Dienstag, 17. April 2018

Review: Skognatt - Ancient Wisdom (Digitales Album, Eigenproduktion - 2018)

Das Solo-Projekt SKOGNATT aus Augsburg meldet sich auch in diesem Jahr zurück. Doch was ist das? Cover und Titel kommen mir doch irgendwie bekannt vor... und richtig: "Ancient Wisdom" lautetet bereits der Titel der letztjährigen EP, das Cover wurde ebenfalls übernommen, wenn auch noch etwas digital verfeinert und ausgearbeitet. Wie es dazu kam, vermag ich im Detail nun auch nicht zu sagen, aber es macht durchaus Sinn (dazu später mehr).






Für diejenigen, denen das Projekt nun noch rein gar nichts sagt (was mich nicht sonderlich wundern würde, da hier zwar großartige Musik zelebriert, aber kaum nennenswerte Promotion betrieben wird - halt Underground und Selfmade durch und durch...), hier ein kleiner Abriss der bisherigen Bio- und Diskographie. Gegründet wurde SKOGNATT im Jahr 2016 als Ein-Mann-Projekt von Danijel Zambo, der sich zum Ziel setzte, atmosphärische, aber ursprüngliche Black Metal-Musik zu schaffen. Noch im gleichen Jahr erschien dann die erste Demo "Landscape of Ice" als digitale Version, sowie als limitierte CDr. Diese erste Demo bot bereits sehr ausgereift klingenden Black Metal mit düsteren und kalten Atmosphären, der ein wenig an die Glanzzeiten von VINTERRIKET, aber auch an die glorreichen Mid-90ies Skandinaviens erinnerte (eine Rezension zu diesem Werk lässt sich >>hier<< nachlesen). Ende des Jahres folgte dann die fünf Lieder umfassende EP "Stargazer", die ebenfalls in digitaler Form veröffentlicht wurde. "Stargazer" orientierte sich eher am reinen Dark Ambient und ließ Black Metal-Stimmungen nur vereinzelt aufkommen. Im März 2017 brachte man dann die digitale Single "Eternal Frost" heraus, auf die eine Kassette folgte. Jenes Tape trug den Titel "Landscape of Ice", erschien in einer Auflage von gerade einmal 50 Stück und enthielt sowohl die beiden Lieder der ersten Demo, das neueste Lied "Eternal Frost" sowie auf der B-Seite die "Stargazer" EP. Später im Jahr folgte dann die "Ancient Wisdom" EP, welche zwei Lieder beinhaltete und welche ich auch nicht ganz ohne Grund in meinem Rückblick für 2017 erwähnte (die Besprechung könnt ihr euch >>hier<< durchlesen).

Nun kam es mir schon nach dem Genuss dieser beiden Lieder so vor, als wenn mit ihnen längst nicht alles gesagt worden wäre. Und indirekt zeigt es ja das nun hier vorliegende erste Voll-Album, welches sowohl das gleiche Cover, wie auch den selben Titel trägt und auf besagten zwei Liedern fußt. Denn das Album beginnt mit eben diesen. Ich erspare mir daher auch eine nähere Betrachtung dieser ersten beiden Lieder, da die Review zur EP ja noch nicht sonderlich lange zurückliegt und das Geschehen eigentlich recht gut wiedergibt. So kann man "Ancient Wisdom" getrost als Fortführung der letztjährigen EP ansehen. "World Apart" setzt nämlich genau dort an, wo der Titel gebende Song und "Xibalbá" endeten. Hier herrscht allerdings weniger eine rituelle, als eher eine hoch melancholische Atmosphäre und Grundstimmung vor. Das zeigt sich schon allein in der Darbietung der Gitarren. Einerseits hat man hier trist anmutende akustische Klänge, welche in Verbindung mit der etwas schwermütig anmutenden Black Metal-Gitarre, die mich in ihrer Darbietung und Spielweise persönlich an langsame Passagen aus NARGAROTH's Erstling "Herbstleyd" erinnert ("Amarok - Zorn des Lammes", any one?) und den epischen, fast heroischen Keyboards einen sehr märchenhaften und traumwandlerischen Touch bekommen. Ein herzzerreißendes Stück schwarzer Tonkunst, welches mit seinen rund fünf Minuten meiner Meinung nach noch viel zu kurz ausgefallen ist. Weiter geht es mit "Thanatos". Bezog man sich in "Xibalbá" noch auf die Maya und entführte den Hörer auf eine Reise in die neun Stufen umfassende Unterwelt dieser ausgestorbenen Kultur, so widmet man sich hier dem griechischen Todesgott. Entsprechend geht es hier wieder etwas düsterer zu, nimmt aber nicht solch' rituelle Züge an, wie man sie bei "Xibalbá" findet. Es wird hier eher andächtig dem Tode und dem Jenseits gehuldigt, und ich kann mir vorstellen, dass der Text doch einiges über die Gefühls- und Glaubenswelt des Protagonisten aussagt. Mit "Dark Star" betritt man wieder etwas schnellere Gefilde, bewegt sich jedoch weiter im Midtempo. Hier erhält die Musik sogar eine gewisse Space-Ambient/-Black Metal-Nuance, enthält jedoch auch schamanisch-rituelle wie auch typisch nordisch klingende Passagen. Letztgenannten kommen dann endgültig noch einmal so richtig im letzten Beitrag "Fallen & Outro" zum tragen, welchen man ohne weiteres und schlechtes Gewissen als Hommage an die goldenen Mitt-90er bezeichnen kann. Beim Hören kommen einem Horden wie GEHENNA, alte DIMMU BORGIR bis hin zu BORKNAGAR und ENSLAVED in den Sinn. Der kurze Ausklang ist instrumental gehalten und lässt das Album schließlich genau so enden, wie es begonnen hat. Sphärisch, erhaben und doch besinnlich.

Fazit:
Gerade an atmosphärischen Black Metal-Landschaften scheitern so viele Bands, gerade aus dem Underground. Weil ihnen die Möglichkeiten fehlen, ist mit Sicherheit ein Grund, aber längst nicht der einzige. Viele verstehen es auch einfach nicht, dass man auch mit dem Einsatz weniger Mittel großartige Musik zelebrieren kann und dass manches Mal einfach weniger mehr ist. So übertreiben die meisten auch maßlos beim Gebrauch ihrer Tasten und lassen die Umschreibung 'Atmospheric Black Metal' zu einer tuntigen Lachnummer verkommen, die allenfalls noch Gothic Metal-Ansprüchen genügt (ohne das Genre jetzt schlecht machen zu wollen... wobei, wenn ich mir beschaue, was sich heutzutage so alles Gothic Metal nennen darf... doch). Wie man es richtig macht, zeigt einmal mehr SKOGNATT. Was man hier als Ein-Mann-Projekt regelrecht zaubert, ist beachtlich und muss sich keinesfalls hinter den Größen der 'Szene' verstecken. Natürlich immer vorausgesetzt, dass man etwas für Black Metal mit hymnischen Keyboards und Dark Ambient übrig hat und empfänglich für derlei Musik ist. Für mich zeigt gerade das Schaffen solch' einer Band wie SKOGNATT einmal mehr auf, dass das Genre noch längst nicht so ausgelutscht und tot-romantisiert wurde, wie viele immer behaupten. Neben der digitalen Fassung, welche mit ein paar wenigen Euronnen zu Buche schlägt, gibt es auch die Möglichkeit, sich eine auf 50 Stück limitierte Pro-CDr im Digifile (aufklappbarer Digi-Schuber) für 10,- Euronnen anzueignen. Beides ist über die Bandcamp-Präsenz des Projektes erhältlich.

Atmosphärischer Black Metal zwischen heroischer Erhabenheit, meditativer Spiritualität, grimmiger Rituale und andächtiger Stimmung. "Ancient Wisdom" ist ein Album mit vielen Gesichtern und gleichzeitig eine sinnige und machtvolle Fortführung der gleichnamigen EP geworden - und genau das alles macht es zu einem besonderen Machwerk, welches man sich als Anhänger atmosphärischer Musik nicht entgehen lassen sollte!


Darbietungen:
01. Ancient Wisdom
02. Xibalbá
03. World Apart
04. Thanatos
05. Dark Star
06. Fallen & Outro

Laufzeit: ca. 31 Minuten



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