein Meisterwerk des modernen Black Metal. Old School Maniacs dürfen hier aber auch ruhig einmal ein Ohr riskieren. Meine Empfehlung!


Darbietungen:
01. Strange Heritage (Introduction)
02. The Alphatier is Back
03. Fisted by an Angel
04. Of Daydreams and the Power of Imagination
05. Invisible Invincibility
06. Hostage of Kallisto
07. Laugavegur
08. Chipped Galaxy
09. Captive in a Bloody Lifestyle

Laufzeit: ca. 56 Minuten

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