Montag, 14. Januar 2019

Review: Wrang - Domstad swart metael (CD, Tour de Garde - 2019)

Auch aus den Niederlanden gibt es neues zu vermelden. Die 3-köpfige Horde WRANG aus Utrecht präsentiert mit Domstad swart metael ihr erstes Voll-Album und veröffentlichte dieses vor gut einer Woche über die kanadische Underground-Schmiede Tour de Garde.







WRANG gründeten sich bereits im Jahr 2013, brachten dann zwei Jahre später ihre erste Demo-Präsentation hervor, welche schlicht mit Demo 2015 betitelt wurde. Ursprünglich geschah dies in Eigenregie auf einer auf 50 Exemplare limitierten CD. Später, 2016, folgte aber über das deutsche Label Black Tapes noch eine Kassetten-Version. In 2016 veröffentlichte man unter dem Banner von Wolfspell Records aus Polen auch eine Split-CD mit den Engländern ARROGANT DESTRUKTOR, welche auf 500 Stück limitiert war. Nun folgte mit Domstadt swart metael endlich ein Voll-Album.

Und das hat es in sich. Ich weiß zwar nicht genau, was es ist, aber diese ganzen neuen Horden aus den Niederlanden schaffen es immer wieder, mich zu faszinieren und mit ihrer Musik zu fesseln. Ob es nun atmosphärische Vertreter wie ELFSGEDROCH oder WHITE OAK, eher experimentell veranlagte ala MORVIGOR sind, oder aber räudige Recken des ewigen Winters und der alten Schule wie etwa BLOOD TYRANT, RAVENZANG usw. usf... ihnen allen wohnt etwas inne, was mir gerade heutzutage bei vielen Bands fehlt - Hingabe, Individualität und der spürbare Wille Neues erschaffen zu wollen und doch dem alten Geist gerecht zu werden und ihn zu wahren, anstatt ihn zu verspotten.

Mit WRANG präsentiert sich eine Horde, die sich wohl am ehesten in die atmosphärische Schublade stecken ließe, wenn man denn eine bräuchte. Allerdings sollte man damit bedacht umgehen, denn die Musik der drei Schwarzmetaller besitzt mehr als nur ein Gesicht. So zelebrieren die Mannen ihren Black Metal bereits im anfänglichen Titel gebenden Song sehr wild und unkonventionell, erschaffen eine hymnische Stimmung nach der anderen und metzeln gleichzeitig doch alles nieder. Dabei bleibt es jedoch auch immer sehr atmosphärisch: es kommen ruhige Passagen mit Klavier zum Einsatz oder auch doomig anmutende Gitarren, die von erhabenem Klargesang begleitet werden. Das Besondere dabei ist auch, dass WRANG dies alles sehr authentisch zelebrieren und sinnvoll in ihre Musik mit einflechten. Man nimmt ihnen ihre Art einfach ab und möchte sich dafür, dass sie einfach ihr eigenes Ding durchziehen, regelrecht verneigen.
'Propaganda der afvalligen' hält sogar einige wirklich melancholische bis verzweifelte Anleihen bereit, die immer auf der Schwelle zum Depressiven balancieren, diese aber nie überschreiten. Denn bevor dies passiert, vollführt das Stück einen Wandel und bekommt eine beinahe chaotische, kämpferische und kriegerische Atmosphäre, die auch so manch' eine Black Metal-untypische Facetten offenbart, die einen Vergleich mit MORVIGOR nicht scheuen müssen - vor allem das Gitarrensolo sollte hierbei nicht unerwähnt bleiben.
'Stormend naar de nietigheid' beginnt dagegen zunächst etwas okkult und nimmt im Verlauf gar skandinavische, vor allem schwedische Züge an. Begeistern kann hier auch das Bass-Solo, während mich die Gitarre in ihren hohen Solo-Passagen an Sachen wie ALGAION denken lässt (lange nicht mehr gehört - Anm.).

Mit dem rasanten Stück 'Heerser van niemandsland' mit der ordentlichen Länge von etwas mehr als siebeneinhalb Minuten verabschieden sich WRANG dann auch schon wieder. Allerdings nicht, ohne es noch einmal zum Ende hin richtig krachen zu lassen: So bekommt der geneigte Hörer hier noch einmal die eine oder andere Solo-Passage um die Ohren und der Sänger kreischt sich hier einmal mehr alles von der Seele, während die Gitarren hier teilweise sogar sehr rotzig-rockige Züge annehmen. Und die psychedelischen Synths in Verbindung mit diesem einfach als krank zu bezeichnendem Geschrei zum Ende hin, wird nicht nur einen schwachen und labilen Geist in den Ruin treiben...

Fazit:
Atmosphärischen Schwarzmetall bei gleichzeitigem totalen Chaos und absoluter Finsternis zu zelebrieren, daran scheitern doch so manche Horden. WRANG gelingt diese Gratwanderung jedoch vorzüglich und ich frage mich, ob es derzeit überhaupt eine wirklich schlechte Kapelle aus den Niederlanden gibt. Zugegeben: auch die wird es mit absoluter Sicherheit geben, und sie wird sicherlich auch nicht allein dastehen. Doch was ich so aktuell aus unserem Nachbarland mitbekomme, das kann sich wahrlich hören lassen. Auch im Falle von WRANG's erstem Album Domstad swart metael, bei dem der Name schlicht und ergreifend Programm ist, bekommt man es mit einem sehr mächtigen, vitalen Beitrag aus der niederländischen Szene zu tun, der sich im höchsten Maße kraftvoll und individuell präsentiert. Das gute Stück ist für Interessenten aus Europa vielleicht am besten direkt über die Band zu beziehen, da der Versand aus Kanada doch recht hoch ist. Derzeit ist auf der internen Bandcamp-Präsenz der Horde lediglich die digitale Version zu beziehen (kostenlos!), sowie ein Logo-Patch. Die CD im Digipak wird aber mit Sicherheit noch nachgeschoben, sobald sie in den Niederlanden eintrifft.

Kraftvoller und erhabener Schwarzmetall aus den Niederlanden mit viel Atmosphäre und einer sehr eigenständigen Note. Genau so muss das und nicht anders!


Darbietungen:
01. Domstad swart metael
02. Tot dwalen verdomd
03. Propaganda der afvalligen
04. Stormend naar de nietigheid
05. Heerser van niemandsland

Laufzeit: ca. 35 Minuten