Sonntag, 18. September 2016

Review: Vike Tare - Feed The Flames (CD, Einheit Produktionen - 2016)

Es gibt schon Zufälle, die man gar nicht mehr als solche bezeichnen kann. So wurde ich in meinem Urlaub an der Nordsee auf das neue Album der friesischen Band VIKE TARE aufmerksam. Nachdem ihr Debüt nun bereits über 11 Jahre zurückliegt und ich seit ihrer Live-Kassette aus Hamburg auch so gar nichts mehr von ihnen vernommen hatte, habe ich schon fast nicht mehr mit der Friesian Horde gerechnet. Doch nun melden sich VIKE TARE mit ihrem aktuellen Auswurf "Feed The Flames" unter neuem Banner stärker denn je zurück...




Man war seit dem Live-Album jedoch keineswegs untätig: so existieren noch zwei Split-Veröffentlichungen mit INDOLENZ, bzw. mit HEIDENBLUT und SURTUR, die jüngste ist allerdings auch schon vier Jahre alt. Nach dem Wechsel vom Label Stundes des Ideals zu der Schmiede von Einheit Produktionen veröffentlichte man nun das hier vorliegende Album. Nun, was kann ich dazu sagen? Zunächst einmal werden alle Anhänger der ersten Stunden von VIKE TARE angenehm überrascht sein, dass man sich auch auf dem zweiten Album und trotz der langen Zeit, die verstrichen ist, sich selbst und seinem Stil treu geblieben ist. Das einzige was sich geändert hat, ist dass die Produktion wesentlich druckvoller und klarer ist, was dem erhabenen Pagan Black Metal-Mix aber sehr gut zu Gesicht steht. So hat "Feed The Flames" viel von der Kraft zu bieten, welche man beim Debüt doch irgendwie vermisst hat, und würde man "The Tide of Revelation" unter den jetzigen Bedingungen nochmals neu aufnehmen, würde mit Sicherheit ein mächtigeres Werk dabei heraus kommen, was wesentlich mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde, als es der Erstling der Band letztendlich wirklich tat (völlig zu Unrecht). Allein der Opener und zugleich titel-gebende Song (mit dem Untertitel "About One Who Wouldn't Obey") macht deutlich, dass es die Horde mehr denn je versteht, eine getragene stürmische Atmosphäre zu erzeugen, die genau das einfängt, was den Norden ausmacht: das Wechselspiel der Gezeiten, die Unberechenbarkeit, die Rauheit der Natur, die Unbeugsamkeit Frieslands. "Trutz, Blanke Hans!" stellt dann auch eine musikalische Ehrerbietung an die Ballade von Detlev von Liliencron dar, welche sich Rungholt-Sage beschäftigt (einfach mal im Internet nach suchen) und bis auf wenige Passagen (die wohl auch aus aus heutiger Sicht politisch inkorrekten Gründen weggelassen wurden) übernommen und wiedergegeben wird. Ansonsten ist das Treiben auf dem Album als instrumental sehr gut und vor allem melodisch zu bezeichnen. Eine kurze Passage mit Frauengesang lässt sich in dem eben genannten Lied finden. Eher technische Finesse findet man bei "Phobos Anomaly" oder "Like A Silent Hill", in welchem auch ausgiebige Keyboards ihren Einsatz finden. Solo-Passagen lassen sich eigentlich in fast jedem Song ausmachen, werden aber nicht übermäßig hingezogen und strapaziert. Mit "Die späte Rückkehr (Die Geschichte von Nis Randers)" widmet man sich erneut lokaler Lyrik. Die Ballade um Nis Randers stammt aus der Feder von Otto Ernst. Der Titel kann allerdings auch im direkten Zusammenhang mit der Band interpretiert werden. "Der Fischer" stellt dann noch eine Vertonung der gleichnamigen Ballade von Johann Wolfgang von Goethe dar. Der Mann kam zwar nicht von der Nordsee, aber thematisch passt es allemal. Hier ist zum Ende hin auch wieder ein weiblicher Part zu vernehmen. "Heimgang" stellt noch einen instrumentalen Ausklang dar.

Fazit:
Zugegeben handelt es sich bei VIKE TARE jetzt um keine Band, die ich noch großartig auf dem Schirm hatte, obwohl ich wohl einer von wenigen bin, die ihr Debüt-Album sehr schätzten. Allerdings war es auch sehr lange ruhig um die Horde aus Wilhelmshaven. Umso erfreulicher ist nun "Feed The Flames", welches im Grunde genommen alles richtig macht, was bei dem Erstling noch nicht so recht funktionierte. Ein mächtiges Pagan Black Metal Werk aus dem deutschen Untergrund, welches jede Unterstützung verdient hat. Interessenten wenden sich zwecks einer Bestellung direkt an Einheit Produktionen oder können das Album alternativ sicher auch bei dem Einzelhändler ihres Vertrauens beziehen (direkter Label- und Band-Support ist natürlich immer besser).

Wir trotzen dir, blanke Hans, Nordseeteich! Ein Album wie ein Sturm über brausender See... Meine Empfehlung!


Darbietungen:
01. Feed The Flames (About One Who Wouldn't Obey)
02. Phobos Anomaly
03. Trutz, blanke Hans!
04. Die späte Rückkehr (Die Geschichte von Nis Randers)
05. Like A Silent Hill
06. Rebirth Denied
07. Der Fischer
08. Heimgang

Laufzeit: ca. 48 Minuten

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