Dienstag, 26. Juli 2016

Review: Nifrost - Motvind (CD, Naturmacht Productions - 2016)

Aus Norwegen stammt das Quartett NIFROST, die nach zwei Demos dieser Tage ihr Debüt-Album veröffentlichten. Die CD erschien unter dem Banner der deutschen Kult-Schmiede Naturmacht Productions. Black Metal aus dem Land der legendären zweiten Welle, welche die Musik und die damit verbundene Ideologie und Lebenseinstellung grundlegend prägte. Alte Bands haben sich längst kommerzialisiert und haben teilweise auch nichts mehr mit ihren Anfängen gemeinsam - wenn sie denn überhaupt noch existieren. Wie verhält es sich nun hier?




Zunächst einmal: NIFROST ist auf jeden Fall mal eine norwegische Kapelle jüngeren Datums, welche kein Projekt alt-eingesessener Musiker darstellt. Immerhin handelt es sich hier also mitnichten um irgend ein weiteres sinnentleertes Projekt, welches aus dem Boden gestampft wurde, sondern um etwas sehr Eigenständiges. Das trifft auch auf die Musik zu, der man ihre Herkunft zwar deutlich anhört, sprich das Grundkonstrukt orientiert sich eindeutig an älteren nordischen Horden wie SATYRICON oder ENSLAVED zu ihren besten Zeiten, doch vermögen es die Herren NIFROST erfrischend eigenständig klingen zu lassen. Dies geschieht zum einen durch die recht druckvolle Produktion, die schon beinahe einen Tick zu sauber rüber kommt (ich sage 'beinahe'!), zum anderen aber auch durch die vielen verschiedenen Stile, die die Horde hier mit einfließen lässt: erhabener und hymnischer Schwarzmetall ist zwar das Fundament, auf dem "Motvind" aufbaut, doch lassen sich bei genauerer Beschäftigung mit dem Werk Einflüsse von Viking Metal, Neo-Folk, Pagan Metal, Progressive Rock und Black 'n' Roll Marke CARPATHIAN FOREST ausmachen. Dazu gesellt sich eine sehr spielfreudige Instrumentalisierung, die epische Gitarrensoli genauso zelebriert wie hymnische Chöre, Akustikparts und allgemein wunderbar ausgedehnte Klangteppiche - ohne dass diese ganze Epik irgendwie nerven oder aufgesetzt wirken würde. Geil!

Fazit:
NIFROST's "Motvind" ist ein erfrischend eigenständig klingendes schwarzes Epos geworden. Lasst euch von dem Farbenwirbel des Covers nicht täuschen... dieser Wirrwarr aus Farben führt direkt hinein in die tiefsten Abgründe. Ein Album, welches sich schwer in eine Schublade stecken lässt und stilistisch irgendwo zwischen einem Mix aus alten und neuen SATYRICON, CARPATHIAN FOREST, ENSLAVED, EMPEROR und FALKENBACH liegt. Von sämtlichen norwegischen Werken aus diesem Jahr, die ich gehört habe, stellt dieses Debüt das eindeutig interessanteste dar! Das Album wurde zunächst als digitale Version durch das Label Orkja Produksjonar aus Norwegen veröffentlicht. Naturmacht veröffentlichte die physische Version als CD im Digipak in einer Auflage von 500 Stück, welche über den Online-Shop des Labels bezogen werden kann.

NIFROST gelingt mit ihrem Debüt genau das, woran so viele andere Bands scheitern: der Spagat zwischen dem Flair alter Tage (Old School) und Moderne. True Norwegian Black Metal Art!


Darbietungen:
01. Byrdesong
02. Ufred
03. Sitring
04. Dei ville med vald
05. Marebakkjen
06. Under seks lange
07. Ve
08. Vaart land
09. Ferdamann
10. Motvind

Laufzeit: ca. 55 Minuten

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