Dienstag, 11. September 2018

Review: Thromos - Taucht ein... in Finsternis (CD, Schattenkult Produktionen - 2018)

Als Anhänger der ersten Stunde würde ich mich nun nicht bezeichnen, doch verfolge ich das Schaffen dieses unheiligen Duos aus Roßlau bereits seit ca. 2013, als ich das erste Mal durch einen Kontakt auf die Musik der Horde aufmerksam wurde. Womit sich für mich mit der Veröffentlichung des mittlerweile neunten Voll-Albums eine Art Kreis schließt: denn es war damals niemand geringeres als Krankheit von Schattenkult, der mich zu Werken wie Hexenkult, Alte okkulte Macht und Verfault und vergessen führte. Nun also hat THROMOS bei seiner Schmiede ein neues zu Hause gefunden, nachdem es mit Necro Genocide bekanntlich bergab ging...


Für alle Leser, die noch nie etwas von dieser Untergrund-Kapelle gehört haben, und wider Erwarten auch im Blog noch nie über eine Rezension zu einem ihrer Werke gestolpert sind, folgt hier nun ein kleiner Abriss ihres bisherigen Schaffens. Gegründet wurde THROMOS im Jahr 2004 durch Mortifer Daemon und Nissen, die zukünftig immer mal wieder von Session-Musikern unterstützt wurden. Die erste Demo Namenlos und besessen erschien dann ein Jahr später, kurz darauf folgte mit Blutige 666 eine zweite Demo, welche die Lieder der ersten enthielt, sowie noch zwei neue und eine Alternativaufnahme. 2006 erschien dann die selbst-betitelte dritte Demo und 2007 die beiden Werke Kalt (Demo Nummer vier) und die DVD Live in Lugau. Dann folgte 2008 endlich das erste vollständige Album der Horde: Verfault und vergessen erschien zunächst als CDr im Jewelcase und später als Pro-CDr im Digipak über Insomnie Records. Im gleichen Jahr erschien auch noch die EP Misanthropie, bis dann schließlich im nächsten Jahr das zweite Album Hexenkult folgte, welches in Eigenproduktion veröffentlicht wurde und über diverse Underground-Mailorder zu beziehen war (eine Rezension zu diesem Werk lässt sich >>hier<< nachlesen). Ein weiteres Jahr später wurde dann, ebenfalls in Eigenregie, das dritte Album Alte okkulte Macht auf die Menschheit losgelassen (die Besprechung lässt sich >>hier<< finden). Anschließend sollte es dann zwei Jahre bis 2012 dauern, bis mit Haures ein neues Album veröffentlicht wurde (die Besprechung lässt sich >>hier<< finden). Dieses Mal über das mexikanische Label Self Mutilation Services, bei denen THROMOS auch noch die beiden folgenden Alben Dematerialisation (2014 - zur Review geht es >>hier<<) und Translunare Transzendenz (2015 - >>hier<< geht's zur Review). In den Jahren 2016 und 2017 erschienen dann Besessen und Vergessene Tiefen, die jeweils unter dem Banner von Necro Genocide Records veröffentlicht wurden. Die Rezensionen finden sich >>hier<< und >>hier<<.

Es lässt sich also zumindest feststellen, dass THROMOS ihrer Linie, was den Veröffentlichungszeitraum anbelangt, schon einmal treu geblieben sind - denn seit dem ersten Voll-Album wurde, mit zwei Ausnahmen - die wahrscheinlich auch auf die beiden bisherigen Veröffentlichungen von Nissen's Soloprojekt HEL aus den Jahren 2013 und 2015 zurückzuführen sind, jedes Jahr ein Werk veröffentlicht, was schon beachtlich ist. Nun kann man auf Grund dieser engmaschigen Regelmäßigkeit aber auch durchaus einmal skeptisch sein und sich durchaus fragen, ob eine Band in so kurzen Zeiträumen es schafft, ein wirklich frisches neues Album zu veröffentlichen oder sich am Ende womöglich nur andauernd selbst wiederholt und wiederholt. Wie es ja oft genug bei solchen Viel-Veröffentlicher-Bands wie MOLOCH oder DROWNING THE LIGHT der Fall ist / war, bei denen die Qualität der Werke auch meist mehr als sehr schwankend ist. THROMOS schaffen dieses Kunststück aber durchaus, wenn mir nun auch nicht alle ihre Werke ausnahmslos gut gefallen. Das von vielen hoch gelobte Haures beispielsweise sehe ich bis heute noch als bisherigen Tiefpunkt ihrer bisherigen Schaffensphase an (was nun aber nicht bedeutet, dass das Album wirklich schlecht wäre). Andere sehen dafür Dematerialisation als das bisher schlechteste Album an. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden und um diese lässt sich schwerlich streiten - zumal gerade der von Emotionen geprägte Black Metal einen sehr subjektiven Charakter inne hat. Doch haben gerade ihre letzten Auswürfe bewiesen, dass die Horde unabwendbar an ihrem Stil des minimalistischen Schwarzmetall der alten Schule festhält, sich im Rahmen dessen aber konsequent immer etwas weiter entwickelt und sich auf eine bestimmte, eher unterschwellig wahrnehmbare Art stets neu erfindet.

Doch genug des Vorgeplänkels. Taucht ein... in Finsternis ist nun der Titel des aktuellen Werkes aus dem Hause THROMOS. Wie schon bei den direkten Vorgängern kann sich allein die Aufmachung schon einmal sehen lassen. Das stimmungsvolle Cover lässt bereits erahnen, was einen hier in musikalischer Hinsicht erwartet. Darüber hinaus behaust das Jewelcase ein 12-seitiges Beiheft mit allen Texten sowie ein paar Illustrationen. Die CD also in die Anlage geschmissen und mit dem einleitenden Part von Der ungreifbare Kern erklingt ein meditatives Intro samt Klangschalen und rituellem Gesang ("Öffnet euren Geist/und taucht ein..."). Der folgende Black Metal reißt den gewillten Hörer sogleich mit in einen Strudel, der immer tiefer hinab in die Finsternis führt. Die Instrumente bewegen sich zumeist im schnelleren Midtempo, haben einen räudigen Klang und sind daher auch unverkennbar THROMOS. Der Gesang präsentiert sich hier etwas hintergründig klingend, ganz so als stamme er nicht von dieser, sondern würde eher aus einer jenseitigen Welt zu uns stoßen. Was auch eigentlich typisch für den Stil der Band ist und wahrscheinlich auch ein bewusstes Stilmittel darstellt, um die Atmosphäre einer transzendentalen Erfahrung noch zu unterstreichen. Die Gitarren sind hier noch einmal besonders hervorzuheben, offenbaren sie doch ein paar interessante Details. In leblosen Sphären führt diese außerweltliche Reise des Geistes fort und stellt eine blasphemische Hymne dar. "Die Hörner erhoben gen Himmel/des Todes kalter Hauch strömt mir aus dem Mund/die verbotene Kunst/transformiert Fleisch in dunkle Energie". Lyrik, die an die einst glanzvollen Zeiten von INQUISITION denken lassen (Invoking the Majestic Throne of Satan, Into the Infernal Regions of the Ancient Cult und Magnificient Glorification of Lucifer), auch in musikalischer Hinsicht bietet man in meinen Augen eine, wenn auch eher versteckte Hommage an eben jene Band. Mit Labyrinth des Sehens versetzt man den Hörer dann in die nächste Ebene der Trance und bietet hier eher treibende und schneller gespielte Instrumente, auch der Gesang präsentiert sich meiner Meinung nach eine Spur direkter als noch auf den beiden vorher gegangenen Stücken. Der Altar des verbotenen Tempels zeigt sich in seinem einleitenden instrumentalen Part bereits spielerisch wild und räudig und lässt den geneigten Hörer noch tiefer in die Materie der Dunkelheit eintauchen. Der durchweg etwas krächzende Gesang tut sein übriges dazu und mit dem beinahe als episch zu bezeichnenden Wechsel zur Mitte hin zeigt THROMOS, was wirklich in ihnen steckt. Trister als noch die letzten Stücke präsentiert sich dann Die Augen der Schatten, welches am Anfang gar ein paar depressive Töne anklingen lässt, im Verlauf aber zu einer waschechten THROMOS-Nummer mutiert und zum Ende hin immer militantere Züge annimmt. Die letzten drei Stücke Schwarzer unheiliger Kosmos, Leviathan und der knapp 9-minütige Titel gebende Song Taucht ein... in Finsternis präsentieren sich dann eher schon wieder als traditionelle, schnellere Black Metal-Hymnen, die im letzt genannten Fall sogar wieder stark okkult-orthodoxe Züge annehmen. Wie auf jeder anderen bisherigen CD der Truppe lässt sich auch hier am Ende der regulären Beiträge noch ein kurzes unbetiteltes Instrumental finden.

Fazit:
Mit Taucht ein... in Finsternis haben THROMOS definitiv ihr bisher vielschichtigstes Album abgeliefert, ohne Frage. Jedoch muss man dazu sagen, dass man hier keine von Grund auf neue Song-Struktur erwarten sollte. Wem der minimalistisch geprägte Schwarzmetall des Duos bisher nicht zusagte, dem wird auch ihr neues Werk wohl kaum gefallen. Ich als Anhänger der Musik dieser Band bin jedoch immer wieder fasziniert davon, wie die Band es schafft, sich innerhalb dieser eng gesteckten Grenzen kontinuierlich etwas weiter zu entwickeln - ihrer Musik immer wieder um kleine Nuancen zu verfeinern (was für mich vor allem seit der Besessen verstärkt auffällt), ohne damit jedoch die Essenz ihres Stils zu verraten. Ich begrüße das sehr und bin wirklich gespannt, wie es mit der Band weitergehen wird. Die CD erschien wie bereits erwähnt bei Schattenkult Produktionen, als CD im Jewelcase mit umfangreichen Beiheft, welches alle Texte enthält und gerade einmal auf 300 Stück limitiert ist. Wer noch ein Exemplar ergattern möchte, sollte sich also nicht mehr allzu viel Zeit lassen und den Kontakt zum Label suchen - die CD gibt es dort für 10,- Euronnen zu erwerben.

True German Black Metal. Essenziell - okkult - schwarz-magisch... Meine Empfehlung!


Darbietungen:
01. Der ungreifbare Kern
02. In leblosen Sphären
03. Labyrinth des Sehens
04. Der Altar des verbotenen Tempels
05. Die Augen der Schatten
06. Schwarzer unheiliger Kosmos
07. Leviathan
08. Taucht ein... in Finsternis
09. untitled

Laufzeit: ca. 56 Minuten




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