Dienstag, 13. November 2018

Review: Erstarren - Aufbruch (CD, Eigenproduktion - 2018)

Aufbruch lautet der Titel des ersten Machwerkes der aus drei Mannen bestehenden Horde ERSTARREN. Veröffentlicht wurde es auf CD und zwar im September diesen Jahres. Wer also bis dato noch nie etwas von dem Trio aus Wolfsburg gehört hat, braucht sich also nicht großartig zu schämen. Nun ist das heutzutage mit Neueinstiegen ja immer so eine Sache und so wirklich in Euphorie kann mich so schnell auch nichts mehr versetzen - Grund genug also, diesen Erstling einmal genauer zu betrachten...



Im Grunde stellte diese CD für mich auch eher einen Blindkauf als alles andere dar. Das Cover gefiel mir, der Namen sagte mir noch nix und das Hör-Beispiel im Mailorder von Wolfmond Production fand ich ebenfalls recht solide. Also dachte ich mir: "Warum nicht!?", schließlich bin ich auch immer auf der Suche nach neuen Sachen interessiert, die ich noch nicht kenne (wenn es in musikalischer Hinsicht dann auch nicht immer sonderlich viel wirklich Neues zu entdecken gibt... hehe - Anm.). Nun handelt es sich bei den Leuten hinter der im letzten Jahr gegründeten Band um keine allzu unbekannten Namen / Gesichter: Schlagzeuger D.H. dürfte vielleicht einigen bereits als fester Live-Session-Musiker der Horden SHARDS OF A LOST WORLD und WALDSEEL ein Begriff sein. Zudem bildete er zusammen mit Gitarrist Draugr das (mir unbekannte) Duo STERBEHILFE. Für den Gesang, sowie den Bass zeichnet Dyret aka Waldseel (u.a. WALDSEEL, DARK WORLD'S SPELL, UNDEAD CORPSE, ex-PESTFELD) verantwortlich, der in diesem Jahr zu der Band stieß und das Line-up nun vervollständigt. Ebenso kooperieren ERSTARREN mit der Organisation Roots of Solitude.

Gut, soviel also zum Hintergrund. Wie steht es aber nun um die Qualität dieses Debüts? Insgesamt umfasst die CD fünf Lieder, bei einer Gesamtlaufzeit von rund 30 Minuten und wird daher noch als EP oder zumindest Mini-Album bezeichnet. Die Titel und Texte sind allesamt in deutscher Muttersprache verfasst und dargeboten, sind relativ klar verständlich und beschäftigen sich eher mit persönlichen Motiven und Gedanken. Die Texte sind leider nicht abgedruckt, daher möchte ich auch gar nicht unbedingt näher auf sie eingehen, da ich mir vorstellen kann, dass es bestimmt nicht im Sinne der Band ist, diese jedem Horst zugänglich zu machen.

Was die instrumentale Darbietung anbelangt, so lässt bereits der Beginn von 'Disharmonie' auf Gutes hoffen: ein klassisches Black Metal-Riff leitet die Szenerie ein, bis sich nach einer knappen Minute auch das Schlagzeug hinzugesellt und es anschließend richtig in die Vollen geht. Der Song ist eindeutig im schnelleren Midtempo angesiedelt, wenn er auch hier und da ein paar gemächlichere Töne anschlägt, wie etwa der akustische Stimmungswechsel in der Mitte. Hier wird auch bereits klar, dass man sich durchaus seine Gedanken gemacht hat und mit viel Herzblut an die Sache herangeht. Man hört einfach heraus, dass es sich bei den drei Mannen mitnichten um irgendwelche Stümper oder Spinner handelt, die sich profilieren wollen. Hier hat man es mit räudigem, nichtsdestotrotz sehr atmosphärischem Schwarzmetall direkt aus dem Bauch heraus zu tun. Das Riffing gen Ende hin erinnert mich gar an finnische Vertreter Marke SATANIC WARMASTER. Doch bereits bei 'Rattenfänger' manifestiert sich ein anderer Vergleich, der sich mir bereits im ersten Stück aufdrängte und das ist das äußerst intensive, im Jahre 2005 veröffentlichte Debüt-Album Suizid der Duisburger TAVARON (R.I.P. Nazgul!), welches diese Gradwanderung zwischen depressiver Tonkunst und wütender Raserei ebenfalls beschritt. Mit 'Paradoxon' wartet man dann mit einem wahren Highlight auf: schon der Anfang findet Anklang bei mir, dieser wird im Verlauf an einigen Stellen wiederholt. Ansonsten erwartet den geneigten Hörer hier eine sehr getragene misanthropische Hymne. Dem gegenüber steht das nächste Stück 'Der Aufbruch', welches eine sehr melancholische Grundstimmung besitzt und hier und da sogar ein wenig ins Depressive abdriftet, dabei aber stets mit einer dichten Atmosphäre aufwartet. Mit 'Kein Zurück (Todeswald)' präsentiert man dann auch schon das letzte Lied, was allein durch seine musikalische Darbietung dem Bandnamen alle Ehre macht, in einer Passage sogar mit mehrstimmigen Gesang aufwartet und dabei in den Instrumenten noch einmal deutliche Parallelen zu TAVARON aufweist.

Fazit:
Sicherlich werden ERSTARREN mit ihrem ersten Werk keinen Preis für die selbständigste Veröffentlichung des Jahres einfahren, aber mal ehrlich: das erwartet ja auch nicht wirklich jemand von solch' einer Scheibe. Cover, Logo, Titel und letztlich die Leute, die sich hinter dem Namen verbergen, dürften jedem noch so ignoranten Hipster klarmachen, auf was er sich hier einlässt. Und das ist deutscher Black Metal in einer sehr melancholischen Form, der trotzdem misanthropisch und wütend sein kann, der von hässlichem Antlitz ist und trotzdem jede Menge erhabener Atmosphären bietet und dabei sehr authentisch zelebriert wird. Die CD wurde in Eigenregie veröffentlicht und kommt in einem einfachen Digipak und ist auf 100 Exemplare limitiert (nicht durch-nummeriert). Erhältlich ist das gute Stück im Mailorder von Wolfmond Production oder über die Band selbst (PM via Visagenbuch). Ich denke mal der Preis beläuft sich in beiden Fällen auf 10,- Euronnen.

Ein authentisches Machwerk, welches sich mit der inneren Dunkelheit befasst. Grimmig, melancholisch, atmosphärisch, erhaben und machtvoll! Meine Empfehlung: Zulegen!


Darbietungen:
01. Disharmonie
02. Rattenfänger
03. Paradoxon
04. Der Aufbruch
05. Kein Zurück (Todeswald)

Laufzeit: ca. 29 Minuten