Montag, 8. Oktober 2018

Review: Ancient Moon & Prosternatur - Secretum Secretorum Split (CD, Iron Bonehead Productions - 2018)

Es gibt solche Bands, mit denen man schon gar nicht mehr gerechnet hatte und die man schon beinahe in Vergessenheit wägte. So erging es mir jüngst mit ANCIENT MOON, deren Album Vvltvre aus dem Jahr 2015 ich zwar immer mal wieder gerne anhöre, jedoch hatte ich schon nicht mehr damit gerechnet, jemals wieder etwas von diesem internationalen Projekt zu hören. Und nun veröffentlichte man vor einer Weile unter dem Banner der deutschen Schmiede Iron Bonehead eine Split mit PROSTERNATUR, die bisher jedoch ein unbeschriebenes Blatt für mich sind...




Zunächst einmal ein paar allgemeine Eckdaten zu den beiden Horden. ANCIENT MOON ist ein seit 2015 (ob dies allerdings das tatsächliche Gründungsjahr darstellt, ist fraglich) agierendes internationales Projekt zwischen drei Leuten, die aus Belgien, Frankreich und der Schweiz stammen. Vvltvre erschien damals in Kooperation unter dem Banner des russischen Underground-Labels Satanath Records aus St. Petersburg auf CD, sowie als digitale Version. Eine Rezension zu diesem Werk lässt sich >>hier<< nachlesen. Seitdem ist es wieder still geworden um jenes Trio...

Bei PROSTERNATUR handelt es sich ebenfalls um ein international agierendes Projekt, welches wie ANCIENT MOON bereits ein Debüt-Album veröffentlicht hat (Abyssus Abyssum Invocat im Jahr 2016). Weitere Informationen findet man hier allerdings nicht. Nicht, wie viele Personen hinter der Musik stehen, noch aus welchen Ländern sie kommen. Auf Grund einiger Promo-Fotos, die sich auf diversen Profilen der Band finden lassen, gehe ich aber einmal der Annahme, dass es sich hier um eine Ein-Mann-Band handelt und dass sie in der Schweiz heimisch ist, was jedenfalls die immens hohen Versandkosten nach Deutschland erklären würde. Da das Logo nun auch dem von ANCIENT MOON nicht sooo unähnlich ist, vermute ich weiter, dass es sich hier gar um den Schweizer Part der genannten Band handelt. Da das Projekt aber als international agierend bezeichnet wird, könnte man auch mutmaßen, dass hier noch mindestens ein weiteres Mitglied jener Band aktiv ist. Aber das sind nun nur Vermutungen, und eigentlich ist dies ja auch völlig irrelevant. Schließlich geht es hier um die Musik und nicht um irgendwelche Personenkulte, die befriedigt werden müssten.

Die Aufmachung der CD ist einerseits sehr gut gemacht, andererseits aber auch wie die Informationen zu beiden Horden minimalistisch gehalten: ein schönes und stabiles Digipak mit vier Seiten, dazu ein doppelseitiges Beiblatt auf 170 g Papier gedruckt, welches auf der Seite von ANCIENT MOON den kompletten Text ihres Beitrags, sowie Infos zur Besetzung präsentiert, im Falle von PROSTERNATUR aber lediglich ein paar Auszüge aus den drei zelebrierten Stücken enthält.

Was mich dann auch direkt zum Kern dieser Rezension führt: der musikalischen Darbietung. Die Split fängt mit ANCIENT MOON an, die, wie schon auf ihrem Debüt, einen überlangen Song präsentieren. Der knapp 19-minütige 'Hekas Hekas Este Bebeloi!' stellt sich dabei gleich, seinem Namen mehr als entsprechend, als sehr okkult heraus und zeigt von Anfang an eine klare Steigerung der instrumentalen Qualität der Horde, gegenüber ihrem Debüt. Der Titel bezieht sich auf eine Zauberformel, die vor dem Beginn eines magisch-spirituellen Rituals ausgesprochen wird und vor der Durchführung alles Irdische abstreift und die Spiritualität freisetzt (nach dem "Golden Dawn" Orden). Die Musik präsentiert sich entsprechend mystisch, düster, jenseitig und rituell. Sie gleicht in ihrer Machart derer spiritueller Horden ala ACHERONTAS oder auch HETROERTZEN (ich denke da vor allem an ihr Meisterwerk Exaltation of Wisdom, dessen Qualität sie seitdem in meinen Augen nie wieder so wirklich erreichten). Melodische und gleichsam hypnotische Gitarren paaren sich hier mit einem rhythmischen Schlagwerk und Gesängen, die zwischen abgrundtiefer Finsternis, emotionaler Kälte und erhabenen, nebelverhangenen, Weihrauch schwangeren Atmosphären gekonnt hin und her pendeln. Das Ganze wird in einem Strudel aus Düsternis beschlossen.

Es folgen die drei Stücke von PROSTERNATUR, die insgesamt ebenfalls auf eine Laufzeit von etwas mehr als 18 Minuten kommen. 'Ana Harrani Sa Alaktasa La Tarat' beginnt mit unheilvollen Orgel-Klängen, geht dann aber schnell in einen schnellen, mystisch angehauchten Black Metal übergeht. Dabei lässt die Musik Vergleiche mit Bands wie DIE KUNST DER FINSTERNIS oder ASCENSION zu. Ein wenig Mid-90ies lässt sich hier vor allem auch in den eingesetzten Synths wiederfinden. Ansonsten zeigt der Stil auch anti-kosmisches Chaos ala NIGHTBRINGER, deren Stil sich vor allem in den schnellen Drums und den hypnotischen Gitarren wiederfinden lässt. Der Titel ist in sumerischer Sprache und bedeutet übersetzt so viel wie etwa 'Pfad ohne Wiederkehr' und ist daher mehr als passend. Der zweite Beitrag 'Zi Dingir Isatum Kanpa' ist ebenfalls in sumerischer Sprache verfasst und ist eine Huldigung an Luzifer oder auch einen dämonischen Geist. Instrumental gesehen bewegt man sich hier in etwas gediegeneren Pfaden, als noch beim Vorgänger. Langsameres Midtempo bestimmt das allgemeine Geschehen und immer wieder wird man Geister gleichen Chören, flüsternden Stimmen oder wahnsinnigen Schreien gewahr. Eine unheimliche und sehr unbehagliche Atmosphäre, die man hier schafft und für den Hörer eine Reise durch einen wahren Albtraum heraufbeschwört. Das letzte Lied wurde mit dem Blut Unschuldiger auf den Namen 'Usella Mituti' getauft und bedeutet in etwa 'Erweckt die Toten'. Es handelt sich hier ausdrücklich um kein irgendwie abgewandeltes Cover von BATHORY's Klassiker, sondern eher um einen sehr spirituellen Beitrag, der wieder ganz im Stil von Bands Marke ACHERONTAS bis NIGHTBRINGER gehalten ist. Atmosphärisch, düster, mystisch, tiefgreifend und authentisch. Mit sehr geilen Melodien und einer ergreifenden Stimmung. Beendet wird die Musik von schweren Synth-Klängen, die mit leisen Stimmen unterlegt sind und wieder eine sehr geisterhafte Atmosphäre erzeugen.

Anbei gibt es zwei Teaser der Split vom offiziellen Iron Bonehead-YT.

Fazit:
Wirklich beachtlich, was beide Horden hier auffahren! ANCIENT MOON überzeugen in ihrem überlangen Lied durchgehend und konnten sich im Vergleich zu ihrem drei Jahre alten Debüt deutlich steigern, was die Qualität der Darbietung anbelangt. In jedweder Hinsicht positiv überrascht haben mich auch die mir bis dato völlig unbekannten PROSTERNATUR (deren Name unglücklicher Weise dem einer Hämorrhoiden-Salbe sehr ähnelt und dabei vielleicht für die eine oder andere Lachnummer sorgen dürfte - die beim hören aber schnell verstummen dürften), deren teils chaotischer, aber dennoch sehr einprägsamer und introvertierter Stil an Größen wie NIGHTBRINGER, ASCENSION oder ACHERONTAS denken lässt. Das Werk wurde Ende September wie bereits erwähnt über Iron Bonehead Productions veröffentlicht und kann auch am besten gleich im dortigen Online-Shop sowohl auf CD im Digipak, als auch auf Vinyl (wahlweise in gold oder schwarz) bezogen werden.

In sich gekehrte Atmosphäre. Tiefgreifende Spiritualität trifft auf okkulten Wahn. Meine Empfehlung: Zulegen!



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