Montag, 4. September 2017

Review: Wintergeist - Frostnächte (CD, Eigenproduktion - 2015)

Nachdem die deutsche Horde WINTERGEIST ihr Debüt-Werk "Der schwere Weg", welches ich vor einer ganzen Weile bereits besprochen hatte (>>hier<< geht es zur Rezension), bin ich im Zuge der noch nicht so lange zurückliegenden Split-Veröffentlichung mit WEDARD (zu welcher ebenfalls noch eine Review erfolgen wird) über das bereits zweite Album der Horde aus dem Jahr 2015 gestolpert.





Neben der aktuellen Split fertigte die deutsche Schmiede Ewiges Eis aber auch eine bearbeitete Version von "Der schwere Weg" an, welche ebenfalls in diesem Jahr veröffentlicht wurde. "Frostnächte", so der Titel des neuesten Voll-Albums der Band entstand jedoch in kompletter Eigenregie. Im direkten Vergleich zu dem Debüt - ich habe es extra noch einmal hervor geholt - fällt zunächst einmal auf, dass sich das Klangbild doch etwas gewandelt hat. Die Produktion ist nicht mehr ganz so räudig und ein Quäntchen druckvoller, was gerade für die sehr atmosphärischen Züge von WINTERGEIST äußerst zuträglich ist. Am Gesang hat sich nicht viel geändert: dieser hat zuweilen immer noch sehr depressive Züge, verkommt aber niemals zu Kitsch oder einem jämmerlichen Geheule, sondern kotzt dem Publikum die volle Verachtung noch in die Fratze. Nach dem 3-minütigen instrumentalen Einklang, inklusive Akustikgitarren, Orgeln und atmosphärischem Ambient, schreiten die Herren auch gleich mit dem Titel gebenden Lied zur Tat und zeigen sich hier einerseits sehr bodenständig und räudig, weisen aber gleichzeitig auch sehr erhabene Sphären auf. Dass WINTERGEIST aber auch anders können, zeigen sie gleich beim nächsten Beitrag "Dyster Skogen" (etwa "Trostloser Wald" oder "Düst'rer Wald"), der zunächst ein paar Züge alter BURZUM annimmt, bis er sich in einen chaotischen und schnellen Black Metal wandelt, der stark von der alten nordischen Schule geprägt zu sein scheint. So scheint nicht nur der Count Grishnakh Pate gestanden zu haben, sondern auch Bands wie GORGOROTH. "Fjording" erweist sich dagegen wieder als sehr getragener und hymnischer Song, der die macht- und kraftvolle Natur, die hier thematisiert wird, sehr gut einfängt. Auch gibt es hier einige Tempo- und Stilwechsel zu entdecken, die die knappen sieben Minuten zu einer spirituellen Wanderschaft werden lassen. "Nebelland" fletscht dann wieder ordentlich die Lefzen, bereit seine Reißzähne in die Leiber der Unwissenden zu rammen und diese in Stücke zu zerfetzen. Ja, dieses Lied kommt wahrlich grimmig daher, lässt aber trotzdem nichts an Atmosphäre vermissen, was hier ein wenig an den Stil von DRENGSKAPUR oder RIMRUNA denken lässt. Den ruhigsten, aber auch kürzesten Song stellt dann "Im Gedenken" dar - eine kleine aber feine Darbietung und Ehrerbietung. "Ewiges Eis" ist dann eine von trister Epik getragene Hymne und auch wieder einige interessante Details offenbart und gegen Ende noch ein kleines Klavierspiel bereit hält. Das letzte wirkliche Lied gibt es mit "Im Wandel der Zeit", welches mit einer Spielzeit von über 10 Minuten aufwartet und auch noch einmal alles in sich vereint, was dieses Album ausmacht: Atmosphäre, Tristesse, melancholische Heide-Stimmung, grimmige Räudigkeit und erhabene Verachtung vor dem Menschsein. Es folgt noch ein instrumentaler Ausklang, der in vier Minuten wieder ein Zusammenspiel von Akustikgitarren und Orgelspiel vereint.

Fazit:
Auf den ersten Blick mag "Frostnächte" vielleicht keine Offenbarung sein, gar etwas unzugänglich erscheinen. Macht man sich jedoch die Mühe und nimmt sich die Zeit, sich eingehender mit der Musik von WINTERGEIST zu beschäftigen, wird schnell klar, dass hier keinesfalls Stümper am Werk sind. Dem Hörer werden immer wieder Details gebar, die er beim ersten Durchlauf vielleicht noch gar nicht wahrgenommen hatte. Dadurch kommt Langeweile hier eher selten auf, auch wenn das Album mir persönlich hier und da ein paar Längen aufweist. Macht aber nichts, da die positiven Aspekte hier doch deutlich überwiegen. Wer sich also für atmosphärischen Black Metal mit depressiven Zügen und ambienten Einschüben, der sich aber trotzdem noch äußerst räudig zeigt, erwärmen und begeistern kann, dem kann ich dieses Album nur ans schwarze Herz legen. Mich hat die Horde aus Stuttgart zumindest wieder in ihren Bann gezogen mit ihrem schwarzen Zauber. Die CD kommt in einem schicken Digipak und kann vereinzelt noch bei Ewiges Eis Records oder dem Methorn Mailorder (ist ja im Grunde genommen exakt dasselbe) bestellt werden.

So muss atmosphärischer Black Metal klingen. Trotz ein paar Längen ein sehr gutes Album aus dem deutschen Untergrund, welches jede Unterstützung verdient hat!


Darbietungen:
01. Einklang
02. Frostnächte
03. Dyster Skogen
04. Fjording
05. Nebelland
06. Im Gedenken
07. Ewiges Eis
08. Im Wandel der Zeit
09. Ausklang

Laufzeit: ca. 47 Minuten




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