Montag, 29. Mai 2017

Review: Nargaroth - Era of Threnody (CD, Inter Arma Productions - 2017)

Neues aus dem Hause NARGAROTH... ganze sechs Jahre sind seit dem letzten Erzeugnis unter dem Banner der Band, "Spectral Visions of Mental Warfare" - eine Zusammenarbeit mit NYCHTS, ins Land gezogen. Damals noch unter der Flagge von No Colours Records. Inzwischen hat sich auch dieser Umstand geändert. "Era of Threnody" stellt das erste Voll-Album dar, welches über das eigene Label Inter Arma veröffentlicht wurde (die Re-Releases der bisherigen NARGAROTH-Diskographie zähle ich jetzt mal nicht mit). Was darf man von der Ära der Klagelieder nun erwarten?




Nach dem nicht nur etwas ungewöhnlichen und für viele sicherlich auch enttäuschenden Ergebnisses des 2011'er Albums (ja, auch ich gehörte zu jenen, die von "Spectral Visions of Mental Warfare" einfach etwas anderes erwartet hatten), ist diese Frage natürlich mehr als berechtigt. Das Album wird durch ein Sample eingeleitet, welches einen Monolog aus dem Streifen "Space Station 76" darstellt. Im Kontext ist es durchaus passend, wenn man die Geschichte der Band kennt und es bereitet den Hörer auch auf das vor, was nun folgt. "Dawn of Epiphany" wandelt sich nach einem kurzen Instrumental mit süd-amerikanischem Flair schnell in einen sehr melancholischen, aber erhabenen Black Metal-Song. Da kommt direkt wieder ein gewisses Flair auf, und gibt im Grundton auch das wider, wofür die Band seit der "Semper Fidelis" steht. Dem Ausdruck von Gefühlen und einen Umbruch in der Musik. Es stimmt vielleicht, dass NARGAROTH niemals mehr so klingen wird, wie zu alten "Herbstleyd"- und "Black Metal ist Krieg"-Zeiten... aber ganz ehrlich - braucht das jemand? Ein zweites "Herbstleyd" oder ein zweites "Black Metal ist Krieg"? Nein, mit Sicherheit nicht. Bands, die stagnieren und sich ständig selbst wiederholen, braucht niemand. Mit Flamenco-artigen Gitarren endet der erste Beitrag dann auch so wie er begann. "Whither Goest Thou" jetzt den beinahe epischen Black Metal-Part seines Vorgängers nahtlos fort. Eine melancholische Hymne, die mit schwermütigen Chor-Einsätzen aufwartet und zur Mitte hin einen akustischen Break nebst geflüstertem Klargesang bietet. Der folgende "Conjuction Underneath The Alpha Wheel" beginnt mit Dark Ambient, geht dann aber in einen Schwarzmetall über, der nun auch mal gerne ein paar Gänge höher schaltet, aber trotzdem nichts an Atmosphäre oder seiner Hymnenhaftigkeit einbüßt. Ein Umstand, den der Song vor allem dem Break zur Mitte hin und den epischen Gitarren verdankt. Die Chöre tun dann noch ihr übriges dazu. Black Metal mit süd-amerikanischem Flair bietet dann wieder "...as Orphans Drifting in a Desert Night". Das Konzept 'Schwarzmetall trifft auf Flamenco' geht hier aber nicht so sonderlich gut auf, wie es noch beim Opener der Fall war, da mir der eingeworfene Mittelteil doch etwas zu sehr aufgezwungen wird (nach dem Motto 'wir wollen das jetzt unbedingt machen, auch wenn es nicht passt'). "The Agony of a Dying Phoenix" zeigt sich dann aber wieder in bewährter Manier und erinnert in seiner Gesamtheit an die schnellen Momente des "Jahreszeiten"-Albums. "Epicedium to a Broken Dream" erweist sich dann als schwermütiger und melancholischer Song, dessen Stil sich in seichten Midtempo bewegt, und traurigen weiblichen Gesang bietet. Der Tiefpunkt folgt dann mit "Love is a Dog from Hell". Mit Abstand der aggressivste Beitrag auf "Era of Threnody", aber wirkt er in musikalischer Hinsicht an manchen Stellen auch sehr unbeholfen und allgemein versprüht er eher einen Hauch von Black 'n' Roll Mainstream Marke SATYRICON, als ehrliche BM-Musik, gleiches gilt leider auch für "TXFO". Da kann auch die erhoffte Titel-gebende Hymne nichts mehr reißen, die noch einmal die besten Momente dieses doch recht eigenwilligen Werkes zusammenfügt. Das letzte Lied könnte sogar noch einmal an Hommage an vergangene Zeiten gewertet werden, weißt es doch Parallelen zu dem Stil des "Geliebte des Regens" auf.

Fazit:
Lange Rezension, was hier unter'm Strich allerdings bleibt, ist die Erkenntnis, dass "Era of Threnody" einmal mehr ein sehr eigenwilliges, und damit auch für NARGAROTH typisches Werk geworden ist. Dass der Herr Ash seit der Veröffentlichung von "Semper Fidelis" damit regelmäßig Leuten vor den Kopf stößt, nimmt er ohne weiteres in Kauf. Nicht nur einmal hat er ja verlauten lassen, dass ihm diese 'Szene' nichts bedeutet. "Era of Threnody" ist ein vielfach gefächertes Album geworden, welches ohne Zweifel großartig hätte werden können, wenn es da nicht so manches Lied gäbe, welches den positiven Gesamteindruck nach unten drückt. So bietet das Album neben den ersten drei grandiosen Liedern einige Aspekte, die einfach unausgegoren und zu aufgesetzt wirken und bekommt zum Ende hin noch einen üblen Mainstream-Touch, der einfach nicht zur Gesamtatmosphäre passt und in meinen Augen leider vieles kaputt macht. Das Album erschien neben CD im Jewelcase auch auf DLP, welche noch eine alternative Aufnahme von "My Eternal Grief, Anguish Neverending" beinhaltet. Inter Arma besitzt leider keinen eigenen Mailorder, den offiziellen Vertrieb übernimmt W.T.C Productions - aber auch beim Underground-Dealer eures Vertrauens werdet ihr sicherlich fündig werden.

Ein Werk, welches das Potential besitzt, etwas wirklich Großartiges zu werden. Auf Grund einiger negativen Aspekte letztlich aber leider nur gehobener Durchschnitt.


Darbietungen:
01. Dawn of Epiphany
02. Whither Goest Thou
03. Conjuction Underneath The Alpha Wheel
04. ...as Orphans Drifting in a Desert Night
05. The Agony of a Dying Phoenix
06. Epicedium to a Broken Dream
07. Love is a Dog from Hell
08. Era of Threnody
09. TXFO
10. My Eternal Grief, Anguish Neverending

Laufzeit: ca. 64 Minuten




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