Mittwoch, 20. November 2019

Review: Gjaldur & Krypta Nicestwa - Von alten Gräbern / Krypta Nicestwa (CD, Astral Nightmare Productions - 2019)

Allzu lange liegt meine letzte Begegnung mit dem musikalischen Werk der Deutschen Schwarzmetaller GJALDUR noch nicht zurück. So wurde ich erst im Juli / August diesen Jahres auf dieses Projekt von AASKEREIA-Musikern aufmerksam und ihr erstes Album Unterm Totenbanner konnte bei mir einen wahrhaft bleibenden Eindruck hinterlassen (nachzulesen gibt es die Rezension >>hier<<). Nun folgte im vergangenen Monat die Veröffentlichung einer Split mit dem relativ jungen Projekt KRYPTA NICESTWA aus Polen, welche einmal mehr durch Astral Nightmare erfolgte.



Beginnen wir aber zunächst bei der Aufmachung:
Jewelcase mit 4-seitigem Beiheft, welches auf den Außenseiten jeweils ein separates Cover-Artwork für die beiden Truppen zeigt. Der Innenteil bietet auf der Seite der Deutschen die kompletten Texten zu den drei Liedern, der 'Epilog' ist instrumental gehalten. Darunter einige Informationen zur Aufnahme und zur Besetzung. Auch hier wurde einmal mehr das Logo aus der Feder des Künstlers Bavarian Krampus Arts (Bayrische Krampus Künste) genutzt.
Auf polnischer Seite ist das Logo abgedruckt, sowie darunter die Setlist (mit englischen Titeln) und einige kurze Informationen zur Aufnahme und zur Besetzung.

GJALDUR machen den Anfang und zelebrieren die ersten vier Lieder dieser CD. Ihren Part haben die Mannen unter dem Titel Von alten Gräbern zusammengefasst und tatsächlich sprachen erste Ankündigungen im Vorfeld lediglich von einer neuen EP. Mit einer Spielzeit von mehr als 22 Minuten machen die Darbietungen von GJALDUR auch etwas mehr als die Hälfte der Gesamtlaufzeit aus. Schon der atmosphärische Opener 'Allkrönende Nacht', welcher gemächlich mit einer tristen Keyboard-Melodie beginnt (die mich so ein wenig an den Soundtrack zu Herzog's "Nosferatu - Phantom der Nacht" denken lässt). Zu dieser andächtigen Stimmung gesellt sich ein leise gekeifter Singsang:

"...allkrönende Nacht, weise mir meinen Weg durch das Dickicht."

...und mit einem mal entlädt sich die Spannung in einer schwarzen pulsierenden Welle aus nächtlichen Eindrücken und dunklen Emotionen. Der Gesang von Grim macht seinem Pseudonym alle Ehre und vermag sich im Zusammenspiel mit den erhabenen und majestätischen Klängen der Instrumente erst wahrhaftig zu entfalten. Eine treibende Kraft, die jedoch nichts Hektisches an sich hat, sondern den Geist des willigen Hörers auf eine Reise durch die Finsternis nächtlicher schwarzer Wälder schickt. Ihn dort verharren lässt, ihn die Dunkelheit und die Einsamkeit begreifen lässt.

"Auf dass... wir nur belanglose Körper in diesem Dasein sind.
Unser Geist jedoch ist fern dieser Zeit, Jahrhunderte alt.
Entflammt vom unbändigen Hass, der alle Menschenalter überdauerte.
Wider den Zeitgeist!"

Am Ende vergeht dieses Stück, wie es begann und als Hörer, der sich gerade aus traumwandlerischen Gedanken gerissen wähnt und seine Augen öffnet, kommt man sich dann letztlich doch etwas verloren und verlassen vor.
Genau auf diesem Eindruck baut dann 'Sternenmystik' auf: der Gesang ist hier zunächst eher verzweifelt und in Trauer schwelgend. Der Text ist ein Abgesang auf das Leben, und beschreibt eine astrale Wanderung der Seele zu den Sternen (ein weitergehender Interpretationsversuch lässt mich gar einen sehr persönlichen Bezug erkennen, den es würde bedeuten, dass hier der Verlust eines nahestehenden Menschen verarbeitet wird, aber das nur als Anmerkung).
Eins zu sein mit der Unendlichkeit.

"Von keinem fremden Erdenbett mehr gehalten, zieht es mich auf eine Reise zu den Sternen.
Gefrorenes einsames Seelenfunkeln in einem grenzenlosen kosmischen Meer
aus undurchdringlicher, altehrwürdiger, grundloser Rabenschwärze."

Das letzte Lied 'Im tiefen Schwarz' widmet sich ebenfalls der Thematik der Nacht und der Dunkelheit, wenn auch in anderer Hinsicht als die vorangegangenen Beiträge. Hier wird eher ein innerer Monolog des Protagonisten beschrieben, der sich auf die Erkundung seiner eigenen inneren Finsternis begibt. Gedanken von Schwarz, Verlassenheit, Tod und Misanthropie.
Instrumental gesehen bewegt man sich wie schon in der zweiten Hälfte von 'Sternenmystik' in schnelleren Midtempo-Gefilden und gerade die Gitarren legen hier noch einmal ordentlich los und lassen 'Im tiefen Schwarz' zu einem grandiosen Abschluss werden, bevor es dann mit dem recht kurzen ambienten 'Epilog' wirklich endet.

Was mich nun zu KRYPTA NICESTWA kommen lässt.
Die beiden Polen sind ebenfalls mit vier Liedern vertreten. Das Duo besteht erst seit 2018, hat seit der Gründung neben dieser Split aber bereits zwei Demo-Präsentationen, sowie auch eine weitere Split dem australischen Projekt FOREST MYSTICISM (ein weiteres Solo-Projekt von D., der u.a. auch hinter WOODS OF DESOLATION steckt) vorzuweisen.






Wie auch ihre deutschen Split-Partner zelebrieren KRYPTA NICESTWA (was ins Deutsche übersetzt in etwa so viel wie "KRYTA DES NICHTS" bedeutet) durchweg exklusives Material. Ihr Black Metal hat mit dem Stil von GJALDUR allerdings nur recht wenig gemein. Was beide Bands eint, ist der okkulte, mystische Hauch, diese finstere Atmosphäre, die ihrer Musik innewohnt. Doch das war es dann auch. Denn wo die Deutschen noch eine Art erhabener nächtlicher Majestätik ergeben sind, so regiert auf dem Werk der beiden Polen die unendliche Finsternis tiefschwarzer, unergründlicher Grüfte. Schwere Luft, die den Hauch aus Äonen in sich birgt und das atmen in diesem Dunst unmöglich erscheinen lässt. Ein rauer Schwarzmetall, der direkt aus dem Schlund des Totenreichs heraus gespien wurde in das Reich der "Lebenden". Klar, dieser ursprüngliche Stil in Verbindung mit morbider Erhabenheit in Form von geisterhaften Chören ist ja sowieso im Trend, wurde in letzter Zeit aber wohl eher nicht derart authentisch zelebriert wie hier. Auch werden wohl die Wenigsten dies wirklich verstehen.

Fazit:
Ja, ich muss es zugeben: diese Split gefällt mir durch und durch, auch, oder gerade weil die beiden Bands recht unterschiedliche Stile zelebrieren, die sich in ihrer Essenz jedoch mehr als ähnlich sind und somit eine Einheit bilden. Black Metal, gewidmet der Nacht, der Dunkelheit, dem Tod... dem Unbeschreiblichen. Sehr eindringliches Werk, welches aber auch einen gewissen Willen bei Hörer voraussetzt, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Limitiert ist die CD auf 500 Exemplare und kann für 10,90 Euronnen bei Astral Nightmare geordert werden.

Furiose Split zweier Bands, die es definitiv wert sind, dass man sie weiter im Auge behält... mehr als nur empfehlenswert!


Darbietungen:
Gjaldur
01. Allkrönende Nacht
02. Sternenmystik
03. Im tiefen Schwarz
04. Epilog
Krypta Nicestwa
05. Złowieszcze echo sabatu (The ominous echos of sabbath)
06. Ryty wilczej komunii (Rites of wolfish communion)
07. Ponure płomienie nicestwa (The grim flames of nothingness)
08. Matecznik czarcich mar (Mglistych bagien kult) (The lair of devilish mares / Kult of misty swamps)


Laufzeit: ca. 41 Minuten