Donnerstag, 20. September 2018

Review: Dauþuz - Des Zwerges Fluch (MLP, Naturmacht Productions - 2018)

In diesem Jahr veröffentlichte auch die deutsche Horde DAUÞUZ ihr neues Werk in Form des Mini-Albums Des Zwerges Fluch, welches aus sechs Liedern besteht und dabei eine Gesamtlaufzeit von gut 36 Minuten aufweist. Mit der Veröffentlichung des neuen Machwerks des Duos wurde einmal mehr Naturmacht Productions betraut, welche es in jeweils edler Aufmachung auf verschiedenen Formaten herausbrachten. Dazu jedoch später mehr. Warum man dieses Monument nicht so ohne weiteres an sich vorüberziehen lassen sollte, lest ihr nun im folgenden...




Zunächst sei auch an dieser Stelle etwas über die Band offenbart, da der Name DAUÞUZ mit Sicherheit nicht jedem Leser (außer den aufmerksamen unter euch) ein Begriff sein wird. Gegründet wurde sie als Projekt im Jahr 2016 durch die beiden Recken Aragonyth S. (aka Semgoroth, u.a. SEELENFROST, IDHAFELS, ex-AUF DEM SCHWARZEN THRON und ex-SCHATTENTHRON) und Syderyth G. (aka Grimwald, u.a. WINTARNAHT, ISGALDER, ex-NEWUN und ex-SCHATTENTHRON), die auch in der Vergangenheit bereits in dem einen oder anderen Projekt zusammen agierten. Im Jahr der Gründung erschien dann auch gleich ein erstes Album mit Namen In finstrer Teufe, welches bereits die lyrische Thematik des Bergbaus aufwies, die sich bis heute wie ein roter Faden durch die Veröffentlichungen der Band zieht. Das Album erschien zunächst auf CD über das kleine Label Stundes des Ideals, ein Jahr später nahm sich Nebular Winter dem Album an und veröffentlichte es auf Kassette, bis es schließlich 2018 in Eigenregie, sowie in erstmaliger Zusammenarbeit mit Naturmacht auf Platte veröffentlicht wurde. 2017 folgte dann mit Die Grubenmähre ein zweites Album, welches dann gleich unter dem Banner von Naturmacht veröffentlicht wurde, zunächst als CD und ein Jahr später ebenfalls auf Vinyl - für die Kassetten-Version sorgte Sol Records. Auch wenn der Nachfolger von dem Gros der Anhängerschaft mehr als wohlwollend aufgenommen wurde, schwächelte dieses Album doch in gewisser Art und Weise, vor allem im direkten Vergleich zum mehr als großartigen Debüt. Vielleicht war das auch der Grund, warum mir die wirkliche Motivation fehlte, um etwas zu dem zweiten Album zu schreiben... eine Rezension zu In fisterer Teufe lässt sich derweil >>hier<< nachlesen.

Nun folgt also mit Des Zwerges Fluch ein weiteres Kapitel in der Sammlung tragischer Geschichten aus dem Repertoire der Band. Der Titel bezieht sich dabei auf eine Bergbausage aus dem Harz, welche sich um den Zwergenkönig Hübich dreht, der unter einem Kalkfelsen, dem Hübichenstein haust. Diese alte Sage wird auf vielerlei Arten interpretiert und ist auch in verschiedenen Varianten überliefert, von denen sich DAUÞUZ auch deutlich an einer der düstersten orientiert haben.

Der Opener 'Steinhammer' ist dabei wohl eher eine Art allgemein thematischer Einführung und kann in lyrischer Hinsicht als Allegorie für den Missbrauch der Natur durch den Menschen verstanden werden und ist daher in Zeiten, in welcher sinnlos Wälder für die Ausweitung eines längst überholten Energiegewinnungsverfahrens abgeholzt und gerodet werden, wohl aktueller denn je. Wenn man sich musikalisch mit dem Stück auseinandersetzt, so kann man hier allerdings mehr als von nur einer plumpen Einführung sprechen, denn hier geht man nach einem kurzen akustisch-instrumentalen Einklang gleich in die Vollen und präsentiert genau das, was man von den beiden Mannen erwarten darf: äußerst atmosphärischen, einerseits erhabenen und epischen, aber auch finsteren Black Metal, der sich sehr facettenreich zeigt und daher kaum Wünsche offen lässt. Der Gesang hat ebenfalls mehr als nur ein Gesicht, zeigt sich mal grimmig keifend und mal verzweifelt kreischend, mal abgrundtief und dann wieder hymnisch und Choral. Mit dem nächsten Beitrag 'Berggeschrey', welcher rein instrumentale, akustische Musik mit Heidestimmung enthält, wird der einleitende Teil abgeschlossen, und mit 'Unwerk' erklingt der erste Teil der 'Des Zwerges Fluch-Trilogie'.

In diesem geht es nun um einen Bergbauer, der hinab in das Reich des Zwergenkönigs fährt, um dort Schätze zu fördern, die dieser aber natürlich nicht freiwillig hergibt. In seiner endlosen Wut verflucht der Zwerg die Menschen und Tod kommt über sie. Doch nicht über den jungen Dieb, der nicht aufhörte, die Schätze des Berges zu schlagen. Er behält ihn stattdessen bei sich. Musikalisch betrachtet hält man hier zunächst ein paar gute instrumentale Anleihen an BURZUM bereit, steigert sich atmosphärisch aber auch immer wieder und es scheinen hier und da auch einige pagane Einflüsse durch. Klarer Gesang geht hier Hand in Hand mit einem machtvollen Gekeife, welches in seiner Grimmigkeit wohl kaum zu übertreffen sein dürfte. Aber auch einige eher eindringlichere, verzweifelte, gar melancholische Passagen lassen sich ausmachen.

Direkt auf diesen Ereignissen baut dann das Lied 'Buße' auf, in welchem die Tortur des jungen Bergbauers geschildert wird und er nach langer Zeit wieder vom Zwergenkönig Übertage entlassen wird. Doch was er vorfindet, ist eine Welt, die nicht mehr die seine ist. Alle Menschen, die er liebte oder kannte, sind tot und in seinem Dorf blicken ihm fremde Gesichter entgegen. Ein Teil des Zwerges Fluch hat sich erfüllt. Präsentiert wird das Ganze in einer musikalischen Form, die passender Weise etwas ruppiger und direkter zur Sache geht. So besteht das erste Viertel nahezu aus schnelleren Passagen. Das ändert sich dann mit der Freilassung des jungen Bergbauers, in welchem ein kurzer Wechsel der instrumentalen Darbietung stattfindet, und gerade die Gitarren danach ein wesentlich hymnischeren Charakter annehmen. Dieses Schema wiederholt sich nach jedem weiteren Absatz, wobei sich die Atmosphäre immer ein wenig weiter steigert, bis die ganze Darbietung mit einem Chor und epischen Instrumenten beendet wird.

Mit 'Mors Voluntaria' wird die Trilogie schließlich auf eine äußerst tragische Weise für den Bergbauer abgeschlossen. Verdammt zu wandern durch eine ihm fremde Welt, erfüllt er schließlich schicksalshaft den Fluch des Zwergenkönigs, in dem er sich selbst der Erde preis gibt. Dem Titel entsprechend zelebriert man hier vornehmlich akustische Gitarren und einen finsteren, sehr kränklichen Black Metal-Gesang, aber auch geflüsterte Passagen ("Mors Voluntaria"). Das erinnert mich stark an Beiträge aus der großartigen, und meiner Meinung nach hoffnungslos unterschätzten, zweiten Scheibe Wandelnd in der Einsamkeit abgrundtiefer Gedanken der inzwischen aufgelösten deutschen Horde GERMANEN BLUT.

Als Epilog dient dann noch 'Als mein Geleucht für immer erlosch', ein nicht minder tragisches Stück, in dem sich der fantasievolle Hörer mitten in den Bergbau hineinversetzt wähnt. Der Text behandelt das Schicksal eines namenlosen Bergmannes, der durch eine unachtsame Handlung in der Mine in einen noch tieferen Schacht fällt und dort elendig verreckt. Der Text besingt die Verzweiflung des Mannes, aber auch die ästhetische Erhabenheit des Todes, die morbide Faszination des Sterbenden. Hier bietet man instrumental betrachtet noch einmal alles auf, was den ureigenen Stil von DAUÞUZ ausmacht: Viel Atmosphäre, die Erkundung finsterer Welten, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und gleichzeitig erhabene Sphären, sowie sehr spielfreudige Instrumente, die trotzdem unverkennbar dem Underground huldig sind. Gar die eine oder andere okkulte Passage lässt sich hier heraus hören.

Fazit:
Was für ein Machwerk. Ach was - Machwerk... Kunstwerk! DAUÞUZ haben hier mit Des Zwerges Fluch in meinen Augen nicht viel weniger als eines der mitreißensten und monumentalsten nationalen Schwarzmetall-Werke diesen Jahres veröffentlicht... Punkt! Noch ein interessanter Fakt zu der Aufmachung der Hülle: die A- und B-Seite sind jeweils unter dem Titel 'Des Zwerges Fluch' geführt, jedoch jeweils in unterschiedlicher Fraktur (zudem ist der Titel der A-Seite, der über dem Rest aufgeführt ist fett unterlegt), was vielleicht dahin gehend interpretiert werden könnte, dass die Lieder der A-Seite das behandeln, was sichtbar ist und über der Oberfläche geschieht, während die B-Seite die Dinge ans Licht fördern, die sonst im Verborgenen liegen. Auch ist der letzte Song noch etwas von den anderen abgegrenzt, da er ja auch mit dem eigentlichen Konzept nicht direkt etwas zu tun hat. Die auf gerade einmal 187 Stück limitierte MLP ist offenbar bereits restlos ausverkauft, zumindest bei Naturmacht Productions. Die auf 300 Exemplare limitierte CD kommt in einem stabilen und wirklich sehr schicken Digipak mit einem umfangreichen Beiheft mit allen Texten und ist weiterhin erhältlich und kann für nicht einmal 10,- Euronnen über den Mailorder des Labels bestellt werden, wofür ich hier eine definitive Empfehlung ausspreche! Als Anhang gibt es das offizielle Video zu 'Als mein Geleucht für immer erlosch'.

Ein emotionsgeladenes Meisterwerk atmosphärischer Black Metal-Tonkunst. Für mich definitiv in den Top3 der deutschen Beiträge des Genres in diesem Jahr anzusiedeln!
Hier gibt es eigentlich nur eine Empfehlung: Zulegen!


Darbietungen:
A-01. Steinhammer
A-02. Berggeschrey
B-03. Unwerk - Des Zwerges Fluch I
B-04. Buße - Des Zwerges Fluch II
B-05. Mors Voluntaria - Des Zwerges Fluch III
B-06. Als mein Geleucht für immer erlosch

Laufzeit: ca. 35 Minuten




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