Samstag, 30. Juni 2018

Review: Mooncitadel - Moon calls to wander... the winter's majesty (EP, Darker than Black Records - 2018)

Das Duo MOONCITADEL aus Finnland veröffentlichte in jüngster Zeit auch ihre neue EP. Moon calls to wander... the winter's majesty stellt dabei ihr bisher zweites Werk dar. Ihren Einstand feierte die Horde im Jahr 2016 in Form ihrer Demo As Nightwind Embraced and the Shadows Caressed, welche ebenfalls über die Schmiede Darker than Black veröffentlicht wurde. Was man von der neuen EP nun zu erwarten hat, lest ihr nun in folgenden Zeilen...





Das Jahr 2016 brachte einige nennenswerte Veröffentlichungen hervor, darunter konnte mich die erste Demo-Kassette der beiden Herren aus Finnland mit ihrem ursprünglichen, Melodie betonten Stil derart überzeugen, dass ich das Werk in die Top5 meines EP/Demo-Jahresrückblicks mit aufnahm (der Artikel lässt sich >>hier<< finden). Diese Kassette glich einer musikalischen Zeitreise zurück in die Hochzeit der Mitt-90er nordischen 'Szene' und enthielt reichlich Synth-Einsatz, der nicht nur einmal an alte GEHENNA (Stichwort: First Spell) aus Norwegen oder GODKILLER (The Rebirth of the Middle Ages) aus Monaco denken ließ.

Es handelt sich bei dem infernalischen Duo auch um keine Unbekannten. So ging MOONCITADEL aus der Asche von EMPIRE OF THARAPHITA hervor - ein Projekt, welches nach gerade einmal zwei Demos und einer Split mit DROWNING THE LIGHT (Path of the Old Lunar Cult Empire) um das Jahr 2014 aufgelöst wurde. Noch im selben Jahr erblickte dann MOONCITADEL das Licht dieser Welt. Für den Gesang, sowie die Gitarren, Bässe und Keyboards zeichnet Stormheit verantwortlich, der allein durch sein gleichnamiges Projekt hinreichend bekannt sein dürfte. Das Schlagwerk trommelt Forthcaller Of The Black Gnosis And The Ancient Hyperborean Spirit ein.

Zwei Jahre nach der Gründung erfolgte dann, wie bereits erwähnt die Veröffentlichung der ersten Demo auf Kassette. Da die Erstauflage von gerade einmal 200 Stück in sehr kurzer Zeit nicht mehr erhältlich war und es wohl doch noch ein paar mehr Anfragen gab, legte man noch eine zweite Auflage nach, die dann nochmals 100 Stück umfasste. Die Stückzahl gibt As Nightwind Embraced and the Shadows Caressed Recht. Ein kleines Meisterwerk, welches nicht mehr vieler Worte bedarf (die Rezension lässt sich >>hier<< nachlesen).

Nun, weitere zwei Jahre später erschien mit vorliegender EP, welche auf 12'' Vinyl gepresst wurde und zwei neue Lieder enthält, das neue Machwerk der beiden Krieger. Dies kann sich allein von der Aufmachung eigentlich schon sehen lassen. Das Plattencover ist stilecht in Schwarz, Grau und Silber gehalten, die Rückseite enthält die Titelliste sowie Informationen zur Aufnahme und zur Besetzung, und natürlich das DTB-Logo. Interessant dabei ist, dass das Gesamtpaket neben der regulären 12'' EP in gräulich-weißem Vinyl noch eine zweite einseitig bespielte schwarze Platte bereithält, die die vier Lieder der ersten Demo zum Inhalt hat. Leider muss ich sagen, hat man es hier versäumt, eine Gatefold-Hülle anzufertigen, was für die beiden Platten optimaler gewesen wäre. Auch hält die Hülle keinerlei sonstigen Impressionen, Texte oder Auszüge in Form eines Beiblatts parat, was angesichts der enorm hohen musikalischen Qualität ziemlich schade ist.

Kommen wir nun aber zur Musik, wobei ich mich hier jetzt wirklich nur den beiden neuen Liedern widmen werde, da ich die Demo schon ausführlich genug besprochen habe. Los geht es auf der A-Seite mit Moon Calls To Wander The Winter's Majesty, welches mit erhabenen Gitarrenriff eingeleitet wird, dem ein Schrei und anschließend hymnische Tastenklänge folgen. Dem gesellt sich dann alsbald auch das Schlagzeug zu. Das Ganze ist relativ schnell gespielt und hält sich nicht lange mit überflüssigen Details auf, sondern bringt die Sache direkt auf den Punkt. Dabei bleibt es jedoch immer atmosphärisch und man verlässt nie wirklich die Pfade des in Nostalgie schwelgenden Midtempos. Der Gesang ist äußerst grimmig dargeboten, die Gitarren befinden sich irgendwo zwischen aggressiver Stimmung und düsterer Melodie, ein Aspekt, der vor allem ab der dritten Minute zum tragen kommt, wenn ein längeres Sample einsetzt, das von äußerst hymnenhaften Saiten begleitet wird.

Dance Of A Dark Pagan Spell (The Dreaming Equinox) schlängt in die gleiche Kerbe, zeigt sich in seiner Machart jedoch noch ein Quäntchen melodischer geprägt und vor allem diesem typischen finnischen Stil näher. Parallelen zu aktuellen Horden wie GOATMOON und SATANIC WARMASTER oder auch der alten Band VORNAT kommen wohl nicht von ungefähr. Zudem lassen sich hier noch Passagen mit einem klaren und eher gesprochenen Gesang, sowie atmosphärische Neofolk-Anklänge ausmachen, die dem Ganzen eine gewisse heidnische Stimmung geben. Mit immerhin über acht Minuten Spielzeit ist dieser Beitrag auch etwas länger als das Titellied - aber auch hier gilt, dass nichts unnötig in die Länge gezogen wird, und es somit auch zu keiner Zeit langweilig für den Hörer wird.

Fazit:
Die beiden neuen Lieder der Moon calls to wander... the winter's majesty können sich mehr als nur hören lassen. Beide unterstreichen noch einmal den durchaus positiven Eindruck, den man von MOONCITADEL bereits nach Veröffentlichung ihres Demos hatte. Die zusätzliche LP, die dann auch noch die vier Stücke eben dieser Demo enthält, rundet das Paket dann noch zusätzlich ab. Die reguläre Vinyl kommt wie bereits erwähnt in einem gräulich-weiß, während die andere schwarz und nur einseitig bespielt ist. Beim Todeshändler ist derzeit lediglich noch eine Sonderedition des Werkes erhältlich: diese umfasst neben den beiden Platten noch ein T-Shirt, einen Aufnäher und einen Metall-Pin und schlägt mit 44,88 Euronnen zu Buche. Die reguläre Fassung gab es einmal bei Purity Through Fire, dort ist sie aber auch bereits vergriffen. Daher bleibt wohl nur, die Augen nach diesem Kleinod offen zu halten, wenn man nicht unbedingt Maniac ist und sich die teure Sonderedition aneignen möchte.

Majestätischer Black Metal zwischen finnischer Mystik und satanischer Erhabenheit mit paganem Einschlag. Unbedingte Empfehlung meinerseits!


Darbietungen:
A-01. Moon Calls To Wander The Winter's Majesty
B-02. Dance Of A Dark Pagan Spell (The Dreaming Equinox)
C-03. Dimensional Key As The Sword Of Stars
C-02. Lord Of The Moonrealm
C-03. When Thousand Winters Bury My Heart
C-04. The Earl Of Nightfall

Laufzeit: ca. 33 Minuten




Mittwoch, 27. Juni 2018

Review: Sarkrista - Under Sentence Of Death (EP, Purity Through Fire - 2018)

Eine neue EP erschien jüngst aus dem Hause SARKRISTA, einer der meiner Meinung nach intensivsten Schwarzmetall-Kapellen aus Deutschen Landen dieser Zeit. Ihr neuester Streich hört auf den Namen Under Sentence Of Death und hält zwei Lieder bereit. Das Ganze wurde einmal mehr unter dem Banner von Purity Through Fire realisiert, welche ja bereits die beiden Alben, sowie die MLP The Evil Incarnate und die Vinyl-Auflage der Split mit den Finnen SIELUNVIHOLLINEN veröffentlichten.






Bevor ich mich aber direkt der Musik widme, möchte ich für diejenigen, die mit dieser Horde noch absolut nichts anfangen können, einen kurzen Einblick in das bisherige Schaffen von SARKRISTA geben. Das Quartett aus Schleswig-Holstein um Hass-Prediger Revenant formierte sich im Jahr 2011 und veröffentlichte zwei Jahre später ihr erstes Album The Acheronian Worship, welches bereits schon viele prägende Elemente ihres Stils enthielt, den sie mit der Zeit noch weiter ausarbeiten sollten. So war dieses durch und durch okkulte und luziferische Werk noch wesentlich räudiger in seiner Machart, was aber auch gerade den Reiz ausmachte. Auch dass sich SARKRISTA in ihrem Schaffen ganz offenbar am finnischen Black Metal orientierten, war kein großes Geheimnis. Die Texte waren dort schon durchzogen von satanischer Philosophie, anti-kosmischen Lehren und rituellen Stimmungen. Eine (recht kurze) Besprechung zu diesem Werk lässt sich >>hier<< finden. Es sei noch erwähnt, dass zunächst eine CD-Auflage von Misanthropic Art Productions erschien, erst 2014 folgte dann die Auswertung aus Schallplatte.

Im Jahr 2014 folgten dann noch die beiden Splits mit SIELUNVIHOLLINEN (die LP erschien im Jahr 2017), sowie mit UNHUMAN DISEASE aus Amiland (Titel: Those Who Preach Perdition), jeweils auf CD.

2015 brachte dann in meinen Augen die bisher schwächste Veröffentlichung der Horde hervor: The Evil Incarnate stellte für mich eine ziemliche Enttäuschung dar, gerade wenn man das großartige Debüt als Referenz heranzog. Dieser MLP folgte einige Monate später dann noch eine weitere Split-Veröffentlichung mit den Griechen von SAD mit dem Namen Fury of the Doomsday Apostles (die Besprechungen zu beiden Werken lassen sich >>hier<< und >>hier<< nachlesen).

Zwei Jahre später, 2017 erschien dann endlich das von vielen bereits sehnsüchtig erwartete zweite Album Summoners of the Serpents Wrath und wer bis dahin noch Zweifel hatte, ob es sich bei dieser Band vielleicht nur um eine Eintagsfliege handelt, der wurde hier eines Besseren belehrt. Ein großes Werk der schwarzen Künste und in meinen Augen definitiv eines der besten heimischen Alben des letzten Jahres gewesen, welches ich in meinem Jahresrückblick dann auch direkt in die Top3 mit aufnahm. Die Rezension gibt es >>hier<< zu lesen.

Nun folgt also mit Under The Sentence Of Death die brandneue zwei Lieder umfassende EP, welche schon allein durch ihre morbide Aufmachung ins Auge sticht. Der Todesengel erhebt sich über einem Heer aus untoten Tempelrittern, im Hintergrund sind Berge zu sehen, viel Nebel und Räucherwerk. Das Logo und der Titel sind in einem blassen Rotton gehalten, der an getrocknetes Blut denken lässt, was auch gar nicht einmal verkehrt ist - so stehen beide im deutlicheren Kontrast zu den schwarz/weiß/grau-Tönen des Covers. Für das Artwork zeigt sich Vhan Artworks & Printing verantwortlich.

Die A-Seite und damit die ersten rund sechs Minuten gehören dem Titel gebenden Stück, welches bereits mit seinem gezogenen instrumentalen Part am Anfang sehr zu gefallen weiß und sowohl das nötige Maß an Aggressivität wie auch an Atmosphäre offenbart. Nach einer Minute erklingt dann keifende Schreigesang von Revenant, gleichzeitig nehmen die Instrumente ordentlich an Fahrt auf - aber keine Sorge, stupides Gebolzte wird hier nicht geboten, eher werden die schnellen und erhabenen Passagen immer wieder durch kurze akustische Einspieler oder hymnische Tempowechsel etwas aufgelockert. Im Mittelteil wird dann noch einmal ein wahrer Sturm entfacht, der komplett ohne Gesang auskommt. "Under Sentence of Death - Darkness shall rise!/(...)/Under Sentence of Death - Silence remains!". Es ist direkt schade, dass hier kein Textblatt beigelegt wurde.

Die B-Seite indes ist dem Lied As Mountains Disappeared in Fog gewidmet, welches gleich zu Beginn ordentlich loslegt, es im Verlauf aber etwas ruhiger anklingen lässt. So lassen sich hier sogar eine Handvoll recht harmonischer Passagen ausmachen, was im Kontext zu dem Titel, der offenbar Bezug auf die Natur nimmt auch durchaus akzeptabel ist, gleichzeitig zeigt es auch, dass SARKRISTA ihre Art des Black Metal nicht einfach nur der Erfüllung irgendwelcher Klischees wegen zelebrieren, sondern es für sie einer dunklen Prozession gleicht. Einer Zelebrierung, die auch eine gewisse Weiterentwicklung und Verfeinerung ihres sehr eigenen Stils zulässt.

Fazit:
SARKRISTA schaffen es erneut, mich positiv zu überraschen. Nach diesem Überwerk, welches das letzte Album in meinen Augen einfach nur darstellte, habe ich nicht gedacht, dass eine so zeitige Veröffentlichung der Horde mich noch einmal so umhauen könnte - aber unverhofft kommt bekanntlich gut. Ich bin gespannt, womit uns diese Band in nächster Zeit noch überraschen wird. Die 7'' EP erschien in zwei Varianten: einmal als schwarze Platte und einmal in schwarz mit rotem Splatter-Muster (die ersten 100 Stück). Die ersten 100 sind bereits weg, die reguläre Ausgabe ist aber noch erhältlich. Für einen Preis von 7,- Euronnen könnt ihr euch euer Exemplar im Shop von Purity Through Fire sichern. Als Video-Anhang lässt sich das offizielle Song-Video von Purity Through Fire finden.

Deutscher Schwarzmetall zwischen satanischer Tradition, hymnischer Atmosphäre und dunkler Erhabenheit. Absolute Empfehlung!


Darbietungen:
A. Under Sentence of Death
B. As Mountains Disappeared in Fog

Laufzeit: ca. 12 Minuten




Buried & Forgotten... verlorene Schätze des Untergrunds #7: Engraved - Ninkharsag (CD, Unisound Records - 1993 / 2002)

Aus den alten Tagen der niederländischen Szene, die sich ja seit ein paar Jahren (zu recht) wieder einer sehr großen Beliebtheit unter Anhänger der europäischen Black Metal-'Szene' erfreut, stammt dieses Werk der inzwischen aufgelösten Band ENGRAVED. Die Truppe setzte sich aus den vier Individuen Nympherus (Gesang und Bass), Vorpherous (Gitarre) und Maegrilhor (Schlagwerk) zusammen, sowie Prometheus, der verantwortlich für die Synths zeichnete (und auf der ersten noch als Schlagzeuger agierte). Ninkharsag stellte dabei nach zwei Demos aus dem gleichen Jahr die bereits dritte, und leider auch letzte Veröffentlichung dar.



Die Horde aus Rotterdam gründete sich um das beginnende Jahr 1993 und spielte besagte EP noch im selben Dezember ein. Veröffentlicht wurde sie noch im gleichen Jahr einmal durch die Band selbst auf Kassette und später auf CD durch das griechische Label Unisound Records, welches sich um das Jahr 2003/2004 auflöste. Bevor es jedoch zum Release kam, brachte die Band noch die Demo Blood Sacrifice und die Promo-Kassette Eternal Tears hervor. Mit dem gleichnamigen Titellied hält dieses Tape gar einen exklusiven Beitrag bereit, der sich weder auf dem ersten Werk, noch auf der später veröffentlichten EP finden lässt.

Meinen ersten Kontakt mit der Musik dieser, zugegeben recht wilden, Horde hatte ich vor etwa 16 Jahren, als ich die Ninkharsag CD zu einem recht erschwinglichen Preis auf einer Börse erwarb. Das war damals noch in Wuppertal. Die CD hält vier Lieder bereit, die eine Gesamtlänge von ca. 24 Minuten aufweisen und wie gesagt recht ruppigen und räudigen Underground Black Metal bieten. Auf den Inhalt gehe ich aber noch später im Detail ein. Neben dieser offiziellen Veröffentlichung von 1993 existiert nämlich noch eine dubiose Nachpressung aus dem Jahr 2002, bei der vermutlich auch zu Recht angezweifelt werden darf, ob es sich hier tatsächlich um eine Nachpressung aus dem Hause Unisound Records handelt, oder ob es sich nicht viel mehr um ein Bootleg unbekannter Herkunft handelt, welches lediglich ein Duplikat des Original-Artworks bietet. Möglich wäre beides, war das Label immerhin auch für nicht-lizensierte Pressungen bekannt. Das wirklich Interessante an diesem Bootleg ist sicherlich, dass es neben der Ninkharsag EP auch noch die Beiträge der ersten Demo Blood Sacrifice zum Inhalt hat, was mich dann auch dazu bewog, mir die CD nochmals in dieser Form zuzulegen. Daher wird sich meine Nostalgie-Besprechung auch hauptsächlich auf diese Fassung beziehen, da sie mit Ausnahme des Liedes Eternal Tears die komplette Diskographie von ENGRAVED umfasst.

Die CD beginnt dabei in chronologischer Reihenfolge, soll heißen, bevor die vier Lieder der eigentlichen EP erklingen, werden die Songs der ersten Demo präsentiert. Dieses beginnt mit einem Intro, welches das Titelstück des Films Children of the Corn (im Deutschen fälschlicher Weise mit Kinder des Zorns übersetzt) enthält, der auf der Kurzgeschichte Kinder des Mais von Stephen King basiert (zu finden in der Sammlung Nachtschicht). Der nachfolgende Song The Rites of Lucifer wurde dann mit dem Intro zusammengefügt, was wohl der recht kurzen Laufzeit geschuldet sein dürfte, welche noch nicht einmal zwei Minuten beträgt. Schon hier zeigt sich, dass man es hier mit einer äußert räudigen Kapelle zu tun hat, die auf satanische und okkulte Atmosphären in ihrem wilden Treiben Wert legt. Zugegeben: diese Atmosphären sind nicht sonderlich schön, aber das wollen sie auch gar nicht sein. Mit heutigen Horden aus den Niederlanden hat der Klang von ENGRAVED herzlich wenig am Hut, ihr Sound ist eher nordisch geprägt, weist aber auch einen deutlichen ost-europäischen (vor allem polnischen) Einfluss auf, was sich gerade in dem gezielten Einsatz okkult klingender Orgeln und tristen Synths äußert. Besonders gut zu hören ist das im zweiten Stück Beyond the Pagan Carnage. Mit Medieval Lust bietet man dann wieder eine schnellere Nummer, die einmal mehr die nordischen Vorbilder in den Vordergrund rückt... Stichwort alte MAYHEM! Was sich dann noch prägnanter im folgenden Stück Servants of the Damnation zeigt, der durch düstere Keyboards eingeleitet wird, begleitet von einer eiskalten Stimme, die eine kleine Ansage und schließlich den Titel verkündet. Wer hier nicht Parallelen zu den frühen Ansagen eines Dead oder Maniac ziehen kann, der hat wohl nichts verstanden. Auch das Lied an sich scheint in seiner Machart sehr von den Eindrücken eines De Mysteriis Dom Sathanas inspiriert zu sein, gleiches lässt sich auch auf Blood Sacricife, das Titel gebende Lied der Demo, münzen. Kompromisslos düster, brutal und doch von einer tiefgreifenden atmosphärischen Aura umgeben. Das folgende Outro bietet dann noch einmal einen Ausschnitt aus dem bereits genannten Horrorfilm.

Es folgen die vier Lieder der regulären Ninkharsag CD. Der Titel bezieht sich auf eine weibliche Gottheit aus der sumerischen Mythologie. Eingeleitet wird dieser Part abermals von unheilvollen Synths, die Melodie kommt mir hier auch sonderbar bekannt vor, allerdings weiß ich hier nicht zu sagen, woher (sollte jemand mit mir konform gehen, dass es sich hier tatsächlich um eine bekannte Melodie aus einem Horrorfilm handelt, darf er mich gerne kontaktieren). Daraufhin entwickelt sich A Chaldean Oracle zunächst zu einem eher zurückhaltenden Song, der mit dezent im Hintergrund gehaltenen Keyboards, einem langsamen Schlagzeug und verzerrten Gitarren aufwartet, steigert sich nach gut drei Minuten aber zu einem tobenden Sturm schwarzer Tonkunst, der den Hörer tief hinab in einen Strudel der Finsternis reißt, bis das Ganze nach weiteren drei Minuten noch einmal in einen recht mystisch geprägten Part übergeht, der auch wieder das Melancholische der ersten Minuten dieses Songs aufgreift, dem folgt noch einmal ein intensiver, wilder und ungezügelter Part der jedoch auch einiges an Atmosphäre bietet - gerade im Spiel des Schlagwerkes. Die letzten Minuten gehen dann wieder in einen gemächlicheren Teil über und nach gut 11 Minuten endet dieses Opus genauso wie es begonnen hat.

Mit dem Titel gebenden Stück Ninkharsag zelebriert man dann eine eher hymnische Nummer, die im gemächlichen Midtempo angesiedelt ist und neben den atmosphärischen Synths, die eine Hommage an die ersten Sachen von GEHENNA darstellen könnten, auch okkult anmutenden Keifgesang wie auch erhabenen Black Metal enthält. Mit dem hat The woods of Queen Ereshkigal jedoch nicht mehr viel gemein, geht es hier doch wieder ungleich wilder zu, wobei das Geschehen hier immer wieder durch hymnische Einschübe und den sehr atmosphärischen Mittelteil, der gar etwas von den prägenden Stilen solcher Bands wie HECATE ENTHRONED (Grüdung um 1994) oder den anfänglichen CRADLE OF FILTH, als sie mit ihrem symphonischen Black Metal begannen, vorweg nahm (ihre zu diesem Zeitpunkt bereits veröffentlichte Demo Total Fucking Darkness war ja noch im Death Metal verwurzelt und erst mit ihrem 1994 veröffentlichten Debüt änderte sich ihr Stil). The stygian lake stellt dann auch das letzte Stück der CD dar und hält in knapp sieben Minuten Laufzeit noch einmal alle Facetten dieser EP bereit. Ein gelungener Abschluss.

Was ENGRAVED mit Ninkharsag geschaffen haben, ist aus heutiger Sicht vielleicht wenig spektakulär und könnte einem direkten Vergleich mit der Qualität der heutigen niederländischen Schwarzmetall-'Szene' wohl auch eher nur bedingt standhalten. Zumal es hier auch eher die Lieder der Blood Sacrifice sind, die mich wirklich regelrecht faszinieren. Eine unglaublich düstere Atmosphäre und eine authentische räudige Ungezwungenheit, die man heutzutage leider recht selten findet (wenn man einen aktuellen und passenden Vergleich aus den heutigen Niederlanden heranziehen möchte, dann wären das wohl am ehesten GEVLERKT (deren absolut finsteres Machwerk De grote sterfte inzwischen eine zweite Vinyl-Auflage erfahren hat, die man sich unbedingt aneignen sollte, wenn man die Erstpressung verpasst hat! - Anm.).

Die einseitig bespielte und selbst-veröffentlichte Kassette der EP gibt es bei discogs.com aktuell für einen sehr horrenden Preis ab 44,- Euronnen. Absolut utopisch und in keinster Weise unterstützenswert. Die Original-Erstpressung der CD dürfte auch nur noch schwer zu ergattern sein, auf Börsen wird man da vielleicht noch zu einem guten Kurs fündig werden. Die nicht offizielle zweite Auflage, die ich aber auch wegen des enthaltenen Bonus wärmstens empfehlen kann, gibt es in diversen Mailordern, wie z. B. dem von A Fine Day To Day Records aus Spanien (dort wird die CD für 11,- Euronnen angeboten - ein Kauf, der sich meines Erachtens nach definitiv lohnt).


01. Intro / The Rites of Lucifer
02. Beyond the Pagan Carnage
03. Medieval Lust
04. Servants of the Damnation
05. Blood Sacrifice
06. Outro
07. A Chaldran Oracle
08. Ninkharsag
09. The woods of Queen Ereshkigal
10. The stygian lake


Sonntag, 24. Juni 2018

Review: Dark World's Spell - Veil of contempt (CD, Wolfmond Production - 2018)

Das Projekt DARK WORLD'S SPELL aus NRW meldet sich auch wieder zurück. Und zwar mit ihrer neuen CD-EP Veil of contempt (Schleier der Verachtung), die einmal mehr durch Wolfmond Production aus Frankenberg veröffentlicht wurde. Dabei beinhaltet die CD ein Lied mehr, als man noch auf der ersten Demo-Präsentation Fog of mystic minds bot. Was den Stil anbelangt, macht man aber auch hier keine Kompromisse und bietet düsteren Black Metal mit reichlich Synth-Einsatz und Dark Ambient.





Erschien die Demo vor gut einem Jahr noch in einer einfachen Karton-Hülle, so präsentiert sich Veil of contempt in einem Jewelcase. Sechs Lieder erwarten den Hörer auf dem Werk und überflüssiges Beiwerk wie In- oder Outro sucht man dieses Mal auch vergeblich. Das 4-seitige Beiheft hält auch wieder nur das Nötigste bereit (wobei das sicherlich Ansichtssache ist - lange Danksagungen und Black Metal ist halt auch immer so eine Sache). Im Innenteil findet sich daher ein Foto der beiden Recken sowie, wie bereits erwähnt, eine Danksagung, die dann aber doch nicht so lange ausgefallen ist. Das Logo der Vereinigung ROOTS OF SOLITUDE ziert die Rückseite. Dieser kleinen Gemeinschaft, die vornehmlich depressive, atmosphärische und ambiente Black Metal-Bands in ihren Kreis aufnimmt, gehören u.a. auch SEELENQUAL (die ja eigentlich aus den selben Leuten wie DARK WORLD'S SPELL besteht), NEBELTOD und SYNDROM EINSAMKEIT an, welche ja auch allesamt irgendwie mit Wolfsmond als Label oder auch als Person verbunden sind.

Aber genug der Hintergründe, widme ich mich der Musik. Wenn man diese einem direkten Vergleich mit dem Vorgänger unterzieht, so fällt einem wohl zunächst einmal der andersartige Gesang auf. Wo dieser auf der Demo noch weitaus grimmiger agierte, lässt sich hier meist eine sphärische Elegie ausmachen, was in Verbindung mit der ebenfalls sehr erhabenen und hymnischen Atmosphäre der Lieder aber auch sehr gut klingt. Es verleiht Titeln wie "Dissociation" einen gewissen emotionalen Tiefgang, hält die Stimmung gleichzeitig aber auch stets melancholisch bis depressiv. Das zweite, was hier auffällt ist, dass man seiner Linie absolut treu geblieben ist: so folgt dem ersten Lied ein Instrumental, dem wiederum ein Stück mit Gesang folgt, dem dann wieder ein rein instrumentales Lied folgt. Eine Ausnahme stellen die beiden letzten Songs dar, die beide Gesang enthalten. Man scheint hier auch tatsächlich zweistimmig zu arbeiten. So lassen sich am Anfang des Titel gebenden Stückes Passagen mit Klargesang ausmachen, während "Spiritual hike" in gesanglicher wie auch in instrumentaler Hinsicht der wohl aggressivste Beitrag der gesamten CD darstellt.

Fazit:
Das zweite Werk des Duos DARK WORLD'S SPELL steht ihrer ersten Demo-Präsentation aus dem letzten Jahr eigentlich in nichts nach. Träumerische Atmosphären treffen auf düsteren Tiefen absoluter Dunkelheit und gehen eine in sich stimmige Symbiose ein. Eine vertonte Reise durch nebelverhangene nächtliche Wälder. Wie die bereits die Demo ist Veil of contempt auf gerade einmal 30 Exemplare limitiert und wird wie bereits angesprochen in einem Jewelcase ausgeliefert. Pro-CDr und von Hand nummeriert. Bestellungen gehen wie immer direkt an Wolfmond Production - das Werk ist dort für 6,- Euronnen erhältlich.

Atmospheric Dark Ambient Black Metal... kalt, düster, melancholisch und depressiv. Und zugleich doch majestätisch erhaben und misanthropisch. Musik für Liebhaber minimalistischer Atmosphäre - alle anderen sollten hier wohl zunächst einmal reinhören, bevor sie einen Kauf erwägen!


Darbietungen:
01. Dissociation
02. Seasons in time lapse
03. Veil of contempt
04. Autumnal path
05. Spiritual hike
06. Waves of a replaced reality

Laufzeit: ca. 24 Minuten




Mittwoch, 20. Juni 2018

Review: Burkhartsvinter - Hohenkrähen (CD, Total Death Records - 2018)

Gute zwei Jahre nach ihrem Erstling Burkhartsmal, welchen ich damals auch einer ausführlichen Besprechung unterzog (zu finden >>hier<<) und den ich mit in meinen Jahresrückblick aufnahm, veröffentlichten die süd-deutschen Recken BURKHARTSVINTER mit Hohenkrähen jüngst ihr von vielen bereits sehnlichst erwartetes neues Werk. Bei diesem handelt es sich um ein gemeinschaftliches Projekt zwischen der Horde, Total Death Records, welcher die CD-Version veröffentlichte und Worship Tapes, welcher für die Kassetten-Fassung verantwortlich zeichnet. Die folgende Besprechung beruft sich auf die CD, welche leider das Tape-exklusive Zusatzlied vermissen lässt...


Zunächst einmal ein paar Eckdaten zur Horde. BURKHARTSVINTER wurde um das Jahr 2013 von Hellstone gegründet. Ursprünglich war BURKHARTSVINTER als Solo-Projekt konzipiert. Nach ersten Aufnahmen stießen dann aber Shrvyneshynder am Schlagzeug und Mordbrand am Bass hinzu, welcher sich jedoch noch vor den Aufnahmen an diesem Album von der Band trennte. Seinen Part auf Hohenkrähen übernimmt Wendul (u.a. ex-WOLFSBLUT und RUNENTHOR).

Die CD kommt in zwei Ausführungen: einmal als normale Jewelcase und einmal zusätzlich mit einem Slipcase, welches alternatives Artwork bietet und dazu noch einen Aufnäher enthält. Thematisch dreht sich das Album, wie es der Titel und das Cover bereits vermuten lassen, um den vulkanischen Berg Hohenkrähen bei Singen im Hegau, unweit der Grenze zur Schweiz. Das Cover zeigt den Berg samt der Burg Hohenkrähen, die so allerdings nur in der Fantasie des Zeichners existiert, da der Sitz der "Craien" im Dreizigjährigen Krieg niedergebrannt wurde und heute nur noch eine Ruine existiert. Weitere Details im Artwork lassen sich ebenfalls ausmachen: ein Mann, der am Galgen baumelt, im Vordergrund eine Bestie, die auf einem Totenschädel hockt. Diese Szenerie erschließt sich dem Hörer erst beim durchhören und -lesen des Albums, es kommt aber wohl nicht von ungefähr, dass man mit dem Cover eindeutig Bezug zu dem Text "S.G.W.G.T.C." nimmt.

Doch genug der Vorrede: widme ich mich nun der Musik. Und eigentlich geht es auch gleich nach dem einlegen der CD los: Wie schon auf dem Debüt hält man sich nicht lange mit irgendwelchen Sinn befreiten Intros auf, sondern legt gleich los. "Aachland" beginnt mit erhabenen und gleichsam räudigen Gitarren, bis ein treibendes Schlagzeug einsetzt und dem ganzen endgültig einen hymnenhaften Charakter verleiht. Auch die gezielt gesetzten Tempowechsel zünden auf Anhieb und ich weiß hier bereits nach der ersten Minute, dass hier etwas ganz Großes wartet, wenn das Niveau gehalten werden kann. Interessant hierbei ist auch, dass der Gesang erst in der letzten Minute einsetzt, was auf Grund der Fülle des Texts doch schon beachtlich ist. "Aachland, Heimatland/Aachland, Aachland/Der Herr der Krähen ist erwacht/Der Berg, er kommt euch holen". Mit dem Titel gebenden Lied geht es auch gleich in englischer Sprache weiter und nicht nur in lyrischer Hinsicht zeigt man einige Parallelen zu SATANIC WARMASTER aus Finnland. "In the woods up there/The chaos rises/Pure, cold/Once again terror reigns/Upon Hohenkrähen". Eine erste Abrechnung mit den großen drei Weltreligionen, die in dem Text als das enttarnt werden, was sie letztlich sind, nämlich ein Geschwür aus ein und der selben Wurzel, findet sich in Form von "Under Satanic Command": "Under Satanic Command/Under the Sign of Luzifer/ATTACK". Hier sind ein paar kurze Aussetzer in der Aufnahme wahrnehmbar, ob dies beabsichtigt ist, weiß ich allerdings nicht zu sagen (es könnte aber auch lediglich ein rein subjektiver Eindruck meinerseits sein, die der räudigen Produktion geschuldet ist). Mit dem folgenden Lied "Frundsberg" wird es dann wieder erhabener und sogar ein wenig atmosphärisch. Im Text wird das Leben eines Landsknechts besungen, der unter der Flagge seines Herrn in die Schlacht zieht, um zu streiten, zu rauben, zu brandschatzen und zu vergewaltigen. Ein stolzes Stück atmosphärischer Schwärze, welches mit einer Laufzeit von gut 10 Minuten gar recht episch ausgefallen ist (wenn mir dieses Wort in dem Zusammenhang gestattet ist) und im letzten Viertel ein sehr militantes Spiel offenbart, was aber auch sehr gut zur Stimmung des Textes passt. Es verwundert mich nicht, dass die Horde ausgerechnet diesen Song auswählte, um ihn vorab live zu zelebrieren und einem Publikum vorzustellen. Mit "S.G.W.G.T.C." zelebriert man anschließend die zweite Abrechnung mit dem Terror-Netzwerk Religion. Ob Christen, Juden oder Moslems... hier bleibt niemand verschont. Diese ganzen Empörungen, wenn sich mal eine Horde wagt, auch andere Religionen als das Christentum anzufeinden, konnte ich noch nie so wirklich nachvollziehen. Wieso sollte das eine weniger angebracht sein, als das andere? Schließlich ist es in Deutschland ja auch längst nicht mehr nur das Christentum, was sich parasitär ausbreitet. Wofür die Abkürzung des Titels genau steht, wird einem beim lesen des Textes klar werden, ebenso der eindeutige Bezug zum Cover-Artwork wird nun ersichtlich. Der letzte Beitrag der CD "Knights of the Deathcult" steht dem in nichts nach, nimmt aber auch wieder direkten Bezug auf Hohenkrähen: "The old fortress/In ruins, forgotten/But there's something up in there/The torches' been lightened again/The wind carries a breeze/Of total hate/The deathcult rises again/The torches been lightened//(...)//Knighthood of the heathenblood/risen from their graves again/Charge against the plague/Muslim, jewish and christian scum/Fuck you! Die!"

Fazit:
Mit Hohenkrähen präsentieren uns BURKHARTSVINTER erneut ein ziemlich düsteres, räudiges und wildes Album, welches dem Erstling in nichts nachsteht, es in einigen Punkten gar noch etwas übertrifft, wenn ein direkter Vergleich hier auch ziemlich schwer fällt, da es sich doch deutlich von Burkhartsmal unterscheidet. Ein Werk, auf dem die Horde kein Blatt vor den Mund nimmt und sich ihre Meinung und Einstellung nicht verbieten lässt, weil sie evtl. nicht gesellschaftskonform oder politisch korrekt ist. Auch, dass sich die Band gerade dieser Formen nicht scheut, spricht dafür, dass es ihnen wirklich ernst ist, und sie ihre Ideale nicht zugunsten höherer Popularität oder besserer Verkaufszahlen verraten. Die CD gibt es wie bereits erwähnt in zwei Ausführungen, wobei die Variante im Slipcase mit Patch auf lediglich 100 Exemplare begrenzt und über die Band bereits nicht mehr erhältlich ist. Interessenten sollten ergo schnellstmöglich den Kontakt zu Total Death Records suchen, um sich ihr Exemplar noch zu sichern, welches preislich mit 13,50 (inkl. P&V) zu Buche schlägt. Über die Band gibt es weiterhin die Möglichkeit in Bündeln zu kaufen (CD + T-Shirt). Die Kassette in einer Auflage von 100 Stück beinhaltet noch einen Mitschnitt eines live eingespielten SATANIC WARMASTER Covers und ist ausschließlich über Worship Tapes zu beziehen.

Schwarzmetall wie er sein soll: düster, räudig, erhaben, provokativ und Tabus brechend... eine unbedingte Empfehlung an jeden, der die alten Werte dieses Kultes noch nicht vergessen hat. HEIL BURKHARTSVINTER!


Darbietungen:
01. Aachland
02. Hohenkrähen
03. Under Satanic Command
04. Frundsberg
05. S.G.W.G.T.C.
06. Knights of the Deathcult

Laufzeit: ca. 42 Minuten




Review: Zmora - Nocy czerń, nocy chłód (CD, Werewolf Promotion - 2018)

Aufmerksamen Lesern dieser Seiten dürfte nicht entgangen sein, dass ich einen gewissen Hang zu polnischem Black Metal habe - die wenigen Leute, die mich kennen, werden ebenfalls bestätigen, dass es hauptsächlich polnische Horden, der frühen und Mitt-90er sind, die regelmäßig Platz auf meinem heimischen Plattenspieler nehmen dürfen. Die ersten Veröffentlichung von GRAVELAND beispielsweise erachte ich mehr als wichtig, allen Unkenrufen zum Trotz und auch losgelöst von dem, was man von der Band heutzutage so um die Ohren bekommt (wobei ich ziemlich angetan war von der 'Best-Of', wie man >>hier<< nachlesen kann)...


doch das soll hier jetzt nicht primär das Thema sein. Fakt ist, dass sich fernab der Horden, die heute auch im Mainstream angekommen sind und allgemein vorzeigbar sind (bestes Beispiel BEHEMOTH, aber auch MGŁA oder KRIEGSMASCHINE), sich eine zunehmend vitale Underground-Szene gebildet hat, die sich vielleicht nicht immer politisch korrekt zeigt, aber trotzdem diesen 'polish spirit' der frühen 90er atmen. PŁAGA wären da so ein Beispiel, DAGORATH (eine Besprechung zu ihrer ersten Demo lässt sich >>hier<< nachlesen) oder ARYMAN (zu deren letztem Werk ich ebenfalls eine Rezension schrieb). Oder aber eben auch ZMORA, die jüngst ihre neue CD in Form der EP Nocy czerń, nocy chłód (was in etwa so viel heißt wie Die Nacht so schwarz, die Nacht so kalt) veröffentlichten. Und was soll ich sagen? Ruft man sich das letzte Album Czarne otchłanie i martwe cienie, welches ziemlich genau ein Jahr vorher das Licht dieser kranken Welt erblickte, wieder ins Gedächtnis zurück, so muss man doch schon sagen, dass auch diese sechs Lieder umfassende EP wieder eine kleine Weiterentwicklung für die Horde darstellt (eine Rezension zum letzten Album lässt sich >>hier<< finden). Nicht, dass ZMORA nun irgendwie melodischen Firlefanz zelebrieren würden, ganz im Gegenteil bleibt man, was die Räudigkeit anbelangt seiner Linie konsequent treu, aber die Darbietung wurde um einige feine Nuancen erweitert. So bietet etwa das Stück "Na ciemnej ścieżce duszy", welches direkt nach dem Einklang erklingt, einige Passagen mit okkulten Synths, die an das erste Album GRAVELAND's denken lassen. Ansonsten sind es eher die tristen Melodien und düsteren Riffs, die hier hervorstechen. Auch lassen sich an einigen Stellen dezent geisterhafte Chöre und Effekte ausmachen ("Wilcza żądza, dziki zew"). Das alles passt wie die Faust auf's sprichwörtliche Auge, wenn man sich den Titel des Werkes beguckt. Leider erschallt dann bereits nach knapp 25 Minuten schon der Ausklang mit einer schweren Melodie am Klavier.

Fazit:
In meinen Augen ein weiteres hörenswertes Werk aus dem polnischen Untergrund, und vielleicht auch das vielseitigste Material aus der Feder der Horde bisher. Die CD erschien in einer Auflage von gerade einmal 500 Stück und ist über den Mailorder von Werewolf Promotion für 8,- Euronnen zu ergattern.

Uneingeschränkt empfehlenswert für alle, die sich an traditionellem Polen Black Metal nicht satt hören können! Jeder andere sollte vielleicht doch erst einmal einen vorherigen Hörgang wagen, bevor er einen Kauf erwägt.


Darbietungen:
01. Gdy zapada zmierzch
02. Na ciemnej ścieżce duszy
03. Martwe wstają cienie
04. Wilcza żądza, dziki zew
05. W noc czarną odejdę...
06. W zimną ziemię, czarny grób


Laufzeit: ca. 26 Minuten




Review: Schattenfang - Ex Cineribus: Was blieb, als du gegangen bist (CD, Northern Fog Records / Wolfmond Production - 2018)

Die Erfurter Horde SCHATTENFANG um Gründer und Schlagzeuger Invidia melden sich in neuer Besetzung und mit neuer Kraft auch wieder mit einem neuen Album zurück, nachdem der Vorgänger Abgründe, ihr Debüt, mittlerweile auch schon knappe sechs Jahre zurückliegt (ist das wirklich schon so lange her?!). Der Stil auf dem Erstling wurde noch als räudiger und wilder Depressive Black Metal umschrieben, was auch irgendwie passte, da die musikalische Darbietung wirklich räudig und ungeschliffen klang, dabei aber aus tiefster Seele zu stammen schien.




So wurde aus Abgründe dann vielleicht kein perfektes Werk, doch half es der Horde ohne Zweifel, auf sich aufmerksam zu machen und sich bis heute einen gewissen Ruf im Underground zu erspielen. Immerhin wurde die erste CD seit ihrer Veröffentlichung noch zwei weitere Male neu aufgelegt, eine Auflage aus dem Hause Immortal Blood Records, welche ich ebenfalls besitze, kam gar in einer limitierten Auflage mit einer beschrifteten Bonus-CDr, die ganze vier Konzert-Mitschnitte, sowie die erste Demo Vom Abgrund und drei weitere Demo-Aufnahmen enthält. Mit Todesschrei hatte man eine äußerst markante Stimmgewalt, die dem Ganzen ein wenig die kranke Atmosphäre alter ANTIPHRASIS verlieh, gerade aber auch das treibende Schlagwerk machte den rauen Klang der Horde zu etwas Besonderem.

Doch lasst mich nun zu dem aktuellen Werk der inzwischen 4-köpfigen Truppe kommen, von der lediglich noch Invidia als einzig verbliebenes Mitglied von Anfang an dabei ist und mit Ausnahme von zwei für alle Texte verantwortlich zeichnet. Ex Cineribus: Was blieb, als du gegangen bist klingt als Titel natürlich erst einmal ziemlich abgedroschen und allein der deutsche Begleittitel macht wenig Hoffnung auf viel mehr als durchschnittlichen DSBM. Doch wer dieser, zugegebener Maßen nahelegenden Vermutung unterliegt, wird hier mehr als überrascht werden. Ex Cineribus bedeutet so viel wie Aus der Asche und kann sowohl als Rückkehr der Band interpretiert werden, lässt sich jedoch auch gerade im Hinblick auf die Texte und die Aufmachung auf vielfältige Art und Weise interpretieren.

Wie bereits das Debüt bezieht man sich mit einigen Songs und in Texten auf die Schrecken des ersten Weltkrieges und setzt damit auch einen Teil der Abgründe CD fort. So beschreibt gleich das erste Stück "Heimkehr", welches auf das einleitende "Tannenberg" folgt, auf eindrucksvolle Weise die Geschichte eines überlebenden Soldaten der Schlacht um Tannenberg, der nach der Rückkehr zu seiner Frau versucht, den Krieg zu verarbeiten, was ihm jedoch nicht gelingt, und bereits hier lässt sich absehen, dass die Geschichte im weiteren Verlauf kein glückseliges Ende nehmen wird: "Wär ich doch bloß als Held gefallen,/uns bliebe all das hier verborgen/und unsre Liebe währte ewig, und/man bangte nicht auf Morgen/gesiegt, doch nicht gewonnen,/kein Fest, kein Heldentanz/nur eine tote Seele - des Sieges fader Glanz!". Doch nicht nur diese konzeptionelle Erzählung ist Teil des Albums, sondern auch eher sehr persönliche Texte wie "Verwahrlost" (der Text stammt von Baldur Pest (selbst ehenmaliges Mitglied der Band, sowie mit HEIMLEIDEN aktiv) oder eine Neuaufnahme des Liedes "Mentale Disharmonie" (Text von Morbid - u.a. MORBID CONTEMPT / Arhymanoth, welche allen Anhängern gewidmet ist, die SCHATTENFANG über die Jahre die Treue hielten. So ist auch "Treiben" dem Werk des Künstlers A. Kaschte (u.a. SAMSAS TRAUM) gewidmet und ist von den Eindrücken, die durch Konversationen mit ihm entstanden, inspiriert. Letztendlich ist das gesamte Werk, sowie im Speziellen das Lied "Sommerelegie" einer Person namens L. J. Nimmrich gewidmet ("Dies hier hält länger als dein "Für Immer"), welche dem Verfasser einmal sehr nah gestanden haben muss, jedoch durch Trennung kein Teil mehr von ihm ist. Ob gewollt oder nicht, bleibt der Interpretation des Hörers überlassen, doch die Tatsache, dass in den - im übrigen sehr gut geschriebenen und ehrlich emotionalen - Texten kein gutes Haar an dieser Person gelassen wird, sprechen wohl schon eine deutliche Sprache. Mit über 10 Minuten ist "Sommerelegie" gar das längste Stück der CD. Was auffällt ist, dass hier gerade in dem Stück gerne mit Sequenzen gearbeitet wird, was augenscheinlich erst einmal gefährlich nahe an einer zu großen Monotonie herankommt, sich bei genauerer Betrachtung aber als durchdachtes Stilmittel erweist. So lassen sich immer mal wieder kleine Details ausmachen, die beim ersten hören vielleicht gar nicht bewusst auffallen. Den Schlussstrich zieht man mit "Am Ende des Schweigens". Kein verzweifelter Hilfeschrei, sondern die letzte Konsequenz einer toten Seele: Trage dich im Arm/Die letzte Träne fließt/Mit ihr entflieht mein Geist/Nur Hülle bleibt/(...)/Ich reiße mich mit schweren Klingen, aus der heutigen tragischen Zeit,/(...)".

Fazit:
Das zweite Album der Erfurter überrascht in vielerlei Hinsicht. Zum einen überrascht der Stil, der hier weniger räudig ausgefallen ist, sondern viel mehr auf melancholische Atmosphäre setzt. Was jedoch nicht bedeutet, dass sich SCHATTENFANG in allzu ausschweifender Weise dem Melodischen widmen würden. Spielerisch gibt es hier zwar kaum etwas auszusetzen und trotz gewollt monotoner Einschübe zeigt man doch, dass man seine Instrumente beherrscht und sein Handwerk versteht, auch was das erzeugen von Spannungsbögen betrifft. Man sollte sich also nicht zu sehr vom äußerst plakativen deutschen Titel in die Irre führen lassen: was einen hier erwartet, ist einiges mehr, als ein weiterer stupider und nichts ausdrückender Vertreter des DSBM! Die CD erschien in Kooperation von Northern Fog Records und Wolfmond Production, welche sie in einem schicken Digipak mit einem 16-seitigen Beiheft veröffentlichten. Das Beiheft enthält alle Texte, sowie Impressionen und Informationen zur Aufnahme. Zwecks einer Bestellung (die Kosten belaufen sich auf 14,- Euronnen) wenden sich Interessenten am besten an Northern Fog Recordsan Wolfmond Production oder aber den direkten Kontakt zur Band.

Eine emotionale Reise in die Abgründe einer schwarzen Seele. Beeindruckend!


Darbietungen:
01. Tannenberg
02. Heimkehr
03. Verwahrlost
04. Mentale Disharmonie MVII
05. Treiben
06. Welke Nächte
07. Sommerelegie
08. Am Ende des Schweigens

Laufzeit: ca. 45 Minuten




Review: Hallig - A Distant Reflection of the Void (CD, Talheim Records - 2018)

Die Österreicher Schmiede Talheim Records wird die Tage nun endlich die CD-Version des aktuellen zweiten Albums A Distant Reflection of the Void der deutschen Kapelle HALLIG veröffentlichen. Zwar wird dies nun mit einiger Verspätung geschehen - doch wie heißt es so schön: besser spät, als nie. Mit jenem Werk, welches in digitaler Form bereits am 20. Mai veröffentlicht wurde. Die CD war dann für den 10. Juni geplant, doch auf Grund von Verzögerungen beim Presswerk wird sie nun wohl erst diese Woche erscheinen...



Doch hier nun erst einmal ein paar Eckdaten zu der Horde: HALLIG ist eine 5-köpfige Band aus meiner Nachbarstadt Bochum, die sich im Jahr 2010 gründete und mit dem hier vorliegenden Werk bereits ihr zweites Voll-Album präsentieren. Bis auf JP am Schlagzeug, der auch für inzwischen wieder reaktivierten ODIUM IMMORTALIS (die mir durch ihre erste Demo und der Split mit BASARAB noch einigermaßen im Gedächtnis sind) trommelt, scheint kaum einer der Mitglieder wirkliche Band-Erfahrungen zu haben, was erstaunlich ist, wenn man sich anhört, wie nahezu perfekt schon das Vorgänger-Werk klang. Eine wirkliche Schande, dass ich nicht schon zu Zeiten eben jenes ersten Albums 13 Keys to Lunacy auf sie aufmerksam wurde, doch ging dieses Album wie so einiges spurlos an mir vorbei. Daher an dieser Stelle ein Dank an die Band, dass sie mir ebenfalls Gelegenheit gaben, auch in ihren Erstling reinzuhorchen. Der Grund, warum ich mich dann gegen eine Kombi-Rezension entschieden habe, ist einfach, dass das Debüt nun immerhin schon sechs Jahre alt ist und der Fokus hier doch klar auf dem neuen Material liegen soll. Als Vergleich werde ich 13 Keys to Lunacy trotzdem heran ziehen, da sich der doch recht markante Stil der Horde bereits dort manifestierte, wenn auch die Produktion den erhabenen und epischen Atmosphären von HALLIG noch nicht gänzlich gerecht werden konnte.

Anders sieht es da nun auf ihrem zweiten Album aus. Dank einer fetten Produktion, die trotz der Tatsache, dass der Sound hier druckvoll und klar aus den Boxen schallt, nichts an ihrer Härte und Grimmigkeit einbüßt, lassen sich innerhalb der insgesamt 10 Lieder ohne weiteres alle Instrumente ohne Probleme heraushören, was dem Ganzen einen epischen und stolzen Charakter verleiht. Musikalisch wandeln HALLIG dabei sowohl auf Pfaden alter Traditionen (und gerade der Opener "A Dawn beneath Titanium Clouds" weist gleich einmal nicht zu überhörende Bezüge auf nordische Helden wie etwa SATYRICON zu ihren Glanzzeiten im Riffing auf), klingen dabei recht modern und scheuen sich auch nicht davor, einige Genre fremde Facetten mit einfließen zu lassen. Bereits der zweite Beitrag "Neues Land" hat diese modernen Klänge inne und präsentiert sich als eine Mischung aus episch-aggressivem Black Metal, der sich mit melodischem Schweden-Death vermengt, dabei noch ein wenig Seefahrer-Romantik (eine Sache, die auch in "Straight to the Ninth" aufgegriffen wird) und kalte, gleichzeitig aber erhabene Sphären bietet. Was hier wie bereits beim ersten Lied überraschend beeindruckend auffällt, ist der Gesang: ich musste hier wirklich noch einmal nachschauen, und tatsächlich arbeiten HALLIG hier mit zwei Stimmgewalten. Nur so lässt sich wahrscheinlich auch dieser Facettenreichtum erklären, der sich vom typischen Schreigesang, über Gekeife, Death-Growls, beschwörenden Klargesang (der etwa am Anfang von "Straight to the Ninth" Vergleiche mit etwa HETROERTZEN zulässt) bis zu einem Hardcore-lastigen Gröllen erstreckt. Was hier durch den Text in Heimatsprache vielleicht auch noch ein wenig bewusster auffällt ist die Tatsache, dass es hier in lyrischer Hinsicht sehr philosophisch zugeht, man sich trotzdem zwar immer noch typischen Thematiken wie Misanthropie annimmt, diese jedoch eher versteckt einbringt. Viel mehr wird hier aber generell Gesellschaftskritik geübt, sowie an Herdenmentalität, was Stücke wie etwa "Neues Land" belegen. Zeilen wie "Vergiss den Anker, du brauchst mehr Segel und mehr Luft/Wo sie nicht hören, musst du mehr wollen/Sturm und Flut über das brache Land" sprechen da eine deutliche Sprache und sollen zugleich Aufschrei und ein Aufruf an den Hörer sein sich aus der Masse zu erheben: "Wer aus der Seele schreit, der wird erhört auch wenn er flüstert/Wer mit den Toten tanzt, kennt uralte Sehnsüchte/Transformation/Schlag deine Wurzeln ab und lauf/Riskier' den Tod". So ist dies wohl auch gleichwohl als Hommage an die Magie der schwarzen Künste zu deuten und als eine Aufforderung, seinen eigenen Horizont zu erweitern und sich selbst gesteckte Grenzen zu durchbrechen.

Doch nicht nur diese Elemente wie der Ruf nach Freiheit und Selbstbefreiung sind in den Texten zu finden. So ist die Weite der Meere ein wiederkehrender Bestandteil beinahe aller Beiträge auf A Distant Reflection of the Void, wobei die kalte und stürmische, unberechenbare See oftmals als Sinnbild verstanden werden kann. Auch nimmt die nord-germanische Mythologie auf dem Werk einen nicht unwesentlichen Teil ein, auf den man sich gerne, wenn auch eher in latenter Form bezieht, und Menschen ohne ein gewisses Hintergrundwissen, werden diese wohl kaum als nennenswert empfinden. Vielleicht auch, weil hier gerade keine stupiden Pathos bedient werden, sondern sich auf ernsthafte Weise der Thematik angenähert wird. Das hat natürlich auch den Vorteil, dass erst gar nicht der Verdacht aufkommt, dass HALLIG in irgend einer Weise zwielichtiger Natur sein könnten und eine wie auch immer politische Interpretation bereits im Keim erstickt wird. Wenn man die Band in einen solch' gearteten Kontext stellen möchte, dann wohl am ehesten in einen anarchistischen, den absolut freiheitsliebenden. Somit beziehen HALLIG in gewisser Weise auch deutliche Stellung gegen rechtsextreme Strömungen, ohne jedoch die Politic-Correctness-Keule zu schwingen, was sie alles in allem mehr als nur sympathisch macht.

So finden sich in "To Walk with Giants" Anleihen an den epischen Black Metal mit leichten Einflüssen aus dem Pagan/Viking Metal, und jeder der hier oder in "Straight to the Ninth" ein Quäntchen FALKENBACH oder MORRIGAN entdeckt, der liegt wohl gar nicht einmal so verkehr, während "Im Aufwärtsfall" mit einigen träumerischen Passagen aufwartet.

Den absoluten Hammer präsentiert man aber mit dem letzten Titel gebenden Song: ein über 10-minütiges episches Machwerk, welches gar ein paar latente Anleihen an den Post Black Metal und den Black Gaze enthält. Träumerisches Schweben und gleichzeitig treibende Stürme. Immer wieder wohl platzierte Tempowechsel sorgen hier dafür, dass sich die Intensität des Geschehens auch nach mehrmaligem Durchlauf nicht abnutzt.

Fazit:
Mit ihrem zweiten Album ist HALLIG nicht nur ein in jeder Hinsicht mehr als würdiger Nachfolger zu 13 Keys to Lunacy gelungen, sondern stellt zudem einen deutlichen Fortschritt dar, gerade was die Produktion anbelangt - diese klingt nämlich nicht nur etwas klarer, sondern auch druckvoller. Die Instrumente werden hervorragend zelebriert und die vielschichtigen, meist verschachtelten philosophischen Texte sind mehr als nur lesenswertes Beiwerk. Die einzelnen Lieder sind jedes für sich genommen sehr eigenständig gehalten und präsentieren sich im Endeffekt doch als großes Ganzes, als Einheit - selbst das instrumentale "Into Infinity" stellt viel mehr als einen bloßen Lückenfüller dar. Ein durch und durch gelungener Vertreter des atmosphärischen Black Metal.

A Distant Reflection of the Void gibt es weiterhin im digitalen Format über die Bandcamp-Präsenz der Horde zu beziehen und schlägt mit 7,- Euronnen zu Buche. Die CD kommt in einem aufwendigen 6-seitigen Digipak und enthält noch ein zusätzliches 20-seitiges Beiheft (lag mir bis dato allerdings noch nicht vor, so dass ich die Aufmachung nicht mit in diese Rezension aufgenommen habe. Sobald ich die CD habe, werde ich dies nachtragen - Anm.) und ist über die deutsche Präsenz von Talheim Records erhältlich, die das auf 500 Exemplare limitierte Werk aktuell für 14,28 Euronnen anbieten, sowie über den Band eigenen BigCartel-Shop, wo die CD für 13,90 angeboten wird (dort gibt es auch das Debüt zu erwerben).

Jeder, der sich für atmosphärische, teils epische Black Metal-Musik begeistern kann und auch einige Genre fremde Einflüsse akzeptieren kann, sollte dem neuen Werk von HALLIG unbedingt einmal eine Chance einräumen - es lohnt sich definitiv!


Darbietungen:
01. A Dawn beneath Titanium Clouds
02. Neues Land
03. Truemmer
04. Straight to the Ninth
05. To Walk with Giants
06. Im Aufwärtsfall
07. Into Infinity (Instrumental)
08. From Ashes All Blooms
09. The Starless Dark
10. A Distant Reflection of the Void

Laufzeit: ca. 62 Minuten