Samstag, 16. Juli 2016

Review-Special zu der Musik von...


ACHERONTAS gehören derzeit wohl zu einer der atmosphärischsten orthodoxen Black Metal-Bands, doch nicht jeder scheint auch ihre Wurzeln zu kennen. Die liegen in den Tiefen der hellenischen Underground-Szene der Mitt-90er, als sich 1996 die Horde WORSHIP gründete, welche sich allerdings bereits nach einem Jahr und einer aufgenommenen Demo umbenannte. Fortan war man unter dem Banner STUTTHOF unterwegs. Die Benennung nach einem Konzentrationslager kam nicht von ungefähr: zu zeigten gerade die frühen Werke eindeutige Parallelen zur griechischen, später auch zur internationalen NSBM-Szene. Die Band ließ Politik (mal abgesehen von ihrer ersten Split mit GAUNTLET'S SWORD und ihrem Debüt-Album) jedoch nie in ihr Schaffen mit einfließen. Die spätere Thematik beschäftigte sich intensiv mit Okkultismus, Vampirismus, Dämonologie, Astrologie und alten Gottheiten, sowie uralten Riten und manch mittelalterlichen Dingen. 
Die Band löste sich 2007 auf. Die Idee von STUTTHOF lebt allerdings in ACHERONTAS weiter.

Anlässlich der Wieder-Veröffentlichung der beiden Alben, die jeweils in einer edlen 2-CD-Edition daherkommen, und darüber hinaus noch allerlei Bonus-Material enthalten, wie Beiträge von Splits, rare EPs und die legendäre WORSHIP Demo, möchte ich euch hier ein neues Review-Special präsentieren (hatte ich ja auch schon länger nicht mehr). Viel Vergnügen, werte Leser!


Beginnen wir mit dem ersten Album "Towards Thy Astral Path...". Dies erschien in seiner Erstauflage 2002 über das Label Battlefield Records aus Spanien, welches sich inzwischen aufgelöst hat und hauptsächlich auch NSBM veröffentlichte (u.a. ASGEIRR aus Frankreich, WOLFNACHT und DARKTHULE aus Griechenland). Unbestreitbar hatte das Debüt von STUTTHOF auch deutliche Bezüge zum NS, was dem Ganzen wohl auch für manche einen bitteren Beigeschmack gegeben haben dürfte.



Musikalisch stellte man hier jedoch schon einmal die Gangart zukünftiger Werke klar: ursprünglichen Black Metal im Geist des griechischen Stils und einer okkulten Note. Allein das sehr atmosphärische Intro "Opus I: Blut (Blood)" weist einen unheilvollen Charakter auf und wirkt im Gegensatz zu vielen anderen Einklängen gleicher Machart nicht unnötig aufgesetzt oder langweilig, da es auch Sprechgesänge und Samples bietet. "An Ode To Thee Ancient Great Goddess" hält dann einerseits den typischen Griechenland-Black Metal bereit: rau, schnell und ziemlich Keyboard-lastig, daher auch sehr hymnisch und erhaben. Andererseits zeigt sich hier auch gleich, vor allem im zweistimmigen Gesang die Besonderheit dieser Band. Einiges wirkt hier aber doch noch etwas 'unaufgeräumt' und chaotisch. Das gilt auch für den Rest des Albums - das vorhandene Potential wird hier einfach noch nicht zur Gänze ausgeschöpft, ist aber deutlich zu erkennen und wurde dann ja letztendlich auch auf späteren Tonträgern bestätigt. Der Text zu "An Ode To Thee Ancient Great Goddess" stammt im übrigen aus der Feder von Ravenlord Wampyri Draconium (EMPIRE OF THE MOON), das Original-Artwork sowie das alte Logo wurden von Pain (GAUNTLET'S SWORD) erschaffen. Gerade die Erstauflage zeigt in der Dankesliste die Verbundenheit mit der griechischen NSBM-Szene, aber auch thematisch weist dieses Album noch deutliche Bezüge auf (Blut-und-Boden-Thematik).

Die zweite CD enthält dann noch Material von EPs, Splits und Demos. So beginnt sie mit den Beiträgen von der ersten Split "Into The White Waters Of Hellas" mit GAUNTLET'S SWORD aus dem Jahr 2001. Das Material ist hier als äußerst räudig zu bezeichnen, bietet aber auch sehr viele atmosphärische Momente, die dem Ganzen ein Flair alter KAWIR geben. Zudem finden traditionelle Instrumente ebenfalls Gebrauch bei "Pagan Rituals", wobei das auch lediglich Samples sein können. Nach dem Ausklang "Pa Vikingtog", welcher mit typischen Kriegs-Samples unterlegt ist, geht es dann auch gleich weiter mit den vier Liedern der WORSHIP-Demo "Through The Dark Age We Are Dreaming". Primitiver Black Metal, der sich dank des Midtempos aber sehr erhaben präsentiert. Auch die eingestreuten Samples sind hier sehr stimmig. Auch hier wurde schon teilweise mit zweistimmigen Gesang gearbeitet. Es folgt mit "Left Hand Path... The Art Of Sorcery" ein Lied von der "Brotherhood of Drakkonian Royal Blood" Split-CD mit LEGION OF DOOM, warum man hier nicht den einen Titel von der "Crossing the Bloodlines of Left Hand Path" (der anderen Split mit LEGION OF DOOM) verwendet hat, sondern den letzten Titel der CD, wird wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben - ich denke, dass man hier einfach etwas durcheinander geschmissen hat. Als letztes Stück erklingt dann noch "From Death Comes Life", welches vorher nur exklusiv auf der LP-Version des Albums (erschien unter dem Athener Wucher-Label Zyklon-B Productions) enthalten war.


Darbietungen:
1-01. Opus I: Blut (Blood)
1-02. An Ode To Thee Ancient Great Goddess
1-03. In The Field Of The Stars
1-04. Towards Thy Astral Path...
1-05. Opus II: Boden (Fatherland)
1-06. The Age Of Revelation
1-07. The Feast Of Everlasting Flame
1-08. Krieg Und Boden
2-01. Black Sun
2-02. Regeneration
2-03. Acherontas
2-04. Pagan Rituals
2-05. Through The Dark Age We Are Dreaming
2-06. Pa Vikingtog
2-07. Dark Endless
2-08. Through The Dark Age We Are Dreaming (Demo)
2-09. Pagan Warriors
2-10. Worship
2-11. Left Hand Path... The Art Of Sorcery
2-12. From Death Comes Life

Laufzeit: ca. 90 Minuten


"And Cosmos from Ashes to Dus..." stellte 2004 das zweite und leider auch letzte Voll-Album von STUTTHOF dar. Durch die Weiterführung der Musik in Form von ACHERONTAS war dieser Umstand dann aber doch irgendwie zu verschmerzen. Die Edition kommt im Gegensatz zu "Towards Thy Astral Path..." nicht im Digipak, bietet dafür aber ein umfangreich bebildertes Beiheft mit Liner-notes von Acherontass, in denen er auch noch einmal zum Ausdruck bringt, dass dieses Album das wichtigste und prägenste in seinem Schaffen darstellt. Texte sind, wie bei allen anderen Auflagen auch, nicht enthalten, teilweise lässt sich der Gesang aber schon gut verstehen...


...wenn nicht unbedingt auf griechisch gesungen wird, was hier auch durchaus der Fall ist. Das zweite Album von STUTTHOF hat nicht nur in meinen Augen absoluten Kult-Status und ist in Sachen okkulten Black Metal einfach als Referenz zu betrachten, ungeachtet den politisch-verstrickten Wurzeln des Projekts. Gerade der Klassiker "Wampyric Metamorphosis", der ja auch heute noch gerne als Zugabe oder als Teil des regulären Sets auf ACHERONTAS-Konzerten gespielt wird, spricht eine deutliche Sprache. Zudem enthält das Album viele atmosphärische Momente, die jedoch nie im Kitsch enden. Schon "An Invocation to those Who Have Risen", der Einklang, verkündet durch den Einsatz des unheilvollen Soundtracks zu "Die neun Pforten" (The 9th Gate), das es sich hier um ein Werk epischen Ausmaßes handeln könnte. Daraufhin beginnt das bereits angesprochene Stück "Wampyric Metmorphosis", welches gleich einen Wolkenbruch schwarzer Gedankenwelten, morbider Ideen und okkulter Riten über dem Hörer hereinbrechen lässt. "Κερασφόρος σελήνη" ("The Horned Moon") setzt diesen Stil konsequent fortsetzt und gerade durch das Zusammenspiel von Schlagzeug und Gitarre im Mittelteil eine sehr erhabene und irgendwie persönliche Stimmung einfängt, die man als geneigter Hörer dieser Musik auch nur selten erfährt. Das mit Abstand längste Stück (mehr als 20 Minuten!) folgt mit "Crossing the 9th Gate to the Kingdom of Shadows", welches mit schwermütig-unheilvollem, düsterem Gesang beginnt und sich zu einem recht eingängigen orthodoxen Black Metal-Song steigert. Mehr als episch! "Δράκων ό μέγας" ("Dagon, the Great One") bezieht sich wohl auch eher weniger auf fantastische Literatur, als viel eher auf die alte babylonische Gottheit. Der Ausklang "The Breaking of the 7th Seal" beinhaltet dann wieder einen Auszug aus dem bereits am Anfang genannten Soundtrack. Als besondere Beigabe wurde auf die CD noch das Lied "Lethe" gepackt, welches exklusiv für diese Auflage von Sagitarious (ex-HAILSTORM) komponiert wurde.

Die zweite CD enthält hier alle Beiträge von Splits und EPs, die es nicht mehr auf die Bonus-CD von "Towards Thy Astral Path..." geschafft haben. Beginnend mit "...Ancient Visitors From Ur... And The Holocaust Of Renegades" von der Split-EP mit SATANIC WARMASTER aus Finnland (im Original von Zyklon-B Productions auf 7''-Vinyl veröffentlicht), über die Beiträge der Beyond the Forest of Infernal Devastation" Split mit NEMETON und der "Crossing the Bloodlines of Left Hand Path" Split mit LEGION OF DOOM, bis hin zur EP "An Ode To Thee Ancient Great Goddess" und der letzten veröffentlichten EP der Band "For the Glory of the Knights of the Temple".


Darbietungen:
1-01. An Invocation to Those Who Have Risen
1-02. Wampyric Metamorphosis
1-03. Κερασφόρος σελήνη
1-04. Crossing the 9th Gate to the Kingdom of Shadows
1-05. Δράκων ό μέγας
1-06. The Breaking of the 7th Seal
1-07. Lethe
2-01. ...Ancient Visitors From Ur... And The Holocaust Of Renegades
2-02. The Mystery Of Unholy Flesh
2-03. Beyond The Forest Of Infernal Devastation
2-04. Battles From Beyond
2-05. An Ode To Thee Ancient Great Goddess
2-06. And Cosmos From Ashes To Dust...
2-07. From the Ashes I Have Risen
2-08. For the Glory of the Knights of the Temple, pt. I "The March"
2-09. For the Glory of the Knights of the Temple, pt. II "The Fall"

Laufzeit: ca. 97 Minuten


Fazit zu STUTTHOF im Allgemeinen:
Gut, man mag nun von dem Kult halten und den Anfängen halten, was man mag. Dass die Musik der Band einmal im politisch rechten Milieu anzusiedeln war, ist deutlich erkennbar und sollte wohl auch niemanden wirklich überraschen, der sich einmal mit der Geschichte von ACHERONTAS beschäftigt hat. Auch die diversen Splits mit eindeutigen Bands und auch die Tatsache, dass sie ihre Musik auch weiterhin über Label wie W.T.C. veröffentlichen, stellt wohl ein No-Go für viele dar. Doch allein auf die Thematik und die Musik reduziert, boten STUTTHOF spätestens mit dem Erscheinen ihres zweiten Albums "And Cosmos from Ashes to Dust" etwas sehr Spezielles, was fernab irgendwelcher irdischen Geschicke zu sehen war/ist. Ihr zweites Album war sowohl ihr Opus magnum als auch gleichzeitig ihr letztes. Letztlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er bereit ist, die Leute mit einem Kauf zu unterstützen, aber wenn man mich fragt, gehört gerade ihr zweites Album in jede ernst zunehmende Sammlung!

Hellas Black Metal at its best!

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