Mittwoch, 2. August 2017

Review: Myling - Sotpuke (CD, Amor Fati Productions - 2017)

Mal wieder etwas aus Schweden. Hatte ich ja auch schon längere Zeit nicht mehr. Zur Abwechslung auch mal etwas völlig neues, was nichts mit Ancient Records, Mysticism, Sir N., Swartadauþuz oder deren zahllosen Projekten zu tun hat. Bei MYLING handelt es sich um ein Projekt von Orm (u.a. ORMGÅRD) und Käärmeenkieli (KIIRA). Nachdem das erste abendfüllende Demo-Werk der beiden Mannen erstmals im Jahre 2009 durch Scythe of Death auf Kassette veröffentlicht wurde, folgte 2013 eine Auflage auf Vinyl (Final Agony Records), bis schließlich das deutsche Label Amor Fati Anfang diesen Jahres eine CD-Version veröffentlichte...





Diese kommt im edlen und stabilen A5-Digipak daher und enthält neben der CD auch ein mehrseitiges Beiheft mit allen Texten, die wie die Titel auch komplett in Runenschrift abgedruckt wurden. Der Begriff MYLING geht auf alt-schwedische Märchen- und Sagenwelt zurück und beschreibt einen Wiedergänger oder den Geist eines toten, neu geborenen und noch nicht getauften Kindes. Dabei soll es sich um die Seelen dieser, meist von der Mutter ermordeten, Kinder handeln, die als ruhelose Rachegeister umherwandeln. Was den Titel des Werkes betrifft, so präsentiert sich dieser auch in mehrerlei Hinsicht interpretierbar. Letztlich ist es eine Hommage an Surtr, den Feuerriesen und Herrscher von Muspellsheim, der in der nordischen Götterwelt an Ragnarök die Welt in Flammen setzte und alles Leben auf ihr zum erlöschen brachte. Thematisch setzt man sich dementsprechend auch mit der dunklen Seite nord-germanischer Mythologie auseinander, genau wie mit alten Ritualen und lange vergessenem Wissen über Magie. Nach einem sehr stimmungsvollen und folklorischen Intro geht es auch gleich über in den ersten wirklichen Song. Und der verspricht von Anfang an eine Reise in die räudigen Gefilde des klassischen Pagan Black Metal. Da klingen dann sogar ein paar Mal alte GRAVELAND durch, vor allem wenn die Orgeln einsetzen, lässt sich dieser Vergleich im Zusammenspiel mit dem Schlagzeug eindeutig heraus hören. Aber das soll nun kein Vorwurf sein... "In the Glare..." ist wohl eines der prägendsten Alben in diesem Genre, was es jemals gegeben hat (und allen Kontroversen zum Trotz, ich liebe dieses Album einfach!). Aber ich schweife ab... schließlich hat auch der erste Titel bereits wesentlich mehr zu bieten, als bloßes Nachspielen von Kult-Werken. Die Band scheint dafür, dass es sich hier um ihre erste Demo-Präsentation handelt, ihren Stil sehr gut entwickelt, und ihm eine ganz eigene Note verpasst zu haben. So finden sich hier ebenso klare Gesangspassagen wieder wie auch chorale Anklänge. Das wird auch nahtlos bei "ᚾᚠᚵᚢᚿᚦᛆᚳᛌ·ᚩᛅᛚᛚ" fortgesetzt. Heidnische Stimmungen paaren sich gekonnt mit eingängiger und rauer, dennoch rhytmischer Black Metal-Musik. "ᛆᛚᚦᛒᛦᚳ" etwa dreht zur Mitte hin noch einmal ordentlich auf, bis wieder ein düsterer Midtempo-Part einsetzt, der mit unheilvollen Turmglocken unterlegt ist. Einem regelrechten wüteten Anfall gleicht "ᛆᚵᚵᛅ·ᛆᛐᛐᛆᚱᛌᛚᚽᚴ", mal abgesehen vom folgenden Outro leider auch schon der letzte Beitrag dieser grandiosen Veröffentlichung.

Fazit:
Kaum zu glauben, dass ich erst jetzt, wo eine deutsche Schmiede die CD-Version dieses Demos veröffentlicht hat, auf diese Horde aufmerksam geworden bin. Naja, besser spät als nie, wie man so schön sagt. Für das von mir favorisierte Format Vinyl scheint es aber schon reichlich zu spät zu sein, finde ich doch keinen Mailorder mehr, der die LP noch im Distro führen würde - jedenfalls nicht in Europa. Im Netz wird sie zwar noch vereinzelt angeboten, aber die Preise sind teilweise ein echter Witz. Da bleibe ich doch vorerst bei meiner wirklich sehr schicken CD im A5-Digibook. Über eine Limitierung ist mir nichts bekannt. Für 15,- Euronnen gibt es das gute Stück direkt bei Amor Fati Productions, aber auch solche Underground-Labels wie Sol Records haben das Teil im Distro.

Grim Swedish Folk Black Metal. Raw, cold and mystical Art!


Darbietungen:
01. ᛐᚱᚽᛚᛚᚦᚽᛘ (Intro)
02. ᛘᛁᚦᚳᛅᛐᛐᛌᛒᛚᚽᛐ
03. ᚾᚠᚵᚢᚿᚦᛆᚳᛌ·ᚩᛅᛚᛚ
04. ᛆᛚᚦᛒᛦᚳ
05. ᛆᚵᚵᛅ·ᛆᛐᛐᛆᚱᛌᛚᚽᚴ
06. ᚬᚦᛆᚱᛚᚬᛐᚳᛁᚳᚵ (Outro)

Laufzeit: ca. 30 Minuten




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