Dienstag, 27. Juni 2017

Review: Dauþuz - In finstrer Teufe (CD, Stunde des Ideals Produktionen - 2016)

Das Duo DAUÞUZ stellt ein gemeinsames Projekt zwischen den beiden Protagonisten Grimwald aka Syderyth G. und Semgoroth aka Aragonyth S. dar. Beide sind zusammen auch in SCHATTENTHRON aktiv, deren aktuelles Werk "Qwell der Verderbniß" ich auch erst kürzlich besprochen habe (lässt sich >>hier<< finden. Das erste Erzeugnis von DAUÞUZ hört auf den Namen "In finstrer Teufe" und erschien bereits im letzten Jahr, ist bisher aber irgendwie an mir vorübergezogen. Für die Veröffentlichung verantwortlich zeichnet sich die Schmiede Stunde des Ideals...




Grimwald, der wohl am ehesten für sein Treiben mit WINTARNAHT bekannt ist, übernimmt hier den Gesang und zeichnet für die Akustikgitarren, die vor allem bei den instrumentalen Zwischenspielen und beim Ausklang zum tragen kommen, sowie für die textliche Konzeption verantwortlich. Die weiteren Instrumente steuert Semgoroth (von u.a. SEELENFROST) bei. Apropos textliches Konzept... das Album befasst sich in seiner Gesamtheit mit dem Thema Bergbau und im einzelnen mit den Schicksalen der Untertage-Löhner des 17./18. Jahrhunderts. Für jemanden wie mich aus dem Ruhrgebiet, in welchem die Geschichte des Untertagebaus nun noch bis in die jüngere Vergangenheit reichte (die letzte fördernde Zeche in Dortmund, Minister Stein, schloss erst 1987 ihre Pforten). Natürlich kann man die Verhältnisse kaum vergleichen, denn liest man die Texte und beschäftigt sich auch nur einmal kurz etwas eingehender mit der Thematik, so wird man schnell erkennen, dass gerade in dieser frühen Periode des Bergbaus es die Leute wahrlich nicht einfach hatten: die Arbeit muss sie an den Rand ihrer körperlichen Kräfte getrieben haben, schwere chronische Krankheiten waren nur allzu oft die Folge eines arbeitsreichen Lebens, Sonnenlicht kannten die Arbeiter gerade in den Wintermonaten nicht, und der Tod konnte sich in den Tiefen eines Bergbaus überall verstecken und die Stollen waren nicht selten äußerst instabil und einsturzgefährdet. Auch solch eine Thematik ist nun im deutschen Black Metal nichts mehr wirklich Neues, auch Gruppen wie HEIMDALLS WACHT nahmen sich dieser bereits vereinzelt und im regional bezogenen Bereich an. In dem Ausmaß, wie sich nun aber DAUÞUZ der Sache annehmen, habe ich das im deutschen Underground noch nicht erlebt. Die Texte orientieren sich an historischen Schreibweisen, an alter Grammatik und Satzbauten, was einige vielleicht verwirren oder gar missfallen dürfte (da habe ich ja bereits im letzten SCHATTENTHRON Review meinen Senf dazu gegeben). Aber auch für jene, die nicht in der Materie drin sind oder sich nicht so gut auskennen, wird Abhilfe in Form von erklärenden Fußnoten gegeben, was mich um ehrlich zu sein, im ersten Moment an die alten Asterix-Comics erinnerte (nichts für ungut). In musikalischer Hinsicht lässt man sich ebenfalls nicht lumpen und präsentiert sich als äußerst geradlinige Schwarzmetall-Kapelle, ohne viel drum herum. Die feinen Details fallen dann wohl auch erst im Nachhinein beim erneuten Durchlauf so wirklich auf: bereits der erste Beitrag "Feuersetzen" besitzt eine düstere und drückende Atmosphäre und hat gleichzeitig getragene und epische Züge, die vor allem der druckvollen Produktion und dem treibenden Schlagzeug zuzurechnen sind, auch die eingesetzten Passagen mit Chor tun ihr übriges dazu. Schon hier zeigt sich auch der Gesang von Syderyth G. als äußerst facettenreich und bietet von grimmiger Kälte hin zu von Melancholie geschwängerter Nostalgie so ziemlich alles, was den Liebhaber deutschen Black Metal Untergrund erfreuen dürfte. Im Laufe des Albums sind sogar vereinzelte Klargesangs- und Sprechgesangs-Passagen zu vernehmen. Diese Elemente tauchen dann auch immer wieder mal auf, dabei sind die Lieder allesamt sehr individuell gehalten und wissen zu überzeugen und zu faszinieren. Ich möchte hier jedoch trotzdem noch das Lied "Böse Wetter" gesondert hervorheben, welches den Hörer von Anfang an fesselt und mit seiner durch und durch düsteren Atmosphäre zu überzeugen weiß. Eben hier finden auch erwähnte Passage mit Klargesang ihren Einsatz. Der Gesang nimmt dabei immer panischere, wahnsinnigere und hysterischere Züge an, womit wohl genau die Stimmung erzeugt wird, die der Text beschreibt.

Fazit:
"In finstrer Teufe" bedeutet so viel wie "In finsterer Tiefe" und gibt mit diesem Titel auch gleich genau das wider, was dieses Werk ausmacht. Gewidmet dem Andenken all jener verlorener Seelen, die ihre Leben in den dunkelsten Tiefen des Bergbaus verloren. Dass die beiden Mannen einen Hang zum Historischen haben, haben sie ja bereits mit SCHATTENTHRON, WINTARNAHT oder auch SEELENFROST bewiesen, doch ist es bei DAUÞUZ eher eine Geschichte, die auf Tatsachen aufbaut und weniger auf Legenden, Mythen, Märchen und Sagen. Erhältlich ist die auf 440 Exemplare limitierte CD im normalen Jewelcase (es gab auch eine auf 60 Stück limitierte Digibook Version, die allerdings bereits restlos weg ist) weiterhin über die Band und das Label. Da S.d.I. keinen direkten Mailorder haben, empfiehlt sich eine Bestellung direkt bei DAUÞUZ, welche das Album für äußerst faire 9,- Euronnen anbieten. Dieses Jahr veröffentlichte das kleine Kassetten-Label Nebular Winter aus Griechenland auch eine Kassetten-Auflage des Albums in einer Auflage von 150 Stück. Kleine Notiz am Rande: das Duo hat inzwischen für ein nächstes Album bei Naturmacht Productions unterzeichnet. Großartig!

In mehrerlei Hinsicht ein Ausnahme-Album. DAUÞUZ präsentieren sich sowohl in instrumentaler als auch in lyrischer Hinsicht höchst emotional und fernab irgendwelcher Klischees und selbst gesteckter Grenzen. Mächtiges Machwerk, welches ich ohne Einschränkungen empfehlen kann!


Darbietungen:
01. Feuersetzen
02. Grubenfall 1727
03. Kobaltglanz
04. Alter Mann
05. Der Bergjunge
06. Der unsichtbare Tod
07. Pechblende
08. In finstrer Teufe
09. Böse Wetter
10. Roteisenstein

Laufzeit: ca. 49 Minuten




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