Montag, 19. September 2016

Review: Gebrechlichkeit - Aphorismen der Angst (CD, Human to Dust - 2016)

Das chaotische Treiben des satanischen Ein-Mann-Kommandos aus Hannover geht mit "Aphorismen der Angst" ebenfalls in eine neue Runde. Man mag es kaum glauben, aber das letzte Album "Glanz und Elend" ist tatsächlich schon vier Jahre alt. Allein-Unterhalter und Untergrund-Krieger Chaos zeichnet einmal mehr für sämtliche Instrumente wie auch für den Gesang verantwortlich. Das Interessante ist wohl, dass hier hörbar kein Drum-Computer zum Einsatz kam... und wenn, dann ist er dermaßen gut programmiert, dass es gar nicht auffällt. Dafür schon einmal ein großes Lob, da dieser Umstand gerade bei Solo-Projekten ja doch relativ selten zu finden ist...


Kurz vor meinem Urlaub hatte ich mir sogar noch einmal aus irgend einem Grund das letzte Werk "Glanz und Elend", welches nach einer Reihe von Demo- und Split-Veröffentlichungen das Debüt-Album darstellte, angehört. Finde ich bis heute nicht wirklich schlecht, auch wenn es natürlich kein Über-Werk darstellt. Was gibt es nun auf dem aktuellen Auswurf Neues? Grundsätzlich und oberflächlich auf den ersten Blick betrachtet kann man eigentlich sagen: nicht viel. Der Stil schwankt immer noch zwischen Misanthropie, eiskaltem Sadismus und abartigem Chaos. "Widerwertigkeit in Klaenge manifestiert", wie der Leitspruch auf der offiziellen Heimseite der Band lautet, passt da ziemlich gut und kann man auch getrost so stehen lassen. Auf den zweiten Blick fällt dann aber doch so einiges auf. Das Chaos ist etwas geordneter und geht bedachter zu Werke, wenn man das bei all der Räudigkeit eigentlich kaum glauben mag. Aber doch, "Aphorismen der Angst" klingt hörbar gereifter und hat in seiner Gesamtheit einfach mehr Professionalität inne, als es noch die vergangenen Werke hatten. Insgesamt sind die Lieder auch wieder länger geworden... so geht keines mehr unter fünf Minuten, jedoch auch nicht mehr als neun Minuten. Das ist aber vollkommen legitim, sind die Songs doch wesentlich eingängiger, da sie über tolle Melodieverläufe und zweckhaft gesetzte Breaks und Tempowechsel verfügen. Das wirklich Chaotische und der krankhafte Wahn kommen nur selten zum tragen wie in "Einst war ich blutleer", ansonsten streift man auch gerne mal die Grenzen zum Dark Metal ("Die Verdammten der Hybris"). Samples finden natürlich auch ihren Einsatz, meist als kurze Intro-Parts ("Sphären einer düsteren Elegie" oder "Nekromantie").

Fazit:
Ein überraschend eingängiges Werk, welches uns Chaos in Form seines Monstrums GEBRECHLICHKEIT hier präsentiert. "Aphorismen der Angst" legt das alles verschlingende Chaos und die boshafte Verderbtheit der vergangenen Werke ein Stück weit ab, um sich dem Hörer dafür ein Stück mehr öffnen zu können. Zumindest in instrumentaler Hinsicht, denn textlich gesehen hat man sich nicht lumpen lassen und bleibt seiner Linie treu. Trotzdem wird auch das zweite Album der Solo-Band nicht jeder Mann erreichen und begeistern können, was es aber wahrscheinlich auch nicht möchte. Die CD kommt im Digipak mit umfangreichem Beiheft und ist limitiert auf 1000 Exemplare. Bestellungen gehen an Human to Dust oder aber direkt an GEBRECHLICHKEIT.

Bösartiger deutscher Schwarzmetall ohne Kompromisse. Eine Anschaffung lohnt sich hier definitiv!


Darbietungen:
01. Der Kegel der Stille
02. Einst war ich blutleer
03. Sündenrausch
04. Der Hoffnung Aasfresser
05. Nyktophobie
06. Der Verdammten der Hybris
07. Grausige Melodien
08. Sphären einer düsteren Elegie
09. Nekromantie

Laufzeit: ca. 60 Minuten

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