Freitag, 31. März 2017

Review: Pestheim - Winterstille im Morgengrauen (CD, Eigenproduktion - 2017)

Herr M.H. Frost von PESTHEIM lässt dieses Jahr auch wieder von sich hören. Nach der letztjährigen CD-EP "The Darkness Shall Be Eternal", welche wie der Vorgänger unter dem Banner von Wolfmond Production veröffentlicht wurde, hat sich die Band in Persona Frost dazu entschieden, das aktuelle Album wieder in Eigenregie zu fertigen. Und, was soll man sagen: es sieht prachtvoll aus.





Mit seinem Band-Projekt ist Frost nun bereits annähernd zehn Jahre im Untergrund aktiv. PESTHEIM ging dabei aus der Asche von VALGAR hervor. Der gute Mann treibt sein Unwesen also auch schon wesentlich länger in den Untiefen der 'Szene'. Unter dem Banner seines aktuellen Steckenpferdes (er ist bzw. war nebenbei auch noch in den Projekten OLD SKULL (inzwischen aufgelöst) und MODGUDR involviert, deren Zukunft aber jeweils ungewiss scheint) erschienen bisher vier Voll-Alben (fünf, wenn man einen aus heutiger Sicht nicht mehr nennenswerten Release mitzählt), eine beachtliche Zahl an EPs und Tribut-Alben, eine Demo, sowie ein Video und zwei Best-Ofs. Nun wurde kürzlich das neue Werk "Winterstille im Morgengrauen" veröffentlicht, welches in einem schlichten, aber wirklich schön gestaltetem Digipak daherkommt und neun Lieder, sowie einen Ein- und Ausklang enthält. Was gleich nach dem Intro auffällt: "Winter Dream" erschallt ziemlich räudig aus den Boxen und gibt damit auch schon einmal die Marschrichtung für das gesamte Album vor. Denn im Gegensatz zum direkten Vorgänger "Nocturnal Symphonies" äußert sich der Aspekt des atmosphärischen Schwarzmetalls, wie Frost seinen Stil ja selbst beschreibt, nicht in dem Einsatz überbordender Keyboard-Teppiche, sondern setzt vielmehr auf Minimalismus und Ursprünglichkeit. Wo das letzte Album noch deutliche Parallelen zu den späten Mitt-90er aufwies und auch gerade Einflüsse von Bands wie GEHENNA erkennen lies, wird hier ein Black Metal geboten, der sich eher an die frühen Mitt-90er orientiert und an alte Sachen von CARPATHIAN FOREST oder GORGOROTH denken lässt. Die Instrumente bewegen sich dabei zumeist im schnelleren Midtempo, was dem Ganzen eine sehr hymnische Atmosphäre gibt (das kommt vor allem in solchen Liedern wie "Hymns from the Majestic Nature" zum Ausdruck), genau wie der facettenreiche Gesang, der von gekeiften Hass-Triaden bis zum düsteren Klargesang reicht ("The Spirit of Transylvania"). Was die Musik zusätzlich aufwertet, und was ja sozusagen seit der "In the Mysterious Depths of the Forest" zu einem Markenzeichen der Ein-Mann-Horde geworden ist, ist der Einsatz von Gitarren-Soli, die sehr Heavy Metal und sehr Thrash Metal beeinflusst daherkommen. Ein Aspekt des Albums, der aber nicht zum Erbrechen bei jedem Song ausgereizt wird und auch eher bei den schnelleren Liedern wie dem Titelstück (welches zum Schluss auch ein sehr harmonisches Flötenspiel enthält!) Verwendung findet. Ein paar melancholische bis depressive Ansätze lassen sich zudem auch ausmachen wie bei "The Last Chapter" (hört euch den instrumentalen Teil am Anfang an... Musik, die blutet!). Heidnische Nuancen lassen sich bei "Unseren Ahnen" ausmachen, und auf einen Song ganz im Stile des letzten Albums wurde auch nicht verzichtet. So ist "Auf des Raben Schwingen" eine einzige Hommage an sich selbst und die großen Werke von längst dem Kommerz anheim gefallenen Helden der Glanzzeit des nordischen Schwarzmetalls. Inklusive massig Keyboard-Einsatz, welcher jedoch zu keiner Sekunde aufgesetzt wirkt. Ein interessanter Fakt zum Schluss: aufmerksamen Beobachtern wird nicht entgangen sein, dass die erste Hälfte des Albums in englischer Sprache gehalten ist, während die zweite Hälfte komplett in deutsch verfasst wurde, weshalb es auch einmal eine "Introduction" und einen "Ausklang" gibt. Interessant ist dabei auch, dass der erste wirklich Song des Albums "Winter Dream" gleichzeitig auch das letzte eigentliche Lied der Scheibe ist, dort dann nur mit deutschem Text, was dem Ganzen den Eindruck eines Kreises gibt, der sich mit fortschreitender Spielzeit letztlich schließt und das Werk noch ein wenig runder wirken lässt.

Fazit:
Insgesamt betrachtet ist "Winterstille im Morgengrauen" ein Album, mit welchem man nach "Nocturnal Symphonies" in dieser Art wohl eher nicht gerechnet hat. Aber gerade das macht es interessant und reizvoll. PESTHEIM war auch schon immer ein Projekt, bei dem man sich immer wieder auf Änderungen einstellen musste. Sein es die exzessiven Gitarrensoli auf "In the Mysterious Depths of the Forest", die Keyboards in "Nocturnal Symphonies" oder die Tribute an Bands wie RUNNING WILD... M.H. Frost hat sich nie wirklich lange auf einem Album und dessen Stil ausgeruht, sondern hat seinen Stil immer um kleinere Facetten weiterentwickelt und ausgebaut, was ich an PESTHEIM sehr schätze. Stilistisch ist das aktuelle Werk nun vielleicht eher ein Schritt zurück zu den eigenen Wurzeln und stellt gleichzeitig auch zwei Schritte nach vorne dar, da er eine gewisse Parallele zu MODGUDR zieht, den Ansatz des letzten Albums dabei konsequent weiter verfolgt und immer noch ganz eindeutig ein eigenständiges PESTHEIM Werk ist. Wer also auf gut gemachten und atmosphärisch geprägten deutschen Underground Black Metal steht, sollte sich dieses Album so bald wie möglich zulegen, denn auch wenn die Werke der Band nie sichtbar limitiert waren, so sind die Auflagen doch nie so wirklich groß. Deshalb nicht lange überlegen, sondern sich die Pro-CDr im Digipak gleich bei der Horde bestellen! Alternativ hat Wolfmond Production auch einige wenige Exemplare vorrätig...

Atmospheric German Underground One-Man Black Metal - Empfehlenswert!


Darbietungen:
01. Introduction
02. Winter Dream
03. Hymns from the Majestic Nature
04. The Spirit of Transylvania
05. The Last Chapter
06. In den Tiefen der Wälder
07. Unseren Ahnen
08. Auf des Raben Schwingen
09. Winterstille im Morgengrauen
10. Wintertraum
11. Ausklang

Laufzeit: ca. 43 Minuten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen