Freitag, 21. Juli 2017

Review: Ius Talionis - Saligia (CD, Eigenproduktion - 2017)

Im Mai diesen Jahres veröffentlichte die mir bis dato vollkommen unbekannte deutsche Horde mit Sitz in Aachen (ist ja noch gar nicht einmal so weit weg - immer wieder schön zu sehen, dass sich im Raum NRW etwas tut) ihr Debüt-Album. Diesem voran ging bereits eine Demo-Präsentation mit Namen "Eleutheromania" aus dem Jahr 2014, was so viel wie bedeutet wie "Das Verlangen nach Freiheit" und damit das Streben nach Wissen und Erleuchtung symbolisiert, durch das Ablegen irdischer Dogmen und das Zersprengen der Ketten der kirchlichen Glaubenslehre, somit steht Luzifer dort als das Sinnbild absoluter Freiheit.



Ähnlich theologisch angehaucht zeigt sich auch das erste Voll-Album der fünf Herren. Thematisch geht es um die sieben Hauptlaster der Menschheit, oder anders gesprochen: um die sieben Todsünden. Dabei ist jedes Lied einem Laster gewidmet. So erschließt sich denn auch der Album-Titel: SALIGIA war ein im Mittelalter verbreitetes Akronym für die sieben Todsünden und setzte sich aus den jeweiligen Anfangsbuchstaben der lateinischen Wörter zusammen. Interessanter Fakt: die Songs sind ebenfalls in dieser Reihenfolge aufgebaut und dargeboten. "Auge um Auge" widmet sich Superbia, dem Hochmut. Die Gitarren zeigen sich hier bereits recht rhythmisch und melodisch, was sich im weiteren Verlauf noch als ein eindeutiges Merkmal von IUS TALIONIS erweisen wird. Der Gesang ist kalt und gleicht einer Kampfansage an die Verkommenheit kirchlicher Werte, die zumeist verlogener nicht sein könnten - wütend und reißend präsentieren sich dann auch die Instrumente und so ist bereits das erste Stück eine Hymne für sich. Gleichzeitig stellt der Text bei genauer Betrachtung auch eine klare Ode an sich selbst dar, wird doch genau das besungen, wofür man steht: die Ius Talionis, was ja auch ruhig als Hochmut interpretiert werden darf. Damit wäre auch gleich einmal klar gestellt: bei IUS TALIONIS handelt es sich um Sünder, und sie sündigen liebend gern. "Tanz um das goldene Kalb" behandelt Avaritia, den Geiz. Neben dem ersten Lied, welches ebenfalls im Vorfeld als Song-Video veröffentlicht wurde, existiert auch ein Video zu diesem Song, was die Stimmung gekonnt einfängt. Auch hier stechen die Gitarren wieder klar hervor, was in einem melodischen Solo gipfelt. "Babylon" präsentiert sich da zu Beginn etwas ritueller und im weiteren Verlauf auch etwas direkter, räudiger und eingängiger. Ganz wie es die Vorlage Luxuria, die Wollust verlangt zeigen sich die Instrumente hier in einem rhythmischen Midempo, welches aber auch schnellere Gangarten nicht scheut, wofür insbesondere das stürmische und alles zermalmende Schlagzeug verantwortlich zeichnet, und auch hier kommt gegen Ende abermals die sehr melodische Arbeit an der Gitarre zum tragen. Den jedoch mit Abstand aggressivsten stellt der Beitrag zu Ira, dem Zorn dar. "Früchte des Zorns" gibt sich von Anfang an wütend, kalt und hasserfüllt. Der Gesang scheint nichts als Verachtung zu empfinden, die Gitarren sind tief, schnell und verzerrt - ohne jedoch etwas an ihrer niveauvollen Spielart einzubüßen. Hymnenhaft geht es dann weiter mit "Gärten des Dionysos", welches sich ausschließlich Gula, der Völlerei widmet. Dionysos scheint mir da als Sinnbild doch recht passend - die alten Griechen und Römer wussten halt schon immer am besten, wie man feiert. Mit "Elohim, El-Qanna" (Invidia, der Neid) wird es dann noch einmal recht erhaben, wenngleich meiner Meinung nach auch ein wenig Melancholie in den Instrumenten mitschwingt. Den Abschluss macht "Herzstillstand", mit welchem Acedia, die Trägheit des Herzens besungen wird. Passend zur Thematik des Titels und des Textes an sich, gibt man sich hier etwas zurückhaltender, was die Geschwindigkeit angeht und schafft so eine fast schon hypnotische monoton-triste Stimmung, die allerdings nichts mit DSBM zu tun hat. Durch weitere Details wie stimmungsvoll gesetzte Breaks und Tempowechsel sorgt man schließlich auch dafür, dass diese melancholische Hymne einen mehr als würdigen letzten Beitrag zu diesem großartigen Album darstellt. Das Klavier am Ende ist übrigens von der Band selbst eingespielt und kein Sample, wie man es ja so häufig vorfindet.

Fazit:
Ja, was bleibt einem da noch zu sagen? Es gibt einfach diese Bands und Alben, die schon eine Weile existieren, auf die man dann aber letztlich nur durch glückliche Zufälle stößt. IUS TALIONIS haben mit ihrem Debüt "Saligia" nicht nur in konzeptioneller Hinsicht etwas episches erschaffen, sondern auch ihre Musik ist alles andere als Standard-Kost, was sie erfrischend vom Einheitsbrei abhebt und für mich zu einer der besten nationalen Newcomer-Bands der letzten Jahre auszeichnet. Ihr Album deckt eine Bandbreite an Stimmungen und Emotionen ab und weist dabei ein sehr eigenständiges und für Underground Black Metal gar recht mutiges Klangbild auf. Die Produktion erweist sich als kernig und authentisch, aber alles andere als schlecht - jedoch auch nicht zu blank geputzt. Kurzum: für ein Werk, welches komplett in Eigenregie entstanden ist, gebührt diesem und der Band, die es erschaffen hat, der allergrößte Respekt! "Saligia" erschien am 20. Mai als edles Digipak mit mehrseitigem Beiheft, welches alle Texte sowie Fotos und Illustrationen enthält, welche wie auch das gesamte Artwork aus der Feder von Osculum Infame Artworks stammen. Die CD kann über die Bandcamp-Seite von IUS TALIONIS bezogen werden. Dort gibt es auch die Demo in digitaler Form zum freien Download, sowie ein schickes Shirt.

Mehr als nur empfehlenswertes Album aus dem deutschen Untergrund. Für jeden, der von seinem Black Metal mehr erwartet, als die übliche Standard-Kost!


Darbietungen:
01. Auge um Auge
02. Tanz um das goldene Kalb
03. Babylon
04. Früchte des Zorns
05. Gärten des Dionysos
06. Elohim, El-Qanna
07. Herzstillstand

Laufzeit: ca. 44 Minuten




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