Samstag, 23. April 2022

Review: Gråt Strigoi - Communion of the Nameless (MC, Eigenproduktion - 2021)

 
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Die Tragödie der Menschheit ist das Thema dieses feinen Werkes aus den rauen Hügeln Schottlands... GRÅT STRIGOI zelebrieren Black Metal der schleppend-schweren Art, dunkel und kraftvoll, mit Lyrics, die von der Hoffnung des Menschen sprechen und davon, wie diese Hoffnung vom Homo sapiens selbst wieder zunichte gemacht wird...

Communion of the Nameless ist in limitierter Auflage in Eigenproduktion erschienen, jedoch scheint es noch eine weitere Kassettenversion auf dem Tape-orientientierten Label Realm & Ritual zu geben.
GRÅT STRIGOI fahren in ihrer Philosophie die anti-autoritäre Schiene, weshalb die Limitierung auf 20 bzw. 50 Exemplare niemanden davon abhalten sollte, das Werk zu kopieren - es wird sogar ausdrücklich darauf hingewiesen: "Make your own copies, fuck the industry", so heißt es in dem kleinen Einleger des Tapes.
Dieser ist im Übrigen sehr ansprechend gestaltet. Schwarz mit violetter Schrift (die Kassette trägt die gleiche Farbgebung), dazu Abbildungen bzw. Ausschnitte aus den Gemälden des Gustave Doré. Doré wird ja immer wieder von Künstlern des Schwarzmetalls aus grafischen Gründen hinzugezogen, was niemanden wundert, bedenkt man seine religiös-dunklen Darstellungen von etwa Dantes "Göttlicher Kommödie" oder Miltons "Paradise Lost"...

Auf gewisse Weise geht man lyrisch auch recht religiös auf Communion of the Nameless vor, wird der Mensch doch als Kämpfer und Schöpfer dargestellt, der sich aus der Asche einer verdorbenen Welt erhebt - allderings nur, um sich eine neue, ebenso verdorbene Welt zu erschaffen..

Musilalisch erleben wir zumeist schleppenden Black Metal, der sich in bösartiger Manier aus den Lautsprechern wälzt, unterstützt von immer wieder eingespielten Drone-Elementen, welche der schwarzen Stimmung noch einmal eine besondere Betonung verleihen...
Aber auch schnelles Spiel ist zu hören, kraftvolles Geknüppel geprägt von Wut und Brutalität. Teils undefinierbare Ambient-Klänge stoßen hinzu, ebenso Glockenschläge im Intro "Hypomonē" und okkult anmutendes Orgelspiel im Stück "Ex Nihlo".
An einigen Stellen schleicht sich eine gewisse Melancholie ein, welche wunderbar zur Thematik des Albums passt, denn wie bereits gesagt, geht es hier um die Tragödie der Menschheit...

Es beginnt mit "Hypomonē", dem kurzen, rein instrumental gehaltenem Intro. Dieser Begriff bezeichnet die Kraft und Geduld des Menschen, sich widrigen Umständen zu widersetzen bzw. auszuharren. Das Vermögen durchzuhalten, um sich später um so kraftvoller zu erheben.

In "The Great Awakening" erhebt sich der Mensch dann, befreit von der Last einer untergegangenen Welt:

"Retribution has been served
No more do we suffer from the world of old
//...//
There is one
Chosen by the sages of old
Freed from mindless philosophy
Constructed to surpass newly found fealty"


Er will eine neue Schöpfung errichten, ohne die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen - dass dies jedoch Wunschdenken ist, erleben wir immer wieder selbst, wenn man beispielsweise die politischen Ereignisse unserer Zeit betrachtet und dabei feststellt, dass viele Menschen aus der Historie nichts gelernt haben und Geschichte sich wiederholt...

GRÅT STRIGOI beziehen sich hierbei auf das Spiel zwischen Macht und Unterwerfung, dass der Wunsch zu dienen von denen ausgenutzt wird, welche sich daran berauschen, andere zu beherrschen; dass es Menschen gibt, die unbedingt gehorchen wollen und versuchen, andere zu demselben Gehorsam zu zwingen - "die Gier nach Macht / die Sucht nach Autorität", um an dieser Stelle mal die von mir hoch verehrten WALLFAHRER zu zitieren...

"Without memory we erect a familiar security
A monolith to humanity's last comfort
An invincible peak
A silent shrine that reveals only a numbing deception
Constructed from ash and stone
Made from ruin with only the desire to serve"


So drücken es GRÅT STRIGOI sehr theatralisch in dem Stück "The Hymn that sealed the Dark, our sealed Fatalism" aus. Der Mensch unterwirft sich erneut Göttern und Despoten, erbaut ihnen neue Tempel und bringt damit das alte Leid über sich. Allein schon der Titel des letzten Tracks "Mourning under the blackened Sky" weist auf diese selbstgewählte Verdammnis hin. Und so schafft der Mensch nichts Neues, sondern begeht wieder und wieder dieselben Fehler. Einige mögen aus früheren Zeiten gelernt haben, sicherlich, aber die Mehrheit scheint dazu irgendwie nicht in der Lage zu sein...

Und wo wir beim Thema Fehler der Vergangenheit sind - GRÅT STRIGOI sehen sich selbst als anti-faschistische Band und bitten ausdrücklich darum, dass jeder, der ein "racist, sexist, homophobic, transphobic etc." ist, davon absehen sollte, sich ihre Alben zu kaufen.

Schwerer Black Metal, der philosophisch hart mit der Menschheit ins Gericht geht, aber eigentlich nur auf Umstände hinweist, die wir jeden Tag selbst erleben. Dunkel und bösartig, schleppend und kraftvoll - nicht verkehrt, sich die Jungs einmal anzuhören.


Darbietungen:
01. Hypomonē
02. The Great Awakening
03. Ex Nihlo
04. The Hymn that sealed the Dark, our sealed Fatalism
05. Mourning under the blackened Sky

Lauftzeit: ca. 57 Minuten