Dienstag, 9. Oktober 2018

Buried & Forgotten... verlorene Schätze des Untergrunds #10: Ugluk - Hveralundr (CD, War Against Yourself - 2015)

Was hat eine CD aus dem Jahr 2015 in dieser Kategorie zu suchen, fragt ihr euch vielleicht? Nun, das erste und einzige Werk Hveralundr der Ein-Mann-Kapelle UGLUK aus Italien stammt ursprünglich bereits aus dem Jahr 1993... erschien damals lediglich auf einem inzwischen ziemlich raren Tape, wurde bald nochmals aufgelegt und schließlich vor drei Jahren auf CD veröffentlicht...







UGLUK ist das alleinige Projekt von Verminaard (u.a. auch APOLOKIA), der es sich anno 1993 zur Aufgabe machte, misanthropische, Hass erfüllte Musik zu zelebrieren. Was liegt da näher, als eine Black Metal-Kapelle zu gründen? Gesagt, getan. Und noch im gleichen Jahr veröffentlichte der Alleinunterhalter in Eigenregie und zu Promo-Zwecken sein erstes Werk Hveralundr auf Kassette. Dies führte dazu, dass die italienische Schmiede Necrotorture Productions auf die Musik von UGLUK aufmerksam wurde und das Werk nochmals in einer größerer Stückzahl und unter professionelleren Bedingungen im Jahr 1994 herausbrachte. Erneut geschah dies auf Kassette. Anschließend wurde das Projekt irgendwann zu Grabe getragen. Im Jahr 2006 erschien dann über Ugluk Rex aus Deutschland eine Split-LP zwischen BARASTIR und UGLUK, welche einerseits die im Jahr 2007 veröffentlichte und seit 2010 auf Listenteil B indizierte EP U. t. B. o. H. der thüringischen Meute, sowie das Werk des Italieners enthielt. Aus dem gleichen Jahr stammt auch die Aufnahme zu dem Lied Imperivm', welches erstmals auf der hier vorliegenden CD eine offizielle Veröffentlichung auf Tonträger erfährt.

Im Jahr 2011 wurde das Projekt von Verminaard reaktiviert und es kam schließlich im Jahr 2015 zur Zusammenarbeit mit dem italienischen Label War Against Yourself, welche die CD in einem Jewelcase und zusätzlich noch in einem A5-Digipak veröffentlichten.

Der Name UGLUK bezieht sich auf einen Charakter aus J.R.R. Tolkien's Werk "Der Herr der Ringe". Dort war Uglúk der Anführer der Uruk-Hai, der Orks aus Isengart (Isengard), die unter der weißen Hand Sarumans marschierten. Diese Tatsache und auch die kämpferische, heroische Atmosphäre der Lieder, Titel und Texte lassen ohne weiteres einen Vergleich zu alten SUMMONING zu, deren 1994 erschienenes Debüt Lugburz ja ebenfalls noch sehr stark vom klassischen Black Metal mit Dark Ambient und Dungeon Synth geprägt war. Wer sich hier jedoch von wem hat inspirieren lassen, oder ob die beiden Werke völlig unabhängig von einander einen solch ähnlichen Stil aufwiesen, vermag ich nicht zu sagen. Immerhin war zu der Zeit zumindest die europäische Vernetzung der 'Szene' schon so weit, dass beides im Rahmen des Möglichen wäre.

Was die Musik anbelangt, so bietet man dem geneigten Hörer die fünf Lieder der Original-Demo (das Intro 'Regn' wurde hier als separater Track drauf gepackt) und das bisher unveröffentlichte Stück 'Imperivm'. Bereits die Einleitung macht deutlich, dass man es hier mit einem sehr ursprünglichen Werk zu tun bekommt, dem keinerlei Schönheit innewohnt. Bereits hier herrscht die pure Dunkelheit vor und verschluckt unerbittlich alles Licht in sich. Mit 'Ar Var Alda' wartet man dann mit einem sehr primitiven und minimalistischen Schwarzmetall auf, der Dank krank- und wahnhaft eingesetzter Keyboards samt geistesgestörter Chöre auch nicht einer gewissen atmosphärischen Dichte entbehrt. Das erinnert mich dann doch wieder an schwedische Vertreter Marke SUMMUM oder BEKËTH NEXËHMÜ. Bei dem nächsten Stück 'Nam Ekk Upp Runar' hat man sich dann aber vor allem von BURZUM inspirieren lassen (zumal genannte Schweden zu jener Zeit ja noch nicht einmal existierten) und gleich einmal ein paar Gitarren-Riffs aus dem Stück "A lost forgotten sad spirit" nachgespielt und das Ganze noch mit Samples, Gesang und einigen eigenen Ideen unterlegt. Immerhin. 'Moldina ok Blodit' weist dann sogar eine recht erhabene Atmosphäre auf und präsentiert sich in bester 90er-Black Metal-Attitüde. Mit Til Isengard' folgt dann auch schon der mit Samples unterlegte Ausklang, bevor der Bonus Song 'Imperivm' erklingt, der deutlich hörbar aus einer anderen Zeitepoche stammt und zudem eine etwas klarere Produktion bietet (was sich aber nur in Nuancen erkennen lässt). Der Stil passt sich hervorragend in das Gefüge des restlichen Werkes ein und wirkt letztlich wie ein Teil der Einheit.

Was Hveralundr anbelangt, so kann man im Internet noch durchaus fündig werden, wenn man in den Besitz der Original-Kassette gelangen möchte... und das sogar zu akzeptablen Preisen. Die CD wird man jedoch nur noch schwerlich finden, wenn man denn die auf 50 Exemplare limitierte A5-Digi sein Eigen nennen will. Die Version im Jewelcase ist jedoch auch weiterhin in ausgewählten Mailordern und Distros (etwa Sol Records) erhältlich. So ist Hveralundr vielleicht kein Über-Werk, aber dennoch empfehlenswert für alle Nostalgiker, die auf der Suche nach gelebter Black Metal-Geschichte sind.


01. Regn
02. Ar Var Alda
03. Nam Ekk Upp Runar
04. Moldina ok Blodit
05. Til Isengard
06. Imperivm


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