Sonntag, 18. März 2018

Review: Vindorn - Perdition (CD, Sol Records - 2017)

Nachdem ich das Debüt-Album des Ausnahme-Projekts VINDORN um die Person N. bereits in der Liste meines Jahresrückblicks für 2017 aufführte, folgt nun die verspätete Besprechung des Werkes namens "Perdition" (Verderben). Fragmente der Aufnahmen gehen dabei bis ins Jahr 2010 zurück und wurden dann auch erst 2017, im Jahr der Veröffentlichung, beendet. Immerhin hat man sich in dieser Hinsicht viel Zeit gelassen und auch das Vorgänger-Werk, die "Hrana"-EP lag ja zum Zeitpunkt der Veröffentlichung auch bereits über 4 1/2 Jahre zurück (eine Rezension zu erwähntem Werk lässt sich >>hier<< finden).



Doch war "Hrana" (der Titel hat gleich mehrere Bedeutungen) längst nicht das erste Werk des Projekts um N., der auch mit dem eher Post-Black Metal-lastigen Projekt VAELK aktiv ist, bzw. war, denn inzwischen scheint die Zukunft von VAELK etwas zweifelhaft. So ging der EP eine Split mit den beiden tschechischen Bands TRIUMPH, GENUS und SATOR MARTE voran (die Besprechung lässt sich >>hier<< finden), sowie eine Demo aus dem Jahr 2010, die mir aber selbst nicht bekannt ist. Aufmerksamen Lesern wird nun nicht entgangen sein, dass sich die erste musikalische Entstehung dieses Werkes bis in die Anfangszeit von VINDORN zurückdatieren lässt. Doch keine Sorge: soweit ich das anhand der Titel beurteilen kann, sind auf "Perdition" mit einer Ausnahme keine Zweitverwertungen zu verzeichnen. Die CD umfasst auch ein 4-seitiges Beiheft, welches allerdings keinerlei Texte, sondern lediglich ein paar Daten zur Aufnahme bereit hält und ein, das muss ja auch mal erwähnt werden, sehr stimmungsvolles Artwork bietet.

Kommen wir aber nun zur Musik: eingeleitet wird "Masquerade", das erste Stück, von einem kurzen Auszug eines Dialoges zwischen Antonius Block und dem Tod aus dem Film "Das siebente Siegel" von Ingmar Bergman aus dem Jahr 1957. Was folgt ist ein primitiver, aber durchaus rhythmischer, vornehmlich schnell gespielter Black Metal, der auf Anhieb zu gefallen weiß. Bereits hier wird deutlich, dass N. etwas von stimmungsvollen Song-Strukturen und Spannungsbögen versteht. Das setzt sich auch bei "Ansiktet" fort, der gleich zur Sache kommt und sich nicht mit einleitenden Parts aufhält. Eingesetzte Tempowechsel runden die Sache ab und bieten ein wenig Abwechslung zum sonst eher tristen Geschehen. "Panie Diable" bietet dann Gesang von Stawrogin (u.a. Sänger bei ODRAZA, Gitarrist bei MASSEMORD und ehemaliger Live-Sänger von OUTRE). Ein ziemlich minimalistischer Song, der aber einige Genre-übergreifende Facetten im Gesang bietet, was die Angelegenheit extrem interessant macht. Auch die Instrumente nehmen zeitweise einen recht progressiven Stil an. Den Text zu dem Stück schrieb der ebenfalls polnische Musiker Dominik Gac. Kommen wir nun zu der einzigen Neuaufnahme des Albums: "Rozhodnuti osudu? Trest" wurde bereits im Zuge der bereits weiter oben erwähnten Split mit SATOR MARTE und TRIUMPH, GENUS veröffentlicht, doch für dieses Album noch einmal komplett neu eingespielt. Neben dem folgenden "Eros hemlighet" stellt dieses Stück auch eines der Highlights des Albums dar, wobei der stolz-erhabene Stil von "Vanmakt" auch etwas für sich hat. Hier wird auch so ziemlich für jeden etwas geboten - hymnisches Midtempo, aber auch erhabene Raserei. Im letzten Lied "Vládcové" steuert dann noch Jaroslav von TRIUMPH, GENUS den Gastgesang bei.

Fazit:
VINDORN hat sich mit dem Debüt-Album ordentlich Zeit gelassen, und das hört man dem fertigen Werk auch an. Es ist zwar nicht immer perfekt und weist Ecken und auch ein paar Kanten auf - aber gerade das macht "Perdition" zu einem sehr authentischen und sympathischen Werk, welchem man die Hingabe, mit der es eingespielt wurde, einfach anhört. Nicht umsonst fand es schließlich noch Erwähnung im Jahresrückblick. Neben dieser auf 500 Einheiten limitierten CD wurde parallel auch eine Kassette veröffentlicht, derer es gerade einmal 100 Stück gibt. Eine Auswertung auf Schallplatte wird wohl, wie schon bei der EP, auch nicht allzu lange auf sich warten lassen - hoffe ich. Bis dahin gibt es sowohl die CD als auch die MC über Sol Records zu erstehen, für 10,- bzw. 6,- Euronnen.

Vielleicht kein perfektes Werk, aber mit sehr viel hörbarer Hingabe zelebriert. Definitiv ein mehr als unheilvolles Album, welches man in die Sammlung aufnehmen sollte!


Darbietungen:
01. Masquerade
02. Ansiktet
03. Panie Diable
04. Rozhodnuti osudu? Trest
05. Eros hemlighet
06. Vanmakt
07. Vládcové

Laufzeit: ca. 31 Minuten




Review: Shroud of Satan - Of Evil Descent (CD, Sol Records - 2018)

Das deutsche Dreigestirn der Hölle SHROUD OF SATAN öffnet mit "Of Evil Descent" ein weiteres Kapitel in ihrem unheiligen Treiben. Das neue Werk der Horde stellt dabei das mittlerweile zweite Voll-Album dar. Nachdem ich die Veröffentlichung dieser Truppe seit ihrer bereits sehr überragenden Debüt-EP "Litany to the Moon" (eine Rezension lässt sich >>hier<< finden), über das grandiose erste Album "At the Behest of Time" (Rezension ist >>hier<< nachzulesen) bis hin zu einer Split mit COSMIC CHURCH und BLOOD RED FOG, die im Zuge des ersten "Beyond the Mirror of Worlds" veröffentlicht wurde (eine Besprechung gibt es >>hier<<)...



Das Cover zeigt dieses Mal das Gemälde "Der Hexensabbat" des Künstlers Jacques de Gheyn II., welches um das Jahr 1910 entstand. Eingeleitet wird das Album von Klängen des im Jahr 2013 verstorbenen Komponisten Wojciech Kilar. Es handelt sich hier um einen Auszug aus dem Soundtrack zu dem Film "The Ninth Gate (to the Kingdom of Shadows" (im Deutschen natürlich falsch übersetzt in "Die neun Pforten"), welchen ja schon STUTTHOF auf ihrem Referenz-Werk "...And Cosmos from Ashes to Dust..." ausgiebig nutzten. Gefolgt von einem gesprochenen Sample, welches ich allerdings nicht so recht zuzuordnen weiß, wenngleich es mir sehr bekannt vorkommt und ich mir sicher bin, dass ich das eigentlich kennen müsste. Wie immer alles "without permission". Den Rest des "Prelude" lässt die Horde ihre Waffen sprechen, inklusive eines ersten Schreis. Ein kurzer Einspieler mit Gewitter dient dann als Übergang zum ersten Lied "Last Glimpse of Light", welcher direkt und ohne Umschweife klar macht, dass man seiner Linie weiterhin treu geblieben ist und ursprünglichen, kraftvollen Black Metal zelebriert. SHROUD OF SATAN gehen ergo auch auf "Of Evil Descent" keine Kompromisse ein und präsentieren ihre ganz eigene Interpretation des Schwarzmetalls, die sich auf die satanischen Wurzeln und die finstere, anti-kosmische Essenz der Materie beruft. Dabei fällt im direkten Vergleich zu "At the Behest of Time" auf, dass die Produktion hier wieder etwas rauer ist, während sie auf genanntem Werk etwas dumpfer wirkte, was die Angelegenheit wieder etwas mehr an die Atmosphären der Debüt-EP "Litany to the Moon" heranbringt. Was mir persönlich auch bei diesem aktuellen Werk zum ersten Mal bewusst auffällt, sind die sehr sphärischen Keyboard-Passagen, die sich etwa in "A New Dimension" finden lassen. Auch solcherlei Details wie der Anfang von "Dark Visions Beyond", mit knapp vier Minuten der kürzeste Beitrag der CD, sorgen für stimmungsvolle Abwechslung und zeigen, dass sich die Band definitiv weiter entwickelt hat, ohne jedoch ihrem Stil untreu zu sein. Hinzu gesellen sich immer wieder erhabene Tempowechsel oder eingestreute und hervorstechende Parts an den Instrumenten (man höre sich als Beispiel nur einmal die Gitarren in "Unlight Prism" an), die das Geschehen interessant halten und dafür Sorge tragen, dass "Of Evil Descent" keinen Leerlauf zu verzeichnen hat oder gar langweilig wird. Am Ende von "Unlight Prism" erklingt dann noch einmal ein kurzer Auszug aus dem schon oben erwähnten Soundtrack.

Fazit:
Mit "Of Evil Descent" ist SHROUD OF SATAN ein mehr als würdiger Nachfolger ihres grandiosen Debüt-Albums gelungen! Sie setzen mit ihrem neuen Werk eigentlich auch direkt dort an, wo die Vorgänger endeten. Ein Werk, welches zu jeder Zeit den ursprünglichen Geist des Black Metal atmet und eine einzige Ode an den schwarzen Kult darstellt. Dabei sind die Mannen authentisch, wie kaum eine andere Band, was sie und ihr Schaffen enorm von anderen, und vor allem vom Durchschnitt, abhebt! Das Album ist derzeit nur auf CD verfügbar, welche ein umfangreiches Beiheft mit Texten und Fotos enthält. Limitiert ist die ganze Angelegenheit auf 500 Exemplare. Interessenten wenden sich vertrauensvoll an Sol Records, welche die CD für einen Kurs von 10,- Euronnen anbieten. Wer das Label kennt, wird wissen, dass eine Vinyl-Auflage mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auch nicht allzu lange auf sich warten lassen wird.

Kraftvoller Black Metal zwischen satanischer Inbrunst, Erhabenheit und rauer Finsternis. Ein Highlight des bisherigen Jahres!


Darbietungen:
01. Prelude
02. Last Glimpse of Light
03. A New Dimension
04. Dark Visions Beyond
05. Of Evil Descent
06. Unlight Prism

Laufzeit: ca. 36 Minuten




Review: Nebelwind - Verborgen in Nacht und Nebel (CD, Wolfmond Production - 2018)

Aus Dresden stammt das Projekt NEBELWIND, welches bereits seit 2013 als Ein-Mann-Band existiert, aber erst in diesem Jahr das erste Lebenszeichen von sich offenbarte. Das mag nun daran liegen, dass der bisherige Einzelkämpfer Ködarnek es nicht fertig brachte, alleine ein musikalisches Werk auf die Beine zu stellen, was man ja auch mehr als verstehen könnte. Das erste Erzeugnis jedenfalls fand in Zusammenarbeit mit Apocaleon von ASKVALD statt, der hier nicht nur als Gitarrist agiert, sondern auch für die Aufnahmen, das Mastering, sowie als Produzent verantwortlich zeichnet. Ködarnek hingegen übernahm die Verantwortung für das ganze Musikalische (Texte, Gesang, Tasten, Songwriting...).


So weit also zu den Eckdaten. Doch was hält die erste EP mit dem nicht ganz unprovokanten Titel in musikalischer Hinsicht bereit? In erster Linie wird dem Hörer hier ein ziemlich grimmiges, aber auch sehr erhabenes Werk deutschen Untergrund Schwarzmetalls geboten, was allein der Titel gebende erste Beitrag der CD bereits deutlich macht. Dank einiger guter Tempo- und Stimmungswechsel wird hier eine bedrohliche wie auch majestätische Atmosphäre erschaffen, die sich gleich dichter Nebelfelder in tiefen dunklen Wäldern um die Seele des geneigten Hörers bilden, sie umhüllen und letztendlich sprichwörtlich gefangen nehmen. "Als ich des Winters Reinheit erblickte" kann da leider nicht zur Gänze mithalten, wofür "Im Schein des Mondes" aber wieder vollends entschädigt. Hier ist vor allem das hervorstechende Spiel der Gitarren erwähnenswert. Das letzte Lied "Wiedergeburt" beginnt schwermütig, steigert sich im Verlauf jedoch zu einer kleinen misanthropischen Hymne.

Fazit:
NEBELWIND präsentieren mit ihrem Erstling "Verborgen in Nacht und Nebel" nun kein absolutes Meisterwerk... aber im Ernst: das hat wohl auch keiner erwartet. Allerdings entpuppt sich das Werk bei eingehender Beschäftigung als facettenreicher, als es zunächst den Anschein hat. Natürlich komme ich hier auch nicht gänzlich von weg, einen Vergleich mit ASKVALD zu ziehen, da doch Apocaleon beteiligt ist - wenn sich die Musik beider Projekte auch kaum mit einander vergleichen lässt. Die Abwechslung und Genre-übergreifenden Einflüsse von ASKVALD sucht man hier vergebens, was wohl in der Intention von Ködarnek begründet ist, ursprünglichen Black Metal zu zelebrieren (was ja auch durchaus legitim ist). Großartige Innovation wird hier ergo eher weniger geboten, dafür aber ein Gros an düsteren und authentischen Atmosphären, die jedoch nicht durchgängig Zugang zu mir finden. Erschienen ist das gute Stück bei Wolfmond Production auf Pro-CDr im Digipak, samt umfangreichen Beiheft, welches alle Texte beinhaltet, in einer Auflage von gerade einmal 100 Exemplaren. Das nächste Werk, welches ebenfalls über Wolfmond veröffentlicht werden wird, ist bereits für Mai angekündigt.

Solides Debüt-Werk. Kein unbedingtes Must-Have, aber durchaus eine Anschaffung wert!


Darbietungen:
01. Verborgen in Nacht und Nebel
02. Als ich des Winters Reinheit erblickte
03. Im Schein des Mondes
04. Wiedergeburt

Laufzeit: ca. 25 Minuten