Sonntag, 3. Januar 2021

Review: Armagedda - Only True Believers (LP, Agonia Records - 2003)

Zum neuen Jahr mal was Älteres – zumindest dem Klang nach, hehe...

Da sind ARMAGEDDA mit ihrem 2003er-Album Only True Believers doch nur um wenige Jahre an den glorreichen 90ern vorbeigeschrammt, obwohl diese Scheibe ohne Zweifel bestens in jene Ära gepasst hätte. Eisige Winde kommen aus dem Norden, genauer gesagt aus Norrland in Schweden, und bringen christen- und menschenverachtenden Black Metal der alten Schule.




Mir fiel diese gute Stück Norrländsk Svartmetall (wie die Band ihre Musik selbst bezeichnet) zufällig vor einiger Zeit auf einer Plattenbörse in die Hände, und nun denke ich mir, warum keine Rezension darüber schreiben..?

Ursprünglich gründeten sich ARMAGEDDA unter dem Namen VOLKERMORD im Jahre 1999. Mit der Umbenennung etwa ein Jahr später erfolgten einige kleinere Veröffentlichungen, in Form von Demos, EPs und Splits, bis dann 2002 das erste Album The Final War Approaching erschien. Nach Only True Believers und dem folgenden Ond Spiritism löste man sich im Jahre 2004 wieder auf, wobei sechszehn Jahre später (also 2020) plötzlich neuer Output in Gestalt von Svindeldjup Ättestup erschien.

Von verschiedenen Gastmusikern abgesehen waren ARMAGEDDA stets als Duo aktiv, bestehend aus Graav und A. Petterson, der sich auf Only True Believers noch schlicht mit A. betitelt.


Tja, nur für wahre Gläubige... elitärer und passender kann man es eigentlich nicht ausdrücken! Und genauso klingt diese Scheibe: Rasende Aggression, hasserfülltes Antichristentum, kompromisslose Hässlichkeit. Ganz im Stile der alten Werke von DARKTHRONE, MARDUK oder DARK FUNERAL. Und wenn man genau hinhört, kann man in dem einen oder anderen Lied auch ein gehässiges Lachen vernehmen oder dreckige, dahingerotzte Worte, die ganz klar an VENOM erinnern...

Gleich das erste Lied zeigt, wohin die Reise geht: In den Anfangssekunden von ‚Refuse the Blood of Jesus‘ ist ein Priester zu hören (klingt wie einer dieser wahnhaften US-Prediger), der immer wieder sein Halleluja ruft und dann wirre Laute von sich gibt, die wohl andeuten sollen, dass der Heilige Geist oder sonst was in ihn gefahren ist – und diese Laute klingen so lächerlich, so vollkommen absurd, dass man eigentlich nicht anders kann, als das Christentum anzuspucken und dabei laut auszulachen.

Dann geht es musikalisch mit rasender Geschwindigkeit nach vorne, Gefangene werden keine gemacht. ARMAGEDDA prügeln sich mit aggressivem Tempo durch die Platte, verlieren dabei aber keineswegs das Ziel aus den Augen: Kalten, rauen und die Atmosphäre des Nordens verehrenden Black Metal zu spielen. Beinahe hat man das Gefühl, einen Hauch von A Blaze in the Northern Sky oder Panzerfaust zu spüren... den alten Heldentaten von DARKTHRONE wird hier neuer Glanz verliehen.

Ein wenig thrashig geht es zuweilen auch zu, allerdings zutiefst satanisch und böse, ganz im Stil der Übergangszeit von Thrash zu Black Metal. Dann und wann fährt man das Tempo auch wieder runter, kommt schleppend daher oder ein wenig rockig (musste zuweilen an CARPATHIAN FOREST denken); dann erklingt ein wahnsinniges Gitarrensolo, gespielt von einem Besessenen, der sein Instrument nur eines einzigen Zweckens wegen malträtiert, nämlich um Satan zu huldigen.

Ja, von Satan ist häufig die Rede in den Lyrics. Man mag heutzutage von dieser – ich nenne es mal simplen – Form des Satanismus halten was man will, in der es einzig darum geht, das Christentum zu schmähen und sich provozierend-rebellisch zu geben, doch im Hinblick auf Intention und Atmosphäre des Albums ist Satan an dieser Stelle genau der richtige Ansprechpartner.

„Only true believers
Will find their strength
When Satan's power
Shows its real face“


So heißt es im titelgebenden Song. Sicherlich keine anspruchsvolle Aussage, und schockierend ist sie in heutigen Zeiten ebenso wenig, doch sie lässt das schwarzmetallische Aufbegehren der 90er noch einmal hell auflodern und erinnert an jene vergangenen Tage, als Black Metal von satanischem Gedankengut dominiert wurde.

Zu der hier zelebrierten Musik passt dieser antichristliche Satanismus auch weitaus besser als beispielsweise heidnische Themen, auch wenn ich diesen mittlerweile sehr viel mehr abgewinnen kann. Aber hier geht es nicht um Mystik oder um Glauben, nicht um die Zuwendung zu alten Göttern oder um spirituelle Belange – es ist einzig der Hass, der triumphiert, einzig die pure diabolische Raserei!

„I don’t like the modern humans
I don’t care if some of them die
I’m not happy to see your ugly face
As long as you’re alive“


Menschenhass darf auf solch einem Werk natürlich auch nicht fehlen. Und ist es nicht auch eigentlich die Misanthropie, die so viele gegen das Christentum rebellieren lässt? Der Hass auf die Menschheit, und damit auf die Gesellschaft, in welcher wir leben – und die nun einmal von christlicher Prägung ist? Der Abscheu gegenüber Jesus und seinen stinkenden Lehren war sicherlich für viele eine der ersten Ausdrucksformen von jugendlicher Rebellion – sobald man älter wird, sieht man die Dinge etwas anders, verlagert seinen Hass vielleicht ein wenig oder wendet sich gänzlich anderen Glaubensarten wie etwa dem Heidentum zu. Aber das Aufbegehren gegen Christentum und Gesellschaft war von jeher eine der treibenden Kräfte hinter dem Black Metal, und ARMAGEDDA huldigen dieser Kraft mit ganzer Hingabe! Only true believers!

Am Ende dieses Albums erwartet uns noch das Stück ‚Endless Fields of Sorrow‘, welches vergleichsweise langsam (aber durch und durch böse) daherkommt, und dann mit einem Synthesizer-Sound ausklingt, welcher den Übergang zum Outro ‚Ghostwood‘ bildet.

Dieses Outro wird nicht auf allen Versionen von Only True Believers in der Trackliste aufgeführt, kommt also häufig als Hidden Track daher. Es handelt sich hierbei um ein wahrhaft schauriges Stück Dungeon Synth, wunderbar gespenstig, begleitet von stimmungsvollen Windgeräuschen.

Da es sich bei der hier vorliegenden Version um die Picture-LP handelt, folgt auf ‚Ghostwood‘ noch ein Bonus-Song, nämlich eine Coverversion von SATYRICONS ‚The Night of the Triumphator‘. ARMAGEDDA huldigen hier noch einmal alten Helden (auch wenn diese mittlerweile andere Wege eingeschlagen haben, womit Satyr und Frost ja leider nicht alleine stehen). Weggelassen hat man bedauerlicherweise das lesbische Stöhnen zu Beginn des Liedes, zudem wurde der Titel auf ‚Night of the Triumphator‘ verkürzt.

Fazit:
Viel brauche ich nicht zu sagen. Der alte Geist des Black Metals lebt auf Only True Believers weiter, ARMAGEDDA tragen jenes kalte Feuer des Hasses in sich. Wäre dieses Album ein Jahrzehnt eher erschienen, würde man es vielleicht zu den Klassikern rechnen.

Cold, grim and evil! Schwer vorstellbar, dass es Black Metal-Fanatiker da draußen geben könnte, denen diese Scheibe nicht gefällt!


Darbietungen:
A-01. Refuse the Blood of Jesus
A-02. Only True Believers
A-03. Emperor from the Eternal Dark
A-04. For I am his Slave
A-05. Poetry from a poisoned Mind
B-06. Demons
B-07. F.T.W.
B-08. Endless Fields of Sorrow
B-09. Ghostwood
B-10. Night of the Triumphator (SATYRICON COVER - Bonus)

Laufzeit: ca. 50 Minuten