Mittwoch, 27. Juli 2016

Review: Syndrom Einsamkeit & Morto - Split (CD, Wolfmond Production - 2016)

Hier haben wir eine relativ aktuelle Split zweier sehr psychisch labiler Depressive Black Metal Kombos. SYNDROM EINSAMKEIT aus Deutschland werden dem einen oder anderen vielleicht bereits etwas sagen, handelt es sich doch um die Band des Wolfmond-Inhabers, welche auch bereits auf einige Veröffentlichungen zurückblicken kann. MORTO aus Ecuador sind zumindest für mich ein bisher unbeschriebenes Blatt - dabei können die Herren bereits einige Splits, zwei Demos und zwei Voll-Album vorweisen. Was das Ganze nun taugt, lest ihr in folgenden Zeilen...



Das Cover sagt ja schon ungefähr aus, was man hier erwarten darf: kranken DSBM, der mit dem Konsum harter Drogen einher geht. Da kommen einem direkt PSYCHONAUT 4 oder auch alte FÄULNIS in den Sinn. Aber gut, dass dieses spezielle Sub-Genre nicht gerade von Individualismus geprägt ist, ist ja bekanntlich nichts Neues. Den Anfang der CD bilden die Deutschen, die ihren fünf Lieder umfassenden Part "Musik eine Krankheit zu verursachen" betiteln. Genau das schaffen die Herren dann auch direkt im ersten Lied: mir wird übel. "Blutdurst" wirkt dermaßen primitiv und laienhaft, dass es fast schmerzt, dieser Kakophonie zu lauschen. Hinzu kommt, dass hier wohl keinerlei Komposition stattgefunden hat, sondern einfach mal auf gut Glück etwas in die Welt gekotzt wurde. Hier passt einfach gar nichts zusammen. Etwas besser verhält es sich bei "Furcht", wo zumindest Song-Strukturen erkennbar sind. Wirklich mitreißend ist dieses Geschrammel für mich allerdings nicht. "Hässlich" erinnert mich in seiner Präsentation an die erste BERZANO-Scheibe, und mehr sag' ich dazu einfach mal nicht. "Liebe, Hass, Leid" beginnt vielversprechend, bietet gar ein sehr gute hypnotische und psychotische Sphären, allerdings ist der Gesang für meine Ohren einfach nur nervtötend und das auf Stakkato getrimmte Schlagwerk bessert die Sache leider auch nicht gerade, sondern untermauert diesen Eindruck eigentlich nur noch weiter. Mit "Angstzustand" folgt dann bereits der letzte Beitrag der Truppe. Nun heißt es erst einmal tief durchatmen...

und schon erklingt das Intro von MORTO: solider Ansatz mit der ergreifenden Klaviermusik - aber was soll diese merkwürdige Stimme darstellen? Soll das Emotionen anregen? Wenn ja, hat sie bei mir offenbar ihre Wirkung verfehlt. Es folgt mit "Dolor" ein erster wirklicher Song, der allerdings rein instrumental gehalten ist, genau wie der folgende "Pesimisimo", der sogar eine recht gute depressive Atmosphäre besitzt und in meinen Augen das erste Lied dieser Split darstellt, das man sich ohne Ohrenkrebs zu bekommen an einem Stück anhören kann. Die Grund-Melodie zum Titel "Depression" hat sich die Band irgendwo her entliehen, ich kann jetzt allerdings auch nicht mit Bestimmtheit sagen, woher genau - ich weiß nur, dass ich das definitiv schon einmal gehört habe. Auch bietet das Stück zum ersten Mal Gesang, und der ist für DSBM-Verhältnisse gar nicht einmal so schlecht, ganz im Gegenteil sogar. Wirklich Neues wird allerdings auch hier nicht geboten. Mit "Salve Ritual Morto" präsentiert man dann bereits den letzten Song, der einmal mehr instrumental gehalten ist und eine ähnlich gute Atmosphäre besitzt wie "Pesimisimo".

Fazit:
Inzwischen kann ich Wolfmond Production ja einiges abgewinnen und auch die Leute dahinter kommen sehr sympathisch rüber, aber was hier mit SYNDROM EINSAMKEIT fabriziert wurde, spottet eigentlich jeglicher Beschreibung. Klar, ich habe schon wesentlich schlechtere Bands gehört und es gibt auch kurze Augenblicke (eher ein Wimpernschlag), wo man wirklich gute Ansätze zu erkennen vermag. Das Projekt ist aus mir völlig unverständlichen Gründen ebenfalls enorm angesagt in der DSBM-Szene - vielleicht ja auch deshalb, weil sie mit dem, was sie machen einen völlig anderen Ansatz verfolgen, als das Gros der meisten, eher weinerlichen DSBM-Gruppen. MORTO sagen mir da schon eher zu, auch wenn diese ebenfalls mit Schwächen zu kämpfen haben. Das Ganze präsentiert sich aber insgesamt wesentlich eingängiger und bietet mehr Atmosphäre und Stimmung. Die Split erschien als Pro-CDr im Digipak und ist limitiert auf 50 handnummierte Exemplare. Wer eine haben will, wende sich vertrauensvoll an Wolfmond Production.

SYNDROM EINSAMKEIT ist vertonte Kotze, die sich mit Scheiße an den verschmierten weißen Wänden vermengt. Ich bin mir nicht sicher, aber ich könnte mir vorstellen, dass diese bildliche Darstellung sogar im Sinne des Erfinders war... MORTO sind als recht solide zu bezeichnen. Muss jeder selber wissen, ob das einen Kauf rechtfertigt.


Darbietungen:
Syndrom Einsamkeit
01. Blutdurst
02. Furcht
03. Hässlich
04. Liebe, Hass, Leid
05. Angstzustand
Morto
06. Intro - Imploro en el porton de la indiferencia
07. Dolor
08. Pesimisimo
09. Depression
10. Salve Ritual Morto

Laufzeit: ca. 44 Minuten

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