Mittwoch, 21. Dezember 2016

Review: Graveland - 1050 Years of Pagan Cult (CD, Heritage Recordings - 2016)

Die, ich möchte fast schon sagen, Institution GRAVELAND aus Polen meldet sich mit "1050 Years of Pagan Cult" auch wieder zurück. Nach dem mehr als durchwachsenen Album "Thunderbolt of the Gods" vor etwas mehr als drei Jahren wurde es auch Zeit, wieder etwas Boden gut zu machen. Immerhin zählt GRAVELAND, trotz aller Kontroversen zu den bedeutendsten Black Metal- wie auch Pagan Metal-Bands nicht nur Polens, sondern ganz Ost-Europas. Ob das die Gutmenschen dieser Welt nun wahr haben wollen, oder nicht - es ist nun einmal Fakt und zumindest der Einfluss der Band auf den Schwarzmetall ist unumstößlich.



Nun handelt es sich bei "1050 Years of Pagan Cult" jedoch um kein wirklich neues Album. Vielmehr stellt diese CD eine Art Best-of dar. Eine Reihe von älteren Songs, die von den ersten Werken der Band stammen ("The Celtic Winter", "Carpathian Wolves", In the Glare of Burning C.", "Following the Voice..." und "Thousand Swords") und neu interpretiert wurden. Dabei vermengt Herr Darken seinen neueren Stil des Pagan Metals mit der räudigen Wildheit und der von schwarzer Magie durchzogenen Kälte der alten Lieder, ohne deren Wurzeln zu besudeln, sondern den Stücken vielmehr neues Leben einzuhauchen. Das klappt insgesamt wirklich erstaunlich gut, und vor allem besser, als es Varg Vikernes auf seinem unsäglichen "From the Depths of Darkness" gelang, für das ihn - sein wir doch mal ehrlich - jeder Anhänger der alten BURZUM doch am liebsten lynchen würde. Ein Paradebeispiel, wie man seine eigene Musik vergewaltigen kann und alles, was sie vielleicht einmal bedeutete gnadenlos durch den Fleischwolf zieht und nochmal einen großen Haufen drauf setzt. Da hat Rob Darken doch glücklicher Weise ein feineres Gespür, was mich dann doch etwas überrascht, da ich auch schon lange kein wirklich packendes GRAVELAND-Album mehr zu hören bekommen habe... seit der "Creed of Iron" und "Memory of Destiny" schien sich der gute Mann ja auch nur noch ständig selbst zu kopieren und folgende Alben klangen dann mal mehr oder weniger austauschbar, wobei einige vereinzelte Lichtblicke erkennen ließen. Das letzte Werk, bei dem ich wirklich aufgehorcht hatte, war der Beitrag zur "Tribute to the King of Aquilonia" Split mit KREUZFEUER. Natürlich ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt und bei manchem Song darf man sich schon fragen, warum es so ein episches Gewand sein musste, doch insgesamt ist die Auswahl gut getroffen und die Umsetzung so sorgfältig erfolgt, dass sich hier keine beleidigt oder gefickt fühlen muss, der die alten Sachen schätzt.

Fazit:
Letztlich hat jeder Künstler das Recht darauf, sein Werk zu verändern und wenn er will, auch komplett umzukrempeln oder zu zerstören. Wie man das macht, hat BURZUM 2011 bewiesen. Das ging mal so völlig in die Hose, wenn es auch dort tatsächlich noch vereinzelt einen Hoffnungsschimmer gab. Von diesem Super-GAU ist "1050 Years of Pagan Cult" (warum eigentlich?) aber erfreulicher Weise weit entfernt. Rob Darken macht seine Sache gewissenhaft und weiß anscheinend, was er seiner Anhängerschaft schuldig ist. Grundsätzlich habe ich auch den Eindruck, dass seit der Veröffentlichung von "Resharpening Thousand Swords" eine alte Flamme neu entzündet wurde. Bleibt abzuwarten, wie sich das Ganze nun weiter entwickeln wird... Bestellungen gehen an Heritage Recordings in Polen, dort gibt es die CD im Mediabook/Digipak, zudem gab es eine Holzbox, die noch zusätzlich mit T-Shirt bestückt war, die ist allerdings bereits ausverkauft.

Alte GRAVELAND im zeitgemäßen Gewand. Unbedingt empfehlenswert!


Darbietungen:
01. The Night of Fullmoon
02. At the Pagan Samhain Night
03. Born for War
04. The Gates to the Kingdom of Darkness
05. Hordes of Empire
06. Thurisaz
07. For Pagan and Heretic's Blood
08. Thousand Swords
09. Black Metal War!

Laufzeit: ca. 50 Minuten

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