Sonntag, 31. Dezember 2017

Review: Cold Mist - From The Dark Hills Of The Past (CD, Cold Art Industry / Tolkiean Records / My Dark Desires Records / Wolfblasphemer Distro / Haeretikus Productions / Extreme Sound - 2017)

Black Metal aus Brasilien ist und bleibt wohl immer eine Sache, bei der ich grundsätzlich etwas skeptischer bin. Dass es aber durchaus auch Horden gibt, bzw. gab, die es wirklich verstehen (oder verstanden) authentischen und packenden Black Metal zu zelebrieren, bewiesen nicht zuletzt solche Bands wie SPELL FOREST, VOBISCUM INFERNI, DIABÁLLEIN oder die inzwischen leider aufgelösten LUPUS NOCTEM. Ob sich COLD MIST mit ihrem hier vorliegenden Debüt, welches anno 2017 einer Demo-Präsentation aus dem Jahr 2008 folgte, in diesem Reigen hinzugesellen können, erfahrt ihr im folgenden...



Zunächst einmal ist festzuhalten: "From The Dark Hills Of The Past" ist ein sehr geiler Titel für ein Album, welches sich zum Ziel gesetzt hat, Musik im Stile der 90er zu zelebrieren.  Nach dem Titel gebenden Intro, in dem die Tasten reichlich Einsatz finden, jedoch nicht zu verspielt oder gar fröhlich daherkommen, sondern, im Gegenteil, zum Ende hin eine wirklich triste und bedrohliche Stimmung erzeugen, geht es mit "Night And Mysteries" auch gleich in die Vollen. Räudige und ungezügelte Wildheit trifft auf epische Sphären und satanischen Stolz. Instrumental gesehen wird hier einiges aufgefahren und auch der Gesang präsentiert sich im Verlauf sehr facettenreich, wenngleich er meist auch lediglich einen grimmigen Grundton inne hat. Kleinere Breaks werden durch Klargesang unterlegt, zudem weist man bereits hier ein hohes Maß an Abwechslung auf, bietet Tempowechsel sowie epische Keyboard-Passagen. Ähnlich geht es auch bei "A Funeral Frost" zu. Einen Gang legt man dann bei "Triumph Of Cruelty" zu, der mit seinem Wechselspiel zwischen grimmiger Kälte, epischer Naturromantik, nächtlicher Poesie und misanthropischer Erhabenheit an die glorreichen alten Werke längst erloschener Sterne des nordischen Schwarzmetalls erinnert - ich sage nur GEHENNA's "Seen Through The Veils Of Darkness (The Second Spell)" oder DIMMU BORGIR's Klassiker "Stormblåst". Aber auch aktuelle Horden dieses Schlages wie etwa das deutsche Solo-Projekt PESTHEIM in der Schaffensperiode seit "Nocturnal Symphonies" können hier als Vergleich herangezogen werden. Die folgenden Lieder sind von etwa gleicher Stimmung und bieten gekonnte Mixturen aus melodischer Traumschwebe und alles vernichtenden höllischen Rhythmen. Eine Ausnahme bildet da noch "Emotions Of A Full Terror", der großartige instrumentale Passagen bietet. Von Spannungsbögen verstehen die Herren definitiv etwas.

Fazit:
COLD MIST haben mich mit ihrem Erstlings-Werk vollends in ihren Bann gezogen. Machten sich am Anfang doch noch die einen oder anderen Zweifel breit, so verflog dieser Eindruck doch relativ schnell, als mir das Album dann seine schwarze Essenz vollends offenbarte. Ein großartiges Werk, welches auf gekonnte Art und Weise stimmungsvolle melodische Atmosphären mit räudiger Misanthropie und kalter Finsternis verbindet. Gleichzeitig ist das gesamte Werk eine einzige Hommage an die stolzen Mid-90ies - und für die bin ich schließlich (fast) immer zu haben. Die CD erschien als Silberling im Jewelcase mit mehrseitigem Beiheft, welches alle Texte enthält, in einer Auflage von 1000 Exemplaren. Interessenten aus Deutschland wenden sich zwecks einer Bestellung am besten an Wolfmond Production, der noch ein paar Stück in seinem Mailorder haben sollte.

Eine tiefe Verneigung vor den Helden der Mitt-90er - dabei jedoch mehr als eine schlichte Kopie. Mehr als empfehlenswert!


Darbietungen:
01. From The Dark Hills Of The Past
02. Night And Mysteries
03. A Funeral Frost
04. Triumph Of Cruelty
05. Manuscripts From Beyond
06. Deadly Mist
07. Emotions Of A Full Terror
08. Old Domains
09. Fullmoon Tragedies

Laufzeit: ca. 41 Minuten




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen