Donnerstag, 19. April 2018

Review: Totensucht - Commando Degeneration (CD, Wolfmond Production - 2018)

Auch schon etwas länger in meinem Besitz wähnt sich das aktuelle Werk des Projektes TOTENSUCHT, namentlich "Commando Degeneration". Das mittlerweile vierte Album des Herren wurde einmal mehr unter dem Banner von Wolfmond Production veröffentlicht, unter dem auch die bisherigen Werke des Ein-Mann-Kommandos erschienen. Ob auch das neue Material der Band mit geltenden Konventionen bricht, zeigt die folgende Besprechung.






Zunächst einmal ein kleiner Abriss des bisherigen Geschehens, für alle, die meine vorherigen Rezensionen zu diesem Projekt noch nicht kennen sollten. Die Idee, TOTENSUCHT zu gründen geht zurück auf das Jahr 2010, als die beiden Individuen Keltor (u.a. SCHATTENREICH) und Amarel dies in die Tat umsetzten. 2011 wurde dann das Debüt-Album "Leitbild" aufgenommen, für dessen Veröffentlichung sich jedoch kein passendes Label fand, bzw. keines wirkliches Interesse bekundete. Eine Sache, die mir absolut unverständlich scheint, wie ich auch in meiner Rezension schrieb (>>hier<< nachzulesen). 2013 wurden dann die Aufnahmen zu dem Nachfolger "Teufelswerk (Compilation of Confusion)" vollendet, doch blieb dieses Werk zunächst ebenfalls unveröffentlicht (die Besprechung könnt ihr >>hier<< nachlesen). Beide Alben erschienen dann schließlich parallel erst im Jahr 2017 - ein Jahr nach der Veröffentlichung des bereits dritten Albums "Black-Demonical-Accursed" (die Besprechung findet ihr >>hier<<). Dies lag sicher auch in der zwischenzeitlichen Auflösung der Band im Jahr 2014, da der Weg Keltor's ihn nach UK führte. Er scheint inzwischen ein Pendler zu sein, denn so wenig Informationen sich über TOTENSUCHT als Projekt im weltweiten Netz finden lassen, so wenige gibt es über ihn als Person zu lesen. Keltor ließ seine Musik jedoch nicht sterben und machte schließlich solo weiter, was in dem bereits weiter oben erwähnten dritten Album gipfelte. Nun präsentiert man zwei Jahre später also den direkten Nachfolger.

"Commando Degenereation" sagt es eigentlich schon im Titel. Auf den Black Metal als toten Kult wird geschissen. Ein Kult, der sich mit all den Jahrzehnten immer weiter von seinem Ursprung entfernt hat und durch all' die (kurzlebigen) Trends und die Verwässerungen, die gerade in der heutigen Zeit immer weiter zunehmen, eigentlich seiner ursprünglichen Kraft, seiner Botschaft, seiner Emotionen und seiner ungezügelten Wildheit - kurz: seiner Existenz beraubt wurde. So kann es einem zumindest erscheinen, wenn man sich durch die Musik- und Medienlandschaften dieser Welt klickt, liest oder sonst was. Gäbe es da nicht auch heute noch eine recht vitale Underground-'Szene', die immer wieder Horden hoher Qualität hervorbringt, die den Geist des Black Metals atmen, ihn verinnerlicht haben und ihn auch in ihrer Musik weiter am Leben erhalten.

Nun gehört TOTENSUCHT mit seinem Treiben wohl eher nicht zu jenen Bands, die sich mit großartig formulierten Hymnen an alte Traditionen aufhalten, sondern einfach kritisch hinterfragen - was sich darin äußert, dass mit bestehenden Regeln und Konventionen gebrochen wird (ein Aspekt, der bereits auf dem Cover von "Leitbild" Verwendung fand, auf welchem alles in sein Gegenteil verkehrt wurde (so reißt das Schaf beispielsweise den Wolf oder der Verurteilte enthauptet seinen Henker). Das kommt nicht nur in den Texten durch, sondern auch in der Musik, die alles andere als konventionellen Schwarzmetall enthält. Die Disharmonie der "Introduction", nebst der epischen Midtempo-Atmosphäre des nachfolgenden Stückes "Am Morgen, wenn die Köpfe rollen" sind da noch relativ harmlos und bietet dem Hörer gewohnte Klänge. Doch das ändert sich bereits mit "May the Fire burn", welches dominierende hymnische Keyboards hinzufügt und nach Mitt-90er klingt. Gezielte Tempowechsel runden die ganze Sache noch zusätzlich ab. Der Gesang zeigt sich auch facettenreich und bietet gar ein paar klare Passagen. "In Honour of Regression" toppt dann zunächst aber alles mit den recht schrillen Gitarren am Anfang, die an einen Mix aus Punk und Blackgaze erinnern. Diese tauchen im weiteren Verlauf immer wieder auf, wechseln sich mit schnellen Post-Black Metal-Passagen ab. Hier präsentiert Keltor neben seinem zornigen Gekeife auch einen hohen schrillen Schrei, der als Tribut an VENOM verstanden werden kann. Doch das ist nichts im Vergleich, was einen auf "Von dem, der das Licht bringt" erwartet: instrumental gesehen eine sehr schöne Nummer - rhythmisch, schnell und erhaben. Doch mit dem schrillen Gesang zur Mitte hin kann ich mal so überhaupt nichts anfangen. Die beiden folgenden Stücke "Temple of Hades" und "Result of mondern Moon Shadows" sind dann aber wieder zwei wirkliche Hymnen, für die ich TOTENSUCHT so enorm schätze. "Von Schwärze verweht" bildet den Abschluss dieses Albums und stellt mit knappen 8 Minuten auch den längsten Song dar. Eingeleitet durch Vogelgezwitscher, geht man in einen erhabenen und atmosphärischen Black Metal über, nimmt im Verlauf einige militante Züge an, dann geht alles in ein Break mit Akustikgitarren und untermalten Kriegs- und Schlachtenlärm über, bis es schließlich in einem instrumentalen Black Metal-Part endet.

Fazit:
Ganz so unkonventionell wie das Debüt-Album ist "Commando Degeneration", welches gerade durch solche Songs wie "What has happened?" bestach, nicht geworden. Aber gut, das habe ich nun nach den beiden anderen Alben auch irgendwie nicht angenommen. TOTENSUCHT hat definitiv seinen Stil gefunden und der erweist sich hauptsächlich als atmosphärisch und erhaben. Provokant und nachdenklich bleibt jedoch die vertonte Lyrik des Protagonisten und auch die Art und Weise der Darbietung eckt hier und da bewusst an. Auch nicht kann mich nicht mit allen Passagen anfreunden, empfinde gerade die hohen Gesangs-Passagen in "Von dem, der das Licht bringt" als kurz vor der Peinlichkeit - respektiere Keltor aber trotzdem für seine Kunst und seinen Mut. Wolfmond Production veröffentlichte das Teil wie schon "Black-Demonical-Accursed" auf Pro-CDr in einem Digipak, welches auf 100 Exemplare limitiert ist. Die Kosten belaufen sich dabei auf 10,- Euronnen. Zwecks einer Bestellung wendet euch also am besten direkt an die bekannte Kontakt-Adresse von Wolfmond.

Konsequente Fortführung des Vorgängers. TOTENSUCHT steht mit seiner Musik weiterhin für den freien Geist und die freie Entfaltung des Individuums, was nicht immer mit bestehenden Konventionen und Vorstellungen konform gehen muss. "Commando Degeneration" wird bei weitem nicht jeden gefallen - will es aber auch gar nicht!


Darbietungen:
01. Introduction
02. Am Morgen, wenn die Köpfe rollen
03. May the Fire burn
04. In Honour of Regression
05. Von dem, der das Licht bringt
06. Temple of Hades
07. Result of modern Moon Shadows
08. Von Schwärze verweht

Laufzeit: ca. 47 Minuten




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