Mittwoch, 27. Juni 2018

Nostalgie-Review: Engraved - Ninkharsag (CD, Unisound Records - 1993 / 2002)

Aus den alten Tagen der niederländischen Szene, die sich ja seit ein paar Jahren (zu recht) wieder einer sehr großen Beliebtheit unter Anhänger der europäischen Black Metal-'Szene' erfreut, stammt dieses Werk der inzwischen aufgelösten Band ENGRAVED. Die Truppe setzte sich aus den vier Individuen Nympherus (Gesang und Bass), Vorpherous (Gitarre) und Maegrilhor (Schlagwerk) zusammen, sowie Prometheus, der verantwortlich für die Synths zeichnete (und auf der ersten noch als Schlagzeuger agierte). Ninkharsag stellte dabei nach zwei Demos aus dem gleichen Jahr die bereits dritte, und leider auch letzte Veröffentlichung dar.



Die Horde aus Rotterdam gründete sich um das beginnende Jahr 1993 und spielte besagte EP noch im selben Dezember ein. Veröffentlicht wurde sie noch im gleichen Jahr einmal durch die Band selbst auf Kassette und später auf CD durch das griechische Label Unisound Records, welches sich um das Jahr 2003/2004 auflöste. Bevor es jedoch zum Release kam, brachte die Band noch die Demo Blood Sacrifice und die Promo-Kassette Eternal Tears hervor. Mit dem gleichnamigen Titellied hält dieses Tape gar einen exklusiven Beitrag bereit, der sich weder auf dem ersten Werk, noch auf der später veröffentlichten EP finden lässt.

Meinen ersten Kontakt mit der Musik dieser, zugegeben recht wilden, Horde hatte ich vor etwa 16 Jahren, als ich die Ninkharsag CD zu einem recht erschwinglichen Preis auf einer Börse erwarb. Das war damals noch in Wuppertal. Die CD hält vier Lieder bereit, die eine Gesamtlänge von ca. 24 Minuten aufweisen und wie gesagt recht ruppigen und räudigen Underground Black Metal bieten. Auf den Inhalt gehe ich aber noch später im Detail ein. Neben dieser offiziellen Veröffentlichung von 1993 existiert nämlich noch eine dubiose Nachpressung aus dem Jahr 2002, bei der vermutlich auch zu Recht angezweifelt werden darf, ob es sich hier tatsächlich um eine Nachpressung aus dem Hause Unisound Records handelt, oder ob es sich nicht viel mehr um ein Bootleg unbekannter Herkunft handelt, welches lediglich ein Duplikat des Original-Artworks bietet. Möglich wäre beides, war das Label immerhin auch für nicht-lizensierte Pressungen bekannt. Das wirklich Interessante an diesem Bootleg ist sicherlich, dass es neben der Ninkharsag EP auch noch die Beiträge der ersten Demo Blood Sacrifice zum Inhalt hat, was mich dann auch dazu bewog, mir die CD nochmals in dieser Form zuzulegen. Daher wird sich meine Nostalgie-Besprechung auch hauptsächlich auf diese Fassung beziehen, da sie mit Ausnahme des Liedes Eternal Tears die komplette Diskographie von ENGRAVED umfasst.

Die CD beginnt dabei in chronologischer Reihenfolge, soll heißen, bevor die vier Lieder der eigentlichen EP erklingen, werden die Songs der ersten Demo präsentiert. Dieses beginnt mit einem Intro, welches das Titelstück des Films Children of the Corn (im Deutschen fälschlicher Weise mit Kinder des Zorns übersetzt) enthält, der auf der Kurzgeschichte Kinder des Mais von Stephen King basiert (zu finden in der Sammlung Nachtschicht). Der nachfolgende Song The Rites of Lucifer wurde dann mit dem Intro zusammengefügt, was wohl der recht kurzen Laufzeit geschuldet sein dürfte, welche noch nicht einmal zwei Minuten beträgt. Schon hier zeigt sich, dass man es hier mit einer äußert räudigen Kapelle zu tun hat, die auf satanische und okkulte Atmosphären in ihrem wilden Treiben Wert legt. Zugegeben: diese Atmosphären sind nicht sonderlich schön, aber das wollen sie auch gar nicht sein. Mit heutigen Horden aus den Niederlanden hat der Klang von ENGRAVED herzlich wenig am Hut, ihr Sound ist eher nordisch geprägt, weist aber auch einen deutlichen ost-europäischen (vor allem polnischen) Einfluss auf, was sich gerade in dem gezielten Einsatz okkult klingender Orgeln und tristen Synths äußert. Besonders gut zu hören ist das im zweiten Stück Beyond the Pagan Carnage. Mit Medieval Lust bietet man dann wieder eine schnellere Nummer, die einmal mehr die nordischen Vorbilder in den Vordergrund rückt... Stichwort alte MAYHEM! Was sich dann noch prägnanter im folgenden Stück Servants of the Damnation zeigt, der durch düstere Keyboards eingeleitet wird, begleitet von einer eiskalten Stimme, die eine kleine Ansage und schließlich den Titel verkündet. Wer hier nicht Parallelen zu den frühen Ansagen eines Dead oder Maniac ziehen kann, der hat wohl nichts verstanden. Auch das Lied an sich scheint in seiner Machart sehr von den Eindrücken eines De Mysteriis Dom Sathanas inspiriert zu sein, gleiches lässt sich auch auf Blood Sacricife, das Titel gebende Lied der Demo, münzen. Kompromisslos düster, brutal und doch von einer tiefgreifenden atmosphärischen Aura umgeben. Das folgende Outro bietet dann noch einmal einen Ausschnitt aus dem bereits genannten Horrorfilm.

Es folgen die vier Lieder der regulären Ninkharsag CD. Der Titel bezieht sich auf eine weibliche Gottheit aus der sumerischen Mythologie. Eingeleitet wird dieser Part abermals von unheilvollen Synths, die Melodie kommt mir hier auch sonderbar bekannt vor, allerdings weiß ich hier nicht zu sagen, woher (sollte jemand mit mir konform gehen, dass es sich hier tatsächlich um eine bekannte Melodie aus einem Horrorfilm handelt, darf er mich gerne kontaktieren). Daraufhin entwickelt sich A Chaldean Oracle zunächst zu einem eher zurückhaltenden Song, der mit dezent im Hintergrund gehaltenen Keyboards, einem langsamen Schlagzeug und verzerrten Gitarren aufwartet, steigert sich nach gut drei Minuten aber zu einem tobenden Sturm schwarzer Tonkunst, der den Hörer tief hinab in einen Strudel der Finsternis reißt, bis das Ganze nach weiteren drei Minuten noch einmal in einen recht mystisch geprägten Part übergeht, der auch wieder das Melancholische der ersten Minuten dieses Songs aufgreift, dem folgt noch einmal ein intensiver, wilder und ungezügelter Part der jedoch auch einiges an Atmosphäre bietet - gerade im Spiel des Schlagwerkes. Die letzten Minuten gehen dann wieder in einen gemächlicheren Teil über und nach gut 11 Minuten endet dieses Opus genauso wie es begonnen hat.

Mit dem Titel gebenden Stück Ninkharsag zelebriert man dann eine eher hymnische Nummer, die im gemächlichen Midtempo angesiedelt ist und neben den atmosphärischen Synths, die eine Hommage an die ersten Sachen von GEHENNA darstellen könnten, auch okkult anmutenden Keifgesang wie auch erhabenen Black Metal enthält. Mit dem hat The woods of Queen Ereshkigal jedoch nicht mehr viel gemein, geht es hier doch wieder ungleich wilder zu, wobei das Geschehen hier immer wieder durch hymnische Einschübe und den sehr atmosphärischen Mittelteil, der gar etwas von den prägenden Stilen solcher Bands wie HECATE ENTHRONED (Grüdung um 1994) oder den anfänglichen CRADLE OF FILTH, als sie mit ihrem symphonischen Black Metal begannen, vorweg nahm (ihre zu diesem Zeitpunkt bereits veröffentlichte Demo Total Fucking Darkness war ja noch im Death Metal verwurzelt und erst mit ihrem 1994 veröffentlichten Debüt änderte sich ihr Stil). The stygian lake stellt dann auch das letzte Stück der CD dar und hält in knapp sieben Minuten Laufzeit noch einmal alle Facetten dieser EP bereit. Ein gelungener Abschluss.

Was ENGRAVED mit Ninkharsag geschaffen haben, ist aus heutiger Sicht vielleicht wenig spektakulär und könnte einem direkten Vergleich mit der Qualität der heutigen niederländischen Schwarzmetall-'Szene' wohl auch eher nur bedingt standhalten. Zumal es hier auch eher die Lieder der Blood Sacrifice sind, die mich wirklich regelrecht faszinieren. Eine unglaublich düstere Atmosphäre und eine authentische räudige Ungezwungenheit, die man heutzutage leider recht selten findet (wenn man einen aktuellen und passenden Vergleich aus den heutigen Niederlanden heranziehen möchte, dann wären das wohl am ehesten GEVLERKT (deren absolut finsteres Machwerk De grote sterfte inzwischen eine zweite Vinyl-Auflage erfahren hat, die man sich unbedingt aneignen sollte, wenn man die Erstpressung verpasst hat! - Anm.).

Die einseitig bespielte und selbst-veröffentlichte Kassette der EP gibt es bei discogs.com aktuell für einen sehr horrenden Preis ab 44,- Euronnen. Absolut utopisch und in keinster Weise unterstützenswert. Die Original-Erstpressung der CD dürfte auch nur noch schwer zu ergattern sein, auf Börsen wird man da vielleicht noch zu einem guten Kurs fündig werden. Die nicht offizielle zweite Auflage, die ich aber auch wegen des enthaltenen Bonus wärmstens empfehlen kann, gibt es in diversen Mailordern, wie z. B. dem von A Fine Day To Day Records aus Spanien (dort wird die CD für 11,- Euronnen angeboten - ein Kauf, der sich meines Erachtens nach definitiv lohnt).


01. Intro / The Rites of Lucifer
02. Beyond the Pagan Carnage
03. Medieval Lust
04. Servants of the Damnation
05. Blood Sacrifice
06. Outro
07. A Chaldran Oracle
08. Ninkharsag
09. The woods of Queen Ereshkigal
10. The stygian lake


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen