Sonntag, 1. April 2018

Review: Frostland - Winterkult (CD, Eigenproduktion - 2018)

Aus dem Rheinland stammen die vier Herren von FROSTLAND. Genauer gesagt aus dem Land des Karnevals - also nicht Brasilien, sondern eher Kölle. Mit Karneval scheint das Quartett allerdings nicht viel am Hut zu haben - immerhin wird auf dem Promo-Foto im Beheft sogar Corpsepaint strickt vermieden. Scherz beiseite... bei FROSTLAND, die mit "Winterkult" bereits im März ihr erstes Album in digitaler Form veröffentlichten, handelt es sich mitnichten um eine weitere nichtssagende, lächerliche Kapelle, sondern um durchaus seriöse atmosphärische Black Metal-Musik...




Doch dazu später mehr. Hier präsentiere ich nun erst einmal ein paar Eckdaten, da mir die Truppe vor diesem Werk auch überhaupt nichts sagte (und dabei ist Köln jetzt noch gar nicht einmal sonderlich weit weg...). FROSTLAND gründeten sich 2006, zwei Jahre später erschien die erste Demo-CD "Zwielicht", welcher es gerade einmal 50 Stück gab. Diese enthielt neben drei eigenen Liedern auch eine Nachspielversion von BURZUM's "Lost Wisdom". Erst 2011 folgte dann mit "Existenz" eine weitere Demo-CD, die dieses Mal auf lediglich 25 Exemplare limitiert war und abermals vier Lieder präsentierte. Weitere drei Jahre später erschien mit "Dekaden der Dekadenz" die dritte Demo auf CD, in einer Auflage von 200 Stück (eine auf 50 Stück limitierte Kassette existierte ebenfalls). Und ich meine mich zu erinnern, sogar schon einmal namentlich wie auch inhaltlich von dieser gehört zu haben. Auf dem Werk wurden nämlich auch GORGOROTH und TORMENTOR gecovert, zumindest "Elisabeth Bathory" kommt mir sonderlich bekannt vor (wahrscheinlich bin ich auf der Suche nach Coversongs drüber gestolpert). Ein Jahr später folgte dann noch die EP "Visionenfluch", die ebenso auf CD und Kassette veröffentlicht wurde. Nun, weitere drei Jahre später erschien mit "Winterkult" das erste Voll-Album der Horde, dessen Anfänge bis ins Jahr 2014 zurückgehen, in welchem man mit dem Songwriting begann - aufgenommen wurde dann ab 2017. Zeit hat man sich also definitiv gelassen.

"Winterkult" besteht aus sechs Liedern und hält neben dem Silberling noch ein 12-seitiges Beiheft bereit, welches alles Texte, sowie Informationen zur Besetzung und zur Aufnahme, sowie ein Foto und zu den Texten passende Illustrationen bereithält. "Winterkult" ist dabei viel mehr, als ein bloßer Album-Titel. Das Werk beschäftigt sich nämlich durchgehend mit der Thematik, insbesondere die Polargebiete des hohen Nordens werden hier besungen. So beschäftigen sich Texte wie "Krater" mit der Landschaft von Island, "Aurora Borealis" mit dem Nordlicht, welches die Wikinger einst Bifröst nannten, die Brücke, auf welcher die gefallenen Krieger nach Asgard, ins Reich der Asen schritten, oder "83°41'20,7''N,31°5'26,8''W" welches der Ultima Thule gewidmet ist (seit 2008 wird die Insel Schmitt's Island als der nördlichste Landstrich der Erde angesehen... allerdings auch umstritten, wie Recherchen im weltweiten Netz ergeben haben). Musikalisch bietet man eine Mischung aus, ich zitiere aus der Biographie, skandinavischem Black Metal mit atmosphärischen Strömungen und Elementen des US Black Metals. Das kann man getrost so stehen lassen. Wobei eingehender noch anzumerken sei, dass FROSTLAND sich weniger am norwegischen Stil, denn mehr am schwedischen Schwarzmetall orientieren und diesen mit sehr atmosphärischen Momenten aufwerten. So lassen sich auch ein deutliche Post Black Metal-Anklänge finden, ähnlich denen von WOLVES IN THE THRONE ROOM oder auch WEAKLING - allerdings ohne Dark Ambient (daher evtl. auch der Bezug zum US Black Metal), da die gesamte Atmosphäre allein auf dem Einsatz der Saiten und des Schlagwerks fußt. Im Zusammenspiel mit dem facettenreichen Gesang offenbart "Winterkult" dem Hörer nicht nur eine spannend arrangierte Reise in finstere Weiten endlos karger Natur, die trotzdem so erhaben ist, dass sie der Mensch kaum zu erfassen im Stande ist, sondern ist auch in der Lage, all diese Bilder monotoner Winterlandschaften vor dem geistigen Auge des Hörers zu projizieren. Die lebensbejahenden Aspekte von WITTR gehen FROSTLAND allerdings, zu meiner Freude, völlig ab. Die Gruppe sieht sich selbst als Schwarzmetall-Kapelle. So mag man das gesamte Album-Konzept als "ein Traum von menschenleerer Schönheit" bezeichnen. Auch ein Quäntchen Death Metal lässt sich im Gesang wiederfinden, was auch gleich der erste Beitrag "Jenseits der Mauer des Schlafes" belegt. Wer hier übrigens an mehrstimmigen Gesang denkt, der liegt richtig, ebenso wurden Passagen von D. K. alias Dod von BELTEZ ein gesungen.

Fazit:
Diese ganzen Aspekte machen "Winterkult" zu einer durchweg runden Sache und zu einem spannenden Album. FROSTLAND ist hier ergo ein unheimlich dichtes und intensives atmosphärisches Werk geglückt, welches sich nicht nur vornehmlich Jüngern des Atmospheric Post Black Metal richtet, sondern an all' jene, die von ihrem Schwarzmetall mehr erwarten, als 08/15 Geplänkel und sinnlose Floskeln. Eine perfekte Symbiose aus Musik und Lyrik, wie sie in längst vergangenen Zeiten auch IMMORTAL zu zelebrieren wusste. Das Album gibt es wie bereits erwähnt sowohl als digitale Version über FROSTLAND's Bandcamp für einen Kurs von 5,- Euronnen, oder aber bald auch als CD (eine Limitierung ist mir nicht bekannt - ich denke aber mal, dass eine Auflage von 500 Exemplaren realistisch ist). Zwecks einer Bestellung wendet euch direkt an die Band über ihren Email-Kontakt oder aber über Visagenbuch. Der Verkaufsstart für das physische Medium ist für den 5. Mai angesetzt - an jenem Tage steigt auch die Release-Party im Kölner Valhalla Metal Club. Wer kann, sollte sich das Spektakel also nicht entgehen lassen!

Ein atmosphärisch dichtes und überraschend eindringliches Werk. "Winterkult" sei all' jenen ans schwarze Herz gelegt, die sich von einem Album mehr versprechen, als 0815-Geknüppel und sich von der Musik gerne ganz und gar vereinnahmen lassen und sich durch sie auf geistige Reisen quer durch Schneestürme und monumentale Landschaften der menschenfeindlichen Natur!


Darbietungen:
01. Jenseits der Mauer des Schlafes
02. Krater
03. 83°41'20,7''N,31°5'26,8''W
04. Fragmente im Sturm
05. Aurora Borealis
06. Winterkult

Laufzeit: ca. 42 Minuten



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