Freitag, 11. August 2017

Vorab-Review: Hāg - In Traumschwebe erstarrt (CD, Wolfmond Productions - 2017)

Aus Österreich stammt die Truppe HĀG, welche nach zwei vorangegangenen Demo-Präsentationen nun bald ihr erstes Voll-Album veröffentlicht. Dies wird unter dem Banner von Wolfmond Production geschehen, welche das Album in überraschend aufwendiger Form auf CD veröffentlichen werden - doch dazu später mehr. Das Trio aus Wien kann bisher wie gesagt auf zwei Demos zurückblicken: "Ein nächtlich' Ritt" aus dem Jahr 2010 und ein selbst-betitelte Werk aus dem letzten Jahr, wobei das Letztgenannte zwei Lieder aus dem kommenden Album enthält - allerdings in einer anderen Form.


So beginnt das Werk auch gleich mit dem ersten Beitrag der beiden erwähnten Stücke: "Verhallende Schritte im Herbst". Wenn man hier den direkten Vergleich zur Demo heranzieht, wird einem schnell auffallen, dass die Aufnahme hier etwas hallender ist, was aber wirklich nicht zum Nachteil gereichen soll, denn fängt sie auf diese Weise von Anfang an genau das ein, was man mit dem Albumtitel assoziieren würde. Schlachttrommeln gleich erklingt das Schlagzeug, begleitet von rhythmischem Gitarrenspiel, welches sich im Verlauf wirklich sehr spielfreudig und abwechslungsreich zeigt, ohne aber überladen zu wirken. Dann ein Break. Akustische Gitarren treffen auf einen geflüsterten Klargesang, bevor es dann mit einer Verzerrung an der Gitarre erst so richtig losgeht. Der Sinn für rhythmische Atmosphäre wird beibehalten, der Gesang erschallt kreischend aus den Boxen und erinnert mich auf Anhieb an Horden Marke BROCKEN MOON oder AASKEREIA... nur dass sich die Österreicher eine Spur (wenn nicht zwei) musikalisch gehaltvoller präsentieren als die Deutschen. Das liegt vor allem an ihren Ideen und eingearbeiteten Details, immer mal wieder eingebaute Breaks, Tempowechsel oder auch die Solo-Parts im letzten Viertel. Und da ist es passiert: HĀG haben mich bereits mit ihrem ersten Lied komplett in ihren Bann gezogen. Ab jetzt kann es eigentlich nur noch schlechter werden, oder etwa nicht? "Im Fluss der Zeit" setzt quasi genau dort an, wo der letzte Song endete und geht gleich in die Vollen. Kurzer Break und ein instrumental Death Metal-lastiger Part setzt ein, danach geht's dann über in einen recht atmosphärischen Midtempo Black Metal, der auch hier und da mal einen Gang zulegt. Was hier allein in den ersten vier Minuten geschieht, ist einfach nur sehr erfreulich anzuhören, da die Band mit einer solch energischen und vitalen Kraft zu Werke schreitet und sich dermaßen unverbraucht präsentiert, dass es eine wahre Wonne ist. Unglaublich, dass dieser Song knappe 11 1/2 Minuten lang ist... eigentlich noch viel zu kurz. Denn auch hier lassen sich wieder sehr viele Details ausmachen, inklusive einem akustischen Zwischenspiel im letzten Viertel, welches dann noch einmal von rasantem Schwarzmetall abgelöst wird, bevor dieser kongeniale Beitrag endgültig sein Ende findet. Mit "Zyklus" folgt der wohl wildeste Beitrag des Albums und zeigt von Anfang an die Reißzähne. Hier ist vor allem das Schlagzeug zu erwähnen, dass sich wirklich ungezügelt präsentiert. Der sehr progressive, an die seligen 70er Jahre erinnernde Mittelteil ist einfach unbeschreiblich in seiner atmosphärischen Intensität. Der Beginn von "Gedankenflut" ist dagegen eher melancholischer und besinnlicher Natur, ist der akustische einleitende Teil aber erst einmal vorbei, erklingt eine im Midtempo gehaltene und sehr erhabene Black Metal-Hymne, mit vereinzelten Anleihen an den Blackgaze. Abermals zeigen sich hier die instrumentalen Fähigkeiten dieser Musiker und mit jeder gespielten Note scheint sich dem Hörer ein neues Universum aufzutun. Mit dem knapp 16-minütigen Titelsong schließt das Album schließlich ab. Bereits der Anfang zeigt die atmosphärischen Feinheiten und das Hymnenhafte dieses Liedes, welches noch einmal alle prägenden Momente der Musik HĀG's zu verbinden scheint. Atmosphärischer Black Metal trifft auf Folklore, trifft auf wilde Raserei und traumwandlerische Erhabenheit.

Fazit:
Was für ein Werk! Immer wenn man kurz glaubt, nichts mehr von wirklichem Belang aus unserem Nachbarland Österreich zu hören, kommt da so eine Band wie HĀG daher und gibt einem nicht nur diese Einsicht zurück, sondern auch den generell den Glauben an diese Musik. "In Traumschwebe erstarrt" präsentiert sich als sehr facettenreich und kombiniert viele einzelne Elemente zu einem Ganzen, welches ganz im Zeichen des Black Metal steht. Ihr Klangbild zeigt sich einerseits wirklich unverbraucht und erfrischend modern, und doch verleugnen die Mannen ihre Wurzeln nicht. Genau solche Horden wie HĀG und deren Alben sind es, denen die Zukunft gehört. Das Werk erscheint als auf 100 Exemplare limitierte Pro-CDr im Jewelcase und wird voraussichtlich in zwei Wochen über Wolfmond Production erhältlich sein. Es wird zudem ein 16-seitiges Beiheft mit Texten umfassen - eine Aufmachung, die für dieses Label schon recht aufwendig ist. Ich bin gespannt, wie das Endergebnis aussehen wird. Für eure Bestellungen haltet ihr am besten ab sofort die Augen offen und besucht regelmäßig den Mailorder von Wolfmond Production. Die Anschaffungskosten werden sich auf faire 7,- Euronnen belaufen. Bis dahin gibt es auf der offiziellen Bandcamp-Seite von HĀG sich beide Demos kostenlos herunterzuladen.

Ein finsteres Meisterwerk! Mir bleibt hier nichts anderes, als eine unbedingte Kaufempfehlung auszusprechen!


Darbietungen:
01. Verhallende Schritte im Herbst
02. Im Fluss der Zeit
03. Zyklus
04. Gedankenflut
05. In Traumschwebe erstarrt

Laufzeit: ca. 48 Minuten




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