Mittwoch, 7. Juni 2017

Review: Zeit - Konvergenz (Digitales Album, Eigenproduktion - 2017)

ZEIT ist eine dreiköpfige Band aus Leipzig, die sich avantgardistischen Black Metal und sich im Jahr 2010 gründete. Seitdem erschienen eine selbst-betitelte Demo (2013) und die drei EPs "Wintersturm" (2013), "Trümmer" (2015) und "Gram" aus dem letzten Jahr. Mit den vergangenen Werken habe ich mich allerdings nie eingehender mit beschäftigt, um ehrlich zu sein, weshalb ich nun auf Anhieb auch keinen Vergleich zu dem hier vorliegenden Debüt-Album wage.





Die Umschreibung 'Avantgarde Black Metal' kann bekanntlich so vieles umfassen. Vom traditionsbewussten Hass-Gekeife bis hin zum totalen Stilbruch und Grenzen einreißen. Im Falle des deutschen Trios macht sich das Avantgardistische in ihrem Stil aber eher dadurch bemerkbar, dass sie neben dem Black Metal noch sehr viele andere Einflüsse in ihrer Musik verarbeiten, um daraus dann etwas ganz Eigenes und ich möchte fast sagen, Einzigartiges zu machen. Ja, es stimmt schon: es gibt nicht gerade viele Bands, die so klingen wie ZEIT, was ihnen von vorneherein eine sehr markante Note verleiht und einen deutlichen Wiedererkennungswert gibt. "Verzerrt", der erste Beitrag auf "Konvergenz" (soviel wie Vereinheitlichung, Zusammenführung... verdammt, wieso muss ich bei diesem Wort immer nur wieder an "Dead Space" denken!? Make us whole... - Anm.) macht dann auch direkt deutlich, wohin die Reise geht - räudige und rhythmische Black Metal-Klänge Marke INQUISITION treffen hier auf Doom, mit etwas Drone und einem matschigen Sludge-Sound. Gerade in den Gitarren, teils aber auch im Spiel des Schlagzeugs ist der Einfluss der genannten Band aus Amerika deutlich hörbar, was aber in keinster Weise negativ zu werten ist. "Rand" präsentiert sich dann etwas eingängiger und bietet zunächst einmal sehr straighten Black Metal, der irgendwo im Upper Midtempo angesiedelt ist. Grandios wird der Song erst durch seinen Break in der Mitte, dem ein ausgedehnter instrumentaler Solo-Part folgt, bis es dann wieder in den anfänglichen Stil übergeht und zum Ende hin mit einem erneuten Solo-Part abgeschlossen wird. Mit "Nichts" zelebriert man das wohl doomigste Stück des Albums bis dahin, was schon allein der Beginn zeigt, der mich an Sachen wie SAINT VITUS erinnert. Danach geht der Song in einen rasanten Black Metal über, der eine gewisse Punk-Attitüde nicht verbergen kann und auch in textlicher Hinsicht ist "Nichts" wohl eine klare Aussprache gegen Extremismus im Allgemeinen: "Wir sind nichts - niemand ist besonders!" ... stark. Doomig wird es auch bei "Trüb" - der beinahe schon leicht epische Doom Metal am Anfang wird bald durch langsameren gespielten Black Metal abgelöst, der dann aber immer mal an Fahrt zunimmt, bis zum Ende hin doch wieder Death/Doom-Gitarren erklingen und in ihrer Intensität an ASPHYX' Klassiker "The Rack" denken lassen. Geil! Als schnellster Song entpuppt sich "Weiter", in welchem zwar jetzt auch nicht in einer Tour gemetzelt wird, aber der doch schon recht rasant zelebriert wird. Aber auch hier finden sich wieder gezielte Breaks und Tempowechsel. Dagegen präsentiert sich "Kalt" schon beinahe melancholisch, was vor allem die letzte Hälfte zur Gänze zeigt. Mit "Boden" wird es anfangs wieder doomig und auch im Verlauf blitzt dieser Stil immer wieder durch. Schließlich stellt "Latenz" einen krönenden Abschluss dar und präsentiert sich als sehr getragen-erhabener Song mit Hymnen-Charakter, der noch einmal alles in sich vereint, was das Album an Stilen ausmacht.

Fazit:
Schon länger habe ich keine solch' interessante Veröffentlichung mehr gehört, die so viele Stile mit einander verbindet und dazu trotzdem noch in sich schlüssig und einfach rund klingt. "Konvergenz" ist ein Ausnahme-Album, an dessen Stil so manche Band auch gescheitert wäre. Nicht jeder ist dazu in der Lage, einen derart eigenwilligen/-sinnigen Stil authentisch zu zelebrieren. ZEIT meistern dies jedoch mühelos und zeigen, dass Black Metal nicht zwangsweise abgedroschen und veraltet klingen muss, sondern durchaus auch frisch und modern, um eine authentische Stimmung zu erzeugen. Neben der digitalen Version des Albums, welcher diese Rezension zugrunde liegt, gibt es das Album noch auf einer CD im Digipak (10,- Euronnen) und auch auf Kassette (limitiert auf 25 Stück, 7,- Euronnen) hat es das Werk geschafft. Alle Formate sind in Eigenregie entstanden und sind über die offizielle Bandcamp-Präsenz von ZEIT zu beziehen.

Edit 19.06.17: inzwischen hat mich das Werk auch auf CD und MC erreicht. Die CD kommt in einem schicken Digipak mit einem mehrseitigen Beiheft, welches alle Texte enthält. Die Kassette kommt in einem aquamarin-farbenem Case daher, ist grau und wohl lackiert oder direkt bedruckt, so genau vermag ich das nicht zu sagen. Desweiteren enthält das Tape eine Karte mit einem Code zum Download des kompletten Albums, so dass man auch die Möglichkeit erhält, sich "Konvergenz" digital anzueignen. Das Tape ist dabei auf 25 Exemplare limitiert, leider nicht sichtbar. Dazu gesellten sich bei mir dann noch ein paar Logo-Sticker und edle Untersetzer, die ich für die nächsten Gläser Wein sicherlich weislich anwenden werde.

Black Sludge Doom Metal - mit einem Wort: Genial! Unbedingte Empfehlung!


Darbietungen:
01. Verzerrt
02. Rand
03. Nichts
04. Trüb
05. Weiter
06. Kalt
07. Boden
08. Latenz

Laufzeit: ca. 40 Minuten




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