Donnerstag, 13. Juni 2019

Review: Syndrom Einsamkeit - Gottesvernichtung EP (CD, Wolfmond Production - 2019)

Im Jahr 2019 melden sich auch einmal mehr SYNDROM EINSAMKEIT zurück, ein auf diesen Seiten ja nicht gänzlich unbekanntes Duo aus Sachsen. Wobei es schon etwas länger her ist, seit dem ich ein Werk von ihnen besprochen habe. Was sich bei den Herren Letzte Stund (Gesang) und Wolfmond (Gitarre) getan hat... let's find out:








Doch zunächst einmal ein kurzer Blick auf das bisherige Schaffen des 2014 gegründeten Projekts: Im Jahr 2015 erschien das erste Lebenszeichen in Form einer Split mit dem DSBM-Projekt DURI aus Indonesien. Aus dem selben Jahr stammen auch auch die zweite Split mit HELLVETE (ebenfalls aus Indonesien stammend... dem einen oder anderen Wolfmond-Kenner evtl. bekannt, da eines der beiden Mitglieder auch noch bei NAZGHOUL aktiv ist), sowie die Kompilation . (Demos 2014 - 2015). Das Jahr 2016 brachte dann eine weitere Demo-Präsentation sowie die beiden Splits The Last Way mit ATEL (zu der sich >>hier<< eine Besprechung finden lässt) und Musik eine Krankheit zu verursachen... mit den inzwischen aufgelösten MORTO aus Ecuador hervor, zu welcher sich >>hier<< auch noch eine Rezension nachlesen lässt.
2018 folgte dann mit Das Erwachen das erste Voll-Album, eine Mehr-Wege-Split mit u.a. COLDNIGHT und eine weitere Kompilation namens The last Demo(n)s.

Nun also das aktuelle Werk in Form einer fünf Lieder umfassenden EP. Gottesvernichtung lautet der Titel und genau das bekommt man dann auch geboten. Von dem eher manisch-depressiven Stil der alten Tage scheint nicht mehr viel übrig geblieben zu sein, auch die teils recht (gewollt?) stümperhafte Instrumentalisierung der ersten Werke, ist hier nicht mehr existent, wenn man aber auch dazu sagen muss, dass das Klangbild von SYNDROM EINSAMKEIT trotzdem alles andere als schön und harmonisch ist. Gespielt wird immer noch äußerst rauer und primitiver Schwarzmetall mit deutschen Texten, die einer gewissen Fuck-Off-Attitüde nicht entbehren.
Das Logo ist ergo nicht das einzige, was sich hier geändert hat (eigentlich hätte das alte zu dieser von Hass erfüllten Musik auch ganz gut gepasst mit dem stilisierten Galgenstrang und dem Strick). Am Bass, sowie Keyboard und Schlagwerk werden die beiden Recken hier von Dyret unterstützt - ein Pseudonym, hinter dem sich niemand anderer als WALDSEEL verbirgt.

Das Zusammenspiel der Instrumente ist hier sogar recht gelungen, wenn ich da an die Darbietungen der Vergangenheit denke (zumindest die, die mir bekannt sind). Jedoch nun auch nicht perfekt... doch um Perfektion geht es der Horde primär wohl auch eher weniger, sondern vielmehr darum, authentische Stimmungen zu erzeugen und seine Gefühle nach außen zu tragen und zu vertonen. Und - das muss ich SYNDROM EINSAMKEIT zugestehen - nicht nur dem Gesang von Letzte Stund, der zuhauf Gift und Galle speit und einem steten hasserfüllten kranken Gekrächze gleicht, was mich in seiner Machart auch ein wenig an alte deutsche Horden aus dem Dark Deister-Umfeld erinnert, hört man seine Überzeugung an. Auch die Instrumente scheinen mit viel Frust und mit einer tiefen Wut im Bauch heraus entstanden zu sein.

Bei dem Stück 'Der unsichtbare Mann Part III', welches die CD einleitet, handelt es sich anfangs noch um ein sehr bedächtiges und zurückhaltendes Werk, was eine melancholische und erhabene Gitarre mit Samples unterlegt, was mich so ein wenig an SELVMORRD mit dem Lied 'Asche zu Asche' erinnert, welches ja auch für den vergangenen U.B.A.O.R-Sampler genutzt wurde. Das hier verwendete Sample stammt jedoch nicht aus Die Zeit der Wölfe sondern aus dem, mit dezenten Horror-Elementen versehenen Psycho-Thriller Julia's Eyes.
Was nach dem einleitenden Teil folgt, zeigt sich dann aber um einiges rauer - jedoch verliert sich das Geschehen nie in schierer Raserei, sondern hält sich eher in einem erhabenen Midtempo auf.
Ganz im Gegensatz zum nächsten Lied 'Andere Dimensionen', welches noch einmal einen guten Zahn zulegt, was die Geschwindigkeit angeht. Doch auch, wenn sich die Instrumente hier schneller und räudiger präsentieren, so erkennt man doch die Struktur hinter dieser Zelebrierung. Und ein weiteres Mal wird einem hier klar werden, dass die Band ihre Tage der totalen Improvisation endgültig hinter sich gelassen hat.
'Gottesvernichtung' schlägt ungefähr in die gleiche Kerbe, zeigt sich im Ganzen aber etwas hymnischer, was schon allein durch die hasserfüllte und erhabene Kampfansage von Text geschieht. Dazu kommt dann noch das äußerst sphärische Keyboard.
Mit 'In ewig verwest' zelebriert man dann im Anschluss den wohl rauesten Song der CD, dementsprechend handelt es sich hier auch um die kürzeste Darbietung (noch nicht einmal drei Minuten).

"Wo ist euer Gott?!"

'Raw Black Metal' dagegen erweist sich zum Abschluss dann noch einmal als wahre Schwarzmetall-Hymne. Kriegerisch, düster und voller Verachtung, unterlegt mit allerlei Geräuschkulissen, die verschiedenes Kriegsgerät zum Inhalt haben. Doch das Lied ist dann nicht das einzige, was in diesen 12 Minuten präsentiert wird, denn nach etwa fünf Minuten entsteht eine längere Pause, der ein reines Instrumental folgt, welches es aber definitiv in sich hat. In der neunten Minute entsteht dann abermals eine Pause, welcher eine Art Outro folgt. Hier wird zunächst Orgel-Musik vorgetragen, bis es wieder in einen räudigen Black Metal übergeht, der ebenso rein instrumental vorgetragen wird, womit das gesamte Lied dann letztlich auch endet.

Fazit:
Also ich muss schon sagen... damit habe ich ehrlich gesagt nicht gerecht. Nicht nach den beiden mir bekannten Splits, die ich zwar doch irgendwie interessant fand, die aber musikalisch betrachtet eigentlich ziemlicher Rotz waren. Mein Fazit zum SYNDROM EINSAMKEIT-Part der Split mit MORTO lasse ich in der Hinsicht einfach einmal für sich selbst sprechen.
Doch dies hat nun mit der Musik auf der Gottesvernichtung EP nur noch herzlich wenig zu tun. Der Stil ist unzweifelhaft immer noch sehr roh, doch die Instrumentalisierung haben die Herren auch ebenso unzweifelhaft verfeinert. Das Zusammenspiel der einzelnen Instrumente, sowie den Instrumenten und dem Gesang passt hier einfach und man merkt, dass die Protagonisten in ihrer Schaffensphase bereits so manche Bühnenerfahrung hinter sich gebracht haben. Klar ist das, wie schon erwähnt, noch weit von wirklicher Perfektion entfernt. Doch mal ehrlich: Wer braucht die im Underground Black Metal? Die Perfektion lag bereits in den frühen Tagen darin, dass halt nicht alles perfekt und glatt gebügelt ist... eine Sache, die vielleicht auch mal wieder mehr Bands beherzigen sollten.
Die CD erschien als Pro-CDr im Jewelcase inklusive 8-seitigem Beiheft und kann bespielsweise über den Discogs-Shop von Wolfmond Production für 6,- Euronnen bestellt werden.

Raw German Black Metal. Benötigt keinerlei Worte mehr - Empfehlung!


Darbietungen:
01. Der unsichtbare Mann Part III
02. Andere Dimensionen
03. Gottesvernichtung
04. In ewig verwest
05. Raw Black Metal

Laufzeit: 30 Minuten