Freitag, 21. Oktober 2016

Review: Todessucht - Wertlos (CD, Narbentage Produktionen - 2016)

Nachdem die letzte Demo "Wenn die Hoffnung stirbt" über das Label Wolfmond veröffentlicht wurde, legte man Anfang September mit "Wertlos" die neue EP nach. Ich muss ja gestehen, dass meine Erwartungshaltungen an ein neues Werk der Band nach der "Wenn die Hoffnung stirbt" immens hoch ist, da mich die CD von Anfang bis Ende durchweg überzeugen konnte, was bei vergangenen Veröffentlichungen der Herren ja nicht immer der Fall war (wie verschiedene Reviews in den Archiven belegen... allerdings muss man dazu sagen, dass die meisten aus einer Ära stammen, in der ich einfach übersättigt war von sogenanntem DSBM, andererseits aber zugeschissen wurde mit VÖ's, sei es von Labels oder Bands)...


Aber das soll jetzt weder eine Entschuldigung sein, noch soll es hier eine gewichtige Rolle spielen. Fraglich ist ohnehin, ob ich heute anders über die alten Sachen urteilen würde. Widme ich mich also dem Jetzt. "Wertlos" präsentiert sich als schick aufgemachte CD mit 4-seitigem Beiheft, welches allerdings nur noch Portraits der Beteiligten, wie auch kurze Angaben zur Aufnahme enthält. Abgedruckte Texte gibt es daher leider keine. Enthalten sind vier Lieder, sowie der fast schon obligatorische Ein- und Ausklang. "Verloren" lässt auch gleich erkennen, dass sich der Stil von TODESSUCHT zwar nicht grundlegend gewandelt hat, doch (wahrscheinlich) aufgrund der Teilnahme der Gastmusiker einige neue Facetten bietet. Insbesondere das Gitarrenspiel von Blackout (ex-SHROUD OF DISTRESS) bringt hier einiges an Post Rock / Post Black Metal ins Geschehen, was ein wenig an die Franzosen AMESOEURS denken lässt - dieser Punkt kommt aber fast noch besser im nächsten Lied "Die Leere in mir" zum tragen. Insgesamt gibt man sich hier aber auch wieder eine Spur räudiger als auf dem letzten Werk (in "Nur ein Traum" waren ja gar Passagen zu finden, die ohne weiteres Vergleiche mit EMPYRIUM oder DORNENREICH zuließen). Der Gesang von Fäulnis lehnt sich auch wieder mehr an den etwas weinerlichen Stil an, während er mir im letzten Werk eher an alten BURZUM oder teils auch an NARGAROTH orientiert erschien. Das macht aber nichts, da sich die Stimme von Fäulnis hörbar weiterentwickelt hat, so hat er auch weitaus mehr zu bieten als heulen und jammern - er gleicht vielmehr einem befreienden Schrei, einem Klagen, was sagt: "Schau Welt, was du aus mir gemacht hast!" - um dann derselben anschließend unvermittelt ins Antlitz zu kotzen. Hier wirkt nichts mehr gekünstelt oder zu abgedroschen, sondern einfach nur verzweifelt. Die Hoffnungslosigkeit und bedrückende Tristesse ist in jedem Ton spürbar. Mit Död Tron am Bass (bekannt durch seine Beteiligung an Bands wie SERPENTS GIFT) und Kadaver am Schlagwerk ist die Besetzung dann auch vollzählig. Mit "Realitätsverlust" hat man dann gar noch ein Gitarren- und bass-orientiertes Instrumental in petto, welches zusätzlich noch Tastenklänge bietet und mit jedem weiteren Verstreichen dumpfer und leiser wird, was tatsächlich dem Effekt eines zunehmenden Ohnmachtsanfalls oder eines Realitätsverlusts nachempfunden ist (Ja, ich weiß da, wovon ich rede... - Anm.). Mit dem Titel-Song geht es weiter, der nun wirklich mal typischen DSBM bietet. Langsam, fast schon ein wenig dooming, unterlegt mit Samples und dank der Gitarre wieder mit ordentlich Post Rock-Einschlag, die im Mittelteil noch eine recht ausgiebige Solo-Passage hat. Anschließend steigert sich der Song ein wenig, was die Geschwindigkeit angeht und kommt damit zu einem guten und atmosphärischen Abschluss. Das Outro, welches ein wenig an den "Tales from the Crypt"-Soundtrack erinnert, hält dann zum Ende hin auch noch einen netten Twist bereit.

Fazit:
Jawohl. Und schon wieder haben es TODESSUCHT irgendwie geschafft, mich mit ihrem aktuellen Werk in ihren Bann zu ziehen. "Wertlos" bedarf allerdings einer intensiven Auseinandersetzung, da es doch ein wenig anders ist, als alles was man bisher von der Gruppe gehört hat. Der Post Rock / Post Black Metal ist wesentlich präsenter, vor allem in den Saiteninstrumenten. Dafür werden hauptsächlich die Gastmusiker verantwortlich zeichnen, da das Projekt "Wertlos" eine reine Internet-Geschichte ist und es daher auch keine Probe-Sessions oder sonstiges gegeben hat, da die Mitglieder in ganz Deutschland verteilt leben. Respekt also alleine für das Endergebnis, das in sich sehr stimmig und harmonisch klingt (nicht, dass es positive Energien erzeugen würde...) und nicht den Eindruck macht, einfach 'zusammengeschustert' worden zu sein. Die CD im Jewelcase ist auf 500 Stück limitiert und über Narbentage oder direkt über die Band erhältlich. Über das gleiche Label erscheint zu Halloween auch eine Kassetten-Version der EP, welche eine frühe Demo-Session enthält und um einiges rauer ausfallen dürfte, als die hier vorliegende CD-Version.

Ein mehr als gelungener Mix aus Post Rock, Post Black Metal und DSBM. Hier sei auf jeden Fall eine Kaufempfehlung für alle ausgesprochen, die sich für die genannten Genres begeistern können!


Darbietungen:
01. Einklang
02. Verloren
03. Die Leere in mir
04. Realitätsverlust
05. Wertlos
06. Ausklang

Laufzeit: ca. 28 Minuten

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