Montag, 22. Oktober 2018

Review: Malakhim - Demo I (MLP, Iron Bonehead Productions - 2018)

Aus Schweden stammt das Quintett MALAKHIM, dessen unbetitelte erste Demo ursprünglich bereits im letzten Jahr in Eigenregie veröffentlicht wurde und zwar in digitaler Form. Knapp einen Monat später folgte dann, ebenfalls noch im letzten Jahr, eine Auswertung auf Kassette. Bis schließlich die deutsche Kult-Schmiede Iron Bonehead auf das Treiben der Schweden aufmerksam wurde, die die Demo erst einmal auf CD veröffentlichten und später auch als einseitig bespielte MLP im 12'' Format.





MALAKHIM stellten für mich einen Blindkauf dar, umso überraschter war ich dann letztlich von der MLP, die mich von Anfang an zu überzeugen wusste und mich sofort in ihren Bann zog. Die Horde gründete sich im Jahr 2016 und besteht seit jeher aus den fünf Personen TK (u.a. HELLMASKER und ex-DUSKFALL) am Bass, VT am Schlagwerk, AK und AN (u.a. noch NAGLFAR, ex-ANCIENT WISDOM und ex-MIDVINTER) an den Gitarren und E, verantwortlich für den Gesang. Der Begriff MALAKHIM stammt aus dem Orientalischen und ist in dortigen Religionen verwurzelt (vor allem im Zoroastrismus oder auch Zarathustrismus). Es bezeichnet Engel, während die Daeva für Dämonen stehen. Dass die Horde jedoch alles andere als christlich ausgerichtet ist und welche Engel hier gemeint sind, lässt sich wohl auch schon unschwer am Siegel erkennen.

Die Aufmachung zeigt sich einerseits schlicht, aber gleichzeitig auch sehr hochwertig und zeigt einmal mehr, dass sich Iron Bonehead auch für solche eher unbekannteren Truppen und deren Demo-Präsentationen viel Mühe gibt. Die Hülle zeigt auf der Front das Siegel der Band, welches im gestanzten Silberdruck präsentiert wird. Im Stern des Siegels findet sich zudem noch eine "I" als Verweis auf das erste Schaffenswerk. Das Rückcover zeigt das Logo, Zeichnungen, die Titel-Liste sowie das Label-Logo von IBP, ebenfalls jeweils im gestanzten Silberdruck. Neben der einseitig bespielten schwarzen Platte enthält die Hülle dann noch ein beidseitig bedrucktes Beiblatt mit einem Foto der Protagonisten sowie Informationen zur Aufnahme und den kompletten Texten der drei Lieder.

Bei der Aufmachung hat man sich also nicht lumpen lassen. Doch wird man dem Aufwand auch in musikalischer Hinsicht gerecht? Dies kann ich gleich mit einem klaren "Ja" beantworten. Schon zu Beginn der Platte entfacht man mit 'A Thousand Burning Worlds' einen wahren infernalischen Sturm, den ich in derartiger Intensität so nicht erwartet hätte, schon gar nicht von einer ersten Demo. Das fängt beim sehr starken Klangbild an, welches eine ordentliche Produktion umfasst, die aber auch nicht zu perfekt und glatt klingt, sondern eher die seriöse Note des sehr spirituell dargebotenen Black Metals noch einmal fett unterstreicht. Der Stil lässt sich daher auch ohne Weiteres mit anderen okkulten, orthodoxen und spirituellen Horden Marke ACHERONTAS oder HETROERTZEN vergleichen, zumal man hier gerade zu dem Werk Exaltation of Wisdom der zweit genannten gewisse Parallelen erkennt, dies kommt insbesondere in den Passagen zum tragen, wenn der Gesang eine sehr beschwörende und rituelle Note annimmt, die beinahe schon etwas theatralisch wirkt. Auch besitzt die Musik gerade in schnelleren Passagen ein gewisses Gefühl von gewolltem Chaos, was so ein wenig an NIGHTBRINGER denken lässt (Anm.: auch an die Deutschen ASCENSION fühlte ich mich irgendwie erinnert, wenngleich ich sagen muss, dass MALAKHIM ungleich gehaltvoller erscheinen, da die angesprochene deutsche Horde in meinen Augen mittlerweile ziemlich überbewertet ist).

Mit 'The Mass of Flesh' zelebriert man dann ebenfalls einen kernigen Black Metal-Song zwischen hymnischem, getragenen und schnellerem Midtempo, welches auch einer spielerischen Finessen nicht entbehrt, denn hier lassen sich auch einige melodische (Solo-)Passagen an den Gitarren finden, die die von Rauch geschwängerte Atmosphäre aber nicht irgendwie verweichlichen oder weniger intensiv erscheinen lassen, sondern sie im Gegenteil sogar noch fördern.

'The Golden Shrines' stellt dann auch schon den letzten Beitrag dar. Hier wird noch einmal alles aufgefahren, was man musikalisch / instrumental zu bieten hat. Vor allem hier scheinen sehr viele Aspekte von den griechischen Okkultisten ACHERONTAS durch, jedoch besitzt auch diese Nummer noch genug Eigenpotential, um ihre Daseinsberechtigung zu haben.

Im Anhang findet ihr den offiziellen Upload zum dritten Stück.

Fazit:
Zugegeben... einen Inovationspreis werden MALAKHIM mit ihrem Demo I wohl eher nicht einfahren. Dafür bietet man dann doch ein Quäntchen zu wenig wirklich eigener Ideen. Aber diese präsentiert man dann umso eindringlicher und enthusiastischer. Auch zelebrieren MALAKHIM ihren Schwarzmetall generell mit sehr viel hör- und spürbarer Hingabe, Überzeugung und Detailverliebtheit. Neben der wirklich schicken MLP, welche auf 500 Exemplare limitiert ist und mit 15,- Euronnen zu Buche schlägt, habt ihr auch die Möglichkeit die Demo auf MCD zu ergattern (für 8,- Euronnen ist man hier dabei). Beide Formate sind über den Mailorder von Iron Bonehead Productions erhältlich.

Spiritual, Daemonic Worshipping Black Metal the Way it was meant to be... ZAZAS ZAZAS NASATANADA ZAZAS! Klare Kauf-Empfehlung!


Darbietungen:
01. A Thousand Burning Worlds
02. The Mass of Flesh
03. The Golden Shrines

Laufzeit: ca. 16 Minuten




Donnerstag, 11. Oktober 2018

Review: Occultum - In Nomine Rex Inferni (CD, Old Temple - 2018)

Das infernalische Quartett OCCULTUM aus Polen meldet sich anno 2018 auch endlich zurück in Form ihres zweiten Voll-Albums In Nomine Rex Inferni. Nachdem mich ihr Debüt vor zwei Jahren bereits überzeugen konnte, hoffte ich schon inständig, mal wieder etwas der Herren zu hören - nun ist es also so weit. Die Veröffentlichung fand auch einmal mehr unter dem Banner von Old Temple statt - inzwischen ja auch eine wahre Institution, wenn es um polnischen Underground Black Metal geht. Was ihr von dem Album erwarten dürft, erfahrt ihr nun...




Zunächst einmal ein wenig zum geschichtlichen Hintergrund der Kapelle. OCCULTUM ging anno 2015 aus der Asche der Band AMAROK hervor, welche sich aus den Recken Amon, Mortifer, Gavron, Sarin und Ohyda, die zum größten Teil auch heute noch mit OCCULTUM aktiv sind, wenn auch teils unter anderen Pseudonymen. Amon beispielsweise übernahm unter dem Namen Spectre auch den Gesang auf dem Debüt-Album Towards Eternal Chaos, verließ die Band anschließend jedoch. Seinen Part übernimmt auf dem aktuellen Werk Gavron, der auf dem Erstling bereits die backing vocals übernahm. MTR (aka Mortifer) übernimmt die Gitarren, Sarin Bass und Gitarren, sowie Jh (aka Ohyda) das Schlagwerk.

Wie bereits erwähnt, konnte mich nach seinem Erscheinen bereits ihr Towards Eternal Chaos überzeugen in seiner Machart, die diesen typischen polnischen nihilistischen Black Metal-Stil mit einem brüllenden, militanten Gesangsstil verband und darüber hinaus sogar ein paar recht okkulte Tendenzen zeigte. So wirklich begeistern konnte es mich dann aber doch nicht, denn es fehlte mir hier dann doch immer noch dieses gewisse Etwas. Der Funke, der mein Herz entflammt. Ich möchte nicht sagen, dass man mit dem Debüt kein solides Album hingelegt hätte, aber es konnte mich nicht vollends erreichen.

Wie sieht es daher mit dem neuen Album aus? Zunächst einmal fällt wieder die sehr okkulte Aufmachung auf. OCCULTUM sind Priester des Todes und dies machen sie einmal mehr mit In Nomine Rex Inferni deutlich! Auf den ersten Blick, bzw. Hörgang fällt auch keine allzu große Veränderung auf. Doch der Teufel versteckt sich bekanntlich, wie auch hier, im Detail. Denn instrumental hat man sich definitiv noch einmal ordentlich weiter entwickelt. Der Gesang gefällt mir auch irgendwie einen Tick besser, wenn er sich auch sehr an den Klang des ersten Albums orientiert (wahrscheinlich um es dem Hörer nicht zu schwer zu machen, sich an eine neue Hauptstimme zu gewöhnen). Der etwas verzerrte, brüllende, etwas befehlende und militante Gesang wird also beibehalten. Auch lässt sich hier ganz klar ausmachen, dass es sich um eine Black Metal-Kapelle aus Polen handelt... gerade die Gitarren und das Schlagwerk zeugen davon. Gerade die Gitarren sind hier erwähnenswert, zaubern sie doch von Song zu Song einen räudigen Melodiebogen nach dem anderen. So erhält die Musik von OCCULTUM nicht nur eine sehr finstere, dichte und bedrohliche, sowie schwermütig-okkulte Atmosphäre, die von Nebel umwoben und in Räucherwerk getaucht ist, sondern auch eine sehr stolze und erhabene.

Die Texte behandeln in sieben Kapiteln Themen wie satanische Rituale ('Skulls Instead of Candles'), Misanthropie sowie Selbsthass ('Hanged Man', 'The New Har-Magedon'), die Glorifizierung der Nacht ('Possessed by the Night') und des Todes ('The Last Waltz With Death'), sowie Beschwörungsrituale und Nekrophilie ('Altars Among the Dead' und 'Black Art of Necromancy'). Dabei zeigt man sich instrumental gesehen wie schon erwähnt sehr vielfältig und spielfreudig, so dass die einzelnen Lieder recht individuell geraten sind und trotz aller brachialer Gewalt eine schleichende, sich kontinuierlich weiter steigernde unheilvolle Atmosphäre aufbauen. Dass dies so gut funktioniert, liegt wahrscheinlich nicht zu letzt daran, dass man dem geneigten Hörer in spielerischer Hinsicht immer mal wieder etwas Abwechslung bietet, was das Ganze zu keiner Zeit zur großen Monotonie verkommen lässt.

Als Video-Anhang gibt es das komplette Album vom BlackMetalPromotion-YT.

Fazit:
OCCULTUM legen mit ihrem zweiten Album ordentlich nach. In nahezu allen Belangen übertrifft In Nomine Rex Inferni seinen Vorgänger. Der Funke, der mir auf dem Debüt noch irgendwie fehlte, findet sich genau hier wieder! Wie auch der Erstling wird dieses Werk als CD im Jewelcase ausgeliefert und ist von Hand durchnummeriert, doch offensichtlich nicht limitiert. Neben der CD gibt es auch eine Auflage auf Platte, die bei Strange Aeons Records aus Dänemark erschien und auf 300 Exemplare limitiert ist. Beide Formate sind über den Mailorder von Old Temple zu erschwinglichen Preisen erhältlich.

OCCULTUM haben mit ihrem zweiten Album alles richtig gemacht. In meinen Augen das beste Werk einer polnischen Horde, das ich in diesem Jahr zu hören bekam! True Polish Satanic Black Metal Until Death!


Darbietungen:
01. Skulls Instead of Candles
02. Possessed by the Night
03. The New Har-Magedon
04. Hanged Man
05. Altars Among the Dead
06. Black Art of Necromancy
07. The Last Waltz with Death

Laufzeit: ca. 47 Minuten




Dienstag, 9. Oktober 2018

Review: Witchmoon - Vampyric Curse / Spectral Shadows (CD, A Fine Day To Die Records - 2018)

Es ist recht selten, dass aus Amiland ernst zu nehmender, seriöser Black Metal kommt. Doch immer wieder tauchten sie auf: Bands wie JUDAS ISCARIOT, DEMONIC CHRIST, GRAND BELIAL'S KEY (und da mag man vom politischen Kontext zu der Band stehen, wie man möchte) oder WEAKLING. Aber auch gerade in letzter Zeit wird man immer mal wieder auf löbliche Ausnahmen aufmerksam wie etwa ELEGIAC. Nun veröffentlichten A Fine Day To Die aus Spanien eine Kompilation-CD der Band WITCHMOON, die sich anschickt, genau in diese Kategorie zu fallen. Ob es zutrifft, lest ihr nun...



Über das Projekt als solches nicht allerdings nicht allzu viel bekannt... so scheint es sich zumindest um eine Ein-Mann-Kapelle zu handeln, wann sie jedoch gegründet wurde und von wem, ist auch nach eingehenderer Recherche nicht herauszufinden. Fest steht, dass die erste Demo Vampyric Curse 2017 über das Kleinst-Label Lampshade Tapes auf Kassette veröffentlicht wurde. Genau wie auch die 2018 folgende Demo Spectral Shadows. In diesem Jahr erschien dann noch eine Split mit den Landsleuten von LAMPIR.

Nun also hat A Fine Day To Die beide Demos auf einer CD vereint. Wie bei dem Label üblich, kann sich die Aufmachung für ein Underground-Release sehen lassen. Die Cover sind Pro-Print, 4-seitiges Beiheft, das Album selbst kommt auf CD in Vinyl-Look mit Label und silberner Abspielseite. Die Zusammenstellung umfasst insgesamt alle acht Lieder der beiden Demo-Präsentationen.

Die Musik von WITCHMOON zu beschreiben fällt schwer. Es wird sich hier gar nicht erst mit langen Einleitungen oder Samples aufgehalten, sondern es geht direkt in die Vollen und das in einem sehr kratzigen, minimalistischen und ursprünglichen Black Metal-Stil, der so ein wenig an Demos von JUDAS ISCARIOT erinnert, gleichzeitig aber auch einen sehr europäischen Touch besitzt. So finden sich hier auch durchaus verträumte, mystische, nebelverhangene und rituelle Dark Ambient- / Synth-Passagen wieder, die auch einen gewissen Vergleich mit den Anfängen von BLACK FUNERAL oder den Franzosen MÜTIILATION zulassen (was ja auch durchaus von Konzept her passen würde). Die drei Lieder 'Funeral Trance', 'Cemetery Winds' und Black Vampyric Curse' der ersten Demo machen zudem den Eindruck einer zusammenhängend erzählten Geschichte.

Die restlichen fünf Stücke entstammen dem zweiten Werk der düsteren Kapelle. Hier geht es nicht weniger direkt zur Sache, insgesamt wird hier sogar etwas weniger mit den Anleihen an den Dark Ambient / Synth gespielt. Dafür kommt mir das Klangbild um einige feine Nuancen besser abgemischt vor. Atmosphärisch erweisen sich auch immer mal wieder eingestreute Samples, die meist als Ein- oder Ausklang dienen (wie bei 'Chamber Of Curses'). Auch lassen, zwar äußerst rar gesäte, Stimmungs- und Tempowechsel der Instrumente immer mal wieder ein kleines In-sich-kehren zu und sorgen dafür, dass es für den Hörer nicht zu monoton wird.

Im Anhang findet ihr ein offizielles Video für 'Black Vampyric Curse' vom Label.

Fazit:
Wenn man bedenkt, dass es sich hier lediglich um zwei Demo-Veröffentlichungen handelt, muss man schon sagen, dass sich das mehr als hören lassen kann. Allen, denen bereits oben genannte Bands auch nur im entferntesten zusagen, oder auch Anhänger von Horden wie MOONBLOOD oder DYING FULLMOON sollten hier definitiv einmal ein oder zwei Ohren riskieren. Die CD ist auf 500 Exemplare limitiert und von Hand nummeriert. Bestellungen können direkt über A Fine Day To Die Records getätigt werden, mit etwas Glück findet man sogar den einen oder anderen deutschen Distro, der die Veröffentlichungen des Labels im Angebot hat.

True Vampyric Black Metal Art. Cold, grim and hateful Madness. Only for the Ones with Black Hearts!


Darbietungen:
01. Funeral Trance
02. Cemetery Winds
03. Black Vampyric Curse
04. Black Ceremonial Knife (Spectral Vessel)
05. Chamber Of Curses
06. Spellbound In Vampyric Night
07. Channeling The Fourth Pentacle
08. Nightshade

Laufzeit: ca. 27 Minuten



Buried & Forgotten... verlorene Schätze des Untergrunds #10: Ugluk - Hveralundr (CD, War Against Yourself - 2015)

Was hat eine CD aus dem Jahr 2015 in dieser Kategorie zu suchen, fragt ihr euch vielleicht? Nun, das erste und einzige Werk Hveralundr der Ein-Mann-Kapelle UGLUK aus Italien stammt ursprünglich bereits aus dem Jahr 1993... erschien damals lediglich auf einem inzwischen ziemlich raren Tape, wurde bald nochmals aufgelegt und schließlich vor drei Jahren auf CD veröffentlicht...







UGLUK ist das alleinige Projekt von Verminaard (u.a. auch APOLOKIA), der es sich anno 1993 zur Aufgabe machte, misanthropische, Hass erfüllte Musik zu zelebrieren. Was liegt da näher, als eine Black Metal-Kapelle zu gründen? Gesagt, getan. Und noch im gleichen Jahr veröffentlichte der Alleinunterhalter in Eigenregie und zu Promo-Zwecken sein erstes Werk Hveralundr auf Kassette. Dies führte dazu, dass die italienische Schmiede Necrotorture Productions auf die Musik von UGLUK aufmerksam wurde und das Werk nochmals in einer größerer Stückzahl und unter professionelleren Bedingungen im Jahr 1994 herausbrachte. Erneut geschah dies auf Kassette. Anschließend wurde das Projekt irgendwann zu Grabe getragen. Im Jahr 2006 erschien dann über Ugluk Rex aus Deutschland eine Split-LP zwischen BARASTIR und UGLUK, welche einerseits die im Jahr 2007 veröffentlichte und seit 2010 auf Listenteil B indizierte EP U. t. B. o. H. der thüringischen Meute, sowie das Werk des Italieners enthielt. Aus dem gleichen Jahr stammt auch die Aufnahme zu dem Lied Imperivm', welches erstmals auf der hier vorliegenden CD eine offizielle Veröffentlichung auf Tonträger erfährt.

Im Jahr 2011 wurde das Projekt von Verminaard reaktiviert und es kam schließlich im Jahr 2015 zur Zusammenarbeit mit dem italienischen Label War Against Yourself, welche die CD in einem Jewelcase und zusätzlich noch in einem A5-Digipak veröffentlichten.

Der Name UGLUK bezieht sich auf einen Charakter aus J.R.R. Tolkien's Werk "Der Herr der Ringe". Dort war Uglúk der Anführer der Uruk-Hai, der Orks aus Isengart (Isengard), die unter der weißen Hand Sarumans marschierten. Diese Tatsache und auch die kämpferische, heroische Atmosphäre der Lieder, Titel und Texte lassen ohne weiteres einen Vergleich zu alten SUMMONING zu, deren 1994 erschienenes Debüt Lugburz ja ebenfalls noch sehr stark vom klassischen Black Metal mit Dark Ambient und Dungeon Synth geprägt war. Wer sich hier jedoch von wem hat inspirieren lassen, oder ob die beiden Werke völlig unabhängig von einander einen solch ähnlichen Stil aufwiesen, vermag ich nicht zu sagen. Immerhin war zu der Zeit zumindest die europäische Vernetzung der 'Szene' schon so weit, dass beides im Rahmen des Möglichen wäre.

Was die Musik anbelangt, so bietet man dem geneigten Hörer die fünf Lieder der Original-Demo (das Intro 'Regn' wurde hier als separater Track drauf gepackt) und das bisher unveröffentlichte Stück 'Imperivm'. Bereits die Einleitung macht deutlich, dass man es hier mit einem sehr ursprünglichen Werk zu tun bekommt, dem keinerlei Schönheit innewohnt. Bereits hier herrscht die pure Dunkelheit vor und verschluckt unerbittlich alles Licht in sich. Mit 'Ar Var Alda' wartet man dann mit einem sehr primitiven und minimalistischen Schwarzmetall auf, der Dank krank- und wahnhaft eingesetzter Keyboards samt geistesgestörter Chöre auch nicht einer gewissen atmosphärischen Dichte entbehrt. Das erinnert mich dann doch wieder an schwedische Vertreter Marke SUMMUM oder BEKËTH NEXËHMÜ. Bei dem nächsten Stück 'Nam Ekk Upp Runar' hat man sich dann aber vor allem von BURZUM inspirieren lassen (zumal genannte Schweden zu jener Zeit ja noch nicht einmal existierten) und gleich einmal ein paar Gitarren-Riffs aus dem Stück "A lost forgotten sad spirit" nachgespielt und das Ganze noch mit Samples, Gesang und einigen eigenen Ideen unterlegt. Immerhin. 'Moldina ok Blodit' weist dann sogar eine recht erhabene Atmosphäre auf und präsentiert sich in bester 90er-Black Metal-Attitüde. Mit Til Isengard' folgt dann auch schon der mit Samples unterlegte Ausklang, bevor der Bonus Song 'Imperivm' erklingt, der deutlich hörbar aus einer anderen Zeitepoche stammt und zudem eine etwas klarere Produktion bietet (was sich aber nur in Nuancen erkennen lässt). Der Stil passt sich hervorragend in das Gefüge des restlichen Werkes ein und wirkt letztlich wie ein Teil der Einheit.

Was Hveralundr anbelangt, so kann man im Internet noch durchaus fündig werden, wenn man in den Besitz der Original-Kassette gelangen möchte... und das sogar zu akzeptablen Preisen. Die CD wird man jedoch nur noch schwerlich finden, wenn man denn die auf 50 Exemplare limitierte A5-Digi sein Eigen nennen will. Die Version im Jewelcase ist jedoch auch weiterhin in ausgewählten Mailordern und Distros (etwa Sol Records) erhältlich. So ist Hveralundr vielleicht kein Über-Werk, aber dennoch empfehlenswert für alle Nostalgiker, die auf der Suche nach gelebter Black Metal-Geschichte sind.


01. Regn
02. Ar Var Alda
03. Nam Ekk Upp Runar
04. Moldina ok Blodit
05. Til Isengard
06. Imperivm


Montag, 8. Oktober 2018

Review: Ashtavakra & Orek - Split (MC, SodoGommorrah Records - 2018)

Dafür, dass ich am Anfang des Tages noch verkündete, dass ich von Split-Veröffentlichungen im Allgemeinen nicht mehr sonderlich viel halte, kamen jetzt doch so einige Gemeinschafts-Tonträger zusammen an diesem Tag. Den Abschluss der soeben von mir bekannten "Split-Review-Trilogie" endet heute mit einer Kassette, die mich neulich aus dem tiefsten deutschen Untergrund erreichte. Die Rede ist von der unbetitelten Zusammenkunft der Horden ASHTAVAKRA und OREK... beides für Underground-Maniacs nicht mehr so unbekannte Kapellen...




ASHTAVAKRA sagen mir allerdings nur namentlich etwas und Daniel von Wolfmond hat mir die Musik dieses Ein-Mann-Projekts zwar immer schon einmal empfohlen, jedoch habe ich mich in musikalischer Hinsicht noch nie so wirklich mit ASHTAVAKRA auseinandergesetzt. Ins Leben gerufen wurde dieses Ein-Mann-Kommando um das Jahr 2012. Seitdem wurden drei Demos und zwei Rehearsals veröffentlicht, die ihrerseits auch eine erneute Veröffentlichung über Wolfmond Production auf drei CDrs erfuhren (mit Ausnahme von Sick of Your Shit! aus dem Jahr 2016.

OREK aus Stuttgart dürfte dem einen oder anderen Leser dieses Blogs eventuell sogar bereits etwas sagen, denn sowohl die erste selbst-betitelte Kassette aus dem letzten Jahr, als auch die zweite Demo Garten der Lüste aus dem Frühjahr 2018 haben Erwähnung auf diesen Seiten gefunden (nachzulesen gibt es sie >>hier<< und >>hier<<). Gegründet wurde das Ein-Mann-Projekt von Orek im Jahr 2011, aus dem darauffolgenden entstammte wohl bereits eine frühe Veröffentlichung, die allerdings bei 'Szene' und Kritik nicht sonderlich gut anzukommen schien, weshalb man sie verbannt und erst einmal ein wenig an seinem Stil arbeitete. Bis zum Jahr 2017 sollte es dann schließlich dauern, bis man wieder von sich hören machte. Dieses Erzeugnis gilt daher auch als offiziell erstes Werk der Ein-Mann-Horde.

Wie steht es nun um die Qualität dieser vorliegenden Kassette? Zunächst einmal sei erwähnt, dass es sich bei SodoGommorrah Records um das eigene Label von OREK handelt, über welches auch die bisherigen Kassetten veröffentlicht wurden. Der Einleger bietet vier Seiten und ist beidseitig bedruckt, zeigt auf der Front-Seite ein durchgehendes Artwork und im Innenteil die Titel samt Logos beider Bands, sowie die nötigsten Informationen zur Aufnahme und Kontakt-Adressen (Verweise zu den jeweiligen Bandcamp-Profilen). Die MC selbst ist in schwarz und mit zugeschnittenen Labels versehen, die einmal die Bandlogos und die jeweilige Seite angeben.

Da es sich bei ASHTAVAKRA um die A-Seite handelt, möchte ich auch mit dieser Band beginnen. 'Shell Splitters', so der Titel stellt einen lupenreinen Black Metal Song dar, dessen Klangbild tief im Underground verwurzelt ist, aber dennoch einen recht modernen, spielfreudigen und melodischen Sound bietet. Sehr geile Riffs an der Gitarre, ein authentischer Schwarzmetall-Gesang, der klingt, als wären die 90er noch längst nicht in den Analen der Geschichte verschollen, und authentische Stimmungen, die so manch eine angesagte Band vor Neid erblassen lassen dürfte. Die Produktion ist alles andere perfekt, geht aber absolut in Ordnung - aber wer erwartet von solch' einem Release auch ernsthaft mehr?! (Und wer es macht, der hat wohl eher etwas grundsätzlich nicht verstanden!). Der Mann hinter ASHTAVAKRA versteht definitiv etwas von seinem Handwerk und so kommt innerhalb der knapp 14 Minuten auch nicht einmal im Ansatz so etwas wie Langeweile auf. Sehr guter Einstand!

Seite umgedreht, und es erklingen die ersten meditativen Klänge von OREK's Part 'Kingdom of Mighty Swabian Mountains', wobei dieser in drei Akte gegliedert ist. Das instrumental gehaltene 'Intro' sorgt dabei für den meditativen Einstieg und erinnert in Zügen an spätere Werke von BURZUM seit der Filosofem. Darauf folgt nun der erste von zwei Teilen des Titel gebenden Liedes. OREK zelebriert hier wieder seine ureigene Form des Black Metal und die zeigt sich einmal räudig, wild und kernig ursprünglich. Jedoch kommt es mir so vor, als habe OREK seine instrumentale Darbietung nochmals verfeinert, denn die Musik wartet mit ein paar sehr netten spielerischen Details auf. Man merkt, dass hier jemand zugange ist, der diese Musik lebt und auch wirklich hinter dem steht, was er tut. Der zweite Teil bietet dann noch einmal ein paar weitere eingearbeitete Nuancen in dem sehr BURZUMesken Stil. Das Riffing zeigt sich hier etwas traditioneller und nordischer, während es beim vorangegangen Lied eher etwas deutsch geprägt war. Die insgesamt 15 Minuten vergehen aber auch hier ohne dass irgendwelche Langeweile aufzukommen droht.

Im Anhang findet ihr die komplette Split-MC als offizielles Video von OREK.

Fazit:
Eine Split aus dem Untergrund, gemacht für den Untergrund. Vieler weiterer Worte bedarf es hier eigentlich auch gar nicht mehr. Beide Bands machen ihre Sache mehr als nur solide und unter'm Strich bekommt der geneigte Hörer summa summarum 30 Minuten eindringliche und authentische Black Metal-Musik mit Charakter geboten, ohne sich auch nur eine Minute seiner Lebenszeit betrogen zu fühlen. Die Kassette ist auf lediglich 30 Exemplare limitiert, von Hand nummiert und über die Bandcamp-Profile von OREK oder ASHTAVAKRA für jeweils 5,- Euronnen zu ergattern. Man sollte jedoch schnell sein, da beide Bands zusammen nur noch 10 Exemplare (Stand 08.10.18) anbieten können.

Ursprüngliche Black Metal-Musik mit Herz und Seele. Solange es solche Bands wie ASHTAVAKRA und OREK gibt, wird der wirkliche Underground weiter leben!


Darbietungen:
Ashtavakra
A-01. Shell Splitters
Orek
B-01. Intro
B-02. Kingdom of Mighty Swabian Mountains I
B-03. Kingdom of Mighty Swabian Mountains II

Laufzeit: ca. 29 Minuten




Review: Ancient Moon & Prosternatur - Secretum Secretorum Split (CD, Iron Bonehead Productions - 2018)

Es gibt solche Bands, mit denen man schon gar nicht mehr gerechnet hatte und die man schon beinahe in Vergessenheit wägte. So erging es mir jüngst mit ANCIENT MOON, deren Album Vvltvre aus dem Jahr 2015 ich zwar immer mal wieder gerne anhöre, jedoch hatte ich schon nicht mehr damit gerechnet, jemals wieder etwas von diesem internationalen Projekt zu hören. Und nun veröffentlichte man vor einer Weile unter dem Banner der deutschen Schmiede Iron Bonehead eine Split mit PROSTERNATUR, die bisher jedoch ein unbeschriebenes Blatt für mich sind...




Zunächst einmal ein paar allgemeine Eckdaten zu den beiden Horden. ANCIENT MOON ist ein seit 2015 (ob dies allerdings das tatsächliche Gründungsjahr darstellt, ist fraglich) agierendes internationales Projekt zwischen drei Leuten, die aus Belgien, Frankreich und der Schweiz stammen. Vvltvre erschien damals in Kooperation unter dem Banner des russischen Underground-Labels Satanath Records aus St. Petersburg auf CD, sowie als digitale Version. Eine Rezension zu diesem Werk lässt sich >>hier<< nachlesen. Seitdem ist es wieder still geworden um jenes Trio...

Bei PROSTERNATUR handelt es sich ebenfalls um ein international agierendes Projekt, welches wie ANCIENT MOON bereits ein Debüt-Album veröffentlicht hat (Abyssus Abyssum Invocat im Jahr 2016). Weitere Informationen findet man hier allerdings nicht. Nicht, wie viele Personen hinter der Musik stehen, noch aus welchen Ländern sie kommen. Auf Grund einiger Promo-Fotos, die sich auf diversen Profilen der Band finden lassen, gehe ich aber einmal der Annahme, dass es sich hier um eine Ein-Mann-Band handelt und dass sie in der Schweiz heimisch ist, was jedenfalls die immens hohen Versandkosten nach Deutschland erklären würde. Da das Logo nun auch dem von ANCIENT MOON nicht sooo unähnlich ist, vermute ich weiter, dass es sich hier gar um den Schweizer Part der genannten Band handelt. Da das Projekt aber als international agierend bezeichnet wird, könnte man auch mutmaßen, dass hier noch mindestens ein weiteres Mitglied jener Band aktiv ist. Aber das sind nun nur Vermutungen, und eigentlich ist dies ja auch völlig irrelevant. Schließlich geht es hier um die Musik und nicht um irgendwelche Personenkulte, die befriedigt werden müssten.

Die Aufmachung der CD ist einerseits sehr gut gemacht, andererseits aber auch wie die Informationen zu beiden Horden minimalistisch gehalten: ein schönes und stabiles Digipak mit vier Seiten, dazu ein doppelseitiges Beiblatt auf 170 g Papier gedruckt, welches auf der Seite von ANCIENT MOON den kompletten Text ihres Beitrags, sowie Infos zur Besetzung präsentiert, im Falle von PROSTERNATUR aber lediglich ein paar Auszüge aus den drei zelebrierten Stücken enthält.

Was mich dann auch direkt zum Kern dieser Rezension führt: der musikalischen Darbietung. Die Split fängt mit ANCIENT MOON an, die, wie schon auf ihrem Debüt, einen überlangen Song präsentieren. Der knapp 19-minütige 'Hekas Hekas Este Bebeloi!' stellt sich dabei gleich, seinem Namen mehr als entsprechend, als sehr okkult heraus und zeigt von Anfang an eine klare Steigerung der instrumentalen Qualität der Horde, gegenüber ihrem Debüt. Der Titel bezieht sich auf eine Zauberformel, die vor dem Beginn eines magisch-spirituellen Rituals ausgesprochen wird und vor der Durchführung alles Irdische abstreift und die Spiritualität freisetzt (nach dem "Golden Dawn" Orden). Die Musik präsentiert sich entsprechend mystisch, düster, jenseitig und rituell. Sie gleicht in ihrer Machart derer spiritueller Horden ala ACHERONTAS oder auch HETROERTZEN (ich denke da vor allem an ihr Meisterwerk Exaltation of Wisdom, dessen Qualität sie seitdem in meinen Augen nie wieder so wirklich erreichten). Melodische und gleichsam hypnotische Gitarren paaren sich hier mit einem rhythmischen Schlagwerk und Gesängen, die zwischen abgrundtiefer Finsternis, emotionaler Kälte und erhabenen, nebelverhangenen, Weihrauch schwangeren Atmosphären gekonnt hin und her pendeln. Das Ganze wird in einem Strudel aus Düsternis beschlossen.

Es folgen die drei Stücke von PROSTERNATUR, die insgesamt ebenfalls auf eine Laufzeit von etwas mehr als 18 Minuten kommen. 'Ana Harrani Sa Alaktasa La Tarat' beginnt mit unheilvollen Orgel-Klängen, geht dann aber schnell in einen schnellen, mystisch angehauchten Black Metal übergeht. Dabei lässt die Musik Vergleiche mit Bands wie DIE KUNST DER FINSTERNIS oder ASCENSION zu. Ein wenig Mid-90ies lässt sich hier vor allem auch in den eingesetzten Synths wiederfinden. Ansonsten zeigt der Stil auch anti-kosmisches Chaos ala NIGHTBRINGER, deren Stil sich vor allem in den schnellen Drums und den hypnotischen Gitarren wiederfinden lässt. Der Titel ist in sumerischer Sprache und bedeutet übersetzt so viel wie etwa 'Pfad ohne Wiederkehr' und ist daher mehr als passend. Der zweite Beitrag 'Zi Dingir Isatum Kanpa' ist ebenfalls in sumerischer Sprache verfasst und ist eine Huldigung an Luzifer oder auch einen dämonischen Geist. Instrumental gesehen bewegt man sich hier in etwas gediegeneren Pfaden, als noch beim Vorgänger. Langsameres Midtempo bestimmt das allgemeine Geschehen und immer wieder wird man Geister gleichen Chören, flüsternden Stimmen oder wahnsinnigen Schreien gewahr. Eine unheimliche und sehr unbehagliche Atmosphäre, die man hier schafft und für den Hörer eine Reise durch einen wahren Albtraum heraufbeschwört. Das letzte Lied wurde mit dem Blut Unschuldiger auf den Namen 'Usella Mituti' getauft und bedeutet in etwa 'Erweckt die Toten'. Es handelt sich hier ausdrücklich um kein irgendwie abgewandeltes Cover von BATHORY's Klassiker, sondern eher um einen sehr spirituellen Beitrag, der wieder ganz im Stil von Bands Marke ACHERONTAS bis NIGHTBRINGER gehalten ist. Atmosphärisch, düster, mystisch, tiefgreifend und authentisch. Mit sehr geilen Melodien und einer ergreifenden Stimmung. Beendet wird die Musik von schweren Synth-Klängen, die mit leisen Stimmen unterlegt sind und wieder eine sehr geisterhafte Atmosphäre erzeugen.

Anbei gibt es zwei Teaser der Split vom offiziellen Iron Bonehead-YT.

Fazit:
Wirklich beachtlich, was beide Horden hier auffahren! ANCIENT MOON überzeugen in ihrem überlangen Lied durchgehend und konnten sich im Vergleich zu ihrem drei Jahre alten Debüt deutlich steigern, was die Qualität der Darbietung anbelangt. In jedweder Hinsicht positiv überrascht haben mich auch die mir bis dato völlig unbekannten PROSTERNATUR (deren Name unglücklicher Weise dem einer Hämorrhoiden-Salbe sehr ähnelt und dabei vielleicht für die eine oder andere Lachnummer sorgen dürfte - die beim hören aber schnell verstummen dürften), deren teils chaotischer, aber dennoch sehr einprägsamer und introvertierter Stil an Größen wie NIGHTBRINGER, ASCENSION oder ACHERONTAS denken lässt. Das Werk wurde Ende September wie bereits erwähnt über Iron Bonehead Productions veröffentlicht und kann auch am besten gleich im dortigen Online-Shop sowohl auf CD im Digipak, als auch auf Vinyl (wahlweise in gold oder schwarz) bezogen werden.

In sich gekehrte Atmosphäre. Tiefgreifende Spiritualität trifft auf okkulten Wahn. Meine Empfehlung: Zulegen!



Review: Fluisteraars & Turia - De Oord Split (Digitales Album, Eigenproduktion - 2018)

Schon etwas länger ist es her, seit dem ich eine Split ins Auge gefasst habe. Liegt wohl zum einen daran, dass mir in letzter Zeit nicht sehr viele Gemeinschaftsveröffentlichungen bekannt geworden sind, zum anderen aber auch daran, dass ich von Splits im Allgemeinen eher weniger halte in letzter Zeit. Lobenswerte Ausnahme bestätigen natürlich die Regel, wie De Oord eindrucksvoll unter Beweis stellt. Die Split zwischen den beiden niederländischen Horden FLUISTERAARS und TURIA kann sich nämlich durchaus hören lassen. Meine Eindrücke gibt es nun im folgenden...




Zunächst einmal sei erwähnt, dass mir zum jetzigen Zeitpunkt leider nur eine digitale Version der Split vorliegt, welche noch in Eigenregie durch die beiden Bands über ihre jeweiligen Bandcamp-Präsenzen vertrieben wurde, bzw. immer noch vertrieben wird. Für die Auswertung auf einem physischen Tonträger zeigt sich die deutsche Eisenwald Tonschmiede verantwortlich, welche das Werk sowohl auf CD als auch auf Vinyl veröffentlichten. De Oord (zu Deutsch Der Ort) umfasst dabei jeweils einen Lied-Beitrag der beiden Kapellen, die beide Überlänge besitzen und eine gesamte Spielzeit von knapp 33 Minuten aufweisen. Wirklich interessant dabei ist, dass sich das Werk an einem durchgehenden Konzept orientiert, was ja auch durchaus selten bei Splits anzutreffen ist. Denn "De Oord" ist ein alter niederländischer Ausdruck und bezeichnet eine Region zwischen Arnhem (Arnheim) und Nijmegen, wo die beiden Flüsse Waal und Rhein aufeinander treffen. Die Texte beschäftigen sich ergo die lokale Historie und der Natur dieser Region.

FLUISTERAARS aus der Provinz Gelderland machten ja bereits durch einige Veröffentlichungen auf sich aufmerksam. Wann genau sich das Trio zusammenschloss, ist nicht überliefert... im Jahr 2009 erfolgte jedenfalls die Präsentation der ersten Demo Beringheim, bereits ein Jahr später folgte mit 't Hondslog eine zweite Demo (beide erschienen auf Kassette unter dem Banner von Cold Void Emanations). Bis zum Jahr 2014 sollte es dann dauern, bis mit Dromers eine das erste Album folgte, welches zunächst ebenfalls auf Kassette erschien. Bis Eisenwald auf die Musik aufmerksam wurde und das drei Lieder umfassende Album auch als MLP, sowie später als CD im Digipak veröffentlichte. Das knapp ein Jahr später folgende zweite Album Luwte wurden dann direkt über Eisenwald in sämtlichen Formaten veröffentlicht (bis auf die Kassette, welche auf SolHarvest erschien). Die letzte, zwei Lieder umfassende EP Gelderland erschien dann 2016 und erschien sowohl als digitaler Inhalt, als auch auf 7'' Vinyl.

Ihre Split-Partner TURIA stammen zu Teilen ebenfalls aus Gelderland (Nijmegen), aber auch aus Amsterdam. Die Gründung fand im Jahr 2014 statt und seitdem wurden die beiden Alben Dor (2015, welches ein Jahr später durch Altare Productions zusätzlich auf CD und Platte ausgewertet wurde) und Dede Kondre (2017, direkt über Altare Productions veröffentlicht), sowie eine Split mit dem Solo-Projekt VILKACIS aus Amiland veröffentlicht.

Beginnen wir bei FLUISTERAARS' knapp 15-minütigem Stück 'Oeverloos'. Es beginnt recht ruhig und bedächtig mit Geräuschen eines Unwetters, geht dann aber schnell in einen atmosphärischen Black Metal über, der sich für die Verhältnisse dieser Band doch als sehr hymnisch, erhaben und episch herausstellt. Was nun nicht heißen soll, dass die Musik der Herren ansonsten nicht atmosphärisch wäre - aber in diesem Umfang hat man diesen Stil selten zelebriert. Auf den ersten Eindruck für meinen Geschmack gar schon etwas zu episch. Doch dass der Schein trügt, wird bald klar, wenn der Gesang erst einmal so wirklich loslegt. Der zeigt sich nämlich ziemlich grimmig und verachtend, während die Instrumente dieses erhabene und hymnische Midtempo konsequent durchziehen, welches immer ein wenig an der Schwelle zum Kitsch entlang schwebt, ohne sie aber (glücklicherweise) zu überschreiten und sich in belanglosen Passagen zu verlieren. Immer mal wieder eingestreute Stimmungswechsel der Instrumente sorgen auch dafür, dass es hier nicht langweilig wird. Höhepunkte sind hier für mich das melancholische Gitarrensolo im letzten Viertel, sowie der getragen dargebotene Chor zum Ende hin, der die Stimmung der Instrumente perfekt widerspiegelt und zusätzlich unterstreicht. Ein eindrucksvoller Song, der mich jedoch ehrlich gesagt doch etwas enttäuscht, wenn ich da an sonstige Arbeiten der Mannen denke.

Nahtlos geht es über in 'Aan den Golven der Aarde Geofferd', dem Lied von TURIA. Die anfängliche Atmosphäre der Instrumente lässt etwas an GRAVELAND zu Thousand Swords-Zeiten denken, wandelt sich jedoch schnell in einen eigenen Strudel aus atmosphärischem Chaos, abgründiger Kälte und endloser Leere. Der Gesang wirkt gleichsam verzweifelt und wahnhafter Misanthropie getrieben. Die Instrumente bewegen sich eigentlich kontinuierlich im schnelleren Midtempo und lassen selbst einige psychedelische und okkult anmutende Passagen (ich sag' nur: Orgeln und unheilvolle Chöre!) nicht missen. Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch das sehr stimmige Finale, welches dieses knapp 18-minütige schwarze Epos ausklingen lässt. Großartig!

Angehängt findet ihr das offizielle Video zum Split-Album von Eisenwald.

Fazit:
Ich möchte hier jetzt auch gar nicht lange um den heißen Brei herum schreiben - diese Split ist mehr als lohnenswert! Ich persönlich bin jedoch etwas enttäuscht von dem FLUISTERAARS-Beitrag, da ich mir von der Band doch etwas mehr erwartet habe. Ihr Stil wirkt hier zu angepasst / konform und zeigt sich ergo ein wenig zu zahnlos. 'Oeverloos' ist jedoch auch weit davon entfernt, ein schlechter Song zu sein. Da war meine Erwartungshaltung aber wohl doch etwas zu hoch angesetzt, da ich von FLUISTERAARS doch etwas anderes gewohnt bin. TURIA jedoch überzeugen auf ganzer Linie und präsentieren hier einen authentischen Stil, der zeigt, wie atmosphärischer Black Metal wirklich geht. Das Split-Album ist wie bereits erwähnt in verschiedenen Formaten erhältlich: Angefangen bei der digitalen Version, welche über die Bandcamp-Seiten von FLUISTERAARS und TURIA erhältlich ist (für jeweils 6,- Euronnen), sowie als CD (für 12,90 Euronnen) und LP (für 16,90) über den Mailorder der Eisenwald Tonschmiede.

Zweimal atmosphärischer niederländischer Black Metal der Extraklasse. FLUISTERAARS bleiben hier meiner Meinung nach etwas hinter ihren Möglichkeiten zurück, trotzdem ist diese Split mehr als empfehlenswert!


Darbietungen:
Fluisteraars
01. Oeverloos
Turia
02. Aan den Golven der Aarde Geofferd

Laufzeit: ca. 32 Minuten




Donnerstag, 27. September 2018

Review: Morvigor - Tyrant (Digitales Album, Eigenproduktion - 2017)

Vor einiger Zeit schon erhielt ich durch die Band MORVIGOR aus den Niederlanden eine Anfrage, ob ich doch etwas zu ihrem aktuellen Machwerk schreiben könne. Also hörte ich mal quer an. Kurz gesagt: Es gefiel mir, was ich hier zu hören bekam, und ich stimmte also zu. Tyrant, so der Name des Werkes, stammt bereits aus dem letzten Jahr, daher ist es geradezu eine Schande, dass ich nicht früher darauf aufmerksam wurde...






Bei MORVIGOR handelt es sich wie bereits erwähnt um eine Kapelle aus den Niederlanden, genauer gesagt aus Alkmaar in Nordholland gelegen. Gegründet wurde sie 2011 und bestand von Anfang an aus fünf Leuten. Das Debüt A Tale of Suffering, was ich im Zuge der Recherche zu diesem Album hier ebenfalls anhörte, folgte im Jahr 2014. Anschließend trennte sich die Band von Schlagzeuger IJdo IJssennagger, für den aber bald mit Brendan Duffy ein passender Ersatz gefunden wurde. In dieser Formation spielte man dann auch drei Jahre später den Nachfolger Tyrant ein. Der Bassist Evio Paauw hat mit dem Projekt lcbrt (Vokale wegzulassen scheint ja irgendwie immer mehr im Trend zu liegen, zu meinem Unverständnis) noch eine recht interessante Solo-Band in seiner Vita verzeichnet. Sänger Jesse Peetoom ist seit 2014 auch in der französischen Truppe DunkelNacht aktiv (gründete sich um 2004 und begann als Dark Ambient / Synthi-Band, entwickelte sich mit der Zeit aber immer mehr zu Black Metal mit Ambient), und leiht ihren Werken seit Ritualz of the Occult die Stimme. Die beiden Gitarristen Sytze Andringa und Stefan van Delft sind jedoch in keinen weiteren Projekten involviert (zumindest soweit es mir bekannt ist).

Nachdem die Hintergründe beleuchtet wären, komme ich nun ohne Umschweife zum Kern dieser Rezension: das Album Tyrant. Und das lässt sich zunächst einmal ganz nüchtern und oberflächlich betrachtet als ein wilder und unbändiger Mix aus atmosphärischem Black, melodischem Death, mit Einflüssen des Doom Metal und progressiven Anklängen, sowie teils sehr psychedelischen Stimmungen und Einlagen aus dem Dark Wave und der Punk-Musik beschreiben. Klingt nach einer verrückten, und für die Puristen unter euch zu gewagten Mischung? Ich könnte es verstehen. Doch bevor ihr euch nun entschließt, nicht mehr weiterzulesen, so lasst euch gesagt sein, dass MORVIGOR eine jener Bands sind, die diesen Drahtseilakt zwischen traditionellem Klangbild und anderen (auch Genre fremden) Einflüssen ohne Weiteres meistern. Das mag vor allem an ihrer authentischen Art liegen - hier wirkt einfach nichts wirklich aufgesetzt oder wie "kann man mal machen, ist aber sinnlos, weil wir doch eigentlich andere Musik machen". So sind die einzelnen Elemente ihrer Musik auf Tyrant nicht klar abgegrenzt, sondern gehen in den Liedern fließend in einander über. Quasi ein "alte MAYHEM treffen auf ältere INQUISITION, treffen auf PINK FLOYD, treffen auf JOY DIVISION und alle treffen sich zu einem Fünfer bei MORBID ANGEL". Wie schon erwähnt, klingt es verrückt und durchtrieben, äußert sich aber letztlich in einem sehr traditionellen und kernigen Klangbild.

Passend zu diesem recht progressiven Stil handelt es sich bei Tyrant um ein groß angelegtes und komplexes Konzept-Album, welches im Kern die ethische Frage aufwirft, was wirklich gut, und was wirklich böse ist. Muss etwas Böse sein, nur weil die Mehrheit denkt, es sei böse? Und muss etwas wirklich Gut sein, nur weil es der allgemeinen Norm entspricht? Diese Frage wird in dem Album in eine acht Kapitel umfassende fiktive Geschichte aus dem Mittelalter verpackt. Darin geht es um ein Volk, welches von seinem Herrscher unterdrückt wird.

Der Herr ist ein Tyrann, der mit Aufständischen kurzen Prozess macht und Rebellion im Keim zu ersticken versucht, sich aber auch mit Gewissensbissen und Schuldfragen herum plagt. Er fragt sich, was nur aus ihm geworden ist. Dies alles wird im ersten regulären, dem 'Intro' folgenden Song 'No Repentance' behandelt. Die Instrumente steigern sich langsam von einer klassischen Rock-Gitarre, über seichte Bässe, psychedelische Sphären hin zu einer wahren Explosion, die an nordische Veteranen des extremen Metals denken lässt. Zum Ende hin legen die Herren sogar noch ein paar Schippen drauf und steigern sich in ekstatischer Raserei.

Das darauf folgende Stück 'The Martyr's Ascension' befasst sich mit der zu erleidenden Tortur eines gefangenen aufständischen Bürgers. Dies geschieht, in dem man den Hörer in die Rolle dieses armen Hundes schlüpfen lässt und ihm seinen Schmerz direkt aus seinem Monolog erfahren lässt. Instrumental gesehen beginnt das Stück mit einem seichten, fast zärtlichen akustischen Part, der mit dem einsetzenden Schlagwerk aber in den Gitarren dann schleichend kippt, eine erhabene E-Gitarre setzt ein und setzt zu einem melancholischen Spiel an, welches so auch Original von DISSECTION hätte stammen können. Mit den ersten verzerrten Klängen gibt die Stimmung endgültig und mit einem melodischen, aber brutalen Mix aus Black und Death Metal beginnt das eigentliche Lied nun erst wirklich. Besonders beeindruckend ist hierbei die unglaublich trübe Schwere des brachialen Endes mit reichlich traditionellem Doom-Einschlag (SAINT VITUS oder SPIRITUS MORTIS, anyone?!).

'Interlude' beginnt mit trostlosen Glockenklängen im Regen und dürften im Kontext mit dem vorhergegangenen Beitrag dahin gehend interpretiert werden, dass der Bürger gestorben ist. Nun wird ihm als Märtyrer gedacht - "Gloria Patri, ad infinitum/Acta Fabula Est".

Nahtlos geht diese andächtige Stimmung in 'Blood of the Pelican' über. In diesem erfahren die Bürger der Gemeinde vom Tod des Märtyrers, der sich für sie opferte. Ihr Vertrauen in Gott, diese Tyrannei ihres Herrschers zu beenden ist zerrüttet und sie wenden sich in Hoffnung auf Beistand an den Teufel, den Lichtbringer Luzifer. Der Titel lässt in diesem religiösen Kontext auch gleich mehrere Interpretationen zu. Zum einen kann es sich hier um eine klaren Abgesang vom Christentum handeln. Er kann sich aber auch direkt auf Jesus Christus beziehen, der seinerseits als Märtyrer am Kreuze starb und sich für das Christentum opferte. Auch musikalisch gesehen stellt dieses über 15-minütige Epos den Höhepunkt des Albums dar. Zudem ist der Pelikan das Wappentier der niederländischen Gemeinde Appingedam in der Provinz Groningen (womit wir auch wieder einen Verweis auf das Herkunftsland von MORVIGOR hätten). Die anfänglichen psychedelischen Zusammenspiele von Gitarren und Schlagzeug weichen alsbald einem schnelleren melodischen Mix aus Black Heavy- und Dark Metal, auch wenn gerade das Schlagwerk immer wieder okkulte und psychedelische Passagen aufbegehrt. Das Gitarrenspiel ab etwa Minute 7:40 erinnert mich dann auch an französische Kunst-Projekte wie ALCEST (ich denke hier speziell an die ersten beiden Alben) und nach einem harten Bass erklingt im letzten Viertel gar noch eine schrille und verzerrte Black Metal-Gitarre, bevor es zum Ende hin dann noch einmal richtig kämpferisch wird und das Treiben eine recht militante Note erhält, die an INQUISITION denken lässt.

'Voices' stellt dann wiederum lediglich ein weiteres Zwischenspiel dar, welches die Geschichte aber gekonnt weiterführt wird und einen erneuten Szenenwechsel darstellt. Die Stimmen, die hier behandelt werden, sind jene, die dem Tyrannen im Kopf heimsuchen. Genau darauf baut auch der nachfolgende Titel 'Tyrant' auf. In den ersten Absätzen werden die Gräueltaten der Soldaten des Königs besungen, anschließend, wie das Volk sich erhebt und für seine Freiheit kämpft. Schließlich wird der vermeintliche Tyrann von seinen Untertanen gelyncht. Instrumental gesehen handelt es sich dabei bei diesem Titel gebenden Stück um das vielleicht vielfältigste, denn tauchen hier noch mehr psychedelische Elemente auf, genau wie epischer Black Metal Marke FORTERESSE und auch leichte gesangliche Einflüsse von CRADLE OF FILTH lassen sich nicht bestreiten - genauso übrigens der Verweis auf dieses typische True Metal-Thema. Gelungen finde ich auch das ziemlich finstere Klavier am Ende, was einerseits wunderschön und erhaben klingt (bis zu dem Punkt, in dem es in das abschließende 'Outro' übergeht), und gleichzeitig etwas abgrundtief Düsteres an sich hat, ein Gefühl von Verlust aufkommen lässt und in seiner Essenz etwas Endgültiges hat.

Im Anhang gibt es das offizielle Video zu 'No Repentance'.

Fazit:
MORVIGOR stellen nicht nur eine weitere hochwertige Band des extremen Metal aus den Niederlanden dar, sondern haben mit ihrem zweiten Album Tyrant auch noch ein sehr monumentales Werk hingelegt, welches in seiner Intensität seinesgleichen sucht. Das liegt zum einen an der unglaublichen musikalischen Vielfalt, die uns die Recken hier servieren. Zum anderen ist das aber natürlich gar nichts wert, wenn es nicht ehrlich klingt - worüber sich MORVIGOR aber auch keine Gedanken machen müssen, denn ihr Stil klingt derart authentisch, dass mir auf Anhieb 20 (wenn nicht mehr) reine Black Metal Bands einfallen würden, die noch nicht einmal im Ansatz die Aussagekraft dieser Truppe erreichen. MORVIGOR sind in meinen Augen daher mehr Black Metal als irgendeine stumpfsinnige selbsternannte Satanisten-Kapelle ohne Authentizität. Und vielleicht kann man die Grundsatzfrage des Albums "Was ist Gut? Was ist Böse? Was ist Erhaben und was schlecht?" auch direkt auf die Band und ihre Musik ummünzen.
Die Band veröffentlichte das Werk in Eigenregie als digitale Kopie und als CD im Digipak, die es beide über die offizielle bandcamp-Präsenz von MORVIGOR zu erwerben gibt. Zusätzlich kann man dort auch direkt das Debüt, sowie ein paar Shirts und Aufnäher einheimsen.

Tyrant stellt in jeglicher Hinsicht ein perfektes Album dar. Und da ist es mir auch egal, ob hier irgendwelche Klischees bedient werden oder es nicht true und elitär ist, solch' experimentierfreudige Musik, die irgendwie im Black Metal verankert ist zu hören. MORVIGOR zelebrieren mit ihrem Album ganz große Kunst - das Sprengen von Ketten - die absolute Freiheit. Meiner Meinung nach Pflichtprogramm!


Darbietungen:
01. Intro
02. No Repentance
03. The Martyr's Ascension
04. Interlude
05. Blood of the Pelican
06. Voices
07. Tyrant
08. Outro

Laufzeit: ca. 47 Minuten




Dienstag, 25. September 2018

Buried & Forgotten... verlorene Schätze des Untergrunds #9: Unhallowed - Unhallowed (CD, Eigenproduktion - 1997)

Nach dem Bekunden vieler stellte das Jahr 1997 eine Art Schnittpunkt in der deutschen Black Metal-'Szene' dar. So sollte dieses Jahr für lange Zeit eines der letzten sein, in denen seriöser Untergrund-Schwarzmetall produziert und veröffentlicht werden sollte. Das ist natürlich nur die Meinung vieler Underground-Veteranen. Ich, wie auch einige andere, sehe das etwas optimistischer, denn auch in den Jahren bis um 2005 gab es durchaus brauchbares Material aus deutschen Landen. Zugegeben: man musste schon mit der Lupe suchen, um da etwas zu finden...


...aber wann musste man das nicht bei deutsch-sprachigem Black Metal?! Gerade aber um die Jahre 1995 - 1997 gab es so einige recht kurzlebige Horden, denen ich persönlich ein längeres Dasein innerhalb des Undergrounds durchaus gegönnt hätte. Und diese Kurzlebigkeit war nicht immer nur in der Tatsache zu suchen, dass die Bands absolut talentfrei waren, sondern hatte auch durchaus andere Gründe. Was im Falle von UNHALLOWED aus Rheinland-Pfalz zur Auflösung führte, vermag ich nicht zu sagen - doch dürfte hier mit ein Grund gewesen sein, dass es der Band wohl nicht vergönnt war, einen Plattenvertrag zu ergattern, was schließlich zur Resignation führte. Zumindest hat man nach der ersten und auch letzten selbst-betitelten CD-EP nichts mehr von dem Quartett zu hören bekommen...

UNHALLOWED gründeten sich um das Jahr 1994, brachten drei Jahre später ihre CD heraus und löste sich 1999 endgültig auf. Ob das Gründungsjahr so stimmt, bzw. ob der Name dort schon bestanden hat, wage ich zu bezweifeln. 1995 nämlich veröffentlichte die Kult-Band DISSECTION mit Storm of the Light's Bane ihr zweites Album und auf diesem war ein Titel namens 'Unhallowed' zu finden. Ich wage mal zu behaupten, wenn man einmal etwas tiefgreifender in das Werk der Deutschen hineinhört, dass man sich klar von dem Album der Schweden hat inspirieren lassen. Ob der Name aber nun wirklich dem Song entlehnt ist, das wissen wohl nur noch die Beteiligten selbst zu sagen.

Mein Vergleich zu DISSECTION kommt aber nicht von ungefähr. In vielen Aspekten weißt das Debüt von UNHALLOWED deutliche Parallelen zu dem Meisterwerk der schwedischen Pioniere des Black Metal of Death auf. Das fängt beim Gesang von Mike an, der sich in seinen Black Metal-Passagen sehr an der Art von Jon Nödveidt orientiert, wie er auf Storm of the Light's Bane singt. Die Gitarren weisen in Passagen ebenfalls eine ähnliche Spielfreude, Vertracktheit und jenseitige Stimmung auf. Doch das sind nun nicht die einzigen Einflüsse, die die Musik der drei Herren und dem Hexenweib tragen. So lassen sich vor allem auch weitere nordische Einflüsse ausmachen. Anleihen an den Death und auch Thrash Metal gibt es ebenfalls im Spiel der Instrumente zu entdecken. Durch das Zusammenspiel mit dem Keyboard kommt dann und wann gar eine Stimmung wie auf den alten Werken von CRADLE OF FILTH, HECATE ENTHRONED oder Ähnlichem auf. Erfreulicherweise endet hier aber nichts in sinnlosem Keyboard-Geplänkel, im Gegenteil regiert hier eindeutig der pure Metal-Anteil. Die insgesamt drei Lieder besitzen dementsprechend auch eine angenehme Gesamtlaufzeit von beinahe 21 Minuten, unnötig gestreckt wirkt hier nichts wirklich, nur der letzte Beitrag 'In darkness reborn' weist in der Mitte doch einen kleinen Hänger auf, entschädigt aber mit seinem großartigen letzten Viertel und dem atmosphärischen Klavier am Ende.

Die CD im Slimcase bekommt man heutzutage noch gut auf Börsen oder auch Second-Hand-Läden zu kaufen. Sie ist (nicht sichtbar) limitiert gewesen und offiziell lange out of print. Sollte man im Internet fündig werden wollen, empfehle ich einen Blick auf discogs.com zu wagen: Hier beginnen die Angebote ab 3,- Euronnen, was äußerst fair ist. Unhallowed mag vielleicht kein Werk sein, welches sich mit seinem Stil für die damalige Zeit durchsetzen konnte - stellt aber aus heutiger Sicht ein Kleinod melodischen Black Metals aus Deutschland dar, und sollte für all jene interessant sein, die Nostalgie nicht nur atmen, sondern inhalieren. Ein Kauf lohnt sich hier meiner Meinung nach auf jeden Fall!


01. A dance upon frozen fields
02. With the rain
03. In darkness reborn


Review: Aether - Ego Vitium Sum (LP, Diaphora Produktion - 2018)

Vor einiger Zeit schon erhielt ich von der Band selbst die digitale Fassung dieses Albums. Das Debüt der deutschen Horde AETHER mit dem Titel Ego Vitium Sum erschien ursprünglich im August und wurde durch Pest Productions aus China sowohl in digitaler Form, als auch ein paar Tage später auf CD veröffentlicht. Als ich dann vor ein paar Tagen mehr durch einen Zufall davon erfuhr, dass eine Ausführung auf Vinyl über Diaphora veröffentlicht wurde, wollte ich zunächst noch diese Lieferung abwarten, bis ich mich an einer Rezension zu diesem Werk versuche. Diese kam dann auch prompt heute an...



Als Projekt existiert AETHER aus dem Raum Nürnberg wohl schon seit dem Jahr 2006 -  veröffentlicht wurde aber in dem langen Zeitraum von gut 12 Jahren nichts. Gegründet wurde AETHER durch den Gitarristen Aer (TOTAL HATE) und Eternal (u.a. VERHERN, ex-WOLFSTHORN). Im Jahr 2013 formierte sich aus dem anfänglichen Duo dann eine vollständige Band, in dem man Abortio (Bass), Shardik (Schlagwerk), beide wohl am ehesten durch ihr Wirken bei KRATER bekannt (Shardik trommelt zudem auch für die epische Doom Metal-Kombo COLDUN - sollte man sich unbedingt einmal anhören, wenn man einen Sinn für solche Musik hat!) und Untergang (INTERITUS, deren Status ja irgendwie immer noch schleierhaft ist) mit ins Boot holte. In dieser Konstellation wurde dann auch das erste Konzert bestritten und das hier vorliegende Album eingespielt (was bereits im Jahr 2015 geschah).

Aber genug zum Hintergrund. Sieht man sich einmal die Aufmachung der Schallplatte an, so ist diese einerseits wieder schön anzusehen und gleichzeitig auch wieder minimalistisch und zweckdienlich gehalten. Keine überflüssigen Gimmicks, einfach nur Black Metal auf den Punkt gebracht - fertig! Und mehr benötigt es auch gar nicht. Das Gesamtpaket umfasst dabei zwei Platten, die in einer Gatefold-Hülle hausen, in deren Innenteil alle Texte sowie ein paar Informationen zur Aufnahme und zur Gestaltung abgedruckt sind. So wurde das Album bereits 2016 im Temple of Disharmony gemastert. Das Cover Artwork stammt von Lisa Schubert (Vinsterwân), deren Arbeit ja bereits auf Werken von KRATER Verwendung fand. Der Titel ist Programm und lässt im Kontext mit dem düsteren Artwork und den recht persönlichen, tiefgehenden und durchdachten Texten einiges an Interpretationsspielraum zu. Die Fantasie des Hörers wird also schon allein durch den visuellen Aspekt angeregt. Einen gewissen Willen und natürlich das Interesse vorausgesetzt, sich mit der Materie zu beschäftigen, wird dem geneigten Hörer auf die musikalische Reise, auf die er sich bei dem sechs Lieder umfassenden Ego Vitium Sum begibt, zumindest schon einmal vorbereiten.

Die Texte stammen allesamt aus der Feder von Eternal und wurden ob ihrer sehr persönlichen Natur bis zur Veröffentlichung dieser LP nirgends abgedruckt. Sie drehen sich einerseits um Aufarbeitungen des Vergangenen ('Narben sind Erinnerung', Stella Nova'), Gegenwartsbetrachtungen ('Meministine?') oder auch um ein paar dystopische Ansätze ('Weltverderben', 'Siechengang'). Aus Rücksicht auf die Tatsache, dass es der bisherige Wunsch war, dass nicht jeder Horst die Texte zu lesen bekommt und mit dieser Veröffentlichung der Kreis derer auch nicht sonderlich hoch ausfallen wird, möchte ich mich hier auch gar nicht eingehender mit ihnen befassen. Es soll sich ein jeder selbst seine Gedanken machen und die grauen Zellen bemühen.

Womit ich nun zum musikalischen Aspekt des Werkes kommen möchte. AETHER haben sich mit ihrem Album reichlich Zeit gelassen und das ist hier definitiv auch hör- und spürbar. Black Metal, der zur Perfektion dargeboten wird. Jedoch nicht in dem Sinne, dass er zu sauber produziert, oder zahn- und klauenlos klingen würde - ganz im Gegenteil. Die Mannen verstehen lediglich eindeutig ihr Handwerk und überließen in Sachen Klangbild einfach nichts dem Zufall. Das Ergebnis ist überwältigend, fesselnd, in mehrerlei Hinsicht intensiv und wird auch die letzten Zweifler überzeugen. Das Fundament fußt dabei auf räudigen Schwarzmetall, der aber durch viele weitere Facetten eine ganz eigene Farbgebung erhält. So erhält die Musik allein schon durch den verzweifelten und zermürbenden Gesang eine depressive, gleichzeitig aber auch irgendwie erhabene Note. Die instrumentale Darbietung zeigt sich vielfältig und vor allem sehr atmosphärisch. Allein einleitende Teil von 'Weltverderben' mit seinem traurigen, andererseits aber auch äußerst epischen Keyboard spricht da Bände. Die im schnelleren Midtempo anzusiedelnden Instrumente stehen dabei, nicht nur in diesem Stück, im krassen Gegensatz zum depressiven Gesang von Eternal, was aber erstaunlich gut funktioniert und sogar regelrecht miteinander harmoniert. Akustische Momente wie am Anfang von 'Siechengang' findet man ebenso wie so manch passendes Sample aus Filmen wie American Psycho (im selben Stück) oder Wolfman (in 'Meminitine?') oder gar klassische und andächtige Stimmungen wie am Ende von 'Stella Nova'. Hier und da scheinen mir sogar ein paar dezente Chöre anzuklingen, doch das kann auch durchaus täuschen. Die Lieder sind dabei per se sehr individuell gehalten und überschreiten jeweils die sechs-Minuten-Marke. Langeweile lässt man hier jedoch zu keiner Zeit aufkommen, denn immer wieder lassen sich kleine Stimmungs- oder Tempowechsel innerhalb der Songs ausmachen, genau wie eingestreute Solo-Passagen an den Gitarren. Auf diese Weise wird den sehr eindringlich dargebotenen Instrumente der nötige Platz eingeräumt und sie können ihr wahres Potential zum Ausdruck bringen. Das ergreifende Ende des letzten Liedes 'Des Weges Ende' lässt das Album letztendlich so ausklingen, wie es begonnen hat. Bis dahin entfaltet sich hier ein durch und durch intensives, kraftvolles Werk großen Schmerzes.

Fazit:
Mit Ego Vitium Sum ist AETHER nicht nur ein sehr emotionsgeladender Erstling geglückt, sondern auch eines der intensivsten Voll-Alben aus deutschen Landen, die ich in diesem Jahr gehört habe. Jeder, der etwas für authentischen Black Metal mit Tiefgang, innigen Gefühlswelten und räudigen Atmosphären übrig hat, sollte diesen Album nicht spurlos an sich vorüberziehen lassen! Die Instrumente sind ergreifend vorgetragen und jedes für sich wunderbar abgemischt und daher auch an den richtigen Stellen gut heraushörbar. Der Gesang ist kraftvoll, verachtend und zeitgleich auch todtraurig und kommt einer Katharsis gleich. Vielleicht sollten sich einige hoch gelobte Bands daran ein Beispiel nehmen. Es braucht kein großartiges Gefrickel, um ein gutes Album zu produzieren. Viel wichtiger sind in meinen Augen Authentizität und die Besinnung auf jenes, was diese Musik ausmacht: Blut, Schweiß und Tränen. Neben der digitalen Version existiert das Album wie bereits erwähnt auch in Form einer Digi-CD (beide sind über das bandcamp-Profil von Pest Productions zu beziehen). Über die Band-Präsenz auf bandcamp gibt es die Möglichkeit, sich die digitale Version, sowie die Vinyl-Auflage und ein Shirt zu sichern. Die einheitlich in schwarz erschienene DLP im Gatefold ist von Hand durchnummeriert und auch direkt über Diaphora Produktion erhältlich. Anbei gibt es das vollständige Album als Video-Einbettung von BlackMetalPromotion.

Ein weiteres deutsches Werk, welches ich definitiv in meine Favoriten-Liste diesen Jahres aufnehmen werde. Ego Vitium Sum ist in jeglicher Hinsicht stimmig - genau so muss sich emotional-geprägter Black Metal anhören und anfühlen. Ganz groß!


Darbietungen:
A-01. Weltverderben
A-02. Narben sind Erinnerung
B-03. Sichengang
B-04. Meministine?
C-05. Stella Nova
C-06. Des Weges Ende

Laufzeit: ca. 53 Minuten




Donnerstag, 20. September 2018

Review: Dauþuz - Des Zwerges Fluch (MLP, Naturmacht Productions - 2018)

In diesem Jahr veröffentlichte auch die deutsche Horde DAUÞUZ ihr neues Werk in Form des Mini-Albums Des Zwerges Fluch, welches aus sechs Liedern besteht und dabei eine Gesamtlaufzeit von gut 36 Minuten aufweist. Mit der Veröffentlichung des neuen Machwerks des Duos wurde einmal mehr Naturmacht Productions betraut, welche es in jeweils edler Aufmachung auf verschiedenen Formaten herausbrachten. Dazu jedoch später mehr. Warum man dieses Monument nicht so ohne weiteres an sich vorüberziehen lassen sollte, lest ihr nun im folgenden...




Zunächst sei auch an dieser Stelle etwas über die Band offenbart, da der Name DAUÞUZ mit Sicherheit nicht jedem Leser (außer den aufmerksamen unter euch) ein Begriff sein wird. Gegründet wurde sie als Projekt im Jahr 2016 durch die beiden Recken Aragonyth S. (aka Semgoroth, u.a. SEELENFROST, IDHAFELS, ex-AUF DEM SCHWARZEN THRON und ex-SCHATTENTHRON) und Syderyth G. (aka Grimwald, u.a. WINTARNAHT, ISGALDER, ex-NEWUN und ex-SCHATTENTHRON), die auch in der Vergangenheit bereits in dem einen oder anderen Projekt zusammen agierten. Im Jahr der Gründung erschien dann auch gleich ein erstes Album mit Namen In finstrer Teufe, welches bereits die lyrische Thematik des Bergbaus aufwies, die sich bis heute wie ein roter Faden durch die Veröffentlichungen der Band zieht. Das Album erschien zunächst auf CD über das kleine Label Stundes des Ideals, ein Jahr später nahm sich Nebular Winter dem Album an und veröffentlichte es auf Kassette, bis es schließlich 2018 in Eigenregie, sowie in erstmaliger Zusammenarbeit mit Naturmacht auf Platte veröffentlicht wurde. 2017 folgte dann mit Die Grubenmähre ein zweites Album, welches dann gleich unter dem Banner von Naturmacht veröffentlicht wurde, zunächst als CD und ein Jahr später ebenfalls auf Vinyl - für die Kassetten-Version sorgte Sol Records. Auch wenn der Nachfolger von dem Gros der Anhängerschaft mehr als wohlwollend aufgenommen wurde, schwächelte dieses Album doch in gewisser Art und Weise, vor allem im direkten Vergleich zum mehr als großartigen Debüt. Vielleicht war das auch der Grund, warum mir die wirkliche Motivation fehlte, um etwas zu dem zweiten Album zu schreiben... eine Rezension zu In fisterer Teufe lässt sich derweil >>hier<< nachlesen.

Nun folgt also mit Des Zwerges Fluch ein weiteres Kapitel in der Sammlung tragischer Geschichten aus dem Repertoire der Band. Der Titel bezieht sich dabei auf eine Bergbausage aus dem Harz, welche sich um den Zwergenkönig Hübich dreht, der unter einem Kalkfelsen, dem Hübichenstein haust. Diese alte Sage wird auf vielerlei Arten interpretiert und ist auch in verschiedenen Varianten überliefert, von denen sich DAUÞUZ auch deutlich an einer der düstersten orientiert haben.

Der Opener 'Steinhammer' ist dabei wohl eher eine Art allgemein thematischer Einführung und kann in lyrischer Hinsicht als Allegorie für den Missbrauch der Natur durch den Menschen verstanden werden und ist daher in Zeiten, in welcher sinnlos Wälder für die Ausweitung eines längst überholten Energiegewinnungsverfahrens abgeholzt und gerodet werden, wohl aktueller denn je. Wenn man sich musikalisch mit dem Stück auseinandersetzt, so kann man hier allerdings mehr als von nur einer plumpen Einführung sprechen, denn hier geht man nach einem kurzen akustisch-instrumentalen Einklang gleich in die Vollen und präsentiert genau das, was man von den beiden Mannen erwarten darf: äußerst atmosphärischen, einerseits erhabenen und epischen, aber auch finsteren Black Metal, der sich sehr facettenreich zeigt und daher kaum Wünsche offen lässt. Der Gesang hat ebenfalls mehr als nur ein Gesicht, zeigt sich mal grimmig keifend und mal verzweifelt kreischend, mal abgrundtief und dann wieder hymnisch und Choral. Mit dem nächsten Beitrag 'Berggeschrey', welcher rein instrumentale, akustische Musik mit Heidestimmung enthält, wird der einleitende Teil abgeschlossen, und mit 'Unwerk' erklingt der erste Teil der 'Des Zwerges Fluch-Trilogie'.

In diesem geht es nun um einen Bergbauer, der hinab in das Reich des Zwergenkönigs fährt, um dort Schätze zu fördern, die dieser aber natürlich nicht freiwillig hergibt. In seiner endlosen Wut verflucht der Zwerg die Menschen und Tod kommt über sie. Doch nicht über den jungen Dieb, der nicht aufhörte, die Schätze des Berges zu schlagen. Er behält ihn stattdessen bei sich. Musikalisch betrachtet hält man hier zunächst ein paar gute instrumentale Anleihen an BURZUM bereit, steigert sich atmosphärisch aber auch immer wieder und es scheinen hier und da auch einige pagane Einflüsse durch. Klarer Gesang geht hier Hand in Hand mit einem machtvollen Gekeife, welches in seiner Grimmigkeit wohl kaum zu übertreffen sein dürfte. Aber auch einige eher eindringlichere, verzweifelte, gar melancholische Passagen lassen sich ausmachen.

Direkt auf diesen Ereignissen baut dann das Lied 'Buße' auf, in welchem die Tortur des jungen Bergbauers geschildert wird und er nach langer Zeit wieder vom Zwergenkönig Übertage entlassen wird. Doch was er vorfindet, ist eine Welt, die nicht mehr die seine ist. Alle Menschen, die er liebte oder kannte, sind tot und in seinem Dorf blicken ihm fremde Gesichter entgegen. Ein Teil des Zwerges Fluch hat sich erfüllt. Präsentiert wird das Ganze in einer musikalischen Form, die passender Weise etwas ruppiger und direkter zur Sache geht. So besteht das erste Viertel nahezu aus schnelleren Passagen. Das ändert sich dann mit der Freilassung des jungen Bergbauers, in welchem ein kurzer Wechsel der instrumentalen Darbietung stattfindet, und gerade die Gitarren danach ein wesentlich hymnischeren Charakter annehmen. Dieses Schema wiederholt sich nach jedem weiteren Absatz, wobei sich die Atmosphäre immer ein wenig weiter steigert, bis die ganze Darbietung mit einem Chor und epischen Instrumenten beendet wird.

Mit 'Mors Voluntaria' wird die Trilogie schließlich auf eine äußerst tragische Weise für den Bergbauer abgeschlossen. Verdammt zu wandern durch eine ihm fremde Welt, erfüllt er schließlich schicksalshaft den Fluch des Zwergenkönigs, in dem er sich selbst der Erde preis gibt. Dem Titel entsprechend zelebriert man hier vornehmlich akustische Gitarren und einen finsteren, sehr kränklichen Black Metal-Gesang, aber auch geflüsterte Passagen ("Mors Voluntaria"). Das erinnert mich stark an Beiträge aus der großartigen, und meiner Meinung nach hoffnungslos unterschätzten, zweiten Scheibe Wandelnd in der Einsamkeit abgrundtiefer Gedanken der inzwischen aufgelösten deutschen Horde GERMANEN BLUT.

Als Epilog dient dann noch 'Als mein Geleucht für immer erlosch', ein nicht minder tragisches Stück, in dem sich der fantasievolle Hörer mitten in den Bergbau hineinversetzt wähnt. Der Text behandelt das Schicksal eines namenlosen Bergmannes, der durch eine unachtsame Handlung in der Mine in einen noch tieferen Schacht fällt und dort elendig verreckt. Der Text besingt die Verzweiflung des Mannes, aber auch die ästhetische Erhabenheit des Todes, die morbide Faszination des Sterbenden. Hier bietet man instrumental betrachtet noch einmal alles auf, was den ureigenen Stil von DAUÞUZ ausmacht: Viel Atmosphäre, die Erkundung finsterer Welten, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und gleichzeitig erhabene Sphären, sowie sehr spielfreudige Instrumente, die trotzdem unverkennbar dem Underground huldig sind. Gar die eine oder andere okkulte Passage lässt sich hier heraus hören.

Fazit:
Was für ein Machwerk. Ach was - Machwerk... Kunstwerk! DAUÞUZ haben hier mit Des Zwerges Fluch in meinen Augen nicht viel weniger als eines der mitreißensten und monumentalsten nationalen Schwarzmetall-Werke diesen Jahres veröffentlicht... Punkt! Noch ein interessanter Fakt zu der Aufmachung der Hülle: die A- und B-Seite sind jeweils unter dem Titel 'Des Zwerges Fluch' geführt, jedoch jeweils in unterschiedlicher Fraktur (zudem ist der Titel der A-Seite, der über dem Rest aufgeführt ist fett unterlegt), was vielleicht dahin gehend interpretiert werden könnte, dass die Lieder der A-Seite das behandeln, was sichtbar ist und über der Oberfläche geschieht, während die B-Seite die Dinge ans Licht fördern, die sonst im Verborgenen liegen. Auch ist der letzte Song noch etwas von den anderen abgegrenzt, da er ja auch mit dem eigentlichen Konzept nicht direkt etwas zu tun hat. Die auf gerade einmal 187 Stück limitierte MLP ist offenbar bereits restlos ausverkauft, zumindest bei Naturmacht Productions. Die auf 300 Exemplare limitierte CD kommt in einem stabilen und wirklich sehr schicken Digipak mit einem umfangreichen Beiheft mit allen Texten und ist weiterhin erhältlich und kann für nicht einmal 10,- Euronnen über den Mailorder des Labels bestellt werden, wofür ich hier eine definitive Empfehlung ausspreche! Als Anhang gibt es das offizielle Video zu 'Als mein Geleucht für immer erlosch'.

Ein emotionsgeladenes Meisterwerk atmosphärischer Black Metal-Tonkunst. Für mich definitiv in den Top3 der deutschen Beiträge des Genres in diesem Jahr anzusiedeln!
Hier gibt es eigentlich nur eine Empfehlung: Zulegen!


Darbietungen:
A-01. Steinhammer
A-02. Berggeschrey
B-03. Unwerk - Des Zwerges Fluch I
B-04. Buße - Des Zwerges Fluch II
B-05. Mors Voluntaria - Des Zwerges Fluch III
B-06. Als mein Geleucht für immer erlosch

Laufzeit: ca. 35 Minuten




Mittwoch, 19. September 2018

Review: Agrareth - Mors Hominum (CD, Wolfmond Production - 2018)

Neues gibt es auch mal wieder aus dem Hause des deutschen Labels Wolfmond Production. Die haben nämlich am vierten September die CD-Version der ersten Demo-Präsentation des chilenischen Black Metal-Projekts AGRARETH mit dem Titel Mors Hominum veröffentlicht. Bei dem Projekt handelt es sich um ein weiteres aus Repertoire von Cristofher Catalan (u.a. noch in HÄXAN unter dem Pseudonym Desecratorcommand aktiv, sowie mit SUICIDAL FOREST). Zu den beiden anderen Bands kann ich hier allerdings nicht viel schreiben, da mir ihre Musik nicht bekannt ist.




Wann genau die Gründung des Solo-Projektes stattfand, ist nicht bekannt - kann allerdings auch noch nicht sehr lange zurückliegen. Mors Hominum stellt wie bereits erwähnt die erste Demo von AGRARETH dar und wurde ursprünglich bereits im Mai auf Kassette veröffentlicht (durch Depressive Illusions Records aus der Ukraine - kein wirkliches Garant für gute Musik also) und erschien in einer Auflage von gerade einmal 66 Stück. Nun folgte Anfang diesen Monats die Veröffentlichung auf CD. Wie bei Wolfmond üblich handelt es sich hier um eine bedruckte CDr, die in einem Digipak haust. Zelebriert werden fünf Lieder mit einer Spielzeit von etwas mehr als 16 Minuten. Wenn man so will, sind es sogar nur vier eigentliche Lieder, denn der erste Beitrag stellt lediglich ein 'Intro' dar, welches auch dem Geläut von Glocken besteht. 'Ego Exitium' prescht dann aber gleich los und präsentiert sich als ein räudiger Black Metal-Song mit einer Prise okkulter Atmosphäre, und einem erhabenen Gitarrenspiel. Der Gesang entpuppt sich als grimmig, ketzerisch und finster. Er scheint zudem mehrere Spuren zu umfassen, denn es kommt mir so vor, als wenn hier in einigen Passagen parallel mit Klar-, Black- und Death-Metal Gesang gearbeitet wurde, was erstaunlich gut klingt für ein Solo-Projekt. Als nächstes erklingt der Titel gebende Song und auch dieser zelebriert eine äußerst räudige Gangart des Black Metal, die noch mit ein paar erhabenen Momenten im Gesang und den Instrumenten aufgewertet wurde. Auch hier findet sich wieder zweistimmiger Gesang und auch der schwermütige Okkultismus scheint hier und da durch. Der Vierte im Bunde ist 'Limina' und hier besticht vor allem die spielfreudige Leadgitarre, während eine zweite Gitarre zunächst im Hintergrund, im weiteren Verlauf jedoch immer vordergründiger eine BURZUMeske Melodieabfolge spielt. Gesang kommt hier nicht zum Einsatz - und ganz ehrlich: den braucht hier auch niemand! Ein sehr eindringliches und atmosphärisches Stück. Mit 'Sur Tenebris' nähert sich dann auch bereits der letzte Beitrag dieser nicht uninteressanten Demo-CD. Geboten wird hier aber letztlich nichts sonderlich Beeindruckendes mehr, was gerade nach dem großartigen Vorgänger sehr schade ist... da hätte man vielleicht noch einmal ein ähnliches instrumentales Stück draus machen sollen.

Fazit:
Gut, AGRARETH macht seine Sache grundsätzlich wirklich nicht verkehrt und hebt sich in einigen Nuancen auch deutlich vom Einheitsbrei ab, jedoch besitzt die erste Demo in meinen Augen noch nicht das Zeug dazu, den Namen des Projekts dauerhaft in die Hirnwindungen des Hörers zu meißeln. Nichtsdestotrotz lässt Mors Hominum Potential erkennen und es ist der Stil solcher Stücke wie 'Mors Hominum' oder speziell auch 'Limina' auf den man sich in Zukunft konzentrieren und den man noch weiter ausbauen sollte.

Räudiger Schwarzmetall mit okkulter Note aus Südamerika. Nichts wirklich Neues, aber authentisch. Sollte man sich auf die Stärken seines Stils konzentrieren und diesen noch weiter ausbauen, könnte AGRARETH zu einem wirklich interessanten Projekt gedeihen!


Darbietungen:
01. Intro
02. Ego Exitium
03. Mors Hominum
04. Limina
05. Sur Tenebris

Laufzeit: ca. 16 Minuten



Video folgt...