Samstag, 26. Mai 2018

Kombi-Review: Asche der Welten - "ABC" Demos (MC, Apocalyptic Art - 2011 / 2013 / 2018)


Bei ASCHE DER WELTEN handelt es sich um das im Jahre 2008 gegründete Solo-Projekt von Gerileme, der in der Vergangenheit u.a. für RAVNSVART, die sich nach gerade einmal einer Veröffentlichung in DRUDENSANG umbenannten (eine Besprechung zu deren Werk "In den Fängen der Kälte" lässt sich >>hier<< nachlesen), am Schlagzeug tätig war. Auch auf der ersten Demo-Kassette der genannten Nachfolge-Band war er Session-Schlagzeuger (die Rezension zu "Dunkle Tradition" lässt sich >>hier<< finden). Daneben hatte er das Projekt NEGATUM, zu dessen einzigem Werk "Suizid - Der Gedanken Schattenspiele" aus dem Jahr 2008 ich doch tatsächlich auch einmal eine Besprechung verfasst hatte - woran ich mich schon gar nicht mehr erinnern konnte (nachzulesen gibt es diese >>hier<<). Aktuell ist er neben seiner Arbeit mit ASCHE DER WELTEN auch in die Doom Metal-Kombo OSTEON involviert und hatte jüngst als Schlagzeuger einen Gastauftritt auf dem letzten SKOGNATT Album "Ancient Wisdom", zu welchem sich auf diesen Seiten ebenfalls eine Besprechung finden lässt...

Da ich nun auch kürzlich mit der Musik dieses durchaus interessanten Projekts und der Person dahinter in Kontakt kam, möchte ich mich nun neben der aktuellen Veröffentlichung "Chaos bricht aus" auch den anderen beiden Werken "Ascheregen" aus dem Jahr 2011 und "Brennende Atmosphäre", welches aus dem Jahr 2013 stammt, widmen. Zumal es sich bei den drei Werken um eine zusammenhängende Trilogie handelt, die sogenannte "ABC"-Trilogie. Behandelt wird der Untergang der Welt von dem Ausbruch der Apokalypse ("Chaos bricht aus"), über den globalen nuklearen Super-GAU ("Brennende Atmosphäre") bis zur Post-Apocalypse ("Ascheregen") - und zwar in verkehrt verlaufender Reihenfolge. So erschließt sich denn auch die Abkürzung der Trilogie, die bei weitem nichts mit dem Alphabet zu tun hat, wie es der Kleingeist vielleicht zunächst anzunehmen vermochte.
Neben diesen drei Demos, die jeweils über das kleine Label Apocalyptic Art auf Kassette veröffentlicht wurden, existieren noch zwei weitere Lieder: zum einen Auf leergefegten Straßen (zu finden auf dem Tollwut Sampler I und zum anderen das eingedeutschte BATHORY Cover Armageddon, welches sich auf der Apocalyptic Art Label Compilation II finden lässt...


Nun, genug des Vorgeplänkels, widme ich mich also der Musik. Und das lässt mich direkt zu "Ascheregen" kommen, jene erste Demo aus dem Jahr 2011. Dieses erschien bereits als Pro-Tape über Apocalyptic Art in einer Auflage von 200 Stück. Neben der regulären Edition gab es auch eine nochmals stärker limitierte Sonderedition in einem stabilen Klappschuber, auf dessen Rückenseite der Buchstabe "A" prangte. Das Cover zeigt auf der Front eine verwüstete und in Trümmern liegende Ödnis. Im Innenteil findet sich neben einem Foto von Gerileme, der in einer erhabenen Geste vor den Trümmern eines Gebäudes steht (gar eine Hommage an den vitruvianischen Mensch?) auch der Text des Liedes, sowie ein Zitat aus Feder des Autoren H. P. Lovecraft...

...vielleicht ist das Bildnis in dem Kontext dann aber auch eher als ein Lobgesang an den Sieg über das Menschsein und die allzu leblosen kalten und hohlen Hüllen seiner belanglosen Existenz zu verstehen. Das Original-Zitat lautet: "The world is indeed comic, but the joke is on mankind.", was direkt ins Deutsche übersetzt, wie im Fall des Innen-Covers geschehen, nun nicht allzu viel Sinn macht und sich sinngemäß wohl eher mit "Die Welt ist wirklich komisch, doch der größte Witz ist die Menschheit." übersetzen ließe. Die Kassette selbst hält zwei Lieder bereit, von denen allerdings auch nur das erste Gesang enthält (ein Fakt, der wie schon der Verwendung der Anfangsbuchstaben der drei Werke, einen durchgängigem Plan zu folgen scheint). In den Ruinen der Metropole stellt dabei ein über 16-minütiges Black Metal-Epos dar, welches nicht nur durch seine Anleihen an Größen wie ältere NARGAROTH (hier denke ich vornehmlich an Songs wie A Whisper in the Bark of Old Trees) zu bestechen vermag, sondern auch durch seine Spielfreude und die hörbare Hingabe, mit der hier zu Werke gegangen wurde. Erhabene und dreckige Melodiebögen, ein grimmiger und gleichzeitig stolzer Gesang, Chöre, Dark Ambient  und ausgedehnte instrumentale Passagen dominieren das Geschehen und sorgen dafür, dass es hier zu keiner Zeit langweilig wird. Eine Ode an die morbide Faszination über die Schönheit des Verfalls... "Stahlgerüste einstiger Gebäude/Ragen bizarr ins scheinbare Nirgendwo/Straßen, Höfe sowie Gemäuer/Erkennt man nimmermehr//Schutt wie Asche/Düsternis wie Kälte/...unser Vermächtnis".

Seite B enthält dann mit dem Titel gebenden Stück ein gut 6-minütiges Instrumental - eine Kollage aus Dark Ambient und Samples, die beinahe den tristen Charakter eines post-apokalyptischen Soundtracks aufweist.

Fazit:
Gerade, wenn man bedenkt, dass es sich hier doch tatsächlich um die erste Demo von ASCHE DER WELTEN handelt, muss man gestehen, dass es sich hier um ein bereits sehr ausgereiftes Werk handelt. Allerdings weiß ich nicht, ob es explizit an meiner Kassette oder generell an der Aufnahme liegt, aber zumindest bei mir sind ein paar Kratzer und Aussetzer herauszuhören, die gerade im letzten Viertel das Hörvergüngen etwas trüben (Anm.: mittlerweile hat mich Gerileme darüber informiert, dass dieses Problem wohl bei ein paar Kassetten existent ist und der Fehler wohl am ehesten beim Pressewerk zu suchen ist - danke für die Information). Ansonsten aber eine durchweg stimmige und mehr als empfehlenswerte Veröffentlichung. Die reguläre, sowie die Sonderedition sind noch bei Apocalyptic Art zu ergattern für 4,- (bzw. 5,-) Euronnen. Neben dem erwähnten Schuber enthält die Special Edition noch einen Pin.

Ein atmosphärischer Einstieg in das Schaffen von ASCHE DER WELTEN.


Darbietungen:
A. In den Ruinen der Metropole
B. Ascheregen

Laufzeit: ca. 23 Minuten


Der zweite Teil nennt sich "Brennende Atmosphäre". Und während sich "Ascheregen" noch mit dem endgültigen Resultat auseinandersetzte, so ist es hier der letzte Gedankengang der Menschheit kurz vor dem nuklearen Endschlag. Auch "B" erschien sowohl in einer digitalen Variante als auch über Apocalyptic Art in Kassetten-Format. Die Front wird eingenommen von einem Atompilz, im Innenteil lassen sich Information zur Aufnahme, sowie abermals ein Bild von Gerileme, der reglos inmitten von Geröll und Trümmer liegt und ein passendes Zitat aus der Feder von Edgar Allan Poe finden: "Waren sie denn so blind, nicht zu erkennen, wie die Vernichtung einer Myriade von Individuen der Masse doch nur zu ungeheurem Vorteil gereicht?"...

Genau in diesem Zitat liegt auch Kern des Problems dieser heutigen Zeit begraben (und ich finde es immer wieder erschreckend, dass solche alten Gedanken immer noch nicht an ihrer Aktualität einbüßen): das Problem ist nicht der Mensch per se, sondern die Ignoranz und der Egoismus der breiten Masse und jener Köpfe, die an der Macht sind. Die Kassette beginnt hier mit dem etwas mehr als 16 Minuten Spielzeit aufweisenden Titel gebenden Stück, welches von einem tristen Gitarrenspiel und dezenten Keyboards eingeleitet wird. Es folgt ein recht ruppiger, aber atmosphärischer Black Metal, der in Teilen einmal mehr Vergleiche zu anderen, ähnlich atmosphärischen Horden zulässt, so scheint hier in den instrumentalen Passagen einiges an DEATHGATE ARCKANUM durchzuscheinen. Das Schlagzeug sollte hier sogar noch einmal gesondert erwähnt werden, gleicht dessen Spiel doch einem finsteren, alles verschlingenden Sturm. "Das Leben so unsagbar vertraut/Bald nur noch unbedeutender Staub/Was einst nicht mehr als ein Traum/Erwacht aus tiefen Abgründen" - mit Brennende Atmosphäre greift der Protagonist auch eine Urangst des Menschen auf. Jene Angst vor dem Tod, und die daraus resultierende krampfhafte Verdrängung mit ihm. "Schließlich nahte das Ende schon immer unaufhaltsam"... auch nimmt er auf das bereits erwähnte Zitat noch einmal direkten Bezug: "Dekadente Gedanken führen uns nun zum Ziel". Was hier im Kontext zum Text auch sehr markant auffällt, ist Gerileme's Sinn für Spannungsbögen, die unaufhaltsam auf den bevorstehenden Holocaust der Menschheit hinarbeiten. Noch während der Zeilen "Denn die Bomben fallen schon..." weicht der Black Metal einem Fanfaren gleichen Keyboard, gefolgt von Stimmen panischer Menschen, die fliehen - und darauf folgt der Einschlag und alles Leben zerfällt mit einem Mal zu Staub. "Einem grellen Blitzschlag folgt der Tod/Über alles fegt ein unheilvoller Sturm/Zum letzten Mal färbt sich der Horizont rot/(...)/Einzig und allein Stille wird verbleiben". Eine großartige dystopische Stimmung, die hier im Einklang von Instrumenten und Text erzeugt wird.

Auf Seite B erwartet den Hörer dann das instrumentale Stück "Verglüht". Ein desolates Werk Synth-Musik mit Klangbildern, die uns eine längst tote Welt offenbaren. Nur Staub und Asche, endlos karge Leere. Tod und Zerstörung, Ödnis und Wüsten. Menschenleere Landschaften. Tote Natur, zerstört durch des Menschen Hand. Der einzige Trost der bleibt, dass die Menschheit sich ebenfalls ausgerottet hat.

Fazit:
Auch das zweite Werk aus der Feder von ASCHE DER WELTEN kann sich mehr als nur hören lassen. Was Gerileme hier abliefert, vermag es sogar nochmals sein Debüt zu übertrumpfen. "Brennende Atmosphäre" besitzt nicht nur gekonnte Instrumentalisierungen, sondern bietet dem Hörer auch dichte und spannungsgeladene monumentale Atmosphären, die in der totalen Vernichtung ihren Höhepunkt finden. Ein Werk, welches einen sprachlos zurücklässt. Soweit ich informiert bin, ist die Sonderedition hier nicht mehr erhältlich, die reguläre ist aber noch bei Apocalyptic Art zu haben.

Asche zu Asche, Staub zu Staub. Ein Monument des absoluten Todes, großartig in Szene gesetzt. Unbedingte Empfehlung meinerseits!


Darbietungen:
A. Brennende Atmosphäre
B. Verglüht

Laufzeit: ca. 24 Minuten


Kommen wir nun zum letzten Teil der "ABC"-Trilogie. Dieser hört auf den Namen "Chaos bricht aus" und widmen sich dem Ausbruch des Chaos und dem ersten Zerfall der sogenannten zivilisierten Welt. Während sich also die direkten Vorgänger mit der Vernichtung der Menschheit und was danach kommt, beschäftigen, widmet sich der letzte Teil dem Szenario des Zusammenbruchs der Gesellschaft. Zugleich ist es vielleicht auch der schwierigste Part des Dreiteilers, zu beschreiben, wie eine Welt, die am Abgrund steht, dafür sorgt, dass sie sich selbst den letzten Todesstoß versetzt.





Passenderweise zeigt das Cover hier ein Bild zerstörter Straßen, mit dicken Rauchschwaden und abgebrannten Auto, im Innenteil wieder einmal ein paar Eckdaten zur Aufnahme sowie ein Foto des Protagonisten, der sich offensichtlich erschöpft, fassungslos und resigniert auf die Knie fallen gelassen hat und die Stadt hinunter blickt. Sein Umfeld scheint (noch) intakt und geborgen, doch seine Gewissheit ist, dass sich dies bald ändern wird. Dazu gibt es auch hier wieder ein passendes Zitat eines Autoren, dieses Mal von A. G. Bierce: "Politik ist ein Streit der Interessen, der sich als Wettstreit der Prinzipien maskiert." Und allein durch dieses inzwischen uralte und doch brandaktuelle Zitat lässt mich unweigerlich an aktuelle Geschehnisse und Situationen der Welt-Politik denken. "Niemand verstand die lauernde Gefahr/Eine kurze, bittere Botschaft genügte/Und unsere Zukunft war völlig ungewiss" - ein Schelm, der da an bestimmte Machthabende denkt... passend präsentiert sich hier auch die Musik, die sich gar nicht erst mit einem gemächlichen Einstieg aufhält, sondern direkt loslegt. Dabei präsentiert man sich im hymnischen Midtempo, scheut aber auch dann und wann einsetzende emotionale Höhepunkte nicht, wenn zum Beispiel die Gitarre zu einem plötzlichen Solo ansetzt. Im übrigen sei die Gitarre hier in ihrem Spiel noch einmal gesondert erwähnt, so scheint sich das einzelne Riffing innerhalb des gesamten Songs nicht sonderlich großartig von einander zu unterscheiden, doch lauscht man dem Werk intensiver, so wird man schnell darauf kommen, dass hier doch etwas anders ist und wenn man dann noch intensiver in die Materie eintaucht, wird man gewahr werden, dass sich jedes Riffs um verschiedene kleine Nuancen von dem vorherigen abhebt. "Erstschlag, angeblich die einzige Antwort auf den Konflikt/Blinder Hochmut stellt sich endgültig gegen all das, was ist" folgt ein psychedelisch anmutendes Synth-Midtro, bevor es treibend weitergeht und die panische Stimmung weiter die Oberhand übernimmt: "Panik übermannt die Sinne, nackter Wahnsinn obsiegt/Niemand wird überleben, wenn dieser Orkan einmal tobt". Doch ist es hier nicht nur die Panik, sondern auch die Angst vor der ungewissen Zukunft, der Sorge um den vertrauten Verlust. Die Erkenntnis, dass alles bald verloren ist, hält Einzug und wo die einen einem letzten Aufschrei folgen: "Ein verzweifelter Appell an die Vernunft ertönt/Doch wer schenkt dem jetzt noch Gehör?" keimt bei den anderen bereits der Wille nach Revolte auf. So nimmt der Protagonist im Text auch letztlich direkten Bezug auf das Foto im Innenteil ("Endlich schwindet die letzte Hoffnung/Ernüchtert sinkt so mancher zu Boden/Alleine Chaos thront am Rande des Abgrunds/Als wir ohnmächtig dem Ende entgegensehen").

Dies führt die Menschen nun hin zu Seite B Am Rande des Abgrunds - ein düsteres instrumentales Stück mit Dungeon Synth-Klängen und unheilvollen Kollagen. Besser hätte eine Hinleitung zu Brennende Atmosphäre wohl kaum sein können.

Fazit:
Ein grandioser Abschluss, bzw. Beginn der "ABC"-Trilogie. Der letzte Teil der Geschichte erzählt von den ersten Stunden der Katastrophe und wie es zu ihr kam. Besser hätte man es nicht machen können. In einem anderen Review hatte ich gelesen, dass Gerileme besser daran täte, den Black Metal und den Dark Ambient / Synth nicht so strikt zu trennen, sondern eher versuchen sollte, beides mit ineinander einzubetten. Ich sehe das hier allerdings nicht so. Hier sollte mit dieser strikten Trennung gezielt eine gewisse Stimmung erzeugt werden, die anders nicht funktionieren würde. Das hat den großen Vorteil, dass hier nichts unnötig nach 'mit Ambient gestreckt' klingt, wenn ihr versteht. Auch der Umstand, dass das endgültige Werk dadurch vielleicht schwerer zugänglich ist, kann ich nur begrüßen, denn auf die Weise entsagt sich ASCHE DER WELTEN von Anfang direkt dem gewohnten Mainstream-Einheitsbrei und nichtssagenden, weil bequemen Hörgewohnheiten. Die Kassette konnte auf Grund fehlender Kommunikation seitens des Buchbinders nicht in einer Sonderedition angefertigt werden, was für das einheitliche Bild der Schuber natürlich mehr als schade ist, aber vielleicht erfolgt eine solche ja noch in Zukunft. was von Seiten Gerileme's aber wohl angedacht ist, ist eine Auflage auf Vinyl als Kompilation mit allen drei Demos mit dem Titel "ABC-Alarm". Wenn das mal nichts ist - ich hoffe doch sehr, dass er dies bald realisieren kann. Bis dahin gibt es die reguläre Kassette für läppische 4,- Euronnen bei Apocalyptic Art zu erwerben.

Grandioser Abschluss einer düsteren und emotionalen Reise durch die Geschichte vom Ende der Welt! Sollte sich keiner mit Sinn für guten atmosphärischen Schwarzmetall entgehen lassen.


Darbietungen:
01. Zusammenbruch
02. Am Rande des Abgrunds

Laufzeit: ca. 22 Minuten




Freitag, 4. Mai 2018

Hinweis

Moin werte Leser!

Mit der Rezension zu den beiden großartigen neuen Werken von ELFSGEDROCH verabschiede ich mich nun für zwei Wochen in den Urlaub - den ich passender Weise an der Nordsee verbringen werde (es gibt halt Zufälle, die sind gar keine mehr).

Bis einschließlich den 19. Mai wird meine Blog-Arbeit ruhen. Anfragen per Email werden aber auch weiterhin gerne entgegen genommen und mit Verzögerung beantwortet werden.

An dieser Stelle sei einmal mehr ein großer Dank an alle Bands, Labels und Individuen entrichtet, die mir ihr Material vertrauensvoll zur Verfügung gestellt haben und für das ehrliche Interesse in einer Zusammenarbeit.

Nach meiner Rückkehr dürft ihr euch schon einmal auf ein paar Besprechungen freuen - wie der zu dem aktuellen Werk "Chaos bricht aus" des Solo-Projekts ASCHE DER WELTEN oder dem bereits hochgelobten "Mythen, Mären, Pestilenz" der Schweizer UNGFELL. Auch das kommende SCHATTENFANG Album möchte ich an der Stelle nicht unerwähnt lassen. Natürlich folgt auch der Halbjahres-Bericht. Lasst euch überraschen - ich tue es schließlich auch.

Auf bald,
Kraehenblut

Bin zurück, in den nächsten Tagen dürft ihr also mit weiteren Rezensionen rechnen.

Donnerstag, 3. Mai 2018

Kombi-Review: Elfsgedroch - Dwalend bij Nacht en Ontij & Burchten van't Hooghe Noorden (MLP / EP, Diaphora Produktion - 2018)

Anlässlich des Erscheinens der beiden neuen Werke aus der Feder des niederländischen Projekts ELFSGEDROCH, bestehend aus der MLP "Dwalend bij Nacht en Ontij" sowie der EP "Burchten van't Hooghe Noorden" möchte ich die Gelegenheit zu einer Kombi-Rezension nutzen. Für beide Werke übernahm abermals die deutsche Tonschmiede Diaphora Produktion die gewohnt sorgfältige Betreuung. Jenes Label veröffentlichte anno 2017 bereits das Voll-Album "Op den beenderen van onze voorvaderen" auf Schallplatte, welches dann auch direkt Einzug in meinem Jahresrückblick erhielt.



Beginnen wir mit dem bereits sehnlichst erwarteten Mini-Album "Dwalend bij Nacht en Ontij", welches ich eigentlich schon wesentlich früher besprechen wollte, da mir das Werk in einer frühen Phase mit nicht-finalem Mix vorlag. Doch irgendwie fehlte mir in letzter Zeit doch ein wenig die Ruhe dafür, und die Idee, einmal wieder eine Nostalgie-Review zu machen, hatte bei mir dann doch Priorität. Doch jetzt, wo mir die fertige Platte mit dem gesamten Artwork vorliegt, erhält eine Besprechung noch einmal eine ganz andere Gewichtung und ich kann mehr als bloß die Musik mit einfließen lassen.




Bevor ich nun jedoch auf die Titel eingehe, möchte ich mein Augenmerk zunächst auf die - zugegebener Maßen - großartige Aufmachung der MLP richten. Das Ganze ist farblich wieder in einem beigen bis gräulichen Grundton gehalten, Auf der Front befindet sich das aus der Vorab-Rezension bereits bekannte Motiv mit dem Logo, welches mit der Unterseite das Motiv überlappt. Unter dem prachtvollen Motiv lässt sich in einer schönen Fraktur der Titel finden. Die Innenseiten des Gatefold halten dann zwei stimmungsvolle Malereien bereit, sowie die Texte zu den fünf Liedern. Auf der Rückseite lassen sich dann noch einmal die Titel sowie kurze Informationen zum Werk finden, genau wie das Label-Logo. Die Platte selbst kommt wahlweise in einem transparenten meeresblau oder in weiß (wie die Gischt) daher - beide Editionen enthalten darüber hinaus noch ein Poster.

Eine frühe Preview zu dem ersten Titel des Mini-Albums mit Namen De broedermoordvloek, der mir bereits in einer vorläufigen Version vorlag lässt sich >>hier<< nachlesen. Es ist festzuhalten, dass mir zu dem Zeitpunkt noch keine Texte zur Verfügung standen, sich mein Interpretationsversuch des Inhalts aber gar nicht einmal als so abwegig erwies. In der endgültigen Aufnahme klingen die Gitarren noch einmal etwas heller und gerade auch das Schlagzeug ist in dem Mix besser herauszuhören. So kann sich die wahre Wirkung dieses Stroms an Emotionen nochmals wahrhaftiger entfalten. Es zeigt sich hier ein beinahe episches Stück, voller Detailverliebtheit und dramaturgischen Höhepunkten. Eine Ode an die Nordsee, die so vielen Seefahrern den Tod brachte. "De vloeibare dood grijpt om zich heen/Alles is verloren" und "Niemand kan de zee stoppen/Wanneer zij komt/Wanneeer zij je komt halen//Ook niet/De Meeuwenkoningin/Met haar kroon van duindoorn". In all' ihrer Anmut und prachtvollen Schönheit bleibt sie doch immer wild und rau, gar von grimmiger Gestalt und den Tod bringend.

Das zweite Stück der Platte, Het duivelsvuur van Schiermonnikoog (Das Teufelsfeuer von Schiermonnikoog), basiert auf einer alten lokalen Legende der Insel Schiermonnikoog, der Insel der grauen Mönche, wie sie ins Deutsche übersetzt heißt. In dieser wird von einem Mann namens Sjoerd Murks erzählt, der mit seiner Familie auf einer kleinen Farm und dort von der Viehhaltung und -zucht lebte. In den rauen Wintern brachte er sein Vieh über das Watt auf das Festland in die Obhut der Mönche. Eines nebeligen Tages klopfte es an seiner Tür und vor ihm standen zwei Dänen, die ihm Vieh abkaufen wollten ("Door mist en nevel/Gloeiende, zielen vretende duurzee/Gekerm, gehuil, gekrijs, geknetter/Voorgoed verloren"). Nach langem Zögern ließ er sich dazu hinreißen, durch das Watt zu marschieren und ein Rind für sie zu holen. Die Aussicht auf viel Geld machte ihn jedoch blind gegenüber den Absichten, welche die Beiden wirklich hegten ("Misleid, ontgoocheld/Duistere krachten, dwingend/Stuurde Sjoerd Murks over't wad/Gulzig bloeddorstige lokroep van het kwaad") - denn als er wiederkehrte, erblickte er schon von Weitem, dass seine Behausung in Flammen stand. Seine Frau wurde geschändet, entehrt, getötet und dann mit der Farm verbrannt ("Tussen gloeiende balken, half verkoold/Kokend bloed, hongerig duivelsvuur/Zijn wederhelft verkracht, vermoord, verbrand/Woeste vlammen dansen de doodsdans").

Seinen Sohn jedoch nahmen sie mit auf ihren Kahn, was Sjoerd dazu veranlasste, durch die aufkommende Flut zu schwimmen - nur um zu erkennen, dass sein Sohn aufgeknüpft an einem Strick baumelte ("Wanhopig slaan armen zich door gitzwarte golven/Wraakgevoelens overwinnen de ijselijke kou/Woest kolkt het water, wreed snijdt de wind/Zijn zoon!Zijn zoon!//Het gekraakte lichaam van Ulbe/Bungelend aan de ra/Gekrijs, gehuil, geruis, gesuis/Verstikkende stilte, alles verstomd"). Ohnmacht überfiel ihn und er erwachte schließlich am Strand in den Armen seiner Tochter. Der Kahn der Dänen jedoch war spurlos verschwunden. Fortan ward er nicht mehr derselbe, seine Tochter gab er weg und er baute sich eine Hütte, um isoliert von der Außenwelt sich dunklen Mächten zu widmen ("'s Nachts wanneer de wind huilt/En de zee zijn wilde golven laat dreunen/Duistere woorden, nachtmerrie der christenmens/Brandend wrakhout verstoort de duisternis"). Des Nachts zog er mit einem gehörnten Rind aus, hing ihm eine Sturmlaterne an eines der Hörner und peitschte es durch die Dünen. Durch das Teufelslicht wurden viele Schiffe von ihrem sicheren Kurs abgebracht und mussten sich ihrer tödlichen Gewissheit ergeben. Sjoerd beraubte die gestrandeten Schiffe unter teuflischem Gelächter um ihre Reichtümer ("Het beest ontgrendeld, de stormlantaarn/Demonische flikkeringen dansen over de duinvallei/Onwetende schepen, gelokt door de dood/Een duivels gelach, een duivels vuur"). Als seine inzwischen verlobte Tochter zurückkehrt, wird sie seiner Taten gewahr. Und so kam es, dass ihr Liebster das "Teufelslicht" mit schwerem Stein erschlug. Als sie mit ihrem Vater an die Stelle kam, erblickten sie jedoch nur den Kahn der Dänen, den sie von Windgeheul und Geschrei begleitet, durch die Dünen segeln sehen konnten. An die Stelle, an der sie standen, wurde die Leiche eines Jungen angespült - es war Ulbe, der zuvor verlorengegangene Sohn ("Jaren verstrijken, tot het onvermijdelijke/Ulbe zal wederkeren/Dreunend gedruis van het wrede water/Loeiende wind, gekraak, geschrei/De zoon is thuis gekommen!/Levenloos/Dood"). Und so konnte auch seine Seele Frieden finden.

Der letzte Teil der Geschichte wurde im Text ausgespart, so ergibt sich in der Geschichte von ELFSGEDROCH kein versöhnliches Ende, im Gegenteil steht hier am Ende nur das Leid und der Tod. Wahrlich eine Geschichte, die würdig ist, in einen erhabenen Black Metal-Song verpackt zu werden. So beginnen die Instrumente hier auch ziemlich räudig und ungestüm, durch die akustischen Gitarren, die neben diesem Sturm gepeitschten Schwarzmetall-Gewitter ebenfalls Verwendung finden, entsteht hier eine sonderbare Mystik, die gleichsam erhaben und episch, aber auch durch und durch melancholisch und zutiefst traurig anmutet.

De Armemanskisten behandelt eine weitere Volkssage aus der niederländischen Küstenregion. Dieses Mal stammt diese von der Insel Terschelling. Diese erzählt von einer Prinzessin, die einst auf Wester-Schelling lebte. Durch ihre tragische Familiengeschichte, war sie anders als Adelige, dem Volk sehr nahe, kümmerte sich um Verletzte und Kranke, gewährte ihnen Bleibe und Versorgung. Eines Tages kenterte ein Schiffs und viele Leichen wurden an den Strand der Insel gespült ("Een schip gegrepen/Door lauwen van de dood/Verankert/Op de Schellinger gronden/Woilend, steeds dieper/Verzwolgen door het zand/De zee verzwelgt haar prooi" und "Hen wacht de ondergang/De wrede verdrinkingsdood/Honderden lijken/Kapot geslagen ov de kust"). Da weder Geld für eine vernünftige Beisetzung, noch Platz auf dem örtlichen Friedhof vorhanden war, ließ sie die Leichname der Schiffbrüchigen zur Burg bringen, in einfachen Holzkisten beisetzen und anschließend die Grabstätte fluten.

Dieser Akt des Mitgefühls wird bei ELFSGEDROCH jedoch in ein morbides Gegenteil verkehrt.. So erinnert der Text in seinem Verlauf sogar ein wenig an BURZUM's Überwerk A Lost Forgotten Sad Spirit. Zeilen wie "Voor jeder een kist/Begraven in de koude grond/Hier, bij de Dodemanskisten/De Armemanskisten/Dwalende zielen/Wanneer de nacht het donerst is/Rusteloze zielen/Rottend vlees in de duisternis/Vorer voor de maden" zeugen von diesem morbiden, ELFSGEDROCH innewohnenden Touch, und lassen gleichzeitig die Trostlosigkeit erkennen, die dieser Situation anhaftet. "Uit het zicht verbannen/Maar niet vergeten/De drooggelopen geulen/Ondergelopen met gitzwart water/Boze geesten/Dwalen/Wanneer de nacht het donkerst is". Genau wie der Text, so erschallt auch die Musik zunächst etwas gediegener, hält sich im getragenen Midtempo, bei dem auch sehr viel Melancholie mitschwingt.

Zur Mitte hin erfährt das Lied dann einen Stimmungswechsel, die Instrumente nehmen an Fahrt auf, das Schlagzeug gleicht einem peitschenden Wind, die Gitarren zaubern einen stolzen Melodiebogen auf den anderen, bis in der fünften Minute dann mit einem kurzen Zwischenspiel des Schlagzeugs abermals ein Wechsel stattfindet: Hier wandelt sich das Treiben endgültig in einen treibenden Black Metal-Song, der zum Ende hin gar noch eine eiskalte Solo-Passage im Gitarrenspiel bietet, bevor er unverhofft endet, was dann wieder einen weiteren Vergleich mit den alten Werken von BURZUM zuließe.

Das vorletzte Stück Rixt deel 1: Het dansende duivelslicht van dood en verderf, stellt den ersten von zwei Akten dar, welche sich in textlicher Hinsicht mit der Erzählung um Rixt van het Oerd (Ritskemooi), die auf der Insel Ameland gelebt haben soll, auseinandersetzen. Sie lebte nach dem Tod ihres Mannes mit ihrem Sohn Sjoerd zusammen und lebte von den Erzeugnissen ihrer Kuh und angetriebenem Strandgut ("Bij krijsende meeuwen en sikkelduinen/Wandelend in de nooit kalme wind/Sinistere vissersweduwe omringt met de dood/Verlaten, verloren"). Sjoerd wurde erwachsen und verließ Ameland, um sich der Seefahrt zu widmen. Als das Strandgut rarer wurde, erdachte sie in ihrer Verzweiflung einen teuflischen Plan: In einer dunklen und von Sturm gepeitschten Nacht nahm sie eine Sturmlaterne und band sie zwischen die Hörner ihrer Kuh ("Roetzwarte nachten van ijselijke stormwinden/Reddeloze ondergang van nietige schepen/Jammerlijk rondzwalkend langs de hachelijke kust/Luid gillend, duivelse krachten//Wraak op de verdorven mensheid/De lantaarn zwenkt aan de hoorns van het beest") und trieb sie auf die höchste Düne, in der Hoffnung ein armseliges Schiff zum Kentern zu bringen.

Nachdem tatsächlich ein Schiff auf eine Seebank auflief, kenterte und in der Brandung zerbarst, machte sie sich daran, die Wertsachen aufzusuchen ("De golven verzwelgen en spuwen hun prooi, zo fier/Gezwollen lichamen stranden, gekastijd door zeewier"). In einem toten Seemann erblickte sie jedoch: Ihren Sohn. Daraufhin verschwand sie spurlos ("Begerige vingers verstijven in gruwel/Het licht is gedoofd in haar enige zoon/"Barmhartige golf. O, neem mij mee!"/"Ver, ver, in de diepe zee!"").

Sehr passend scheint auch hier, wie schon beim zweiten Lied die Illustration des Todes, der einen gehörnten Stab hält, an dem eine Sturmlaterne baumelt. Der Song an sich ist der längste Beitrag der MLP und präsentiert sich wieder sehr erhaben bis episch, jedoch nicht ohne eine gewisse Traurigkeit aufschwingen zu lassen, die in jeder einzelnen Note spürbar wird. Ein tiefes Empfinden, was die Verzweiflung und den Schmerz dieser Geschichte zum Ausdruck bringt.

Auch hier halten die bereits genutzten Stilmittel wie Tempo- und Stimmungswechsel Einzug und halten das Geschehen durchweg interessant und konstant auf hohem Niveau. Die Ameländer Legende besagt, dass man auch heute noch den ruhelosen, rachelüsternen Geist der alten Rixt über die Oerder Dünenlandschaft heulen hören und ihr Wehklagen vernehmen kann, womit ich beim letzten Lied Rixt deel 2: Geweeklaag der Helleveeg angekommen wäre. Endete der letzte Song noch mit den Zeilen "Weeklagend geschrei ontsiert de duinvallei/Schim onder een knoestige oude vlier/Boosaardige ziel, verankerd in wraak", so setzt dieser direkt hier an. Instrumental gesehen deutlich an BURZUM zu Zeiten von Filosofem angelehnt, entfaltet sich hier eine äußerst düstere, spirituelle Atmosphäre, die einer klassischen Spukgeschichte alle Ehre macht. "Dorstig naar verderf, hunkerend naar wraak/Vannit de duisternis wacht een eeuwenoud kwaad//Sjoerd!/Sjoerd!/Sjoerd!"

Und auf ewig wird ihre ruhelose Seele wandeln...

Fazit:
Was für ein monumentales Werk! Alles, was ich von "Dwalend bij Nacht en Ontij" zu erhoffen gewagt habe, hat sich doch wahrhaftig erfüllt. Jedes Lied für sich ist eine mythische Reise in die düsteren Geheimnisse längst vergangener und vergessener Zeiten. Eine Odyssee in dunkle Gewässer zu nebelverhangenen Eilanden, welche tief in die Abgründe der menschlichen Seele blicken lässt und von der es kein Zurück gibt. Es ist schwerlich zu glauben, aber mit diesem meisterhaften Gesamtkunstwerk haben sich ELFSGEDROCH doch noch einmal selbst übertroffen. Wie bereits weiter oben erwähnt, gibt es die Platte in zwei Editionen, einmal in weiß und einmal in blau, jeweils mit Poster, im Gatefold mit Illustrationen und allen Texten. Bestellungen sind direkt an Diaphora Produktion oder auch direkt an die Band, welche das Werk über ihre Präsenz auf Bandcamp auch in digitaler Form zur Verfügung stellen, zu entrichten.

Atmosphärischer Black Metal mit hohem Anspruch. Ein Meisterwerk, in welches man definitiv Zeit investieren sollte, denn es mal eben schnell abzuhandeln oder nebenbei laufen zu lassen, würde ihm in keinster Weise gerecht werden! Uneingeschränkte Empfehlung meinerseits!


Darbietungen:
01. De broedermoordvloek
02. Het duivelsvuur van Schiermonnikoog
03. De Armemanskisten
04. Rixt deel 1: Het dansende duivelslicht van dood en verderf
05. Rixt deel 2: Geweeklaag der Helleveeg

Laufzeit: ca. 44 Minuten






Mit "Burchten van't Hooghe Noorden" möchte ich mich nun dem anderen Werk aus dem Hause ELFSGEDROCH widmen, welches parallel zur MLP veröffentlicht wurde. Der Titel bedeutet ins Deutsche übersetzt in etwa so viel wie Festungen des hohen Nordens und thematisieren die Groninger Borgen - prunkvolle Landhäuser der früheren Groninger Junker. Die 7'' EP beinhaltet dabei zwei Lieder, die von ihrer Musik her recht unterschiedlich sind, und vielleicht auch deshalb dafür Sorge tragen, dass diese EP alles andere als überflüssig ist....





Die Aufmachung zeigt sich einmal mehr sehr künstlerisch. Der gräulich-beige Grundton wurde auch hier beibehalten, das Gemälde auf der Frontseite zeigt ein paar Farbnuancen und ist wirklich sehr schön anzusehen. So wie man von den Geschichten H. P. Lovecraft's sagt, dass sie stets eine düstere und schleichend-bedrohliche Atmosphäre haben, so kann man das auch getrost von diesem Bildnis behaupten.

Auf der Platte wird dann gewahr, was sich unter der Oberfläche des Gewässers verbirgt, sowohl in visueller als auch in musikalischer Hinsicht. Geschichte wird oft genug mit Blut geschrieben, und auch der Text zu Een Tombe van pracht en praal zeugt davon. Ob auch dieser von einer lokalen Sage inspiriert wurde, vermag ich nicht zu sagen, da ich im Zuge meiner Recherchen zu diesem  keinerlei Informationen gefunden habe. Das Lied wird vornehmlich in einer schnelleren Gangart präsentiert, der zelebrierte Schwarzmetall ist dabei aber immer noch im getragenen Midtempo anzusiedeln. Ebenso fehlen hier natürlich auch die bewährten Stilmittel der Band nicht, und so gibt es einige atmosphärische Akustik-Passagen, genau wie auch Gitarrensoli oder passende Tempowechsel, zur Mitte hin gibt es gar einen wahrhaften emotionalen Ausbruch. Auch scheint es sich hier um ein Lied zu handeln, in dem ELFSGEDROCH einen Kehrreim verwenden.

Verworden tot Wierdeschim besitzt eine treibende Melodieführung, die sich mit epischen, aber auch grimmigen Passagen die Waage hält, inklusive des Einsatzes von Samples. Leider liegen mir auch hier keine Texte vor (die zu Een Tombe van pracht en praal lassen sich aber beispielsweise auf metal-archives.com nachlesen), was mich zu dem einzigen wirklichen Wermutstropfen dieser Veröffentlichung kommen lässt: Dem fehlen eines Beiblatts mit näheren Informationen zu dieser Platte oder den Texten - ist man es doch sonst von ELFSGEDROCH gewohnt, während des Hörens ihrer Werke gleichzeitig auch in ihren Texten zu versinken.

Fazit:
Auch die parallel zur MLP erschienene EP vermag es, zu überzeugen. Die Platte kommt übrigens in einem blassen lila mit einem knochenweiß, was beides sehr gut zur Thematik der Veröffentlichung passt und auch verschiedene Elemente des Artworks aufgreift. Limitiert ist das Ganze auf 300 Exemplare, allerdings auch nicht sichtbar limitiert. An der einfachen Hülle kann man im Übrigen auch erkennen, dass die Veröffentlichung schon etwas länger geplant war, denn unter dem Diaphora Logo prangt eine "2017". Aber das nur als kleine Randnotiz, denn die mitunter ausufernden Produktionszeiten in den Presswerken zu Zeiten, in denen Vinyl wieder voll im Trend liegt, sind ja hinlänglich bekannt. Traurig nur, dass die Genres, deren die eigentliche Ehre gebühren würde, da es ihnen allein zu verdanken ist, dass dieses Medium nicht schon längst ausgestorben ist, immer wieder durch längere Produktionszeiten und Verzögerungen abgestraft werden (aber das ist nun eine ganz andere Geschichte - Anm.). Zwecks einer Bestellung wendet euch am besten an die Kontakte zu Diaphora oder ELFSGEDROCH, die ich bereits weiter oben angefügt habe. Anbei noch das Video zu Een Tombe van pracht en praal vom offiziellen ELFSGEDROCH-YouTube als Einbettung.

Eine nicht minder atmosphärische EP, die der MLP in Sachen Intensität in nichts nachsteht. Hier ist es wirklich schade um das fehlende Beiblatt. Trotzdem sollte man sich auch diese 7'' nicht entgehen lassen und am besten im Einklang mit der MLP genießen.


Darbietungen:
01. Verworden tot Wierdeschim
02. Een Tombe van pracht en praal

Laufzeit: ca. 12 Minuten