Mittwoch, 22. November 2017

Review: Ökomisanthrop - I Deny (MC, Worship Tapes - 2017)

Aus dem Hause Worship Tapes stammt vorliegende Kassetten-EP. "I Deny" des deutschen Projekts ÖKOMISANTHROP bietet eine recht solide Mixtur aus Underground Black und Death Metal. Dabei handelt es sich bei der Person hinter dem Solo-Projekt keinesfalls um einen Unbekannten. Waheela dürfte dem einen oder anderen vielleicht bereits durch sein anderes alleiniges Projekt SIECHTUM bekannt sein, unter dessen Banner er vor noch nicht einmal so langer Zeit sein letztes Album "...durch die Augen einer gequälten Seele" veröffentlichte (eine Rezension zu diesem Werk lässt sich >>hier<< nachlesen)...




ÖKOMISANTHROP beschreitet musikalisch betrachtet einen etwas anderen Pfad, als Waheela es bei SIECHTUM macht. Während dort nämlich eher gequälte Klänge und eher depressive Grundstimmungen vorherrschen, zeigt man auf "I Deny" von Anfang Zähne. "Black Roots" beginnt stimmig mit einem kurzen Intro-Part, der, genügend Lautstärke natürlich vorausgesetzt, das Zeug dazu besitzt, dem Hörer eine wohlige Gänsehaut zu verpassen. Dann wird aber auch schon gnadenlos nach vorne geprescht und schnell wird klar: hier regiert der klassische Black/Death Metal. Brutal, kompromisslos, keine Gefangenen machend. Waheela versteht aber glücklicher Weise auch etwas von Spannungsbögen und atmosphärischem Aufbau (was er ja auch schon in der Vergangenheit gekonnt unter Beweis stellte) und so verläuft der erste Titel wie auch das gesamte Werk nicht in stupider Raserei, sondern offenbart dem Hörer auch einige morbide Details und Stimmungswechsel, die durch gezielte Tempowechsel erreicht werden. So hat das erste Stück Referenzen an alte MORBID ANGEL, während gerade "May I Rot In The Woods" in musikalischer Hinsicht klar auf alte MAYHEM oder MORBID (Rest in Pieces DEAD!) Bezug nimmt. Das ist vielleicht nichts Neues oder sonderlich originell und wird gerade die verwöhnte heutige Generation von Black Metal-Kiddies eher nicht hinter dem Ofen hervorlocken, verfehlt seine Wirkung aber nicht. An die von mir erwähnte Sparte von Parasiten richtet sich dieses Werk ohnehin nicht, und wenn ÖKOMISANTHROP für diese überhaupt Worte erübrigen würde, würde er ihnen wohl eher ein schmeichelhaftes "Fuck You All" ins Antlitz kotzen. Doch so wenig diese Musik sich auf eine Szene bezieht, die sich immer mehr gen Mainstream bewegt, so wenig ist sie für eine selbsternannte Elite gemacht. "I Deny" richtet sich, das macht der Titel ja unmissverständlich klar, gegen den Menschen an sich, gegen Weltanschauungen, gegen seine Religionen, seinen materiellen Konsum und entlarvt ihn als das, was er wirklich und letztendlich ist: ein parasitäres Geschwür, welches sich nach und nach, Stück für Stück selbst verzerrt und auf seinem Weg zum Untergang erbarmungslos alles mit sich reißt. Was auch das nächste Stück "Poison The Heavens" belegt, welches mit seinen neun Minuten Spielzeit nicht nur das längste ist, sondern auch einige weitere Details bereit hält. So gibt man sich vom Grundton her sehr Black 'n' Roll mit Death-lastigem Riffing, streut dann auch ein wenig Klargesang mit rein, der eine beinahe beschwörende Stimmung inne hat. Zum Ende hin betritt man dann sogar recht erhabene und beinahe schon als episch zu bezeichnende Ebenen. Der letzte Titel "Ökomisanthrop" präsentiert sich dann noch einmal wunderbar räudig und Hass erfüllt.

Fazit:
Was Waheela hier mit dem Erstling seines neuen Projekts präsentiert ist im Grunde genommen zwar vielleicht nicht gerade neu oder innovativ, dafür aber mehr als ehrlich und authentisch. Man spürt hier einfach, dass da jemand am Werk ist, der nicht nur über seinen Hass auf die Menschen und ihre Gesellschaftsformen singt, sondern diesen auch wirklich fühlt und dass dieser nicht nur aus einer Laune heraus entstand und weil es eben 'Trend' ist, anti zu sein, sondern dass er durchaus fundiert ist und von Überzeugung heraus gebildet wurde. "I deny" spiegelt damit genau das wider, was Waheela mit seinen Stimmungen aussagt und hält damit auch automatisch jedem Hörer einen Spiegel vor - in wie weit hat ein jeder seinen Hass nicht verdient?
Die Kassette ist auf 100 Exemplare limitiert, kommt in der üblichen Qualität mit Underground-Attitüde von Worship Tapes und kann über den Kontakt auf der Heimseite des Labels geordert werden, oder ihr fragt einmal direkt bei Waheela nach, ob er Exemplare hat.

Vielleicht kein perfektes Werk, aber ehrlich in seiner Präsentation und authentisch in seiner Aussage.


Darbietungen:
01. Black Roots
02. May I Rot In The Woods
03. Poison The Heavens
04. Ökomisanthrop

Laufzeit: ca. 27 Minuten



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